>(J ,A?fe yy,^ )'}■ »Vi» /: /J T-y> n yy >' .KiiiresDeriCj über die Fortschritte auf dem Gesammtgebiete der Agrikultür-Cliemie. Begründet Dr. Robert Hotfmaiiii. ,,.,^, .,, NEW YORK Fortgesetzt BOTANICAL GARDEN Dr. Eduard Peters, Chemiker der agrikultur-chemisehen Versuchsstation für die I'roviuz Posen in Kuschen bei Schmiegel und Generalsekretär des landwirthschaftlichen Hauptvenins im Regierungsbezirk Poseu. Neunter Jahrgang: das Jahr 1866. Mit einem vollstäudigeu Sach- imd Namen-Register. BERLIN. Verlag von Julius Springer. 1868. Erste Abtheilung. Die Chemie des Ackerbaues. Jahregbericbt. IX. CO CO NEW YORK BOTANICAL GARDEN Der Boden. Bodenbildung". Ueber dicEntstoliung und Zusammensetzung der ueber die Marschbodenarten in Schleswig, von A. Stöckliardt.^) '"fl''^""*^ ö ' ' und Ziisam- — Das Material, aus welchem der Marsch- oder Polder- mensetzung boden am Strande der Nordsee sich gebildet hat und noch '''■" '^'"■'<=''- o bodenarten bildet, besteht aus dem Schlamme des Küstenmeeres und den in schics- Schlammmassen, welche von Elbe, Rhein, Maas, Scheide und '"^'' Eider aus thonreichen Gebieten zugeführt wurden. Die Fluth führt diesen über den Sandgrund der am Strande der Nordsee ausgebreiteten flachen „Watten", wo sich etwas davon ab- lagert und beim Zurückziehen des Wassers zur Ebbezeit zu- rückbleibt. Im Lauf der Zeit erhöht sich das Watt und be- deckt sich mit Salzpflanzen, zuerst mit Salicornia herbacea, später mit Aster tripolium, und endlich, wonn es von der ge- wöhnlichen Fluth nicht mehr erreicht wird, mit Poa maritima (Queller oder Andel), welche schon als Viehfutter benutzt wird. Süsse Gräser und Landpflanzen, zumal der weisse Klee, stel- len sich erst ein, wenn die Erhöhung 3 — 4 Fuss über die ge- wöhnliche Fluthliöhe beträgt. Ist dieser Zeitpunkt der soge- nannten Reife des „Vorlandes" eingetreten, so wird zum Eindeichen geschritten, und das Land kann nun, dafern es 22 nicht als Weide dienen soll, als pfluggängiges in Benutzung O genommen werden. Abgesehen von der Eintheilung der Marschen nach ihrem Alter, pflegt man in den schleswigschen Maiscligebietcu drei verschiedene Bodenarten zu unterscheiden, welche folgender- massen charakterisirt sind: *) Der chemische Ackersmann. 1866. S. 91. 1* 4 Bodenbildung. 1. Milder, fruchtbarer Klei-, Polder- oder Thon- boden, Thoumoorboden nach Fallou. — Ein dichter, ziemlich fester Boden von aschgrauer, auch graubrauner, in feuchtem Zustande aber schwarzgrauer Farbe. Er lässt sich zwar bröckeln, aber nicht krümeln; die Bruchstücke sind eckig, höckrig und uneben und färben nicht ab, die Schnittfläche ist matt und mager anzufühlen. Unter Wasser erweicht er lang- sam zu einem milden, schlüpfrigen und schliffigen Teig, ohne darin völlig zu zerfliessen. Mineralogisch betrachtet ist dieser Boden ein inniges Gemenge von Thon und feinem Quarzsand mit verwesten und verkohlten Pflanzentheilen. Der einzige sichtliche Gemengtheil ist der zwar nur staubartige, aber sehr reichlich eingestreute silberweisse Glimmer, von dem A. Knop annimmt, dass er in dem Boden selbst sich gebildet hat. — Von dem Plussmarschboden (Braakmoorboden) unterscheidet sich der Seemarschboden insbesondere dadurch, dass ersterer mehr zerriebenes Gestein und Eisenoxyd, Rollkörner von gla- sigem Quarz und Lehm als Bindemittel enthält. 2. Strenger, unfruclitbarer Thonboden, Stört oder Knick, Lettenboden nach Fallou. — Dieser Boden scheint ein Niederschlag von eisenschüssigem Schlamm zu sein, welchen die in den Moorgründen der Meeresniederungen ent- springenden Küstenflüsse mit sich führen. Die Hauptbestand- theile sind Thon, Quarz- und Glimmerstaub; von gröberen Gemengtheilen lassen sich, ausser weissem Quarzsand, nur Körner von gelbem, in feuchtem Zustande schwarzbraunem Thoneisenstein unterscheiden. Dieses Mineral mag überhaupt zur Bildung des Lettenbodens in den Marschen wesentlich beigetragen haben. Die Farbe des Marschlettens ist vor- herrschend aschgrau, mitunter auch bläulich, oder grünlich- grau, dabei aber braun gefleckt oder marmorartig von rost- braunen Adern durchzogen, im feuchten Zustande dunkler. Das Gefüge ist bündig, und zwar sehr fest, dicht, zuweilen höhlig und Abdrücke von Schilf, Binsen etc. zeigend. In feuchtem Zustande ist der Boden schlifßg, zähe und klebrig und bleibt es selbst unter Wasser, beim Austrocknen wird er fest wie Stein. In Folge dieser üblen Eigenschaften ist der Knick kein bauwürdiger Ackerboden und wird als Untergrund dem besten Boden nachtheilig. Bodenbild img. 5 3. HöcbKst fruchtbare, zur Erneuerung oder Dün- gung der Ackerkrume zu verwendende Bodenarten, Klei-, Wülil-, Mergel- oder Duugerd e, nach Fallou Kalkmoorboden. — Diese verschiedenen Erdarten liegen regelmässig in der angegebenen Reihenfolge unter einander, sie brausen mit Salzsäure auf, wodurch sie sich von dem Klei und Stört unterscheiden. In den Marschgegenden treten diese Schichten nur selten zu Tage (wie z. B. im Jeverlande), ge- wöhnlich sind sie mit Stört und Kleibodcn überlagert, dem sie in ihrem Aeussern wie in dem Gehalt an Glimmerblättchen gleichen. Die Farbe ist meistens grau oder bräunlich, das Gefüge bündig und ziemlich fest, das Gemenge gleichartig und dicht. Unter Wasser zerfallen sie, doch ohne zu zerfliessen, und verwandeln sich in einen klebrigen, flockigen Schlamm, welcher sich beim Eintrocknen zu einer kompakten, harten Masse zusammenzieht. Die Bodenarten sind jedenfalls in sumpfigen Flussniederungen oder Brüchen mit kalkhaltigen Quellen, oder in der Nähe von Flüssen mit kalkhaltigem Wasser entstanden. ' Der Magdeburger Rübenboden und der Kujawische Weizenboden sind solcher Boden, der oberflächlich zu Tage liegt. lieber die chemische Zusammensetzung dieser verschiede- nen Bodenarten geben die nachstehenden Untersuchungen Aus- kunft. Die Untersuchungsobjekte stammen sämmtlich aus der Eiderstedter Marschregion; zur Yergleichung sind die Ergebnisse einiger gleichartigen Erden aus Oldenburg mit auf- geführt. Die erste Reilie von Untersuchungen betraf mehrere Sorten von Kleierde, über welche Folgendes vorauszuschicken ist: 1. Kleierde aus dem Inmarkenlande, der ältesten, an den Geestrücken (Diluvium) grenzenden Marsch, findet sich nur in Prielen, welche vor der ersten Eindeichung jedenfalls in gleicher Weise hinaufgingen, wie man sie jetzt noch zwischen den nicht eingedeichten Vorland ereien findet. Dieser Klei ist, weil er damals vom Meere aus am weitesten ins Land hinein- getrieben wurde, der leichteste und fetteste und zum Düngen sehr geschätzt. 2. Kleierde aus dem Kleilande an den Gron::en des I um ar kl an des. Sie bildet in diesem Distrikt in einer 6 Bodenbildung. Tiefe von 3 — 4 Fuss die unterste Lage über dem Sandgrunde. Ihi-e Wirkung ist immer gut, besonders für Körnerfrüchte, zu grosse Mengen wirken zuweilen schädlicli. Sehr bindende und nasse Böden werden durcli diese Erde merklich trockener und lockerer. o. Vorzügliche Kl ei er de aus mildem Kl ei lande. Bildet eine 4 Fuss mächtige Lage über dem Sandgrunde, 3 bis 4 Fuss unter der Oberfläche. Die beste Sorte des Eiderstedter Distrikts. 4. Geringere Kleierde aus schlechtem Kleilande. Bildet eine 3 Fuss mächtige Schicht über dem Sandgrunde, 4 — 5 Fuss unter der Oberfläche. Wird zwar nur zu den mittel- raässigen Sorten gerechnet, wirkt aber doch bei schwerem Thonboden wesentlich und dauernd verbessernd. 5. Kleierde aus dem Koogslande, der jüngsten Marsch. Ist gleichfalls 4 Fuss mächtig, und in einer Tiefe von 3 — -4 Fuss, in den oberen Lagen braun, in den unteren blau, mürbe und zerrciblich. Geringhaltiger als die Kleierden des Inmark- und Kleilandes und kaum benutzt, da das Kleien auf den Koogsländereien erfahrungsmässig wenig Nutzen, auf leichten Ländereien vielmehr Schaden bringt. Die von Herrn Junghähnel ausgeführten Analysen er- gaben folgende Resultate: (Siehe Tabelle Seite 7.) Die vom Meere entfernteren Ablagerungen stellten einen feinen, thonigen, bündigen, stark wasserhaltenden Schlamm, die dem Meei-e näher gelegenen eiijen weniger feinen, bündi- gen und wasserhaltendcn sandig thonigen Schlamm dar. Der Kalkgehalt schwankt zwischen 1,4 bis 5,4 Proz., entsprechend 2,5 bis 10 Proz. kohlensaurem Kalk; theils war derselbe in sehr fein zerthciltcr Form, theils in der Form von kleineren und grösseren Muscheln vorhanden. Der Magnesiagehalt war bei allen Erden gering, doch nicht ganz konstant Der Ilnmus- gehalt betrug zwisclicn 2 bis 9 Proz., der Humus war auf's feinste zertheilt. Der Gehalt an Phosphorsäure schwankte zwischen 0,2 bis 0,3 I'roz., war also in allen Fällen bedeutend. — Auf eine mittlere Kleinng oder Mei-gelung berechnen sich pro Morgen etwa 200 Zentner kohlensaurer Kalk, 160 Zentner stickstoflVeicher Humus und 5 Zentner Phosphorsäure, welche mit der Kleierde dem Boden zugeführt werden. Bodenbildimg. Kulk- erde. May- I Phosphor- Organische Wasserlial- nesia. säure. Substanz, tciide Kraft. Pro-/.. I Pro/.. 1. Klcicrdc aus dem In- m a r k 1 a n d e , sehr feine, gleich- artige, nass seifige Masse .... 2. Kleierde aus dem Klcilande, von der Grenze des Inmarklandes, gleichartig, sehr kompakt. Obere Hälfte Untere Hälfte 3. Kleierde, vorzügliche, aus mildem Kleilande, ziem- lich gleichartig. Obere Hälfte Untere Hälfte 4. Kleierde, geringere, aus schwerstem Kleilande, wie vorige, aber mürbe. Obere Hälfte Untere Hälfte 5. Kleierde aus dem Koogslaude, leicht zerreib- lich, mürbe. Obere Hälfte, bräunlich . Untere Hälfte, bläulich . . Oldenburgische Kiel- er den. Wühlerde aus der Marsch von Bottens Kleierde aus dem Moor von Brake 4,23 5,21 3,05 5,40 5,12 1,40 2,99 3,69 3,79 4,47 2,85 0,090 0,24(3 0,1G2 0,223 0,081 0,266 0,136 0,130 0,030 0,022 0,180 0,185 0,350 0,290 0,271 0,305 0,235 0,220 0,246 0,213 0,110 0,228 6,64 6,52 8,92 2,12 3,20 3,52 4,40 7,20 87,1 83,9 71,4 60,0 52,0 51,6 55,4 55,5 58,5 65,7 92,8 Die kalkreichen Kleischichten bilden hiernach in der Eiderstedter Marsch immer die erste, älteste Ablagerung auf dem Sandgrunde, die oberen, jüngsten Schichten — die Ackerkrume und der darunter liegende Stört oder Knick — sind dagegen kalkarm. Die Pechtorf- oder Dargschicht der holländischen und ostfriesischen Marschen fehlt hier. F o r ch h a m m e r hat ein ähnliches Verhalten bezüglich des Kalkgehalts auch bei dem im Geestlande Holsteins und Schleswigs vorkommenden Geschiebethon beob- achtet und er nimmt an, dass ursprünglich die obere von der unteren Schicht nicht veri5chicden war, aber durch eine von der Oberfläche aus- gehende Auslaugung, die er theils dem Meerwasser, theils dem Regen- wasser unter ßeihülfe der durch die Verwesung der organischen Substan- zen gebildeten Kohlensäure zuschreibt, ihres Kalkgehalts thcilweise beraubt ist. Reiner kohlensaurer Kalk bewirkt keine Zersetzung im Meerwasser, ist derselbe aber mit Thou gemengt, so werden die Magnesiasalzc des Meerwassers zersezt, der Kalk des Thons wird aufgelöst und die Magnesia des Wassers theilweisc als kieselsaure Magnesia in Verbindung mit der kieselsauren Thonerde des Thons niedergeschlagen. Stückhardt führt als Beleg für die Fortführung des Kalks durch das Regenwasscr die 8 Bodenbildung. Analyse eines Verwitterungsbodens von Glimmerkalk vom Gamsgarkogl bei Gastein an, welcber enthielt: kohlensauren Kalk: kohlensaure Magnesia; 0,69 Proz. 0,55 Proz. Der unverwitterte Kalk- glimmerschiefer enthielt . . 34,35 - 0,76 Die Magnesia scheint hiernach durch Wasser nur wenig ausgelaugt zu werden. Die nachstehenden Analysen betreffen Marschboden- arten aus dem Eiderstedter Distrikt, sie sind in der Tabelle derartig nach ihrem Alter geordnet, dass die jüngste und letzte Eindeichung vorangestellt ist. 1. Inmarkenland. Das älteste Marschland, welches zu- nächst an dem Geestrücken liegt, der mit Unterbrechungen mitten durch die Landschaft geht. Er wird als der Urboden anzusehen sein, an welchen nach und nach aller andere ange- schwemmt worden ist. Die Ackerkrume ist roth und krümlich, Oj'Jo bis 0,5 Fuss dick, darunter liegt überaus zäher und fester, theils bläulich, theils röthlichgrauer Stört, B bis 4 Fuss tief, dann Sand. Der Boden ist im Winter zu nass, im Sommer zu trocken. Neuerdings ist er durch Kleierde sehr verbessert und trägt gutes Getreide, während Gräser nie so gut darauf wachsen, als auf dem Kleiboden. 2. Kleiland. Der an das Inmarkenland grenzende, vor Jahrhunderten dem Meere abgewonnene Boden. Die Acker- krume ist grauschwarz, bindig und zähe, 0,5 bis 1 Fuss dick, worauf ein weniger harter Stört und endlich Kleierde folgen. Dieser Boden besitzt eine grosse natürliche Fruchtbarkeit und ist der vorzüglichste zu Fettgräsern, liält sich jedoch oft zu nass. Durch Kleien wird er trockner und lockerer und liefert dann besonders reiche Körnerträge, zu grosse Mengen von Kleierde wirken nachtheilig. 3. Koogsland. Die später eingedeichten jüngeren, dem Meere näher liegenden Ländereien, mit fast schwarzer, leicht zu bearbeitender Ackerkrume, unter welcher ein wenig kom- pakter, lehmiger, bräunlicher Untergrund und unter diesem Kleicrde folgt. Trotz des durchlassenden Untergrundes lei- den diese Ländereien im Frühjahre wegen des zu nahen Grund- wassers an Nässe; sie liefern ausgezeichnete Getreideernten Bodenbildung. 9 dagegen nicht so gute Pettweiden wie das Klciland und er- schöpfen sich leichter als dieses. Ihrer äussern Boschail'enhcit nach gehören sämmtliche Erden wegen der feinen Zerkleinerung ilirer Geniengtiicile und des reichen Gehaltes an Thon zu den sehr schweren , bündigen Bodenarten. Sie sind zu stauender Nässe um so mehr geneigt, da der Störtuntergrund einen noch kompakteren, meistens zu- gleich an Kalk und Humus ärmeren Tlion, resp. Eisentiion darstellt. Die jüngsten Marschen der Kooge sind meistens sandreicher und daher lockerer. Die Ländereieu in Eiderstedt werden grösstentbeils als Fettweide benutzt, manche Strecken liegen seit 100 Jaliven und länger in Weide, die jedoch gedüngt wird, anderswo wird das Weideland von Zeit zu Zeit um- gebrochen. Die Erträge von gutem Marschboden betrugen durchschnittlich per preussischen Morgen gegen 1000 Pfund Raps , 2100 Pfund Weizen, 1800 Pfund Bohnen, 3400 Pfund Hafer. Nach der folgenden auf Seite 10 angegebenen Tabelle erscheinen die Ackerkrumen der untersuchten Erden ver- hältnissmäsig arm an Kalk und Magnesia, dagegen reich an Phosphorsäure (und nach anderen Untersuchungen auch an Kali). Die schwersten Marschen des Inmarken- und Klei- landes insbesondere sind in der Ackerkrume und im Unter- grunde so kalkarm, dass sie sauer reagiren. Der Humusgehalt beträgt in der Ackerkrume der älteren Marschen 4,4 bis 5,7 Proz., bei der guten Kleierde, 6,5 bis über 8 Proz., im Stört nur gegen 2 Proz., in der jüngeren Marsch der Kooge und deren Unterlage nur etwas über 3 Proz. Der Kalkgehalt der Erden nimmt mit ihrem Alter ab, auch bei den Oldenburger Erden wiederholt sich diese Erscheinung. Nach Forchhammer ist der Marschboden keine ursprüngliche Thon- bilduDg wie der Geschiebethon der Geest, sondern ein aus früheren Bil- dungen ausgewaschener Thon. Beiträge zu demselben haben geliefert die im Stromgebiete der Weser, Elbe und Eider zerstörten Thonlager, die ausgeschlämmten Massen von Geschiebethon des schleswig-holsteinischen Küstenlandes, das zerstörte Mergelgestein der Trias von Helgoland und endlich, welches die Hauptsache ist, die zerstörten Lager des glimmerrei- chen Braunkohlenthons. Dem letzten Material hat der Marschthon seine unzähligen weissen Glimmerblättchen zu danken, und seiner langen Bewe- gung in einem mit organischen Wesen erfüllten Meere verdankt er einen Theil seiner dem Meerwasser entzogenen unorganischen Stoffe, namentlich einen Theil der Phosphorsäurc und des Kalis, wie seinen Humusgehalt. Der Kalk rührt von den zerstörten Gesteinen der Kreideformatiou her, und 10 Bodeubiklung. Ergebnisse der Untersuchungen: Kalk- Mag- Phos- Orga- nische Wasser. Bodenart. erde. nesia. phor- saure. Sub- stanz. haltende Kraft. Reaction. I'roz. Proz. Proz. Proz. Proz. 1. Ackerkrume von un- gekleitem Inmarklande . 0,42 0,072 0,159 5,68 62,2 sauer. Untergrund desselben (Stört) 0,21 0,025 0,277 52,2 sauer. Kleierde aus den Prie- t/-jj len desselben 4,23 0,090 0,246 8,83 87,1 basisch. Grasland von ungeklei- tem Inmarklande . . 0,39 0,108 0,159 8,42 53,6 sehr sauer. 2. Ackerkrume v. schwer- stem Ivleilande (unge- kleit) 0,39 0,054 0,319 4,40 59,8 sauer. Untergrund desselben (strengster Stört) . . 0,3G 0,045 0,415 — 65,0 sauer. Kleierde (geringere) aus demselben 2,20 0,025 0,227 2,12 53,5 l)asisch. Gekielte Ackerkrume einer anderen Flur . 2,80 0,198 0,319 5,48 73,7 basisch. 3. Ackerkrume von mil- dem Kleilande ( unge- kleit) 0,59 0,162 0,315 5,70 51,7 schwach bas. Untergrund desselben (milder Stört) .... 0,87 0,170 0,260 — 49,2 basisch. Kleicrde (vorzügliche) aus demselben .... 5,26 0,133 0,288 8,92 56,1 basisch. 4. Ackerkrume von un- gekleitem Koogslande . 0,58 0,020 0,191 3,60 55,3 schwach bas. Untergrund, desselben . 1,65 0,156 0,220 — 54,0 basisch. Kleierde aus demselben 3,74 0,182 0,230 3,36 57,1 basisch. (jrrasland von ungeklei- tem Koogslande . . . 0,64 0,090 0,255 8,32 63,6 sauer. f). Ackerkrume v. Olden- burg aus d. alten Marsch (Jeverland) 0,23 0,033 0,063 9,7 79,4 sauer. Untergrund desselben . 1,06 0,144 0,127 5,0 60,2 basisch. Kleierde aus demselben 4,47 0,350 0,110 4,4 65,7 basisch. G. Ackerkrume v. Olden- burg aus d. neuen Marsch (Jeverland) 3,6 0,250 0,095 6,8 68,0 basisch. Untergrund desselben . 3,6 0,070 0,110 6,8 78,0 basisch. nur in den jüngsten Bildungen spielen die Ueberreste der Muscheln des jetzigen Meeres oder der Landseen unserer Periode eine Rolle. — Nach Ehren b er g*) sind bekanntlich die Kalkpanzerinfusoricn bei der Ab- scheidung des Kalks aus dem Meerwasser wesentlich mitwirkend; er fand, dass derartige Infusorienpanzer den zwanzigsten Theil einer von ihm un- *) Poggendorff's Annalen Bd. 47. S. 502. Bodenbildung. 11 tersucliten Kloierde ausmacbten. Wenn man berücksichtigt, dass nach den Ansichten vieler Geologen viele, wahrscheinlich alle, enropäischcn Kreide- felsen ans mikroskopischen, dem blossen Auge meist ganz unsichtbaren, schneckonartigen Koralleulhierchen mit Kalkscbalen und aus anderen mit Kicselschalcn bestehen, so ist nicht zu bezweifeln, dass bei der Abschei- dung des Kalks in den Maischerdcn die organische Thätigkeit dieser Thierchen eine erhebliche Mitwirkung ausgeübt hat. Ueber den Erdboden der niederländischen Mar-^ebcrden T-«r -rt i"\ T-w- iiT Erdboden sehen, von J. M. van liemmelen '•"). — Die nachstehenden der nieder- Untersuchungen niederländischer Bodenarten sind insofern be- '-''»lischen . ^ . . ^-^ . . •^T^l Maischen. sonders interessant, als sie eine Vergleichung mit den Ergeb- nissen der vorstehenden Arbeit von A. Stöckhardt erlauben. Das Bildungsmaterial der niederländischen Thonböden ist gleich- falls Meeresthon, d. h. Thon, der im ehemaligen Meeresbecken aus den Flüssen unter dem Einflüsse von Ebbe und Fluth ab- gesetzt ist. Dieser Meeresthon ist mehr oder weniger fett, von egal lichtgrauer Farbe und enthält im frischen Zustande viel lösliche Salze und organische üeberreste. Die oberste Schicht ist am tlionreichsten, und der Sandgehalt nimmt allmählich in der Tiefe zu, die unterste Schicht der ganzen Bildung ist Meeressand. Auch die Grösse der einzelnen Sandkörner nimmt nach unten zu. Der Thon enthält kohlensauren Kalk. Durch das Mikroskop lassen sich darin immer Diatomeen, die Kiesel- überreste von Sporangien und Akalephen und einzelne Fora- rainiferen erkennen. Der Meeressand enthält Stücke von Muschelschalen. — Dieser Boden wird noch jetzt gebildet, z. B. im Dollardbusen, und jedes Jahr wächst der neugebildete Boden, K weider (Queller) genannt, einige Meter au Breite und zugleich an Dicke, wo er sich noch nicht aus dem Meere erhoben hat. Wenn die Schicht 2 bis 3 Meter mäclitig ist, so ist der Boden von ausgezeichneter Fruchtbarkeit. Er wird von Zeit zu Zeit eingepoldert (eingedeicht) und bekommt nach- her keinen Zuwachs mehr aus dem Meerwasser, sondern ver- liert im Gegentheile jährlich an Bestandtheilen durch das ab- gelassene Regenwasser und die Bebauung. Auf einem neuen Dollardpolder werden wohl hundert Jahre Oelsaat, Hafer, Bohnen und Gerste ohne Dünger gebaut. Das Stroh und der Dünger werden sämmtlich verkauft. Die Benutzung als Weide ist nicht *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 8. S. 255. 12 Bodenbildung. üblich, nur etwas Klee wird gebaut. Die Ernten betragen in guten Jahren durchschnittlich auf den preussischen Morgen umgerechnet: Bohnen . . 1050 Pfund = circa 12 Scheffel, Raps . . . 1050 - = - 14 Wintergerste .1660 - ^-- - 26 Hafer . . . 1670 - = - 33 Diese Ertrage sind beträchtlich geringer, als die für den schleswig- schen Marschboden angegebeneu , in Schleswig wird jedoch der Boden schonender behandelt und gedüngt. 1. Im Dollardbusen sind seit dem Jahre 1545 sieben verschiedene Eindeichungen ausgeführt worden. Von 1200 bis 1500 wurde der clte Torfboden im nordöstlichen Theile der Provinz Groningen durch das eindringende Meereswasser fort= gerissen. Aber bald wurde der verloren gegangene Boden durch Thonablageruugen ersetzt. Die Dicke der Thonschicht beträgt 0,5 bis 3,5 Meter, sie ist in den ältesten Eindeichungen am dünnsten. — Der Verfasser hat Proben dieser verschie- denen Eindeichungen (Dollardthon) untersuclit und darin durch Behandlung mit Königswasser in 100 Theilen folgende Bestandtheile ermittelt: Neuer Nach 40 bis Nach 200 bis Boden. 200 Jahren. 300 Jahren, Kalk 6,5 5,5 —1,5 1 Magnesia . . . 1,66 1,5 —1,3 1,3-1,2 Kali 1,1 1,0 1,0—0,9 Natron .... 1,1 0,23—0,1 0,1 Thonerde . . 4,5—5,0 4,5 —5,0 4,5-5,0 Eisenoxyd . . 4,5 5,0 -6,0 5,0-6,0 Kohlensäure . 4,8 3,8 —0,8 Schwefelsäure. 1,0 0,36-0,02 0,2 Chlor . . . . . 0,73 0,08-0,02 0,2 Phosphorsäure 0,26 0,2 0,2 Humus .... 12,0 6 -10 6 —10 Ausserdem enthalten die Bodenarten an unlöslichen Be- standtheilen 46 bis 50 Proz. Thon und 14 bis 30 Proz. Sand. Der Kalk ist fast ganz in verdünnter Säure löslich und bis auf etwa 1 Proz. an Kohlensäure gebunden, die Magnesia ist grösstentheils als Silikat vorhanden, ebenso Natron, Thonerde und Eisenoxyd, von dem Kali findet sich nur in den jüngeren Bildungen ein kleiner Thcil an Säuren gebunden. Die äqui- valente Menge der Basen Kali, Natron, Magnesia, Kalk, die Bodenbildnng. 13 nicht an Kohlcnsä'irc, Scluvefelsäiirc und Chlor gebunden sind, ist ungefähr bei nllen Ei-den gleich. 2. Roodorn und Knick. — In der Mitte der Provinz Groningen finden nieh Thonarten, die älter sind, als der vorher erwähnte Dollardthon. Die obere Schicht, oder, wo sie nur wenige Fuss dick ist, die ganze Ablagerung dieses alten Mceres- thones ist viel weniger fruchtbar, als der Dollardthon. iSie ist seit Jahrhunderten dem Einflüsse des Regenwassers, der Be- bauung und einer niedrigen feuchten Loge unterworfen gewesen. In früheren Zeiten konnte dies niedrige Land nur als Heuland benutzt werden, im Winter stand es unter Wasser und pro- duzirte meistens nur Binsen und schlechte Gräser. Jetzt ist es entwässert. Die obere Schicht nennt man Roodoorn, sie ist durch fein zertheiltes Eisenoxyd röthlich gefärbt, sehr bündig und undurchlässig, dabei reich an Humusstoflen. Eine Probe von einem Acker in feuchter Lage zeigte nachstehende prozentische Zusammensetzung: In verdünnter Nacher noch in Königs- Salpetersäure löslich: Wasser löslich: Kalk 0,13 0,11 Magnesia 0,094 0,76 Kali 0,064 0,76 Natron 0,061 0,13 Thonerde ( , 4,20*) Eisouoxyd \ ^'^^ 4,90 Sc-hwefelsäure . . . 0,022 0,15 Chlor 0,022 (0,011) — Phosjihorsäurc . . . 0,028 0,13 Humus 16,09 — Thon und lösliche Kieselsäure .... 49,20 — Sand 22,86 — Feuchtigkeit .... 6,24 — Der Boden reagirte schwach sauer, er gab an Wasser HumusstofFe und kohlensaures Eisenoxydul ab, dagegen wenig lösliche Salze. Charakteristisch ist, dass sowohl Schwefel- säure als Pliosphorsäure in schwer löslichen A^'erbindungen vorhanden sind. — Durch die Trockenlegung nimmt der Hu- musgehalt und die saure BeschatTenheit ab. *) Im Ganzen. o . 14 Bodenbildung. Der Knick findet sich fast überall in der Provinz Gro- ningen, wo alter schwerer Thonboden vorkommt, unter der Ackerkrume in einer Mächtigkeit von 0,2 bis 0,4 Meter, also unter dem Roodooru. Bisweilen nennt man jedoch in den niedrigen alten Wiesengegenden die ganze obere Thonschicht Knickboden. Der Knick ist sehr bündig, schliffig und zähe, getrocknet sehr hart und schwer zu zerbröckeln, für Wasser fast undurchlässig. Er enthält viel Eisenoxyd (Ocker oder Raseneisenstein), rothbraune Adern und Flecken von Eisen- oxyd, zuweilen auch Konkretionen von Thoneiscnsteiu. Im Allgemeinen ist zwar der Eisenoxydgehalt nicht viel höher als in gutem Marschboden, im Knick ist das Eisenoxyd aber ausge- schieden und daher sichtbar, während es in dem grauen Dollard- thon mehr in Silikaten gebunden ist. In einem Knick von Nieuwenklooster fand van Bemmelen 4,8 Proz, Eisenoxyd, im Dollardthon 5 bis 6 Proz. Der Knick enthält nicht viel Humusthcile — 5,5 Proz. — , er rcagirt nicht sauer, ist arm an löslichen Salzen und enthält keinen kohlensauren Kalk. Durch verdünnte Salpetersäure wurde ausgezogen: Kalk 0,28 Magnesia . . . 0,25 Kali 0,11 Natron .... 0,05 Kohlensäure . 0,005 Schwefelsäure 0,07 Chlor 0,015 Phosphorsäure 0,072 3. Die tieferen Schichten in den ulten Marschen. — Unter dem Knick liegt in den alten Marschen in der Nähe des Diluviums oft Darg oder Morasttorf, oft aber ist die Thonschicht dicker und der Darg befindet sich viele Fuss tiefer. Weiter vom Diluvium ab (dem Meere näher) endigt die Thonschicht in Mccressaud mit Musclicln. Darunter findet man gewöhnlich eine zweite Dargschicht. Bei grösserer Mäch- tigkeit der Thonschicht von 1 bis 3 Metern oder mehr ver- schwinden die rbthen Adern und Streifen des Knicks allmäh- lich, der Thon wird sanfter, lockerer und bekommt eine licht- graue Farbe. Der Kalkgehalt vergrössert sich, und wenn er BodenbilduDg. 15 auf 1 Proz. gestiegen ist, erscheint der kohlensaure Kalk, ge- wöhnlich in 0,75 bis 1 Meter Tiefe. Dieser kalkreichc Thon wird Wühl erde (Escher) genannt und zum Kleien benutzt. In der Nähe des Diluviums in Groningen unter und zwischen Dargschichten lindet sich eine noch mehr geschätzte gipsreiche Wühlerde. Sie ist frisch ausgegraben schwarz oder blaugrau, getrocknet lichtgrau, enthält unverwestc organische Stoffe, viele Meerdiatomeen, kleine Pyritkörperchen, in den Diatomeen- panzeru und Pflanzengeweben eingeschlossen, viel Schwefel- säure an Kalk und Magnesia gebunden, viel Chlornatrium, viel kohlensauren Kalk, stellenweise Vivianit und einzelne Muscheln. Eine derartige Erde von Schildwoldc ergab an in Königswasser löslichen Bestandtheilen: Kalk 7,40, davon in verdünnter Salpetersäure luslicli 7,28 Magnesia 1,47 0,983 Kali 0,63 0,230 Natron 0,35 0,260 Eisenoxyd 4,20 Thonerdc 4,80 Schwefeleiseu . . . 2,28 Schwefelsäure . . . 1,30 1,30 Kohlensäure .... 5,67 5,67 Chlor 0,16 . 0,16 Phosphorsäure . . . 0,18 0,125 Lösliche Kieselsäure 1,00 Thon und Sand . . 66,26 Glühverlust 4,30 Eine ähnliche Zusamnionsetzung zeigten mehrere andere Proben, deren Kalkgehalt zwischen 5,2 bis ',»,2 Proz. schwankte. Diese Erde ist überaus fruchtbar und wird viel zur Melioration der oberen Roodooru-, Knick- oder Dargschichten benutzt. Stellenweise findet sich zwischen dieser fruchtbaren Erde eine saure gipsh altige Wühl erde, die auch Gifterde, Bettelerde oder Maibold genannt wird. Sic besitzt eine schmutzig graue Farbe, hohen Gehalt an halb verwesten Binsen- und Schilftheilen und an löslichen Eisenverbindungen. Ge- trocknet zeigt sie weisse oder lichtgelbe, grüngelbe Stellen, feine Nadeln oder einen weissen Belag von Gips. Van Bem- melen fand in einer Probe 1,80 Proz. Kalk und 0,90 Proz. Magnesia bei 5,7 Proz. Schwefelsäure, also ist viel Schwefel- säure an Eisen oder Thonerdc gebunden oder theilweise frei. 16 Bodenbildung. Diese Erde ist gänzlich unfruchtbar und nur durch üeberschütten mit besserem Boden oder durch Kalken zu verbessern. Die Verwitterung allein ^virkt nicht, da immer basisch schwefel- saure Salze zurückbleiben. Es kommt auch noch eine andere Art von unfruchtbarer Pulvererde vor, die zwar keine löslichen Eisensalze, aber wahrscheinlich basisch schwefelsaure Thon- erde enthält. Die Entstehung dieser gipshaltigen Pulvererden erklärt van Bemmelcn dadurch, dass bei der Verwesung der organischen Substanzen das Eisenoxyu und die schwefelsauren Salze, welche der im Meerwasser abgelagerte Thon aus dem Was- ser aufnahm, dcsoxydirt und später das gebildete Schwefeleisen wieder oxydirt worden ist. Das dadurch entstandene schwefel- saure Eisenoxydul setzte sich mit dem kohlensauren Kalk um zu schwefelsaurem Kalk und kohlensaurem Eisenoxydul, welches letztere mit einer neuen Menge Gips aus dem Meereswasser bei der Fäulniss wieder Schwefeleisen und koldensauren Kalk geben musste. Da dieser Vorgang sich fortwährend erneuerte, so häufte sich eine grössere Menge von Gips im Boden an. Mit der allmählichen Erhebung des Bodens nahm der Pflanzen- wuchs auf demselben zu, eine Zeit lang dauerte zwar die Ab- lagerung von Thonschlamm zwischen den Wasserpflanzen noch fort, wurde aber mehr und mehr durch den Pflanzenwuchs gehemmt. Die letzte abgelagerte Thonschicht wurde also mit Pflanzenüberresten gemischt und am P]ndc durch eine Moor- schicht bedeckt. Wie später das Wasser den Boden nicht mehr bedeckte, war kein kohlensaurer Kalk mehr zur Zersetzung des schwefelsauren Eisenoxyduls vorhanden, wohl aber konnten jetzt Hiimussäuren es zersetzen, wodurch freie Schwefelsäure und hiimussaures Eisenoxydul gebildet wurden. Die freie Schwefelsäure brachte Thonerde in Lösung. Und auf diese Weise findet man in demjenigen Boden, wo der ganze Vor- gang am stärksten stattgefunden hat, schwefelsaures Eisenoxydul, schwefelsaure Thonerde, viel Gips und Bittersalz. In dem vom Boden abflicsseuden Wasser bildete sich ein Absatz von basisch schwefelsaurem Eisenoxyd, durch Oxydation an der Luft bewirkt. In der tieferen Schicht wurde das durchsickernde schwefelsaure Eisenoxydul durcii kohlensauren Kalk zersetzt, daher findet man viel Eisenoxydabsatz in der sauren Erde. An anderen Orten, wo die Bildung von Schwefeleisen und die Bodnibildimg. 17 Auswaschung von kühlcnsaurcm Kalk nicht so weit vorge- schritten ist, lindct mau viel ausgeschiedenes Eisenoxyd und noch einen kleinen Gehalt an kohlensaurem Kalk. Die be- schriebene Bildung konnte also nur in etwas abgeschlossenen Meerbusen vor sich gehen, in denen die dazu unumgänglich nothwendige Moorbildung im letzten Stadium der Schlamm- ablagerung stattfinden konnte. 4. Zavclthon. — Den leichteren Marschboden oder sandreichen Mceresthon, welcher in den Alluvien der Nieder- lande vorkommt, nennt man Zavclthon. Er ist als ein Uebergang vom schweren Thonboden zum Meeressande zu betrachten. Seine Bildung fand in offenen Meerbusen statt, wo das Wasser weniger zur Ruhe kommt. Die obere Schicht ist Thon mit viel Sand und enthält kohlensauren Kalk und viel Muscheln; sie ist 1 bis 6 Dezimeter mächtig, wird nach unten immer sandreichcr und geht zuletzt in Mecressand über. Der Boden ist fruchtbar, von lichter Farbe, locker, ohne Knick- bildung und durchlässig, verhältnissmässig arm an löslichen Salzen und Humus. Er findet sich in der Provinz Zecland allgemein, wie auch im nördlichen Theile der Provinzen Fries- land und Groningen. Seine Zusammensetzung ist etwa fol- gende: In Essigsäure In Salzsäure löslich: löslich: Kalk 2-3 2-3 Magnesia 0,25 0,7—1,0 Kali 0,1 — Natron 0,02 —0,06 — Kühlensäiire .... 1,80 —2,50 — Schwefelsäure . . . 0,01 0,08 Phosphorsäure . . , 0,015-0,025 0,15 Chlor sehr wenig — Glühvcrlust ..... 2—4 — Feuchtigkeit .... 2—3 — In dem neuen frisch abgelagerten Dollardthone sind viele lösliche Salze vorhanden, in den anderen Thonarten ist ihre Menge kleiner. Durch Essigsäure wird ausserdem eine kleine Menge, durch verdünnte Salpetersäure und noch mehr durch konzentrirte Säuren eine grössere Menge Basen ausgezogen, die nicht als einfache Salze, sondern als huraussaure und kiesel- Jahresbericht. IX. 2 18 Boclcubildiiug. saure A'crbiu düngen (Zcolitlie) im Boden vorkommen und erst durch stärkere Säuron zersetzt werden. — Im Tlionbodcu ist der Kalk am losesten gebunden, die Magnesia fester und das Kali am festesten; der Kalk wird schon durch Essigsäure fast ganz gelöst, Magnesia nur theilweise, Kali dagegen sehr wenig. Dies Verhalten hängt mit der Zusammensetzung und Eigen- thümlichkeit der Silikate zusammen, die Kali enthalten und Kali gegen andere Basen auswechseln können. Die Fhosphor- säure wird in gutem Marschboden durch verdünnte Säuren grösstcnthcils gelöst, in älteren und schlechteren Roodoornbödcn nur zum kleinereu Theile. Eisenox3-d und Thonerde sind hauptsächlich als Silikate vorhanden, ein Theil des Eisenoxyds auch im freien Zustande und an Ilumussäurcn gebunden. — Mit der Länge der Zeit werden die löslichen schwefelsauren Salze und Chlormetalle, welche der neu abgesetzte, noch mit Meerwasser durchtränkte Boden enthält, aus den oberen Schich- ten ausgewaschen, wobei hauptsächlich das Regenwasser wirk- sam ist. Ist ein gewisses Minimum erreicht, so bleibt der Gehalt von da an ziemlich konstant. Auch bei dem kohlen- sauren Kalk iiiidet eine solche Auslaugung statt, er verschwin- det zuerst aus der oberen Schicht, allmählich auch aus den tieferen Schichten. In 20 bis 25 Jahren verschwindet 1 Proz. Kohlensäure an Kalk und Magnesia gebunden aus der obersten Schicht. Auch dieser Verlust ist hauptsächlich der lösenden Kraft des Ilegenwassers zuzuschreiben. Ungefähr 1 Proz. Kalk bleibt jedoch aucli nach dem Verschwinden der kohlensauren Erden noch im Boden zurück, der also hauptsächlich an Silikate ge- bunden sein muss. Erst in viel älterem Boden sinkt der Kalk- gehalt bis auf 0,2 — 0,15 Proz. Der Verfasser fand in üeber- einstimmung mit A. Stöckhardt, dass der Kalkgehalt in der Tiefe zunimmt. — Auf Grund der Drainwasscranalyseu von Krocker und Wolff und der bekannten Lysimeterver- suchc von Fr aas berechnet der Verfasser den Verlust des Bodens im Laufe der Zeit durch Auslaugung und durch die Ernten, und durch Vergleichung mit den Analysen der Erden von verschiedenem Alter findet er, dass die Verarmung der oberen Erdschichten viel bedeutender sein müsste, Avenn nicht auch die unteren Schichten — unter 0,3 Meter — mit an der Ernährung der Pflanzen Theil nähmen und das der oberen UuJciibildiiiig. 10 Scliiclil durch die Pllanzcii ciit/.ogcuo Kali wie diu Pliosplior- säurc durch Aufsaugung aus dorn Untergrunde nicht wieder ersetzt würde. Bei Bodenarten, welche erweislich bereits 200 Ernten geliefert hatten, war gleichwohl kaum eine Abnahme des Ge- halts an Phosphorsäure und Kali in der obersten, 0,3 Meter dicken Schicht zu konstatiren, es muss also ein Ersatz durch Verwitterung und Aufsaugung aus der Tiefe stattgefunden haben. Bei dem kohlensauren Kalk, welchen der Boden nicht zu bin- den vermag, findet ein Ersatz kaum statt. Daher ist der Kalk- verlust der oberen Schicht so bedeutend, zumal da der kohlen- saure Kalk leicht durch Kohlensäure und Humussäuren gelöst wird. Der Verlust au Magnesia ist viel geringer, was wohl zu der schwereren Löslichkeit der Magnesia in Beziehung steht. Bezüglich des Natrons tritt ein Gleichgewicht ein, wenn der Gehalt des Bodens auf ungefähr 0,1 Proz. gesunken ist. Im Untergrunde ist der Verlust un löslichen Salzen, kohlen- saurem Kalk, Kalk, Magnesia u. s. w. weniger bedeutend, er lässt sich jedoch bis zu 0,5 bis 1 Meter Tiefe mit mehr oder weniger Bestimmtheit nachweisen. Wean mau auch der obigen Vcrluslrccliniuig keinen grossen Werth beilogen darf, so bleibt doch das durch die Bodenanalysen ermittelte Fak- tum interessant, dass die der oberen Ackerschieht durch die Ei'uten ent- zogenen lüslichcu Pflanzeniiährstoü'e durch Lifl'usion aus den unteren Erd- schichten wieder ersetzt werden. Diese Thatsache, obgleich der Wissen- schaft längst bekannt, ist durch die vorliegende Untersuchung zum ersten Male genauer nachgewiesen worden. Analyse des Marschbodens von Pcters-G roden oi'^"- in Oldenburg, von W. Wicke.*) — Der nachstehend ji',"'^^ analysirte Boden gehört zu den fruchtbarsten des Grossher- bocien. zogthums, er findet sich in der westlichen Einbucht des Jahdc- busens. Im feuchten Zustande ist der Boden schwärzlich, im trockenen lichtgrau, milde und zerreiblich. Reaktion alkalisch. Frisch abgelagert enthält der Boden fein zertheiltes Schwefel- eisen, dem er seine schwarze Farbe verdankt; durch die ein- tretende rasche Oxydation des Schwefeleisens und die Zer- setzung des entstandenen schwefelsauren Eisenoxyduls mit dem *) Laudwirtlischafts-Llatt für das Herzogthum Oldenburg. 1866. S. 121. 2* 20 Bodeubildung. kolilcusauren Kalk der Erde ist AuUi.ss zur Bildung von Gips und Eisenoxyd gegeben. Die Analyse ergab Folgendes: Bei 110» C. getrocknet: Organisclie Stoffe iiud chemisch gebiiudencs Wasser . . 5,15 mit 0,07 Proz. Stickstoil". In Salzsäure lOslich: Kieselerde (in Natronlauge löslich) 9,09 Schwefelsäure 2,12 Kohlensäure 4,3(5 l'hosphorsäure 0,3i Chlor 0,15 Eisenoxyd 5,59 Thoucrde 3,39 Kalk 5,56 Magnesia 2,46 Kali 1,30 Natron 1,19 In Salzsäure unlöslich: Kieselerde 44,53 Eisenoxyd 2,87 Thonerde 10,99 Verlust und Alkalien ■ • 0,71 100,10 Ab Sauerstoff für Chlor 0,10 100,00 Ein Theil des Eisenoxyds ist als Oxydulverbindung vorhanden. Die Erde ist hiernach reich an allen Ptlanzennährstoffen, besonders auch au Phosphorsäure und Alkalien. ueber das Uebcr dic Bescliaffcnlicit des Gesteins, aus Gestein der I j^ ^ ^^^ dic ucu entstandene Insel bei Santorin ge- Insel San- i v\ i ii torin. bildet ist, hat A. Terreir'V Untersuchungen angestellt. Bekanntlich ist diese Insel in neuester Zeit durch vulkanische Thätigkeit entstanden. Das Mineral ist schwarzbraun, mit zahlreichen weissen, durchscheinenden, glasglänzenden Schich- ten, welche aber nur schwer von der übrigen Masse zu tren- nen sind. Eingesprengt sind glasige Korner von grünlicher Farbe, welche dem Pcridat ähnlich sehen. Spezifisches Ge- wicht des unzerschlagenen Gesteins 2,295, des pulverisirteu *) Compt. rend. Bd. G2. S. 1399. Bdiloiibildung;. 21 2,594. Die Härte des Gesteins übertrilTt die des Glases, ist aber geringer als beim Quarz. Die Analyse ergab: Kieselerde G8,3!) Thoncrde 15,07 Eisenoxyd 4,2G Eisenoxydul 3,83 Kalk 3,19 Magnesia 0,70 Natron 3,8G Kali 0,73 Litliion, organ. Stoflc . Spuren ~Tuo,Ö3 Die in dem Gesteine enthaltene weisse Soliielit hatte fol- gende Zusammensetzung: Kieselsäure 68,42 Thonerde 17,89 Kalk 4,73 Magnesia, Eisenoxyd . Spuren Alkalien . 8,9G 100,00 Dag Verhältniss des Sauerstoffs der Basen zu dem der Kieselsäure ist liiernnch wie 1 für Monoxyde, 2 für Sesqui- oxydc und 12 für Kieselsäure. Das Gestein hat demnach die Zusammensetzung des Fcldspaths. Da Corogna"'-') beabaohtete, dass die vulkanische Erup- tion auf der Insel Santorin auf gewisse Pflanzen (Asphodelus) einen tödtlichen Einfluss ausübte. Er fand, dass die getödte- ten Pflanzen grosse Mengen von Chlornatrium und Chlor- ammonium an das Wasser abgaben. Die scliädliche Wirkung der vulkanischen Dämpfe führt der Verfasser auf die Ablage- rung von Kochsalz und freier Salzsäure auf der Oberfläche der Pflanzen zurück, welche letztere erst nachträglich mit Ammoniak sich verband; dem den Vulkanen entströmenden Schwefelwasserstoffgase legt der Verfasser einen nachtheiligen Einfluss auf das Pflanzcnwachsthum nicht bei. Ueber die schwebenden Bestand theile in trü- Uei,or >« wasse.- Trübung zeigte, wurde eine grössere ÄFenge des Wassers ge- ''" ^''*'''- *) Compt. re-nd. Bd. G2. R. nGf). **) Erster Berirlit der Versurlisstation zu Jena. S. 50. 22 BodcnlfildLing. scliöpft, durcli Al)SCizcii]asscn uikI Filtrircn g-ekliirt imd der Absatz imtersuclit. Derselbe entliielt auf lOOü Gewichtlieile Wasser berechnet: Organische Substanzen 0,1021 Thon und Sand 0,5421 Kohlensauren Kalk (mit Sjniren von Gips) 0,0257 Kohlensaure Magnesia 0,0534 Eiseuoxyd _0,0407 . 15d. 99. S. 241. CbemiscLc imd pbysiscliu Eigenschaften des Bodens. 29 Magnesia, scbwefelsaurem Eiscnoxydul, Kaliulaun resp. Kalialaun und Eisenvitriol mit Kaliwasserglas dargestellt, nach längerem Stehenlassen durch Dckantircn gut ausgewaschen und dann noch mehrmals mit Wasser ausgekocht. Das Eiscuoxydulsilikat war hierbei vollständig in Eisenoxyd übergegangen. Eine zweite Reihe von Untersucliungen führt Hey den mit verschiedenen Humussu])stanzen aus. Es diente dazu roher Torf, derselbe Torf, nachdem er mit heisscm Wasser ausge- waschen war, die durch kohlensaures Natron aus dem Torf ausgezogenen, mit Salzsäure gefällten Humussäuren, der Rück- stand von der Behandlung des Torfes mit Sodalösung, schliess- lich noch dieser Rückstand, nachdem derselbe noch mit Salz- säure behandelt war. Ferner ein humusreicher Teichschlamm. Die Analysen der Substanzen sind nachstehend zusammen- gestellt. Substanz. 3 a H o o S Roh er Torf . . . Mit heissem Was ser ausgezogen Mit Salzsäure aus gezogen .... Mit Soda ausge zogen Ilumussäure . . . Indifferente Humus steife Teichschlamm . 66,57 75,94 74,51 81,98 92,31 86,57 5,53 31,65 22,97 25,80 9,50 7,67 12,95 72,30 1,60 1,09 0,19 2,.52 0,02 0,476 22,17 0,187 0,163 Spur 0,305 1,184* 0,836 Spur 1,857 Spur 0,024 0,015 0,033 Spur 0,079 Spur I 0,229 I 3,54 i 1,21**1 0,05t 0,018 0,012 0,070 3,57 0,315 0,172 0,165 0,314 0,247 1,053 tt Der Torf wurde mit soviel Wasser übergössen, als seiner wasserhaltcnden Kraft entsprach, dann 100 Grm. der nassen Masse mit 100 CG. der Lösung von Chlorkalium oder Chlor- ammonium digerirt, darnach die Flüssigkeit al^filtrirt und ana- lysirt. Die Zeitdauer der Einwirkung betrug meistens 3 Tage. In gleicher Weise wurde mit den anderen Substanzen ver- fahren, nur der Teichschlamm wai- lufttrocken. *) Der Kalk als Karbonat berechnet. **) Kalk. f) Magnesia, tt) Und Thou. 30 Chemische uud physische Eigeuschafteu des Bodens. HO ftl o Cj O «3 o ^ o güHögü gö HUW ?^"f5"g 2 ?i-'2 N S-"2 tn 2 2 °, O k:;if„ j—.^ ^o (Xj-; « |--'-s N P 1^ o ^ ^' CS gj' a c 2 03. Hni . . O o ^. cr=. HJ r- • -t ' . a . o . ^. als ty >-. — o CO OD 1^ o; ci o 01 O ~q op I --1 ts2 PPP'PPP PP 00 CO CO O 03 O 02 C^ l-' LC »-' tO H- lO h-' lO pp ppo CfJ l4- -4 00 Ol 03 Oi OL Cn pp "o'txD — I to po ö.- CO CO o 1-' LC op "oto oo oo CO O O Ins oo o o c er. oo o o o o oo oo ti) tO CD CD O OD tO O O C7< CT. tO C CO OO O O ÜO cv o to 'io'to "tolo t-i- Vf lo ~a rf^ 03 05 h-i GpS^ p<^ p^c. c> po h-^ Olo 0~10 .^Ci OT-O O CO O Co O ati OO -4~l ^ M- -J C5 oo o cc o -.J CO lO • C' — J Ol rf.- -p Ol o oi CT.! ><- c". 1 o cn i-» cv o Ci oo o< er. cv cc ~. (— ci CO ci o;' «.» «-'CO o c. to i4- rf- oo er. ^i ^1 ^ m c ;a c tM 1— ' o Q 1-5 B O 1— ' ü CT- > o o " e ■^ 5. o K- " tn o 9 CTQ t^ B '= rD > - 9 3- 1— 1 g £ JJ ^ (D c:- w (U ro n w t3 w p.. c« .5 K^ O 0? t; pr *^ CD K- iT" £/) '^. o 2 q^ o >=5 '-5 pppppp pp PP otootooisD o^o oio Ci 4^ ~1 l-O 0< t^- O' tO C ICj rfi. oo O Kj -I Ol -vi lO Ki O COOl-vlCOcaCl h-*--J COOi Clicuubclie iiud jibybisclic EigcuscliaiU'u des üuik'us. 31 Bei den vc]'sclnedciic]i Iliimusstoffen wurde also stets der grössere Tlieil der Basen als unzcrsctzte Clilormetalle zurüekg'elialten, doeli absorbirtc seDjst der mit lieisser Salz- säure extralnrte Torf, wie auch die Humussäure, welche lieide nur sehr geringe Mengen von Aschenbestandtheilen cuthielten, eine etwas grössere Menge der Basen als der zurückgehaltenen Chlormenge äquivalent war. Bei dem mit Salzsäure und Soda behandelten Torf ist die Dillcrenzi zwischen der gefundenen und berechneten Menge wohl zu vernachlässigen. Die Ilumus- stoffe besitzen hiernach die Fähigkeit sowohl Salze mechanisch anzuziehen, wie Basen aus Salzen chemisch zu binden. Die mit den absorbirten Basen imprägnirtcn Substanzen wurden mit destillirtcm Wasser behandelt und die wieder in Lösung übertretenden Substanzen bestimmt. Die Ergebnisse bieten kein licsondcres Interesse, da es aus früheren Unter- suchungen ])ereits bekannt ist, dass die absorbirten Stoffe durch Wasser langsam wieder gelöst werden. Da die Salze theil- wcise unzersetzt zurückgehalten waren, so wurden verhältniss- mässig grosse Mengen gelöst. Die anderthalb bis zweifache Menge des Wassers, in welcher die Basen vor der Absorption gelöst waren, löste schon mehr als ein Drittel bis die Hälfte derselben wieder auf. Heiden giebt schliesslich folgende Erklärung der Ab- sorptionserscheinungen: Es ist anzunehmen, dass dabei zwei Momente Avirksam sind, die chemische Bindung der Basen durch die wasserhaltigen Silikate und die Humuskörper und die Flächcnauziehung. Den chemischen Akt hält er für den wichtigeren, und zwar spielen l_)ei dem verhältnissmässig gerin- gen Gehalt des Bodens an Humusstoffen die wasserhaltigen Silikate daljei die Hauptrolle. Auf chemischem Wege werden nur die Basen gebunden, bei der Plächenanziehuug jedoch die ganzen uuzersetzten Salze. Es hat sich mithin bei diesen Uutersuchungcu herausgestellt, dass die Iliimusstoffc ziemlich bedeutende Mengen von uuzersetzten Salzen und von Basen aus Salzen zu absorbiren vermögen, das auf Flächcnanzichiing beruhende Absorptionsvermögen übertraf hierbei das durch chemische Bindung bewirkte. Es ist bekannt, dass manche Basen mit Humussäuren unlösliche oder schwer lösliche Verbindungen eingehen, die humussaureu Salze der Alkalien sind aber bekanntlich in Wasser leicht löslich, was gegen die Heyden'scheu Resultate sjn-icht. — AVeuu auch zugegeben ist, 32 Chemische uud physische Eigeuschaften des Bodens. dass die neueren Untersuchungen über die Absorptionsvorgänge für die chemische Theorie der Erscheinung sprechen, so giebt es doch noch viele Punkte, welche mit dieser Ansicht nicht harmoniren. Wir verweisen hier- bei nur auf die von Hey den*) selbst beobachtete Thatsache, dass eine Erde nach der Zerstörung der Zeolithe durch Behandlung mit Salzsäure und Sodalösuug mehr Kali aus Chlorkalium absorbirte als im rohen Zu- stande. Vielleicht wird auch die Massenwirkung im Sinne der Ber- thollet'schen Theorie als ein wesentliches Moment bei der Absorption sich herausstellen. veriiaiten Uebei" cl u s Vci'lialtcn der Kieselsäure ffcffcn der Kiesel- " ° siiure gegen Ammoniak Flüssigkeit lial)cn Witt st ein und E. Pri- Ammoniak-|jj.^jjj->;-xA Untcrsucliuno-cu ausgeführt, welche folgende Ergeb- nisso lieferten: 1) Sowohl die wasserfreie, natürliche und künstliche, als auch die Avasserhaltige Kieselsäure werden von Ammoniak ge- löst, aber in sehr verschiedenem Grade, dergestalt, dass die natürliche wasserfreie gegen GOOO, die künstliche wasserfreie gegen 260, die trockene wasserhaltige gegen 330 und die gallertartige Kieselsäure gegen 140 Theile Ammoniakflüssigkeit von 10 Proz. bedarf. 2) Bei dem Stehen der Flüssigkeiten an der Luft verflüchtigt sich der grösste Theil des Ammoniaks, die Flüssigkeiten bleiben aber klar und enthalten, wenn sie keine Reaktion auf freies Ammoniak mehr geben, 1 Aeq. Ammoniak auf 4 Aeq. Kieselsäure. 3) Durch Kochen der Lösungen werden noch ungefähr \% des rückständigen Ammoniaks ausgetrieben, aber gleich- falls ohne AIjscheidung von Kieselsäure; in der zurück- Ideibcnden Flüssigkeit stehen nun Base und Säure in dem annährenden Verhältnisse von 1 Aeq. auf 80 Aeq. 4) Beim Eintrocknen der Lösungen bei gewöhnlicher Tempe- j-atur enthält die zurückbleibende Masse Base und Säure in demselben Verhältnisse, wie die gekochte Lösung, sie löst sich aber nachher nur spurenweiso in Wasser wieder auf. *) Jahresbericht. 18(11. S. 2ß. **) Wittfatcins Vierteljahrsschrift. Bd. 15. S. ö^Jd u. Bd. 16. S. 30. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 33 Die angegebeneu Beziehungen der Kieselsäure zu dem Ammoniak sind für die Erklärung der Ammoniakabsorption durch Ackererde von Wichtigkeit. Die Beobachtung der Verfasser, dass Kieselsäure durch Ammoniak gelöst wird, ist übrigens nicht neu, schon früher haben Struckmann, Brcsscr und Oudemans dasselbe nachgewiesen, wäh- rend Liebig zu einem entgegengesetzten Resultate geführt wurde. Ucber die Einwirkung des 'Kochsalzes auf die «<•''" nie im Erdboden enthaltenen absorbirten Stoffe von J^'^^"J'^^ A. Frank. ^) — Der Verfasser beobachtete, dass das Koch- saues für salz die Fähigkeit besitzt, die absorbirende Kraft der Acker- gänjYm erde zu vermindern, resp. die fixirteu Stoffe wieder aufzulösen. Erdboden. Durch diese Eigenschaft ist das Kochsalz befähigt, das Ein- dringen der im Dünger zugeführten, löslichen Pflanzennähr- stoffe in die tieferen Schichten des Bodens zu vermitteln. Um die Tiefe der Erdschicht messen zu können, bis zu wel- cher eine Kalilösung in den normal geschichteten Erdboden einzudringen vermag, konstruirte der Verfasser sich einen passenden Apparat, welcher aus lackirten Blechröhren von 3 bis 6 Fuss Länge und 3 Zoll lichter Weite bestand, die von 6 zu 6 oder von 12 zu 12 Zoll mit verschliessbaren Scitentubula- turen versehen waren. Die Röhren wurden mit den verschie- denen Schichten einer Ackererde derartig gefüllt, dass die normale Schichtung, wie sie im Acker vorhanden war, nach- gebildet wurde. Zunächst wurden die Erden dann mit Wasser möglichst ausgewaschen und darauf mit 4 Liter — entsprechend für eine Fläche von 3 Zoll Diameter einem durchschnittlichen jährlichen Regenfalle von 24 Zoll — einer Lösung von Kali- salzen (1 Gramm in 1 Liter Wasser) vorsichtig Übergossen. Durch Prüfung der aus den verschiedenen Tubulaturen ab- fliessenden Flüssigkeit ergab sich, dass der Kaligehalt sich um so mehr verminderte, je dicker die von der Flüssigkeit durchlaufene Erdschicht war. Li 12 Zoll Tiefe enthielt die Flüssigkeit nur noch etwa 9 Proz. ihres ursprünglichen Ge- halts, bei 18 Zoll Tiefe 4,5 Proz., weiter herab nahm dann der Kaligehalt der Lösung nur noch wenig ab und selbst nachdem die Flüssigkeit eine 6 Fuss hohe Bodenschicht pas- *) Die landwirthschaftlichon Versuchsstationen. Bd. 8. S. 45. •Jahresbericht. I.\. 3 34 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. sirt hatte, enthielt sie immer noch 2 bis '2,b Proz. des ur- sprünglich vorhandenen Kali 's. Es scheint demnach bei einer gewissen Verdünnung der Lösimg — in diesem Falle etwa 1 auf 40,000 bis 50,000 — die lösende Kraft des Wassers grösser zu sein, als die absorbirende der Erde. Schwefel- saures Kali wurde bei diesen Versuchen anscheinend rascher absorbirt als Chlorkalium. — Wenn die Erde nicht vorher durch Auswaschen von ihren löshchen Bestandtheilen befreit worden war, so trat die Absorption weniger rasch ein, noch mehr beeinträchtigte ein geringer Kochsalzzusatz — 1 Pro- mille — die Absorption. Während nämlich in einer reinen Kalilösung, nachdem dieselbe 18 Zoll Bodentiefc passirt hatte, sich nur noch 5 Proz. des ursprünglich gelösten Kalisalzes befanden, zeigte sich bei der kochsalzhaltigcn Kalilösung nach dem Passiren der 18 Zoll hohen Bodenschicht der Kaligehalt noch zu 18 Proz. , und selbst nach dem Passiren einer Erd- schicht von 4 Fuss (Ackerkrume und Untergrund) Ijetrug der- selbe immer noch 5 Proz. der ursprünglichen Menge. Das Kochsalz hatte also das Kali tiefer herabgeführt. Durch wei- tere Versuche zeigte sich, dass die Kochsalzlösung auf das im Erdboden im absorbirten Zusande enthaltene Kali lösend ein- wirkt, wie dies schon früher von Peters*) nachgewiesen ist. Der Verfasser ist anzunehmen geneigt, dass hierbei ein klei- ner Theil des Kochsalzes vom Erdboden unzersetzt tixirt wird, da die Flüssigkeit nach beendeter Absorption einen Verlust an Chlor nachwies. Auch bei dreibasisch phosphorsaurem Kalk zeigte sich ein tieferes Herabgehen der Phosphorsäure bei gleichzeitiger Anwesenheit von Kochsalz in dem Wasser. Der Verfasser spricht die Ansicht aus, dass das Kochsalz als Dünge- mittel in einem au fixirten Pilanzenniihrstuffcn reichen und schweren Bo- den durch Li)slichmachung und Verthcilung derselben, besonders nach der Tiefe hin und daher für tief wurzelnde Gewächse günstig wirken werde, in einem schon an sich armen und leicht durchlässigen Boden könne das- selbe dagegen ein Herabwaschen der Nahrungsstoffe in die Tiefe liewirken. Die Abneigung gegen chlorhaltige Düngmittel, besonders gegen Kochsalz, hält der Verfasser für unbegründet, namentlich wenn durch frühzeitige Anwendung, der Salzdüngungen ein Auswaschen der neu gebildeten und nicht fixirten Chloride in die tieferen . der Pflanze nicht zugänglichen *) Die landwirthschaftlicheu Versuchsstationen. Bd. 2. S. 138. Chemische uud i)hysische Eigeuschaften des Bodens. 35 Bodenschichten ermöglicht wird. Uehrigeus soll in der Magdeburger Ge- gend das mit Salzsäure bereitete Superphosphat für Cerealien vielfach ver- wandt werden. — Zu erwähnen ist noch, dass der Verfasser in Gemein- schaft mit Prof. Schacht die "Wurzeln der Zuckerrübe bis zu 8— 10 Fuss Tiefe im Boden verfolgen konnte, ohne das Ende derselben zu erreichen. Aus den vorstehenden Untersuchungen geht hervor, dass bei der Ab- sorption von Basen aus Salzlösungen diese niemals vollständig erschöpft werden, wie Lieb ig behauptet, sondern dass stets eine geringe Menge in Lösung bleibt, welche also von den Pflauzenwurzeln aus der Bodenflüssig- keit aufgenommen werden kann. Dies ist schon früher für Kali von Peters nachgewiesen. Das Kochsalz wirkt der Absorption entgegen und führt das absorbirte Kali wieder in Lösung über. In gleicher Weise wirken nach Peters andere lösliche Salze, indem die Basis derselben gegen Kali ausgetauscht wird. Bezüglich der empfohlenen Verwendung des Kochsalzes als Düngemittel ist daran zu erinnern, dass das Salz nach vielfachen Erfahrungen auf die Ausbildung des Zuckers und der Stärke in den Rüben und Kartofl'eln unvortheilhaft einwirkt. Wenn der Verfasser glaubt, diesem Uebelstaudc dadurch begegnen zu können, dass er den Chloriden Zeit giebt, in die tieferen, den Pflauzenwurzeln unzugänglichen Bodenschichten zu versickern, so ist klar, dass auch das von dem Koch- salz in Lösung erhaltene Kali — wenigstens bis zu einer gewissen Tiefe — mit herabgespült werden wird. Es ist überhaupt schwer, sich eine Vorstellung davon zu macheu, wie aus der lösenden Wirkung des Koch- salzes für das absorbirte Kali im Boden Nutzen zu ziehen und dabei der Uebergaug des Salzes in die Pflanzen zu vermeiden ist. üeber den Stickstoffgehalt der A c k e r e r d e n , ^''J^'^^^^j^^' von A. Müller.'^) — Der Verfasser tlieilt folgende von Eisen- schwe- stuck und Nyström ausgeführte Stickstoflfbestimmungen ^on ^^^^^^^^^^ schwedischen Erdarten mit: Hygroskopisches Orgau. Stoffe Wasser: u. Hydratwasser: l.\ Ackerkrumen auf 2,11 7,05 2. 1 alkalireichem 2,56 7,62 3. > Sedimentthon vom 1,!U 5,10 4. l Experimentalgut 2,60 8,49 5. / bei Stockholm. 5,14 23,67 6. Ackerkrume vom Tabaklaud .... 3,01 15,05 ^ , Ackerkrume aus g ^ Glacierengeschiebe ^^; I m bmaalaud. 9. Humus von einer Niederungswiese V. Experimentalgut 4,65 21,04 0,948 4,5 Stickstoff: 0,329 Auf 100 Organ. Stoffe und Hydratwasser berechnet sich Stickstoff: 4,7 0,343 4,5 0,203 4,0 0,329 3,8 0,067 4,1 0,692 4,6 0,437 4,2 0,430 4,2 *) Erdmann's Journal für praktische Chemie. Bd. 98. S. 12. 3* 36 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Diese Untersiiclmiigeu bestätigen die Ergebnisse früherer Stickstoffbestimmungen *) in schwedischen Erden und zeigen aufs Neue den längst beobachteten Zusammenhang zwischen dem Gehalt der Erden an organischen Stoffen und Hydrat- wasser und an hygroskopischem Wasser. A. Müller macht hierbei darauf aufmerksam, dass R. II offmann**) die bei seinen früheren Bestimmungen des Stickstoffs in schwedischen Er- den erhaltenen Resultate, welche mit den vorstehenden gut übereinstim- men, mit Unrecht als zu hoch bezeichnet habe. — Im Durchschnitt erge- ben sich bei den obigen Erden auf 100 Gewichtstheile Hydratwasser und organische Substanz 4,3 Gewichtstheile Stickstoff. Wenn man nach E. Wolff den Kohlenstoffgehalt der Humussubstanzen im Mittel zu 58 Proz. annimmt und die obigen Angaben für organische Stoffe und Hydratwasser ganz als Humussubstanzen in Rechnung bringt, so kommen auf 1 Stick- stoff 13,5 Kohlenstoff. Das Verhältniss des Stickstoffs zum Kohlenstoff" im Erdboden scheint sehr bedeutend zu variiren, Wolff fand es bei sechs Ackerkrumen aus Hohenheim zwischen 1 zu 4,71 bis 6,97, bei den dazu gehörigen Untergrundarten zwischen 1 zu 2,20 bis 19,8G wechselnd. Aehn- liche Differenzen zeigen die Bestimmungen von Ritthausen, Anderson und G. J. Mulder;***) letzterer fand das Verhältniss wie 1 zu 17, nur in Weidenerde wurde ein höheier Stickstoffgehalt der organischen Substanz gefunden. Zu bedauern ist, dass Müller bei seineu Untersuchungen eine genaue Bestimmung des Kohlenstoffs nicht hat ausführen lassen. üeber den AlphoHsc Cossaf) Veröffentlichte nachstehende Bestim- Ackererden mungen (sichc die Tabelle auf S. 38 u, 39) über den Gehalt aninwas-^Qjj Ackcrerdcn an in Wasser löslichen Bestand- gerlöslichen Bestand- thcüen. Bci der Ausführung der Bestimmungen wurde nach theiien. ^gj. Mcthodc von E. Wolffft) verfahren; neben den in Wasser löslichen Bestandtheilen ist noch der Gehalt an Sand, Thon und verbrennlichen Stoffen, sowie die Wasserkapazität bestimmt. Der Gesammtgehalt der durch kaltes Wasser den ver- schiedenen Bodenarten entzogenen Stoffe schwankt, wie die Tabelle auf S. 38 u. 39 zeigt, zwischen 0,688 und 0,064 Proz.; meistens betrug die Menge der gelösten organischen Substan- *) Jahresbericht. 1862. S. 46. **) Ibidem. S. 52. ***) Chemie der Ackerkrume, übersetzt von J. Müller. Bd. 2. S. 164. t) Die landwirthschaftlichcn Versuchsstationen. Bd. 8. S. 54. tt) Ibidem. Bd. 6. S. 141. Chomisclip und physischo Eigenschaften des Bodens. 37 zen mehr, als die der mineralischen. Das kohlensaure Wasser löste bei allen Erden grössere Mengen, als destillirtes , im Mittel verhielten sieh die durch reines und kohlensäurehaltiges Wasser gelösten Mengen wie 1 : 1,79, die durch destillirtes Wasser gelösten Stoffe = 1 gesetzt. Dabei zeigte sich das grössere Lösungsvermögen des kohlensauren Wassers beson- ders gegen die mineralischen Bodenbestandtheile wirksam. Die obigen Untersuchungen lehren, dass der Gehalt an direkt in Wasser löslichen Bestandtheilen bei fruchtbaren Bodenarten gar nicht so gering ist, als zuweilen behauptet wurde. Der Verfasser bemerkt noch, dass es ihm selbst bei Anwendung sehr grosser Wassermengen nie gelun- gen sei, eine Ackererde völlig zu erschöpfen, eine Beobachtung, die wir ebenfalls mehrfach zu machen Gelegenheit hatten. Hierdurch ist von Neuem die Behauptung v. Liebig's*) als unbegründet erwiesen, dass das Wasser „keine Spur von Kali, von Kieselsäure, von Ammoniak, von Phos- phorsäure auflöst, dass die Erde von allen den Pflauzcnnahrungsstoifen, die sie enthält, kein Theilchen an das Wasser abgiebt." Jeder Chemiker, welcher ein einziges Mal irgend eine Erde mit Wasser behandelt hat, wird bestätigen, dass das Wasser Ptianzennährstofife aus der Erde aufzulösen vermag. Damit fällt dann auch das Fundament für die Liebig'sche Ansicht, dass die Pflanzen ihre Nährstofle nicht in Form einer Lösung ans dem Boden aufnehmen. — üeber den Gehalt der Bodenauszüge an Phosphorsäure ist zu vergleichen Jahresbericht 18G4. S. 31 und 1865. S. 33. — Die bei den obigen Untersuchungen benutzte Wassermenge ist nicht angegeben , E. Wolff **) verwendet auf 2500 Gramm Erde 8000 CG. reines und 2000 CG. mit Kohlensäure gesiittigtcs Wasser. — Zu bedauern ist übrigens, dass der Verfasser seine Untersuchungen durch die Bestimmung der einzelnen ge- lösten Prianzennährstoft'e nicht noch werthvoller gemacht hat, jedenfalls würden sich daraus interessante Rückschlüsse auf den Werth der Analyse wässriger Bodenauszüge als Moment für die Beurthcilung derjFruchtbar- keit der Erden ergeben haben. H. Grouven***) veröffentlichte eine Reihe von Ana- Analysen lysen der zum Rübenbau dienenden Erdbodenarten^'''''","'"^*'' •' Erden. des Gutes Salzraünde, die wir, des Raumes wegen, auf S. 40 folsren lassen. *) Chemische Briefe. Bd. 2. S. 2G1. **) A. a. 0. *^*) Salzmünde. Eine landwirthschaftliche Monographie von H. Grouveu. S. 51. 38 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Tabelle der auf S. 36 Ackererde von Travacco Sicomaria . . . Fruchtbare Ackererde, ebendaher .... Wiesenerde, ebendaher Gartenerde von Torre dei Torti Sandboden vom Versuchsgarten zu Pavia Fruchtbare Ackererde von Lodi Wiesenerde vom Versuchgarten zu Pavia Walderde vom Tessinufer : . Ackererde von San Sparito Wiesenerde von der Vorstadt zu Pavia . Ackererde von Reisfeldern bei Pavia . . Ackererde von der Umgebung von Pavia Wiesenerde Wiesenerde Ackererde von Getreidefeldern Ackererde von einem Weizenfelde .... Ackererde von einem Eeisfelde Wiesenerde Weiubergerde Untergrund der vorigen Wiesenerde Ackererde von einem Reisfelde Ackererde von Getreidefeldern Wiesenerde Weinbergerde Ackererde von einem Maislelde , Ackererde von Getreidefeldern Wiesenerde Reisfeld Ackererde von Villareggio Ackererde von einem Getreidefelde .... Ackererde Ackererde Ackererde Ackererde Holzerde aus faulen Bäumen Holzerde, wie die vorige Ackererde aus einem Obstgarten zu Pavia Untergrund der vorigen ) 51,4 48,6 4,15 50,5 49,5 3,12 80,0 20,0 6,31 88,0 12,0 2,80 93,6 6,4 2,21 82,2 17,8 7,40 74,6 25,4 5,26 75,5 24,5 11,64 90,7 9,3 2,65 84,0 16,0 4,75 77,6 22,4 2,30 94.0 6,0 1,41 71,0 29,0 2,12 51,25 48,75 3,78 86,70 13,30 4,21 85,50 14,50 3,65 62,00 38,00 2,64 61,25 38,75 4,09 25,00 75,00 5,25 33,30 66,70 6,13 92,00 8,00 6,13 94,50 5,50 5,7 71,00 29,00 4,65 56,00 44,00 4,05 82,50 17,50 3,09 45,2 54,8 4,70 50,0 50,0 4,37 40,5 59,5 4,01 48,0 52,0 4,06 70,0 30,0 4,29 93,5 6,5 1,79 90,8 9,2 3,04 77,0 23,0 3,02 70,0 30,0 2,41 70,5 29,5 3,77 — 51,0 51,00 — — 21,80 — — 6,80 — — 1,94 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 39 angeführten Analysen. Wasser- In kaltem W.isspr loslich : In mit K ohlensiiurc gesfittig- baltcndo tem Wasser löslich: Kraft. Organ. Mineral. Im Organ. Mineral. Im (d. C.cv.: iiacli) Stoffe. Stoffe. Ganzen. Stoffe. Stoffe. Ganzen. Pniz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. Proz. 49,33 0,036 0,034 0,070 — — 47,58 0,1184 0,0763 0,1947 0,059 0,069 0,128 62,50 0,068 0,052 0,120 — — — 42,49 0,032 0,032 0,064 — — — 33,00 0,053 0,064 0,117 — — — G7,20 0,0413 0,0447 0,086 — — — 49,00 0,1309 0,0862 0,2171 — — — 70,74 0,0420 0,050 0,092 0,100 0,120 0,220 44,50 0,064 0,084 0,148 0,112 0,164 0,276 58,62 0,074 0,058 0,132 0,134 0,126 0,260 40,25 0,046 0,046 0,092 0,080 0,080 0,160 38,18 0,0733 0,060 0,1333 0.080 0,120 0,200 49,33 0,0833 0,0833 0,1666 0,136 0,148 0,284 61,95 0,1366 0,0834 0,220 0,216 0,200 0,416 61,29 0,110 0,090 0,200 0,180 0,180 0,360 59,60 0,040 0,053 0,093 0,080 0,088 0,168 54,08 0,080 0,0666 0,1466 0,080 0,180 0,260 59,58 0,052 0,076 0,128 — — — 51,17 0,026 0,038 0,064 — — 47,83 0,1066 0,0667 0,1733 0,1253 0,1467 0,2720 39,56 0,0933 0,0667 0,160 0,1546 0,2000 0,3546 48,12 0,1140 0,048 0,162 0,1520 0,1146 0,2666 40,25 0,1733 0,1067 0,280 0,240 0,1733 0,4133 40,50 0,0800 0,0533 0,1333 0,1013 0,0907 0,1920 36,86 0,0933 0,0533 0,1466 0,1546 0,1387 0,2933 50,52 0,0853 0,0480 0,1333 0,1386 0,1067 0,2453 52,87 0.1200 0,0586 0,1786 0.1466 0,1334 0,2800 65,50 0.1013 0,0720 0,1733 0,1200 0,1466 0,2666 50,49 0,133 0,0533 0,1866 0,1946 0,1067 0,3013 47,45 0,0347 0,0373 0,0720 0,040 0,080 0,120 35,60 0,0853 0,0587 0,1440 0,080 0,426 0,506 47,62 0,0854 0,0480 0,1333 0,1657 0,0876 0,2533 42,93 0,0853 0,0747 0,1600 0,0506 0,1814 0,2320 33,30 0,0864 0,0469 0,1333 0,1493 0,1120 0,2613 43,86 0,3493 0,3395 0,688 0,3680 0,3853 0,7533 204,25 0,2000 0,3040 0,5040 0,552 0,668 0,220 142,62 — — — — — — 53,75 — — — — — — 24,50 — — — — — — 40 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Mei Was Wass Gesammtsticks Ammoniak Salpetersäure . In der vierfacl ■D S- ?1W = 5Soct>aQ^f?C:t(»Dp:0^ Ige kalte sers lösli erhaltend ■D > CO lilili 1> 3 und Tho •alstoffe , re löslicL 18 a n d d e r CO PS -t- 35 5. 3 S' . 5" c" B* 3 p 2. „.?icp C • ?i £?. fä CO P 2 £ 2 • ^!=^ (T> 2 c ^ . '^ f* CO "-! hda>'m P • cn ci- •^ 2. o • tr ST . S. . re ■ O CO ET äi o« CG ' \-i f^^ ta 1— 1 1—» OS OS 30 5t CiO pvc>^p O' O' c; ^ o o Ol o ^ Ol ü'Pj^i ^^ CD 1—1 5' ci c; 0'~k)~cc~cr "^ "cdTns -q"üi CC B. C5 CO '^ O; tO Oi ■ X O tO '•-T; CTi Ol tf^ 0< tO OC' CD 05 o CD o OtOO -J 1 h-" GC C ' h-i 0< INS l-i OS i*>- c= ?^ ►i^O pppc_i-' OS O' CD -.a O O O O CD O p H-ip rf^j-' ►** r^ D £- col-o 'rf^OOH-'O tcio o a Ol oi'io 05 OS CD ^] K) OS Oslo Ol CN k(^ — 5 tO Oi C3 CD ^i IC ^' Ol '^ CO c; o Ol -^a --' 1— l 0SC5 -^1 CO st Gop PPPPP OS '-' C^ O O' '-' op tO COj-] p^ op p CO "Jj^CO c;Oo"^-''^^ 3^ O Ol H-' Oi Ol rf^'^i' '^ *^^ ^-^ CD C5CD Öi B S l-i HiCT: to H-^OD i-'h-ooosiotf^~jai^oiton^oi P 1 tsO CiC»Hi>-tOO 1— l ^1 CD c ' C3i CO Oi ►;^oi ^S* OSO JOppOh-i osp J-' p H-1 p p^ OS p j- locs Oh-'0~J-'h-' Ös"-0 Ol OS Ol H-' "f-»"© Ol OS~ai CD H-' Ol CO ^ 7in> o H-» tc O^ Ci vb. osci:c£CßOc^h(^iN2-atoi— iNSic • B CD cso; ccOiO '-£> OS "•" tf^ C;i ro 1—1 CD OS 2 ^ i-'M) P o op t-i h- O op O O CO j-^pp rfi >-' w *^to OS p S-H" <^bo ■►(i.o"I-'~f-'~fo J^ ~;_i ■^-i '^-i 00 ■« ri-' to O-^OCDOO o t"^ 1 Ci "* C^ Ol CO 1— ' i-i OS CO •^3 •^1 K^O H-tpppp OS p p p H-i p j>S' p tf>. p_; ODJ-' H-i rf:^ OSO< H^ --] CI> ..IT' c» w CD o o"»-'"!-' tO 'J-' Ol "#> Ol "tfi- O CD lo "^1 ~tc>. CD CD OilO OS OK» 2 to 0>^ OS OS CD CC■C»COl-'CCl-'CC--JC^^fi.l^i)0'C£> • B o CO «iO O Mi. o: Ol ' 1 oc to »f^ CO ' OS tO U/ OS CD osH-os-vioioscD'f>. CO cV CT) CD H-* ^1 CC' tC rf^CifJ-OiCD^J— ItOCTSCOCDOO N C5 ODrfi-CO-J »^ O o o o 1-3 er o Chemische nnd physische Ein;enRchaften des Bodens 41 Sämmtliclie Bodenarten sind als leichter humoser Lehm- boden mit Mergelunterlage bezeichnet und rangiren in die 1. und IL Bonitätsklasse. Die schwarze Krume dieses schönen für Zuckerrüben- und Kartoli'clbau so sehr geeigneten Höhebodens ist nicht sonderlich mächtig und beträgt selten über 2 Fuss. Die physische Beschaffenheit des Bodens ist für die Bearbeitung überaus günstig. — Nach den Analysen sind die verschiedenen Proben dieses Lehmbodens sämmtlich reich an löslichen Mineralsalzen, namentlich an kohlensauren Erden, Metalloxyden und Thonerde. Dem Reichthum an kohlen- sauren Erden verdanken sie ihre prägnante Alkalescenz, die jede Säurebildung verhindert. Kalk- und Mergcldüngungen sind bei diesen Bodenarten meistens erfolglos geblieben. Ob- gleich sämmtliche Erden dunkel gefärbt sind, ist der Humus- gehalt bei allen doch nur gering und dem entsprechend ist auch der Stickstoffgehalt kein hoher. Wie nachstehende Be- rechnung zeigt, existirt weder zwischen dem Humusgehalte und dem Gehalte des Bodens an Stickstoff, noch zwischen diesem und dem Ammoniak- und Salpetersäuregehalt ein engeres Verhältniss. Auf 1000 Th.humos. Boden. Substanz kommen 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. Stickstoff A„,„, Kalkdestill. °^^^ destiUat . . Salpetersäure .... 22,57 3,31 0,82 31,49 19,65 3,94 2,82 0,98 0,60 8,78 1,58 23,48 3,15 1,42 2,59 28,30 3,11 2,25 0,83 28,89 5,15 2,22 2,04 27,21 3,08 0,89 1,13 27,67 2,91 2,44 23,96 2,27 1,85 0,33 Im Mittel aller 9 Felder ergeben sich an Ammoniak im Kalkdestillat . . . 0,13 Promille = 12,7 Proz. des gesammten Stickstoffs, im Magnesiadestillat 0,06 - - --= 6 - - Das Verhältniss der Löslichkeit des Stickstoffvorraths scheint hiernach ein günstiges zu sein; welche Bestimmung einen richtigeren Ausdruck für das im Boden präexistirende Ammoniak giebt, lässt sich zur Zeit nicht beurtheilen. Die Menge der in Wasser löslichen Bodenbestandtheile differirt bei den Mineralstoffen zwischen . . . 0,472 — 2,016, im Mittel 0,804 Promille, bei den organischen Stoffen zwischen U,168 — 0,976, - - 0,372 - - 42 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Vorwiegend wurden Kali- und Natronsalze in inniger Ver- bindung mit Humussäuren gelöst, ausserdem enthielten die Extrakte stets kleine Mengen von Eisenoxyd^ Kalk, Phosphor- säure und Kieselsäure; Körper, die durch gewisse Doppelsalze der Humussäuren ihre Auflösbarkeit in Wasser erlangt haben. Nach dem Verfasser zeigte sich keine üebereinstimmung zwischen dem Produktionsvermögen der Erden und ihrem Ge- halte an in Wasser löslichen Verbindungen, auch zu den in Säure löslichen Bestandtheilen der Erden und speziell zu der darin gelösten Kali- und Natronmenge ergiebt sich keine Be- ziehung, dagegen tritt der Einfluss der mineralischen Säuren des Bodens deutlich hervor, wie folgende Aufstellung darthut, nach welcher die Menge der in Wasser löslichen Mineralstoife ziemlich proportional ist der Menge der im Boden existiren- den Salzsäure, Phosphorsäure und Salpetersäure, Auf 1000 Theile Erde. Gehalt der Erde an Nummer In Wasser lös- 1 des Feldes. liche Mineral- Stoffe. Chlor. Phosphorsüure. Salpetersäure. 4 2,016 0,799 1,50 0,126 G 1,208 0,578 1,01 0,069 7 0,808 0,18;-) 0,69 0,049 9 0,688 0,160 0,59 0,014 3 0,616 0,011 0,62 0,063 1 0,480 0,007 0,66 8 0,472 0.118 0,61 Der Gehalt der Wasscrcxtrakte an organischen Materien zeigt sich nicht abhängig von dem Gehalte des Bodens an leicht löslichen Basen, wie Kali, Natron und Ammoniak. Die Ergehnisse der Untersuchungen über den Gehalt der Erden an in Wasser löslichen Stoffen harmouireu recht gut mit den vorstehenden Bestimmungen von A. Cossa. Die einfache Bestimmung der Gesammt- menge der in Wasser löslichen Substanzen kann natürlich kein Kriterium für den Gehalt des Bodens an den wichtigeren Pflanzennährstofi'en und damit für dessen Produktionsvermögen abgeben, da die Extrakte sehr ver- schieden zusammengesetzt sein können. Dagegen ist es nicht unwahr- scheinlich, dass eine Bestimmung der einzelnen in Wasser löslichen Mine- ralstoffe für Bonitirungszwecke nicht nutzlos ist. (Vergl. F. Schulze. Jahresbericht. 1864. S. 33.) — Im Allgemeinen ist der Phosphorsäure- gehalt der obigen Ei'den nur gering, dagegen der Gehalt an Alkalien hoch zu nennen, es werden sich daher Düngungen mit Phosphaten besonders empfehlen, wahrend die Zufuhr von Kali überflüssig erscheint. Chemische iiacl physische Eigenschaften des Bodens. 43 lieber die Löslichkeit der im absor])irten Zu- uebpr di« Stande im Erdboden enthaltenen Mineralsubstanzen ^|;^^^J^'i^j^j'g'^ hat auch P. Bretschneider *) einige Untersuchungen ausge- pflanzen- führt. Das hierbei angewandte Verfahren war folgendes: Es ""'^'J°*/^ wurden zehn Erdbodenproben von je 1000 Gramm Gewicht abgewogen und mit je 2500 CG. einer Salzlösung 36 Tage unter öfterem Umschütteln digerirt. Die benutzten Salzlösun- gen enthielten Salpetersäuren Kalk *^) salpetersaure Magnesia, saures phosphorsaures Kali, saures phosphorsaures Natron und saures phosphorsaures Ammoniak. Je zwei Proben wur- den mit derselben Salzlösung übergössen. Der Salzgehalt be- trug bei allen Lösungen ein Fünftel Aequivalent in Grammen per Liter. Nach Verlauf von 36 Tagen wurden je 2000 CG. Flüssigkeit von jeder Erdprobe abgehoben und bei der einen der mit gleicher Salzlösung beliandelten Erdproben durch 2500 GG. destillirten Wassers, bei der anderen durch eine gleiche Menge mit Kohlensäure gesättigten Wassers ersetzt. Nach 23 Tagen wurden wieder überall 2500 CC. Flüssigkeit abgenommen und durch destillirtes, resp. kohlensaures Wasser ersetzt. Durch Wiederholung des Abhebens nach 27, 37, 48 und 56 Tagen wurden noch weitere Auszüge erhalten. Die Analyse der ersten Flüssigkeit nach beendeter Absorption er- gab nachstehende Resultate: Benutztes Mit 1(X)0 Grm. Erde Vun 1000 Grm, Erde Salz: kamen in Konkakt: wurden absorbirt: I. II. Phosphorsaures Kali. . . 23,550 Gr. Kali 4,8975 Gr. 4,2325 Gr. Phosphorsaures Natron . 15,550 - Natron 1,4475 - 1,9510 - Salpetersaurer Kalk . . . 14,000 - Kalk 0,9100 - 0,G600 - Salpetersaure Magnesia . 10,0(10 - Magnesia 1,0275 - 0,9550 - Phosphorsaures Kali . . . 35,.5.50 - Phosphorsilure 5,3138 - 5,1825 - Phosphorsaures Natron . ;35,550 - Phosphorsäure 5,0725 - 3,7275 - Phosphorsaures Ammoniak 8,500 - Phosphorsäure 1,8150 - 1,8169 - Bei den Analysen der wässrigen Auszüge wurden nachstehende Re- sultate erhalten: Reines Wassar loste: Kali Natron Kalk Magnesia im ersten Auszuge 0,7485 — 0,14G1 0,0520 — 0,1G85 - zweiten - 0,5219 0,4315 0,0170 0,0392 - dritten - 0,4924 0,3 lOG 0,0472 0,0455 - vierten - 0.3944 0,2215 0,0801 0,0734 - fünften - 0,2899 0,0591 —0,0063 0,0986 Zusammen in 12,5 Liter Wasser 2,4471 0^8766 0,1900 0,0882 *) Der schlesische Landwirth. 1866. S. 331, **) In dem Aufsatze des Verfassers ist das verwandte Kalksalz nicht genau bezeichnet, es scheint jedoch salpetersaurcr Kalk benutzt zu sein. 44 Chemische und physische Eijfrenschaften di^s Bodens. Phosphorsäure. Ammoniak. (Kalisalz,) (Xatronsal/..) (Ammoniaksalz.) 1. Auszug. — 0,5121. — 0,4881. — 0,7711. 0,0370. 2. - 0,461G. 0,321G. 0,3380. 0,2030. 3. - 0,4642. 0,3478. 0,4151. 0,1740. 4. - 0,2801. 0,1950. 0,2870. 0,1720. 5. - 0,1452. 0,0205. 0,1(30;^). 0,0620. Zusammen 0,8390. 0,3968. 0,4320. 0,6480. Kohlensaures Wasser löste: Kali. Natroii. Kalk. Magnesia. 1. Auszug. 0,3584. 0,0822. 0,1514. 0,0914. 2. - 0,7137. 0,5836. 0,1096. 0,1137. 3. - 0,6220. 0,3613. 0,1284. 0,0903. 4. - 0,4404. 0,3354. 0,1362. 0,1038. 5. - 0,2444. 0,1116. 0,1469. 0.1252. Zusammen 2,3789. 1,4741. 0,6725. 0,5244. Phosphorsäure. Ammoniak. (Kalisalz.) (Natronsalz.) (Aramoiiiaksalz.) 1. Auszug. — 0,5000. — 0,7499. — 0,9748. 0,1634. 2. - 0,5383. 0,4041. 0,-5993. 0,1430. 3. - 0,3782. 0,2800. 0,3697. 0,1445. 4. - 0,3097. 0,1318. 0,2177. 0,0858. 5. - 0,1745. 0,1010. 0,1523. 0,0609. Zusammen 0,9007. 0,1670. 0,3623. 0,5976, Es sind hierbei natürlich diejenigen Mengen in Abzug ge- bracht worden, welche niclit im absorbirten Zustande, sondern nur mechanisch mit den im Boden verbliebenen 500 CC. Salz- lösung zurückgehalten waren. Hicrnacli wurden gelöst in Froz. der absorbirten Menge: Durfli Hurcli ]■ e i II e .s k o h 1 n s a u r e 8 Wasser. von dem Kali 49 Proz. 56 Proz. von dem Natron 60 - 75 - von dem Kalk 20 - 100 - von der Magnesia 8 - 54 - von der Phosphorsäure bei dem Kalisalz ... 15 - 17 - von der Phosphorsäure bei dem Natronsalz . . 9 - 4 - von der Phosphorsäure bei dem Aramoniaksalz . 10 - 7 - von dem Ammoniak 85 - 32 - Viel Neues ist aus diesen Untersuchungen nicht zu lernen, es ist längst bekannt, dass Kali, Natron, Kalk, Magnesia und Ammoniak der Al)Sorption unterliegen, ebenso ist schon früher nachgewiesen, dass kohlensaures Was- ser einen stärkeren losenden Einfluss aui' die absorbirten Basen ausübt als kohlensäurefreies. Aus den vorstehenden Versuchen ergiebt sich, dass Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 45 das f;rössere Lösungsvermögeu des kohlensauren Wassei's sich besonders bei den alkalischen Erden, in geringerem Grade auch bei Kali und Natron bemerklich macht, auf die absorbirte Phosphorsäure und das Ammoniak scheint die Kohlensaure ohne Einfluss zu sein. Man sieht ans den vor- stehenden Untersuchungen ferner, dass sclir ungleich grosse Wassermengen erforderlich waren, um 1 Gewichtsthcil der verschiedenen absorbirten Stoffe wieder aufzulösen. Brctsclineider schlicsst seine Mitthciluiig mit folgendem Resume: Die fruchtbare Ackererde besitzt kein Wahlvermögen für die wichtigsten Pflanzcnnährstoife, entfernt diese letzteren auch nicht durch Flächenanziehung aus ihren Lösungen, son- dern der Absorptionsprozess ist ein chemischer Vorgang. 'Er beruht einzig und allein auf dem Gehalt der Erden an wasser- haltigen kieselsauren Salzen (Zeolithen), keineswegs auf ihrem Humusgehalte. Nicht alle mineralischen Pflanzennährstoffe werden von einem fruchtbaren Boden absorbirt. Unfruchtbare Bodenarten besitzen kein Absorptionsvermögen. (?) Die ab- sorbirten mineralischen Nährstoffe sind nicht unlöslich in reinem und kohlensaurem Wasser, sondern ausnahmslos löslich in bei- den Lösungsmitteln. Kohlensaures Wasser löst viel mehr ab- sorbirten Kalk und al^sorbirte Magnesia als reines Wasser. Dies ist der Hauptunterschied zwischen beiden Lösungsmitteln. Die Annahme, dass die vom Boden absorbirten mineralischen Nährstoffe der Pflanze nur unter dem Einflüsse einer inneren, in der Pflanzenwurzel thätigcn Ursache löslich würden, ist eine willkürliche und unnöthige, weil Wassei- aus fruchtbarem Boden alle zur Ernährung der Pflanze unentbehrlichen mineralischen Körper auflöst und auch die absorbirten durch die natürlichen Lösungsmittel wiederum aufgelöst werden können. Es ist un- möglich, die Löslichkeit der absorbirten Nährstoffe in Wasser durch eine Zahl auszudrücken, weil sich die Löslichkeit in der Zeit ändert. Der Unterschied zwischen frisch gedüngten und abgetragenen Aeckern besteht eben in dieser Löslichkeitsver- änderung. Es ist darum angezeigt, den Boden öfter, wenn auch schwächer, als selten und stärker zu bedüngen. Die Stellung einer Feldfrucht in der Fruchtfolge steht wahrschein- lich im Zusammenhange mit der Zunahme der Unlöslichkeit des Kalis und der Phosphorsäure in der Zeit." 46 Chemische uud physische Eigenschafteu des Bodeus. Die meisten dieser von dem Verfasser mit so grosser Entschiedenheit ausgesprochenen Sätze sind noch nicht endgültig bewiesen und die vor- liegende Untersuchung bietet wenig Material zur Entscheidung. Bezüglich der ausschliesslichen Wirkung der Zeolithe bei der Absoi'ptiou haben wir bereits mehrfach auf die Erscheinungen bei der Absorption hingewiesen, welche mit dieser Ansicht kollidiren. Auch das Zurücktreten der absor- birteu Basen' in Lösung beim Auswaschen der Erde mit Wasser scheint dagegen zu sprechen, dass die der Absorption unterliegenden Basen durch Substitution chemische Verbindungen mit den Zeolitheu im Erdboden ein- gehen. — Eine Erklärung für seine Ansicht, dass die absorbirten Sub- stanzen um so grössere Wassermeugen zu ihrer Auflösung bedürfen, je öfter und je länger sie miL Läsungsmitteln zusammenkommen, hat der Verfasser nicht zu geben versucht. Uns scheint die beobachtete Abnahme der bei successivcr Auslaugung gelösten Mengen sich zwanglos durch die Verringerung der in den Erden vorhandenen absoluten Mengen zu erklären. Wir sehen, dass die letzten Auszüge im|Allgemeinen um so geringhaltiger sind, je grösser die in den ersten Auszügen gelösten Mengen der Basen. Dass die Zeitdauer hierauf irgend einen Einfluss ausgeübt hat, ist aus den vorstehenden Versuchen [nicht zu ersehen, da ein Kontrol- versuch mit beschleunigter Auslaugung nicht ausgeführt ist. Der Unter- schied zwischen frisch gedüngtem und abgetragenem Lande möchte daher wohl weniger in der Veränderung der Lüshchkeit der absorbirten Stoffe zu suchen sein, als darin, das stets ein um so grösserer Theil der der Absorption ausgesetzten Stoffe in Lösung bleibt, je grösser die vorhandene Gesammtmenge ist. Bretschneider theilt dafür selbst eine Beobachtung mit, dass solche nicht absorbirte Stoffe sich drei Jahre hindurch im freien Ackerboden erhalten können. — Die Behauptung endlich, dass unfrucht- bare Bodenarten kein Absorptionsvermögen besitzen, entbehrt jeder Be- gründung. Der graue j) g p grauc F 1 v s c h s clii 6 f G T iii der Schweiz, von schiefer in J. Piccard. *) — Dei' Flyscli gehört den unteren eocenen derschweiz. Schichten der Triasformation an, er findet sich unter der spe- ziell Mo lasse genannten Schicht uud unmittelbar über dem Nummulitenkalk. Obgleich vielfach wechselnd in seinen Eigen- schaften und in seiner Zusammensetzung, zeichnet sich der Plysch stets durch schieferige Struktur aus. Wie alle Schiefer- arten ist auch der Flysch weich, fettig anzufühlen und leicht spaltbar. Die Farbe ist grau, häutig mit metallischem Schim- mer, von feinen Glimmerblättchcn hcrj-ührcnd. Zuweilen ist der Schiefer mit Sand, kohlensaurem Kalk, organischen Stoffen *) Zweiter Jahi'esbericht der Schweiz, alpwirthschaftl. Vereins, 1866. S. 267. Chemische und physische Eigenschaften dos Bodens, 47 oder Thüu gemischt und bildet dann feste Massen von dunkler Farbe oder thonige Mergel ohne Zusammenhang. Das untersuchte Mineral war ein hellgrauer Flysch- schiefer, leicht zerreiblich und mit Ausnahme einiger Kalk- steinadern, welche auf mechanischem Wege leicht ausgesondert werden konnten, ganz homogen. Fundort: Coire bei Lürlibad. Es enthielt bei 100" C. getrocknet: Wasser 2,12. Organische Substanz 0,71. Thonerde 13,84. Eisenoxyd 4,03. Magnesia 1,48. Kali 0,92. Natron 0,34. Kalk 0,50. Schwefelsäure 0,56. Phosphorsäure .... 0,09. Kieselsäure 75,87. Mangan . . S[)ur. 100,4G. Der Flysch giebt bei seiner Verwitterung Anlass zur Entstehung frucht- barer Lehmböden. Die gleichzeitige Anwesenheit von Gips und Magnesia in dem Minerale erklärt die oft auf dem Flysch beobachteten Et'tioreszenzen von Bittersalz. üeber den Kaligehalt glaukonitischer G e s t e i n e ^*i's«''*i* hat K. Haushofer'^) Untersuchungen ausgeführt, welche zUtis^her Ge- nachstehenden Ergebnissen geführt haben. Es enthielt: **"""• Kressenbcrger Mergel 4,8 Pr. Kali, Derselbe, zweite Probe 2.5 - Glaukonitmergel von Roding .... 1,2 - Glaukonitsaiid von Roding 3,0 - Glaukonitsand von Benediktbeuren . 0,5 - Kalkstein von Ortenburg 1,0 - Kalkstein von Sorg 0,25 - Glaukonitsand von Bayreuth .... 3,5 - Bekanntlich bildet der Glaukonit grüne Körner, eingelagert in die sedimentären Gesteine der Nummulitenformation, Kreide, Trias etc. Der Verfasser betrachtet die Glaukonite als sekundäre Bildungen, welche durch den Absatz aus einer oder die umwandelnde Wirkung einer wässrigen Lösung von Kieselsäure und kieselsauren Alkalien gebildet sind. In reinen Glaukonitkörnern beträgt der Kaligehalt bis zu 8 Prozent. *) Erdmann's Journal für praktische Chemie. Bd. 97. S. 364. 48 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Metamor- M G t a Dl o T p li s 1 T 1 6 T Gips voii der Tunuetschalp, Gips, von Wand er.*) — In dem grauen Thouschicfer der Tunuetsch- alp finden sich mächtige Einlagerungen von mehr oder weni- ger dichtem, bisweilen körnigem und zerreiblichem Gips von weisser bis gelblicher Farbe. W ander untersuchte eine Probe davon, wobei sich ergab, dass der Gips durch die Einwirkung von Kohlensäure und — wie der hohe Gehalt an Alkalien an- deutet — hauptsächlich wohl durch Wasser, welches kohlen- saure Alkalien enthielt, grösstentheils verändert war. Die Analyse ergab: Kalk 27,6159. Magnesia . . . 12,4330. Eisenoxyd . . . 2,9466. Thonerde . . . 1,3855. Kali 2,1432- Natron 2,4143- Schwefelsäure. 4,9927. Kohlensäure . 35,5465. Phosphorsäure 0,9456. Kieselsäure . . 10,1304. 100,5537. Interessant ist besonders auch der hohe Phosphorsäuregehalt des Mi- nerals. Bekannt ist, dass Aragonit in Formen von Gips vorkommt. (Poggen- dorflPs Annalen. Bd. 97. S. 161). Becquerel*) hat nachgewiesen, dass Aragonit durch Einwirkung von doppelt kohlensaurem Natron auf Gips entsteht. ueber Ucber Sedimentärerscheinungen, von Franz edimentar-g I j ^^^x — Vorfasscr maclit darauf aufmerksam, dass gen. gewisse Substanzen die Fähigkeit besitzen, trübe Flüssigkeiten, welche suspendirte Stoffe enthalten, rasch zu klären. So werden trübe Flüssigkeiten von aufgeschlämmten thonigen Erden durch Hinzusetzung von etwas Kalkwasser leicht ge- klärt. Das auf diese Weise gebildete Sediment zeigt eine viel lockerere Anordnung als bei Niederschlägen, welche ohne der- artige Zusätze aus reinem Wasser sich absetzen, und die arössere Lockerheit erhält sich auch beim Austrocknen. Der *) Zweiter Jahresbericht des Schweiz, alpwirthschaftlichcn Vereins. 1866. S. 301. **) Chemisches Centralblatt. 1852. S. 390. ***) Poggendorfif's Annalen. Bd. 129. S. 366. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 49 Verfasser nimmt liiernacli an, dass künftig bei der Beurthei- lung der sogenannten physischen Eigenschaften des Bodens der Antheil mit zubemessen ist, welchen die löslichen Bestandtheile der Düngungs-Meliorationsmittel au der dem Kulturzwecke so wesentlich dienenden Mürbigkcit der Erdniischung haben. Durch praktische Eri'ahruug war es längst bekannt, dass eine Kalk- düngung sehr wesentlich zur Lockerung schwerer Bodenarten beiträgt; man erklärte diese Wirkung des Kalks theils durch die durch denselben beschleunigte Zersetzung der organischen Bodcnbestandtheile, wobei Koh- lensäure gebildet wird, theils durch die daitei stattfindende Einlagerung von kohlensauiem Kalk zwischen die Thontheilchen der Ackererde. Durch die Untersuchungen des Verfassers ist ein neues, hierbei in Betracht kom- mendes Moment aufgedeckt, und weitere Untersuchungen über die mit den Sedimentirerscheinungen zusammenhängenden Molekularwirkungen dürften interessante Thatsachen für die Bodenkunde ergeben. Ueber die Wasserverdunstung aus dem Erdboden ue^er die hat F. Haberlandt*) einige Versuche ausgeführt, zu denen (j^,„*s"'i** ein humusarmer, feinsandiger Lehmkalkmergel benutzt wurde, aus dem Mit der Erde wurden Glascylinder von 2 Zoll Durchmesser und 10 Zoll Länge gefüllt, diese von oben mit Wasser bis zu verschiedener Tiefe angefeuchtet und dann der freiwilligen Verdunstung im September und Oktober bei warmer, trocke- ner Luft überlassen. Die Ausführung der Versuche ist nicht vorwurfsfrei, wir beschränken uns daher auf die Mittheilung der Hauptresultate. 1. Das Maximum der Verdunstung findet in den ersten Tagen nach der Aufeuchtung statt, und der Wasserverlust, den der Boden aus seiner obersten Schicht erfährt, kann in den ersten 24 Stunden selbst der Verdunstungsgrösse einer gleich grossen Wasserfläche gleich kommen oder diese sogar über- treffen. 2. Je trockener die oberste Bodenschicht wird, um so mehr verlangsamt sich die Verdunstung aus den unteren Schichten und beträgt schon nach 14 Tagen, selbst in dem Falle, wenn in den letzteren noch Feuchtigkeit genug vorhan- den sein sollte, kaum den zehnten Theil des am ersten Tage stattgefundenen Verlustes. *) Centralblatt für die gesammte Landeskultur. 186fi. S. 42L Jahrfsbericht. IX. 50 Chemische und physische Eigenschaften des Bodtns. 3. Je stärker und je tiefer hinab der Boden durchfeuch- tet ist, um so geringer ist der anfängliche Vcrhist durch die tägliche Verdunstung, ausgedrückt in Prozenten der gesamm- ten zugeführten Wassermenge. Später nähern sich die Ver- dunstungsmengen aus nahe liegenden Gründen und werden endlich, wenn die weniger tief durchfeuchtete Erde fast gar nichts mehr verliert, für die tiefer durchtränkte selbst grösser werden. Es zeigt sich dies deutlich, wenn man die einzelnen Ergebnisse für Zeitperioden von 5 zu 5 Tagen zusammenfasst. Der Verlust betrug in Prozenten der gesammten Wasserzufuhr: 1. 2. 3. 4. 5. 6. Regenhühe ...... 1 Linie 3Liu. GLin. 12Liu. 18Lin. 24Lin. Durchtränkte Schicht 0,2.3 Zoll 1,25 Zoll 2,b Zoll 4 Zoll 6 Zoll 7,75 Zoll 20. — 25. Septemhcr 100,43 94,83 72,19 57,38 42,15 40,tö 26.-30. - — 4,86 25,11 20,00 16,63 17,83 1. — 5. Oktober — ~ 2,79 5,55 6,31 7,22 5. — 10. - — — — 2,09 2,89 2,95 In 20 Tagen 100,43 99,69 100,09 85,02 67,98 68,63 4, Vollständig verdunstet war das Wasser aus dem Cy- linder: 1. schon nach 2 Tagen, 2. - 7 - 3. - 12 - Dagegen blieben nach 20 Tagen von der ursprünglichen Wassermenge noch zurück, im Cylindcr 4. 14,98 Proz. 5. 32,02 - 6. 31,37 - Bei Versuchen mit Kochsalzlösung statt des reinen Was- sers stellte sich eine Verlangsamung der Wasserverdunstung aus dem Boden heraus, auch zeigte sich, dass aus einer ver- dünnten Kochsalzlösung weniger Wasser verdunstete, als aus einem gleich grossen Gefässe mit destillirtem Wasser. Bei dem Anfeuchten des Erdbodens bildete sich in dem einen Ge- fässe durch Zusammensetzen der Erde eine mit Luft gefüllte Querspalte, welche in ähnlicher Weise die Verdunstung des Wassers verlangsamte, wie die Wärmeausstrahlung aus den Zimmern durch die Luftschicht zwischen Doppelfenstern ver- mindert wird. Lufterfüllte Räume im Boden hemmen hiernach Chemische und iihysische Eigenschaften des Bodens. 51 die Wasservei'diuistung, daher ist ein oberfiächliclies Lockern des Bodens für die Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit von Nutzen. Kleine, wenn auch oft sich wiederholende Regenfälle sind hiernach für die Vegetation von geringem Nutzen, da sie rasch wieder verdunsten. Pflanzen, welche ilirc Wurzeln bis in die tieferen Erdschichten treiben, befördern die Wasserverduustung aus der Tiefe, während sie an der Ober- fläche durch die Beschattung konservirend wirken. Bei der Brache ist eine flache Lockerung des Bodens zu empfehlen, ebenso bei IDrillsaaten ein flaches Behacken, um die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Der konser- virende Einfluss des Kochsalzes auf die Bodenfeuchtigkeit war schon durch frühere Untersuchungen*) bekannt, auch hat J. Sachs**) nachgewiesen, dass ein Gehalt der Bodenfeuchtigkeit an Salzen die Transpiration der darin wachsenden Pflanzen sehr erheblich retardirt. Die beobachtete Hemmung der Büdenverdunstung durch eine lufthaltige Spalte dürfte wohl auf die hier- durch gestörte Kapillarität im Boden zurückzuführen sein. Auch G. Wilhelm***) hat einige Versuche über die U'"''«'' ^^=^- Wasserverdunstung aus dem Erdboden ausgeführt, stun« aus welche den Einfluss der Vegetation auf diesen Vorgang ''e«" ^rd- betrafen. Der Verfasser verweist zunächst darauf, dass die Pflanzendecke den Boden beschattet und kühl erhält und vor dem austrocknenden P]influss der Winde schützt. Dadurch wird der Boden unter den Pflanzen an der Oberfläche feucht erhalten. Dagegen befördert die Vegetation die Verdunstung aus den tieferen Bodenscliichten. Wilhelm entnahm im Nach- winter 1 866 im freien Felde mehrere Bodenproben von Aeckern, welche im Vorjahre mit verschiedenen Gewächsen bebaut ge- wesen waren, und bestimmte deren Feuchtigkeitsgehalt. Es ergab sich bei einem tiefgründigen humosen Lehm- mergelboden: Wassergehalt in 100 Theilen frischer Erde: auf 100 Theilc trockener E Tiefe: Maisfeld: Luzernefeld: Maisfeld: Luzernefeld 0,5 Fuss 22,2 Proz. 17,7 Proz. 28,5 Proz. 21,4 Proz. 1,5 - 16,9 - 13,2 - 20,3 - 15,2 - 2,5 - 16,4 - 12,2 - 19,7 - 13,9 - *) Vergl. Peters: Das Kochsalz als Düngmittel. Chem. Ackersmann. 1861. S. 29. **) Die landw. Versuchsstationen. Bd. 4. S. 203. ***) Wochenbl. für Forst- u. Landwirthsch. in Würtcmb. 18G6. S. 174. 4* 52 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Bei einem mergeligen Sandlehm mit Unterlage von reinem feuchten Sand wurde gefunden: Wassergehalt in 100 Theilen frischer Erde: auf 100 Theile trockener Erde: Tiefe: Weizenfeld: Rübenfeld: Weizenfeld: Rübenfeld: 0,5 Fuss 18,84 Proz. 16,92 Proz. 23,22 Proz. 20,87 Proz. 1,5 - 20,81 - 18,01 - 26,28 - 21,96 - 2,5 - 24,26 - 21,61 - 32,03 - 27,57 - In beiden Fällen zeigte hiernach der durch längere Zeit im Jahre mit Pflanzen (Luzerne und Rüben) bestandene Bo- den einen geringeren Feuclitigkeitsgehalt. Bei ilem Luzerne- feld zeigte sich recht deutlich auch, dass tiefwurzelnde Ge- wächse eine Austrockuung des Untergrundes bewirken. Einfluss der Eiufluss dcr Wärme auf die wasserhaltende Wärme auf die Wasser- Kraft d cr A ck er er d 6, von F. Hab erlandt.*) — Der Ver- haitende faggcr maclit darauf aufmerksam, dass die Wasserkapazität der Kraft der . ' ^ Ackererde. Erdcu dui'ch dlc Wärme eine bedeutende Verringerung erlei- det. Wenn der mit Wasser durchtränkte Erdbrei bei der Be- stimmung der wasserhaltenden Kraft erwärmt wird, so wird derselbe an der Oberfläche triefend nass, es sammeln sich Wassertropfen in Vertiefungen der Oberfläche und fliessen seitwärts herab. Bei zwei Erdproben, einem humusreichen Lehmmergel und einem humujsarmen Lehm-Kalkmer- gel, hat der Verfasser die Unterschiede in der Wasserkapa= zität bei 15 und 60 Grad Reaum. genau bestimmt. Die Erden wurden hierbei mit Wasser von den angegebeneu Temperatur- graden zu einem Brei angerührt, in Trichter gebracht, und diese zum Abtropfen in Räume mit gleicher Temperatur ge- stellt: Ergebnisse: Lehmmergel: Kalk-Lelimmergel: Mit Wasser von 15 Grad behandelt 65,6 Proz. 46,4 Proz. - 60 - - 47,2 - 33,8 - In der Wärme war also die Wasserkapazität der Erden um 18,4, resp. 12,6 Proz. geringer. Diese Abnahme erklärt sich nach Habcrlandt einerseits aus den Gesetzen der Ka- pillarität, nach denen die Temperatur der Flüssigkeit und des *) Die landw. Versuchsstationen. Bd. 8. S. 458. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 53 porösen Körpers massgebend ist für die Ilöliej bis zu welcher das Wasser gehoben wird. Die Adhäsion, vermöge welclier die einzehien Erdtheilchcn das sie umgebende Wasser an ihrer Oberfläche festzuhalten vermögen, nimmt mit der steigenden Temperatur ab, und das Wasser beginnt von dem Zeitpunkte an abzuflicsscn, von welchem an durch eine höhere Tempera- tur das Gleichgewicht zwischen der Flächenanziehung und der Schwerkraft zu Gunsten der letzteren aufgehoben worden ist. Andererseits bewirkt die ungleiche Volumveränderung der ein- zelnen Bodeutheilchen und des Wassers eine Erweiterung der Haarröhrchen und erleichtert auch dadurch den Abfluss des Wassers. Dieser letztere Umstand bedingt auch das raschere Abfliessen des W^assers aus dem erwärmten Boden. Der Verfasser legt der Aenderung der wasserhaltenden Kraft durch die Wärme einen wesentlichen Einfluss auf das Pflanzenwachsthuni bei, indem er annimmt, dassdic Pflanzen- wurzeln das im Boden befindliche kapillare Wasser aus einem erwärmten Boden — also zur Sommerzeit — leichter und vollständigbr aufnehmen können, als aus einem kältern mit gleichem Feuchtigkeitsgehalt. Man hat beobachtet, dass ge- wisse rflanzcn ohne eine Aenderung der Feuehtigkeitsverhält- nisse des Bodens bei sinkender ßodentemperatur welken, bei steigender Bodenwärme aber wieder ihr frisches, straö'es Aus- sehen annehmen, wobei gewiss die verschieden grosse Wasser- kapazität des kaltem und wärmern Bodens nicht ohne P]in- fluss ist. Schliesslich kommt der Verfasser auf die Wahrnehmung von J. Sachs zu sprechen, dass die Wasserkapazität des Humusbodens durch das Ge- frieren und Aufthauon bedeutend vermindert wird. Da Sachs bei seineu Untersuchungen die Erde nahe bei Grad mit Wasser getränlct und deren Kapazität bestimmt hatte, während das Aufthauen und die Kontrolbestim- mung bei 10 bis 12 Grad Reaum. stattfand, so meint Haberlandt, dass die beobachtete Diflerenz lediglich auf den Temperaturunterschied bei den beiden Bestimmungen zurückzuführen sei. Dagegen ist jedoch zu bemer- ken, dass auch beim Gefrieren eine ungleiche Volumändening und eine Erweiterung der Kapillarröhren im Boden stattfindet. Die Erscheinung, dass die im Erdboden enthaltenenoie Hebuii« Steine an die Oberfläche kommen, erklärt F. C. Hen-i-s;«"; "» ' _ Erdboden. rici*) durch die ungleiche Beweglichkeit der Steine und der *) Poggendorff's Annalen. Bd. 129. S. 242. 54 Chemische und physische Eigenschaftpii des Bodens. feineren Erdtheilclien. Wenn nämlich der lockere Boden von Regen durchnässt wird, so senkt sich die feinere Erde mehr als die Steine: jene zieht sich mit dem Wasser hinab, wodurch bei oftmaliger Wiederholung die Steine zuletzt an die Ober- fläche kommen. Sehr wirksam für die allmähliche Hebung der Steine ist der Frost, welcher den durchnässten Boden mit den Steinen in die Höhe treibt, beim nachfolgenden Thauwetter aber unter den Steinen länger zurückbleibt als in der feineren Erde daneben, so dass diese zurücksinkt, während die Steine sich noch in der gehobenen Lage befinden, worin sie durch die zusammenrückenden Erdtheilclien erhalten werden. Daher , machen sich im Frühjalire die Steine auf dem Acker beson- ders bemerkbar. Cäsium und Cäsium und Rubidium in Gesteinen, von H. Las- Gestei'uen.' pcyres, ■^'") — liii Vcrfolg seiner Untersuchungen über die- sen Gegenstand'^'*) fand der Verfasser Cäsium und Rubidium in den Eruptivgesteinen der Pfalz, die bisher als Me- laphyr oder Maudelstein bezeichnet worden, nacji den Ana- lysen des Verfassers aber Gabbro oder ein Miscligestein von Gabbro und quaizführendcm Porpliyr, sogenannte Poi-phyrite, sind. Der Gelialt der Gesteine an diesen Körpern scliien um so geringer zu sein, je saurer das Silikat war. Scheinbar am reichsten war der schöne Gabbro in den Schichten des Rothliegenden zwischen Herchweiler und Albessen in Rhein- baiern. Nach den Untersuchungen des quarzführenden rothen Porphyrs um Kreuznach zu schliessen, enthalten die sauren Silikatgesteine (mit freier Kieselsäure) der Pfalz keine Spur von Cäsium und Rubidium. In den Melaphyren sind diese bei- den Metalle als Vertreter des Kaliums im kalilialtigen Labrador und Diallag enthalten. Kein Gang- oder Drusenmineral in den Melaphyren enthält Cäsium oder Rubidium. ueber die Ucbcr dic W är ui c k a p a z i t ä t V c r s cli i c d c u c r ß d c U' warmekapa.^^,^^^^ vou Lcopold Pfaundler.***) — Der Verfasser hat Zitat ver- ' ^ ' sciiiedeiier nach cinci' neuen Untersuchungsmethode versciiiedene Boden- ^"'''""""'"- arten auf ihre Wärmekai)azität geprüft und hierbei naclisteliende Resultate erhalten: *) Liebig's Annalen. P.d. i;58. S. l'JG. **) Jahresbericht. 18G5. S. 47. ***) roggondorff's Aiiiialeii. Bd. 19!). S. 102. Cliciiiisclio lind ]iliysisclio Eigonschaftoii dos Bodens. i>;) IspC'Z. Wiirine: Wasservfr- Spcz. Wilrinu Beschreilmncc ""J Fuudort der P'.rdcn. (1. h. 100» C. 111810.100^'. getrockneten in Erden. Prozenten. der lul't- Irockencii Erden. Fhisssand von den Pussteu östlich von Pest (Hermiiieiifold), feines gelbes Sand- pulver ohne Ilunnis 0,1923 0,27 0,1945 A 11 II V 1 a 1 s a n d vom Donauufer hei Mautern in Niederüsterreich, huniusfrei .... 0,2140 0,30 Ü,21G3 Sand von der Türkenschanze hei Wien, tertiäre Sand hügel, humusfrei . . 0,2029 0,41 0,2062 Kalksand 0,2081 Erde von dem Sauds teing eh irge des Wiener Waldes bei Dornhach, hellbrau- nes feines Pulver . 0,2503 2,35 0,2679 Erde vom Anninger, Kalkberge im Wie- ner Walde. Mittelbraunes grobes Pulver 0,2829 3,00 0,3044 Erde v. d. Gieselhöhe hei Scheibs, Kalk- herg in den niederustcrreichischen Vor- alpen (Aptychenkalk), halhbraunes fei- nes Pulver 0,3161 | 2,00 0,3298 Erde vom Oetscher, Kalkalpe in Unter- , Österreich. Hellbraune, ziemlich harte i Körner 0,2829 3,49 0,3075 Erde vom Granitplateau im Mühlviertel in Oheröstcrreich 0,3489 1,51 0,3587 p]rde von den Schiefergehängen des Donauthales hei Dürenstein (Gneis) . 0,2147 1,41 0,22.58 Erde vom S e r p e n t i n s t o c k am Südrande des böhmisch-mährischen Gebirgsplateaus 0,2793 1,00 0,2821 Erde vom Kaiserstein, Gipfel des nieder- österreichischen Schneeberges, dunkel- braune, sehr leichte und sehr humus- reiche Krume, Unterlage: Isokardien- kalk ............ . 0,4143 5,90 0,443G Erde aus einem Wiesenmoore am Räkos in Ungarn : enthielt Quarzsand beigemengt 0,2507 1,22 0,2.598 Torf aus einem Hochmoore bei Mariazeil in Steiermark, fast nur aus Pflanzen- stoffen bestehend und sehr leicht . . . 0,5069 4,55 0,5293 Steppenboden im Inundationsgebiete zwi- schen der Laggva und Theiss, harte, aschgraue, thonige Stücke, völlig un- fruchtbar 0,2682 2,09 , 0,2836 Erde von besonders fruchtbaren Weizen- äckern bei Palota in der Niihe von Stuhl- weissenburg in Ungarn 0,2847 2,66 0,3037 Szrk-Sö, Kehrsoda*) von den Ufern der Lachen bei Tapio - Szella in Ungarn , weisslich aschgraues, leichtes Pulver . . 0,2136 *) Diese einzige Erde ergab eine negative Benetzungswärme, d. li. Ali- kühlung beim Vermischen mit Wasser. 56 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Nach diesen Bestimmungen diifei'irt die Wärmekapazität der Erden zwischen 0,19 nnd 0,50, sie wechselt also zwischen der Hälfte und dem Fünftel der spezifischen Wärme des Was- sers. Die niedrigste Wärmekapazität zeigen die humusfreien Bodenarten, wobei die geognostische Besehaflenheit der Ge- mengtheile ziemlich irrelevant ist, die grösste die humusreichen Erden und der Torf. Auch der Wassergehalt der Erden erhöht die Wärme- kapazität, daher zeigen insbesondere thonige Erden, welche sehr viel Wasser aufsaugen und festhalten, diese Eigenschaft in relativ hohem Grade. Dass die Wärmekapazität der Erden einen wichtigen Einflnss auf das Gedeihen der Pflanzen ausübt, ist bekannt; der Verfasser zeigt, wie die Aufnahme der mineralischen Nährstoffe durch die Pflanze eben so wie tiuch der in der Pflanze sich vollziehende Reduktionsprozess mit Wärme- verbrauch verknüpft ist. Erden, welche eine geringe Wärmekapazität be- sitzen, erwärmen sich unter gleichen Verhältnissen rascher und stärker, sie kühlen sich aber auch schneller wieder ab als solche, deren Wärme- kapazität grösser ist. Die Untersuchungen des Verfassers lehren nun, dass die geognostische Beschaffenheit der Unterlage für die Wärmever- hältnisse von geringerer Bedeutung ist, und dass dafür zwei andere Fak- toren: Humusgehalt und Wasserzurückhaltungsvcrmögen, in den Vorder- grund treten. Kalkspath, Bittersputh, Bergkristall und die meisten Silikate besitzen fast genau übereinstimmend eine spezifische Wärme von 0,19 bis 0,20, 'dieselbe Wärmekapazität zeigen die trockenen und huniusfreien Bo- denarten, Von weiteren hierher gehörigen jMittheilungen, deren Wiedergabe uns der Raum dieses Berichts verbietet, haben wir noch zu erwähnen: Ueber die Eigenschaften der Ackererde, von W. Knop. *) Die Hanptgemengtheile des Bodens nach ihren wichtigsten Eigen- schaften, Verwandlungenhind einfachsten Untersuehungsweisen, vonS enf t**) Ueber die Wasser- und Wärmeverliälfnisse in torfigen und moorigen Gründen. ***) Das Aufsaugungs- und Verdichtungsvermögen der Ackerkrume, von ?. Rosenberg-Lipinsky. tj *) Braunschweigische land- und forstw. Mittheilungen. 1866. S. 98. Zeitschrift des landw. Vereins in Baiern. IBGG. S. 91. **) Forstliche Blätter. Bd. 11. S, 117. ***) Der schlesische Landwirth. 1866. S. 203. f) Der schlesische Landwirth. 1866. S. 269. Chemische uiul pliysische Eigenschaften des Bodens. 57 lieber das Verhalten der vier büdcnkonstituirenden BestantUheile zum Wasser, von Paul B r c t s c h n e i d e r. *) Ueber die Bodeuaualyse, von Volhard. ''•) üeber die Bedeutung der Bodenanalyse, von Dietrich.***) Ueber die chemische Analyse der Ackererde, von A. Müller, f) Untersuchung von verschiedenen Wiesenkalken und Sandmergeln, von H. Böhnke-Reich. ff) Den ersten Abschnitt unseres Jahresberichts „Bodenbildung" er- RiitJkbiick. üiFnet eine Mittheilung von A. Stöckhardt über die Entstehung und Zusammensetzung des Marschbodens in Schleswig. Wir entnehmen dar- aus, dass die Schlammmassen, welche die in die Nordsee fiiessenden Flüsse und Ströme mit sich führen, das Bildungsmaterial für diese thonreichen Ablagerungen geliefert haben und noch liefern, die sich nach und nach über die Fluthhohe des Meeres erhöhen, anfänglich MeerespHanzen und später süsse Gräser und Laudpflanzen hervorbringen, und, nachdem sie bei genügender Erhöhung durch Erdwälle vor Ueberschwemmungeu ge- schützt worden sind, für landwirthschaftliche Zwecke in Benutzung genom- men werden können. Alle Marschbndenarten zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Thon aus ; charakteristisch ist . für dieselben ihr Gehalt an sehr fein /ertheilten silberweissen Glimmerblättchen. Die oberen Erd- schichten besitzen nur einen massigen Gehalt an Kalk und Magnesia, der nach unten hin zunimmt und in den sogenannten Kleierden zwischen 2,5 bis 5,4 Prozent beträgt. Diesen Kalkgehalt verdanken die Marscherden grösstentheils den zerstörten Gesteinen der Kreideformation, zum Theil rührt derselbe von kleineren und grösseren Muscheln und den Kalkpan- zern von Infusorien her. Manche Bodenarten enthalten beträchtliche Mengen von Eisenverbindungen. Der iHumusgehalt wechselt zwischen 2 bis 8 Proz.; meistens zeigen die oberen, an anderen Orten die unteren Schichten den grösseren Humusgehalt. Eine Ablagerung von Darg oder Pechtorf scheint sich in den schleswigschen Marschen nicht zu finden. Erheblich ist der Gehalt der Marschböden an Phosphorsäure (und Kali), nach Forchhammer gehen diese Körper mit der kieselsauren Thonerde chemische Verbindungen ein, wodurch sie vor dem Auswaschen durch das Seewasser geschützt werden. — Vau Be mm eleu lieferte eine Unter- suchung der niederländischen Marschen, deren Bildung in derselben Weise *) Der schlesische Landwirth. 186G. S. 25. **) Zeitschrift des laudwirthschaftlichen Vereins in Baiern. 1866. Seite 68. ***) Der schlesische Landwirth. 1866. S. 358. f) Journal für praktische Chemie. Bd. 98. S. 1. ff) Archiv der Pharmacie. Bd. 125. S. 248. 58 Chemische niul pliysische Eigenschaften des Budeus. geschah, wie bei den Marschen in Schleswig, doch zeigt sich in den Nie- derlanden eine grössere Mannichfaltigkeit der aus dem Meere abgelagerten Erdschichten. Interessant sind besonders die Beobachtungen des Verfas- sers über die Veränderungen, welche der Marschboden im Laufe der Zeit durch die Einwirkung des Regeuwassers erfährt. Zunächst scheinen dadurch die löslichen schwefelsauren Salze und die Chlormetalle, welche aus dem Meerwasser aufgenommen Avaren, grösstentheils fortgefiihrt zu werden, aber auch der anfänglich reichere Gehalt des Bodens an kohlen- saurem Kalk wird durch das Regenwasser bis auf etwa 1 Proz. Kalk, welcher an Kieselsäure gebunden ist, herab gemindert und in die Tiefe geführt. Eine Erschöpfung der älteren eingedeichten Ländereien durch die Kultur tritt dagegen nicht hervor. Eine Berücksichtigung verdient noch die Erklärung des Verfassers über die Vorgänge bei der Bildung der sauren gipshaltigeu Wühlerden, welche basisch schwefelsaure Salze von Eisenoxyd und Thouerde enthalten. Es spielen dabei wechselseitige Zer- setzungen des schwefelsauren Kalks dos Meerwassers mit dem Eisenoxyd, den Humussubstauzen und dem kohlensauren Kalk des Bodens eine Rolle. — E. Reichardt analysirte Schlammabsätze aus der Saale, welche sich reich an in Säure löslichen Silikaten und Karbonaten erwiesen; der hohe Phosphorsäuregehalt spricht für die Fruchtbarkeit derartiger Sedimente. — A. Terreil lieferte Analysen des Gesteins, aus welchem die durch vulkanische Thätigkeit entstandene Insel Santorin gebildet ist ; dasselbe zeigte die Zusammensetzung des Feldspaths.' In dem Kapitel „Chemische und p h y s i s c h e p] i g e n s c h a f t e n d e s Bodens" theilten wir zunächst eine Untersuchung von E. B Jumtr itt und E. Reichardt über die von trockenen Körpern absorbirton und verdichteten Gase mit. Es war bereits bekannt, dass manche Körper, namentlich po- röse und fein zertheilte , wie Kohle und Platinschwamm , in hohem Grade das Vermögen besitzen, Gase zu absorbiren und zu verdichten; die Ver- fasser zeigen nun, dass diese Eigenschaft sehr vielen verschiedenartigen Körpern zukommt, dass aber dabei nicht eine einfache Verdichtung der atmosphärischen Luft stattfindet, sondern dass die verschiedenen Substan- zen die Gemengtheile der Luft in qualitativ und quantitativ wechselnden Verhältnissen verdichten. In besonders hohem Grade scheint die Kohlen- säure aufgenommen zu werden, der Sauerstoff dagegen in geringerem Grade; auch der Stickstoff wird von manchen Körpern verdichtet, es Hess sich jedoch nicht nachweisen, dass hierdurch die Bildung von Ammoniak oder Salpetersäure bewirkt wurde. Hervorzuheben ist noch das hohe Absorptionsvermögen des Eisenoxyds und der Thonerde für Kohlensäure, welches wahrscheinlich für die Beziehungen dieser in jedem Erdboden vorhandenen Substanzen zu der Ernährung der Pflanzen von Wichtigkeit ist. — E. Hey den lieferte eine Fortsetzung seiner Untersuchungen über die Ursachen der Absorption von Basen durch Ackererde; er nimmt an, dass bei den natürlichen Thonerdcsilikaten das Absorptionsvermögen in Verhältniss stehe zu dem Gehalte derselben an in Säure löslicher Kiesel- säure (Zeolithen), jedoch liefern die mitgetheiltcn Untersuchungen hierfür nur schwache Beweise. Auch die llumussubstanzcn besitzen Absoijitions- Clioniisrlio und iiliysisclio Eigenscliafton dos liodons. ^9 fähigkeit, sie nehmen aus wässrigeu liösungen sowohl uuzersetzte Salze als Basen mit Ausschluss der Säuren auf. Es ist bekannt, dass manche Basen und Salze mit Ilumussubstanzen schwer kisliche Verbindungen ein- gehen , auch haben frühere Untersuchungen die Absorptionsfähigkeit hu- moser Kuri)er bereits nachgewiesen. Die Tlieoric über die Absorptions- erscheinungeu ist auch durch die vorliegenden Untersuchungen noch nicht zum Abschlüsse gekommen; wichtig ist hierfür die Beobachtung Witt- stein 's und Pribrani's, dass Ammoniak mit Kieselsäure feste Verbin- dungen eingeht; auch die Beobachtung von K. Haushof er verdient Be- achtung, dass Niederschläge von Thonerde- und Thonerde-Eisenoxydsili- katen beim Auswaschen das Kali mit grosser Energie zurückhalten, wäh- rend dem Magnesiasilikat und dem einfachen Eisenoxydsilikat diese Eigenschaft abgeht. — Nach A. Frank's Untersuchungen besitzt das Kochsalz die Fähigkeit, der absorbirenden Kraft der Ackererde entgegen zu wirken und das bereits absorbirte Kali wieder in Lösung zurückzu- führen. Dies war übrigens schon aus früheren Untersuchungen bekannt. Eine Düngung mit Kochsalz wird hiernach die Auflösung der im absor- birteu Zustande in dem Boden enthalteneu Körper wie deren Herabfüh- rung in die tieferen Bodenschichten befördern; letzteres scheint besonders für die Zuführung von Ptianzennährstoffen bei tiefwurzelnden Gewiichsen von Wichtigkeit zu sein. — A. Müller theilte eine Reihe von Stickstofl- bestimmungeu bei schwedischen Bodenarten mit, aus denen sich ergiebt, dass der Stickstoffgehalt in einer gewissen Beziehung zu dem Gehalte der Erden au organischen Stoffen, Hydratwasser und hygroskopischem Wasser steht; das Verbal tniss schwankt jedoch nach anderen Untersuchungen innerhalb ziemlich weiter Grenzen. Bei Grouven's Untersuchungen tritt weder zwischen dem Humusgehalte und dem Gehalte des Bodens an Stickstoff, noch zwischen diesem und dem Ammoniak- und Salpetersäure- gehalt eine engere Beziehung hervor. — A. Cossa und H. Grouven haben Bestimmungen über den Gehalt der Bodenarten an in Wasser lös- lichen Bestandtheilen ausgeführt. Im Ganzen werden nur geringe Mengen von mineralischen und organischen Substanzen durch Wasser aus Acker- erde ausgezogen; bei Cossa's Untersuchungen betrug die Menge der gelösten organischen Substanzen meistens mehr, als die der unorganischen, Grouven's Bestimmungen ergaben ein entgegengesetztes Resultat. Koh- lensaures Wasser wirkte besonders auf die mineralischen Substanzen stär- ker lösend ein, als reines. Wenn auch durch diese Bestimmungen nach- gewiesen ist, dass unbeschadet der Absorptionskraft der Erden schwache Salzlösungen im Erdboden zirkuliren und den Pflanzen Nährstofte zufüh- ren können, so giebt doch die alleinige Bestimmung der Gesammtmenge der in Wasser löslichen Substanzen keinen Anhalt zur Beurtheilung des Fruchtbarkeitszustandes der Ackererden. — P. Bretschneider 's Unter- suchungen über die Löslichkeit der im absorbirten Zustande im Erdboden enthaltenen Körper lehren, dass kohlensaures Wasser, besonders für die alkalischen Erden und in geringerem Grade auch für Kali und Natron ein grösseres Lösungsvermögen besitzt, als reines Wasser; auf die absor- birte Phosphorsäure und das Ammoniak scheint die Kohlensäure ohne 60 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Einfluss zu sein. Ein bestimmtes Löslichkeitsverhältniss existirt nicht, die Mengen, welche eine bestimmte Wassermenge aufzunehmen vermag, sind abhängig von dem Gesaramtgehalte des Bodens an absorbirten Stoffen — nach Bretiichneidor auch von der Zeit, während welcher die absorbir- ten Stoffe mit den Bodenbestaudtheilen in Berührung Maren. — Franz Schulze lenkte die Aufmerksamkeit der Agrikulturchemiker auf gewisse Erscheinungen bei der Bildung von Sedimenten, welche für die Vorgänge bei der Entstehung angeschwemmter Bodenarten, wie für die Theorie der Wirksamkeit gewisser Düngestoffe nicht ohne Wichtigkeit zu sein schei- nen. — lieber Wasserverdunstung aus dem Erdboden liegen Untersuchun- gen von F. Haberlandt und G. Wilhelm vor. Die Experimente Ha- berlandt's lehren, dass die Verdunstung von der seichteren oder tiefe- ren Durchtränkung des Bodens mit Wasser abhängig ist. Die stärkste Verdunstung findet statt, wenn nur die oberste Erdschicht angefeuchtet ist, es kann dann von einer bestimmten Bodenfläche selbst mehr Wasser verdampfen, als von einer gleich grossen Wasserfläche. Mit dem Aus- trocknen der oberen Bodenschicht vermindert sich nach und nach die Verdunstuugsgrösse, es scheint mithin das Wasser aus den tieferen Schich- ten nicht so rasch durch Kapillarität gehoben zu werden, als es von der Oberfläche verdunstet. Aus Wilhelm's Beobachtungen ergiebt sich, dass eine Pflanzendecke zwar oberflächlich den Boden gegen den austrocknen- den Einfluss der Winde schützt, aber in Folge der Aufsaugung von Was- ser durch die W'urzelu aus den tieferen Bodenschichten die Verdunstung von Wasser aus diesen befördert. — Die Erscheinung, dass die im Erd- boden sich vorfindenden Steine allmählich an die Oberfläche kommen, er- klärt F. C. Ilenrici durch die ungleiche Beweglichkeit der Steine und der feineren Erdtheilchen beim Durchnässen, Gefrieren und Aufthauen des Erdbodens. — F. Haberlandt zeigte, dass die Wasserkapazität der Ackererde durch die Wärme eine beträchtliche Verringerung erleidet. Es scheint sich dies dadurch zu erklären, dass mit steigender Temperatur die Adhäsion des Wassers zu den Erdtheilchen abnimmt und gleichzeitig durch die ungleiche Ausdehnung des Wassers und der Bodentheilchen die Haarröhrchen im Boden sich erweitern. — L. Pfaundler stellte Unter- suchungen über die Wärmekapazität verschiedener Bodenarten an, aus denen sich ergiebt, dass die spezifische V/ärme des Bodens zwischen der Hälfte und dem Fünftel derjenigen des Wassers beträgt. Die Differenzen sind weniger durch die geognostische Beschaffenheit als dmxh den Humus- gehalt und das Wasserzurückhaltuugsvcrmögen der Erden bedingt. — Endlich haben wir noch einige Arbeiten mitgetheilt, welche die chiunische Zusammensetzung von Gesteinen betreffen, nämlich eine Untersuchung des grauen Flyschschiefers der Schweiz von J. Piccard, eine Reihe von Be- stimmungen des Kaligehalts in glaukonifischcn Gesteinen von K. Haus- hofer, eine Analyse inetamorphosirteji Gipses von Wander und endlich Untersuchungen über den Gehalt an Cäsium und Kubidium in den Eruptiv- gesteinen der Pfalz von Hugo Laspeyres. Literatur. Ql Literatur. Beiträge zur geognostischen Keuutniss des Erzgebirges. Auf Anordnung des königl. Sachs. Oberbergamts aus dem Ganguntersucbuugsarchiv herausgegeben. 1. lieft: Die Gnmite von Geyer und Ehrenfriedersdorf sowie die Zinnerzlagerstiltten von Geyer, von Alfr. Wilh. Stelzner. Graz und Gerlach. Beiträge zur Geognosio Mecklenburgs mit Berücksichtigung der Nachbar- länder, von Ernst Boll. 1. Abth. Neiibrandenlnug, Brünslow. Systeme silurien du centrc de la Boheme, par Joach. Barrande. 1. partie. Leipzig. Gerhard. Zwölf Fragmente über Geologie oder Beleuchtung dieser Wissenschaft nach den Grundsätzen der Astronomie und der Physik, von Franz, Grafen von Marenzi. 8. Aufl. Wien. Mechithar.-Cuugrrg.-Buchh. üeber die vulkanischen Erscheinungen in der Eifel und über die Metaraor- phie der Gesteine durch erhöhte Temperatur , von E. Mitscherlicht herausgegeben von F. Koth. Berlin, Dümmler. Beiträge zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Harzgebirges, von Friedr. Adolf Römer. Cassel, Fischer. Der Alloklar und der sogenannte Glaukodot von Orawicza, von Gustav Tschermak. Wien, Gerold's Sohn. lieber das Auftreten von Olivin im Augitporphir und Melaphyr, von Gast. Tschermak. Wien, Gerold's Sohn. Ueber die jüngeren Ablagerungen des südlichen Russlands, von N. Bai bot de Marny. Wien, Gerold's Sohn. Die Geologie der Gegenwart dargestellt und beleuchtet von B. von Cotta. Leipzig, Weber. Bericht über neuerlich auf der Insel Santorin stattgehabte vulkanische Er- scheinungen. Wien, Gerold's Sohn. Begleitworte zur geologischen Uebersichtskarte der Rheinprovinz und der P. vinz Weslphalen, von II. von Dechen. Berlin, Schropp. GescJiiLhte der Erde. Eine Geologie auf neuer Grundlage, von Fr. Mohr. .Hunn, Cohen und Sohn. LehL-buch der Geognosie, von Carl Naumann. 2. Aufl. Lei[!zig, Engelmann. Beiträge zur Erklärung der Dolomitbildung, von Th. Scherer. Dresden und Jena, Frommann. Ueber das Vorkommen von phosphorsaurem Kalk in der Lahn- und Dill- gegend mit besonderer Berücksichtigung des Vorkommens bei Staflfel, Amts Limburg, vou C. A. Stein. Wiesbaden. Nieduer. Untersuchungen über den Charakter der österreicbisihen Tertiärablagerungen, von Ed. Suess. Wien. Gerold's Sohn. Lehrbuch der Geologie und Petrefaktenkunde . von Carl Vogt. 3. Aufl. Braunschweig, Vieweg und Sohn. Die Luft, ueber den Ucbcr tlcu an g G b 11 ch 6 11 J d g G halt der atmospliä- jotigehait, risclien Luft hat G. Nadler*) neuerdings wieder Unter- (ler Luft, suchungen ausgeführt, bei denen ein Jodgchalt in der Luft von Zürich nicht konstatirt werden konnte. Die zu den Unter- suchungen benutzten Luftmengen betrugen das eine Mal 4000, und das andere Mal 10,800 Liter. Seit Chatin's angeblicher Entdeckung des Jods in der Luft sind von Foui'cault, Lohmeyer, de Luca, Kletzinsky, Cloez u. A. Unter- suchungen hierüber an verschiedenen Orten, jedoch meistens mit negativem Erfolge, ausgeführt worden. Hiernach erscheinen die behaupteten Bezie- hungen des Jodgehalts der Luft zu dem Auftreten des Kropfes, dem Kre- tinismus und dem Billiet'schen Jodismus als unbegründet. Gleichzeitig hat der Verfasser auch verschiedene andere Substanzen auf einen etwaigen Jodgehalt geprüft. In dem "Wasser einer am Zürichberge entspringenden Quelle, wie in dem Wasser des Zürichsee's war dieser Stoff nicht nachzu- weisen. Von dem Quellwasser wurden 50 Liter zur Unter- suchung benutzt, das Seewasser gelangte im Verlaufe von 12 Wochen dreimal in Mengen von 6, 36 und 50 Litern zur Unter- suchung. Auch Potamogeton crispus aus dem Zürichsee und Nasturtium officinale enthielten kein Jod. Ebensowenig konnte dasselbe in dem Brot von Triticum Spelta und in der Milch von Kühen und Ziegen aufgefunden werden. Hühnereier er- gaben in zwei Fällen bei Verwendung von 50 und 20 Eiern *) Erdmann's Journal f., prakt. Chemie. Bd. 99. S. 194. Die Luft. Q-^ weder im Gelben iiocli im Weissen einen Jodgelialt, hei einer dritten Probe mit 18 Eiern zeigten sieh im Eiweiss deutliche Spuren. Drei verschiedene Sorten Leberthran ergaben deut- liche, aber verschiedene Mengen von Jod. Ebenso wurde in Badeschwämmen und in der Schwammkohlc Jod gefunden, zwei Sorten der letzteren aus Apotheken (S})ongia usta) entliielten 0,070, resp. 0,2564 Proz. Jod, also sehr verschiedene Mengen. Der Verfasser bemerkt, dass die gewöhnlich angewandte Untersuchungs- nicthode auf Jod, wobei dasselbe durch Chlorwasser oder Untersalpeter- säurc frei gemacht wird, Anlass zu Täuschungen geben kann, wenn die , Untersuchungsobjekte Schwefelcyanvcrbin düngen enthalten. Dies pflegt aber dann vorzukommen, wenn man Stickstoff- und schwefelhaltige Sub- stanzen behufs der Jodprüfung mit Alkalien verkohlt. Es bildet sich dann Pseudoschwefelcyan und je nach der Konzentration der Lösung eine zwiebel- rothe bis rosenrothe, unter Umständen sogar bläuliche Färbung, die leicht mit der Jodreaktion verwechselt werden kann. lieber den Ammoniak geh alt der atmosphärischen u^^'»" •''^■' Luft hat A. Müller*) Untersuchungen ausgeführt, welche sich g^hlirdeV auf die Ermittelung derjenigen Ammoniakmenge bezogen, die ^uft. von den Pflanzen direkt, ohne Vermittelung atmosphärischer Niederschläge aus der Luft aufgenommen werden kann. Es wiu-den zu diesem Zwecke auf einem hohen freien Platze unter einem Jalousiedache flache weite Glasschalen aufgestellt, welche verdünnte Schwefelsäure enthielten. Nach viermouatlichem Stehen fand sich, dass die Schwefelsäure 0,028 Grm. Ammoniak per Quadratfuss, also circa 2 Pfd. per preuss. Morgen Fläche absorbirt hatte. Die in der Form von kohlensaurem Ammoniak in der Luft verbreitete Ammoniakmenge scheint hiernach nur gering zu sein. — Sachs und Peters**) haben die Möglichkeit der Aufnahme von Ammouiakdämpfeu durch die Blätter der Pflanzen nachgewiesen. Ueber den Einfluss der Jahreszeiten auf denEinHussdor Ozongehalt der atmosphärischen Luft, von A. jj o u - •''''"■''"'''"'" zeau.'-^'"'^) — Nach den Untersuchungen des Verfassers erreicht ozongchait die chemische Aktivität der Luft ihr Maximum im Frühling, ''" ^"^'• sie nimmt gegen den Herbst hin allmählich ab und verschwindet *) Erdmaun's Journal für praktische Chemie. jBd. %. S. 339. **) Der chemische Ackersmann. 1860. S. 164. ***) Bulletin de la socicte chim. 1865. S. 83. 64 Die Luft. endlich ganz, um gegen das Ende des Winters wieder bemerk- lich zu werden. — Uebereinstimmende Resultate erhielt Be- rigny, (Compt. rend. Bd. 60, S. 903) welcher im Mai den höchsten und im November den niedrigsten Ozongehalt der Luft beobachtete. Die Bestiinmungen über den Ozongehalt der Luft haben bis jetzt bei der Unsicherheit der Nachweisungsmethoden, auf welche auch Fremy (Compt. rend. Bd. 61. S. 9o9) aufmerksam macht, zu genauen Resultaten nicht geführt. Der Verfasser bedient sich zur Nachweisung des Ozons ^ einer mit Laekmustiuktur versetzten Jodkaliumlösung. Phosphor- Phosphorsäure als ßestandtheil der Luft, von ^Itlldtheii -^^- Reinsch.*) — Der Vei'fasser nimmt an, dass die Phosphor- der Luft, säuro ciuen konstanten ßestandtheil der atmosphärischen Luft bildet und derselben durch die auf der Erde stattfindenden Verbrennungs- und Päulnissprozesse zugeführt wird. Indem der Verfasser den jährlichen Verbrauch an Steinkohlen (in Europa und Amerika) auf 2,600 Millionen Zentner und deren Phosphorsäuregehalt durclischnittlich zu 1 Proz. annimmt, be- rechnet er, dass jährlich 26 Millionen Zentner Phosphorsäure durch die A^erbrennung der Steinkohlen der Atmosphäre zu- geführt werden. Durch direkte Untersuchungen der Luft mittels Durchleiteus durch absorbirende Flüssigkeiten konnte die Phos- phorsäure darin nicht nachgewiesen werden, dagegen stellte sich heraus, dass angefeuchtete, im Freien ausgespannte Lein- wand nach einiger Zeit Reaktion auf Phosphorsäurc zeigte. Es bedarf kaum der Erörterung, dass die Phosphorsäure nur in der Form von Staub und Aschentheilcheu in der Luft enthalten sein kann. Eine Reduktion der in den Brennmaterialien enthaltenen Phosphorsäure findet bei dem gewöhnlichen Verbrennungsprozesse nicht statt, ebensowenig ist die freiwillige Entwicklung von scll)Stentzündlichemj Phosphorwasser- stoifgas bei der Fiiiilniss jemals nachgewiesen worden. Uebrigens giebt Rein seh auch den mittleren Gehalt der Steinkohle an Phosphorsäure viel zu hoch au, wir fanden in einer oberschlesischeji Kohle mit 6.10 Proz. Ascheng(;balt nur 0,031 bis 0,036 Proz. Phosphorsäure. -— Die Schluss- folgerungen des Verfassers bezüglich der Erucährung der Pflanzen mit Phosphorsäure verdienen keine weitere Berücksichtigung. — Zu be- merken ist noch, dass die Phosphorsäure (phosphorsaurer Kalk) schon *) Agronomische Zeitung. 1866. S. 673. Die Luft. 65 früher von Barral und Robin et*) im Regenwasser nachgewiesen ist. Nach von Reich enb ach **) enthält die Luft stets die phosijhorsäure- haltige Asche der in die Erdatmosphäre gelangenden Sternschnuppen. — Ueber die Luft in den Industriestädten, von"^'^"'''« Luft iu den Crace Calvert.'^*'^") — Der Rauch der fechornsteme ist em i.uiustrie- Mittelding zwischen den Produkten der vollkommenen Ver- «'"''*''"• brennung (Kohlensäure, Wasser, Stickstoff und schweflige Säure) und denen der trockenen Destillation. Bei den Heizeinrichtungen in Wohnhäusern findet eine ziemlich vollständige Verbrennung statt, und die Verbrennungsprodukte bestehen daher fast ganz aus den genannten Stoffen, nur beim Aufschütten frischer Kohlen bilden sich flüchtige Kohlenwasserstoffe, die sich zum Theil in den Essen absetzen und die Russbildung veranlassen. In Fabrikanlagen findet dagegen nur eine unvollständige Ver- brennung der Steinkohlen statt, weil immer neue Kohlen zu- geführt werden; dabei ist der Luftzug in den hohen Schorn- steinen so stark, dass in diesen die Verdichtung der Kohlen- wasserstoffe nicht eintritt, welche sich deshalb erst in der freien Luft kondensiren. Schwarzer Rauch ist ein Gemisch aus den Produkten der unvollkommenen Verbrennung mit fein zertheiltem Kohlenstoff. Diese in die Atmosphäre geführten Kohlentheilchen ziehen die flüssigen Verbrennungsprodukte an und befordern deren Kondensation. Beim Herabfallen be- festigen sie sich auf den Pflanzen , verstopfen die Poren der- selben und beeinträchtigen die Kohlensäureabsorption. Ausser- dem vermindert rauchhaltige Luft die Intensität des Sonnenlichts und wirkt auch dadurcli nachtheilig auf die Vegetation ein. Hierin ist nach dem Verfasser die Schädlichkeit der industriellen Etablissements für die Vegetation der Umgegend bedingt, der durch die Verbrennung gebildeten schwefligen Säure legt er einen besonderen Einfluss nicht bei. Ueber die Gase und Dämpfe, welche beim Feld- Gase und ziegeleibetriebe sich entwickeln, hat H. Vo hl f) Unter- ^^^p;^.;*;^ *) Jahresbericht. 1864. S. 15. **) Ibidem. S. 14. ***) Mechanics magazine. 18G(j. S. 241. t) Polytechnisches Journal. Bd. 178. S. 29(j. Jahresbericht. IX. 66 Die Luft. suchimgen angestellt, aus denen hervorgeht, dass dabei folgende Produkte gebildet werden: Kohlensäure, Kohlenoxyd, Sumpf- gas, Ölbildendes Gas, Schwefelwasserstoff, schweflige Säure, Schwefelsäure, Chlorwasserstoff, Salmiak, Eisenchlorid, Wasser und empyreumatische Stoffe. Die Gase verdanken ihre Ent- stehung gTösstentheils dem Brennmateriale, die Dämpfe rühren dagegen hauptsächlich aus dem Thone her. Bei Beginn der Heizung bestehen die sich entwickelnden Gase und Dämpfe vorzugsweise aus den Produkten der Verbrennung der Stein- kohle und denen der trocknen Destillation der Kohle und des Thones. Die Chlorwasserstoflfsäure und Schwefelsäure ent- stehen erst im letzten Stadium des Brennprozesses, und zwar auf Kosten der Zersetzung der Chloride und der schwefelsauren Salze der Alkalien, Avelche im Thone nie fehlen, durch die Kieselsäure der kieselsauren Thonerde. Indem die gebildete Chlorwasserstofifsäure auf das rothglühende Eisenoxyd des Thones einwirkt, ist Anlass zur Bildung von Eisenchlorid ge- gegeben, welches mit dem aus den stickstoffhaltigen organischen Bestandtheilen des Thones erzeugten Ammoniak sich zu Eisen- salmiak vereinigt. Schwefelwasserstoff tritt nur bei Anwendung von fetter Kohle auf, dagegen ist die Entwickelung von schwef- liger Säure bei Benutzung von schwefelkieshaltiger Kohle und schwefelkieshaltigem Thon oft sehr massenhaft. Auch durch die Einwirkung des Kohlenstoffs auf die schwefelsauren Salze und nachherige Zersetzung der gebildeten Schwefelmetalle durch die frei gewordene Salzsäure ist Anlass zur Bildung von schwefliger Säure gegeben, indem der entbundene Schwefel- wasserstoff mit der schwefligen Säure des Brennmaterials sich zersetzt, der ausgeschiedene Schwefel aber später wieder zu schwefliger Säure verbrennt. Cyanverbindungen konnte der Verfasser in dem Rauche d(;r Ziogcleien nicht nachweisen. Der nachtheilige PJiiiHuss der Verbronnungsprodukte der Ziegeleien auf die Vegetation der Nachbarschaft ist wohl hauptsächlich auf die dabei gebildeten Säuren : schweflige Säure, Schwefelsäure und Salzsäure zurück- zuführen. *) *) Vergl. Jahresbericht. 1865. S. 204. Die Luft. 67 lieber den Gehalt des Regenwassers an Ammoniak ^•'''" ''*" • 1 Oehalt des und Salpetersäure.'') — Auf Anordnung des preussischen Regen- Ministeriums für die landwirtliscliaftlichen Angelegenheiten sind '''='^"''".*" von den laudwirthschaftlichcn Akademien und Versuchsstationen u. saipetcr- in Preussen Untcrsucliungen über die Mengen von Ammoniak '^"''''• und Salpetersäure augestellt, welche im Laufe eines Jahres mit den meteorischen Niederschlägen auf den Erdboden herab- geführt werden. Die betreffenden Untersuchuugsergel)nisse sind von der Centralkommission für das agrikulturchemischc Ver- suchswesen in übersichtlicher Weise zusammengestellt. Wir lassen die Zusammenstellung auf Seite 68 folgen. Diese Tabelle zeigt zunächst die ausserordentlich grossen Verschiedenheiten in dem Gehalte des Regenwassers an Am- moniak und Salpetei'Säure zu verschiedenen Zeiten. Der Am- moniakgehalt differirt zwischen 0,29 Milligr. (lusterburg, März 1865) bis 87,1 Milligr. (Ida- Marienhütte, Wintermonate); der Gehalt an Salpetersäure von 0,00 (Insterburg, Api'il 1864, Ida- Marienhütte, Wintermonate, Lauersfort 1864) bis 27,99 Milligr. im Liter (Lauersfort, Juli 1864). Die Unterschiede im Gehalt des Regenwassers sowohl an Ammoniak als Salpetersäure treten in den einzelnen Monaten oft sehr schroff auf einander folgend ein. An anderen Orten ist von Monat zu Monat eine allmähliche Ab- und Zunahme in den genannten Stickstoffverbindungen zu bemerken. Die Regelmässigkeit tritt jedoch nicht deutlich hervor. Es ist anzunehmen, dass die Differenzen in dem Ge- halte des Regenwassers an Ammoniak und Salpetersäure einer- seits durch einen wirklich verschiedenen Gehalt der Luft an diesen Stickstoffvei-bindungen und andererseits durch die inner- halb der einzelnen Monate niedergefallene, grössere oder ge- ringere Regenmenge bedingt ist. Ueber die an den Versuchs- orten während der Untersuchuugsperiode gefallene Regen- menge giebt die aut Seite 69 befindliche Zusammenstellung Auskunft. Bezüglich der in der Tabelle nicht aufgeführten Beobachtungsorte fehlen genaue Angaben über die Regenhöhe. Bei einer Vergleichung dieser Zahlen mit den olngcn An- gaben über die im Liter Wasser enthaltenen Mengen der beiden *) Annulen der Landwirthschaft. Bd. 48. S. 97. 68 Die Luft. Januar . Februar März April GC Ol 18G4 März April . Mai . . Juni . . Juli . . August . September Oktober November Dezember o » p P 1 o Ol op op poopoooo , 1 Oi^lOOSOCiOCO a O Ol o Oi O: -X ,K oooooooo , , O I-' C5 OJ IC tvi. üi Ci p 1 -P^-.^ 1 ici-' c; ^►-'pppooooo 1 55 K O h- 1 c o c; O HJ^popOl-AJ-i o 1 IC 05 1 1 t^Z jO hs h-'^j-' je CO cojc CO l-'CJiO-JCOO^I— '-qCOCO t2! M CO p CR p o OS o 1 1 boco P' ^ J~' J'^ 5^ 5^ i^ 1^ S^ 5^ 'cr> o '^ o CO "i". "^1 üi Tfi- '^1 CO :;< 05 — 1 ►fi. ^1 'X. tp«. 1^ to CO o oiü'~k)Co CO I-' I-' Cß "uuVico co"J^~icolo 1 1 O' OJ O: CO CO CO 4^ CO 05 K CO fei o •-! O P CO to cop CO ^3 o ixi 1 i o"ir'to~coQo>>.05 H-» ' ' CO --1 1^ ^i c; -^1 HJ »4^ 05 cc t> '-' o 3 ,f^ »-'S P p o 1 MM . H-' j-i CO 1x2 1 C:i ~^ >i. C5 O OS CO 05 p p 1 1 I 1 1 . P o r^ jf- -1 ^-i o w 1 1 M 1 JC*'J-'P p CO je 1 1 1 COOiO'ci'Öo^'Ct c o :/"^ ^1 OD 05 00 p p s 1 1 1 1 1 111 -vjt^r-^-oPwp ^1 «3 O #>■ Ui 1 o p top o *-',►-' i^p 1 1 a50000C;icnc;ii 5i p^ p c Q P > B fr e c p Die Luft. 69 Regenmengen in preussischen Linien. Monat. ]SIärz April Mai Juni Juli August September .... Oktober November .... Dezember .... Januar J'ebruar Im ganzen Jahre Zoll Insterburg. Kuschen. 9,33 7,05 18,31 12,60 (;0,60 53,40 21,(t<» .'")9,40 36,82 1.17 32,80 5,38 320,86 26,74 11,28 7,55 4,54 12,62 29,08 7,82 27,06 14,70 4,27 1,21 14,41 4,66 138,15 11,51 Regenwalde. Proskau, 22,99 21,96 28,78 3,61 16,78 19,46 21,61 26,22 13,73 23,34 53,85 29,64 27,95 23,59 38,14 15,13 17,78 18,17 2,79 5,20 20,08 11,33 9,17 9,64 273,65 207,29 22,8 17,29 StickstofFverhindinigcn findet sich häufig, dass mit einer ge- ringen monatlichen Regenmenge ein grösserer Gehalt des Re- genwassers an Ammoniak und Salpetersäure verlnmden ist und umgekehrt mit einem stärkeren Regenfallo ein geringerer Ge- halt. Sicher ist hierbei aljer auch die Vertheilung der Regen- menge auf eine grössere oder geringere Anzahl von Nieder- schlägen von Einlluss. In der nachstehenden Tabelle sind die Gesammtmengen von Stickstoff berechnet, welche auf die Fläche eines preussischen Morgens im Verlaufe eines Jahres nie- derfallen, in Grammen: Jahr und Monat. lustorburg. Kuschen, i Regcnwalde. Proskau. 1864 März .... April ;. . . . Mai ..... Juni .... Juli August . . . September . Oktober . . November . Dezember . 1865 Januar . . . Februar . . März .... April .... 14,1 127,2 85,4 208,8 163,8 46,7 240,9 147,3 13,0 433,8 61,6 28,0 17,1 47,9 87,6 26,0 107,2 60,8 17,6 5,3 67,0 18,9 45,7 30,8 516,5 514,4 359,8 443,5 231,4 737,5 284,8 346,4 233,0 57,3 316,8 271,2 730,3 1208,0 428,9 495.4 1265,8 242,4 307,3 127,3 346,3 272,4 343,3 206,8 Im ganzen Jahre 1570,0 531,9 4312,8 5974,6 70 Die Luft. Es stellen sich also auch hierbei ausserordentlich grosse Verschiedenheiten heraus, die noch l)eträchtlicher werden, wenn man die in Ida-Marienhütte gefundenen Zahlen (mit unglaul»lich hohem Ammoniakgehalte) berücksichtigt. Für diesen Ort wür- den sich gegen 16 Kilogramm Stickstoff per Morgen im Jalire berechnen. Die geringste Stickstoffmenge fällt übereinstimmend an allen Beobachtungsorten im Dezember nieder, bei dem Maximum zeigt sich eine solche Uebereinstimmung nicht, in Proskau und Kuschen fällt das Maximum auf den Monat Sep- tember, in Eegenwalde auf den August und in Insterburg auf den Januar. Eine Vergleichung mit den oben angegebenen Regenmengen lehrt, dass auch hierbei die Regenmenge mehr oder weniger von Einfluss ist. Wenn man die gefundenen Stickstoffmengen auf ihr Aequivalent an Chilisalpeter berechnet, so erhält man folgende Düngungen pro Morgen und in Pfunden. Kuschen 6,51 Pfd. Chilisalpeter. Insterburg 19,20 - Regenwalde 52,76 - Proskau 73,09 - Ida-Marienhütte .... 195,05 - Es" liegtlbereits'eine grosse Anzahl von" früheren Untersuchungen über den Stickstoffgehalt des Regenwassers vor. deren Ergebnisse jedoch ebenso wenig wie die vorstehenden neuen Bestimmungen einen allgemein gültigen Rückschliiss auf die einer bestimmten Ackerfläche im Laufe eines Jahres mit den meteorischen Niederschlägen zugeführte Menge von Stickstoffver- bindungen erlauben. Zum Theil umfassen die früheren Untersuchungen nicht den Zeitraum eines ganzen Jahres, vereinzelte Bestimmungen können aber — wie die obigen Untersuchungen lehren — keinen Anhalt zur Be- urtheilung der gesammten, im Laufe eines Jahres auf den Boden herab- kommenden Stickstofl'mengen gewähren. Ausserdem bestätigen die vor- stehenden Untersuchungen, die auch bei früheren Bestimmungen ermittelte Thatsache, dass der Stickstoffgehalt des Regenwassers an verschiedenen Oertlichkeiten sehr ungleich gross ist. Es scheinen hierauf lokale Ver- hältnisse zu influiren, die noch nicht völlig erforscht sind. Uebrigens leh- ren die Untersuchungen, dass die Regenhöhe die Stickstoftnienge sehr be- einflusst. Nicht minder wird die Vertheilung der Regen auf eine grössere oder geringere Anzahl von Niederschlägen die im Laufe eines Jahres dem Erdboden zugeführte Stickstoffmcngo beeinflussen. ~ Wenn man die oben für einen Morgen Fläche berechneten Stickstoffmengen mit denjenigen Quan- titäten vergleicht, die eine Mittelernte der verschiedenen Kulturpflanzen der gleichen Fläche entnimmt, so ergiebt sich, dass die Zufuhr, welche dem Boden durch das Regenwasser geleistet wird, bei weitem nicht aus- reicht, um den Bedarf der Pflanzen zu decken, (die in Ida-Marienhütte Die Luft. 71 gefiindeueii Zalileu sind hierbei als zweifellos unrichtig, nicht zu herück- sichtigen). Die Unzulänglichkeit der natürlichen Stickstoffquellen für die Kulturpflanzen wird um sf» mehr einleuchtend, wenn m.in bedenkt, dass nur ein aliquoter Theil des Regens innerhalb der Vegetationsperiode fällt dass ferner ein beträchtlicher Theil desselben unausgenützt dem Meere zufliesst und endlich, dass weitaus der grüsste Theil des in der Luft ent- haltenen Ammoniaks in letzter 5n-tanz aus dem Kulturboden stammt, aus welchem Ammoniakdämpfe sich verflüchtigen. In allen obigen Bestim- mungen ist die in der Form von Ammoniak im Regenwasser vorhandene Stickstoffmenge weit grösser gefunden, als die in Form von Salpetersäure vorkommende, es muss also neben salpetersaurem und salpetrigsaurem Am- moniak auch noch kohlensaures Salz im Regenwasser vorhanden gewesen sein. Dies deutet zugleich an, dass die von Schönbein*) behauptete Bildung von Ammoniaknitrit in der Luft — die übrigens von anderer Seite in Abrede gestellt wird — mindestens nicht die einzige oder hauptsächlichste Quelle für den Stickstoffgehalt des Regenwassers sein kann. Ueber die Temperaturscliwankungen im InnernT«mperatur- von Bäumen und den Einfluss der Waldungen aufppnjmin. dieLufttempcratur haben M. und E. B e c q u e r e 1 **) Unter- ""° '"" (» 1 1 • 1 1 • TT- • 1 Bäumen u. suchungen ausgeführt, lici denen zunächst ein Kastanienbaum Einfluss der von 58 Centimeter Durchmesser benutzt wurde. Das Thermo- Waldungen raeter Avar darin 25 Centimeter tief eingelassen. Die Beobach- KUma. tungen ergaben, dass die Mitteltemi)eratur im Innern des Baumes mit der Mittelterapcratur der Luft übereinstimmte. Die Schwan- kungen der Temperatur gleichen sich in den Blättern sofort, in den Zweigen später und zuletzt im Stamme aus. Bei be- trächtlichen Schwankungen sind die Temperaturwirkungen im Baume komplizirt, schnell vorübergehende Schwankungen machen sich im Stamme kaum bemerklich. Die im Innern des Baumes stattfindenden chemischen Prozesse halben keinen merkbaren Einfluss auf die Temperatur, vielmehr ist die Sonne fast aus- schliesslich als die einzige Quelle der Wärme für die Pflanzen anzusehen. Das Temperaturmaximum tritt in der Luft im Winter gegen 2 Uhr, im Baume gegen 9 Uhr Abends ein; im Sommer erreicht die Luft ihre Maximaltemperatur um o Uhr, der Baum gegen Mitternacht. Die mittlere Differenz zwischen der täglichen Maximal- und Miniinaltemperatur ist im Winter beim Baume oft viermal geringer als bei der Luft. — Weitere Temperaturbeobachtuugeu wurden an einer einzeln stehenden ♦) Annalen der Chemie und Pharmacie. Bd. 124. S. 1. **) Compt. rend. 1866. S. 72 Die Luft. Kastanie ausgeführt. Als Mittel der BeobaclituDgen in den Jahren 1861 bis 1863 ergab sich für die Temperatur im Gipfel des Baumes, 21 Meter über dem Boden, 11,156^', in einigen hundert Metern Entfernung nach Norden von dem Baume und 1,33 Meter Höhe über dem Boden 10,70^, in 16,25 Meter Höhe über dem Boden 11,187°. Die Temperaturdifferenz in ver- schiedenen Höhen war hiernach durch das Ausstrahlungs- und Absorptionsvermögen des Baumes beeinöusst. Um 6 Uhr Morgens w?!r das Gleichgewicht der Temperatur hergestellt, so dass dieselbe an allen vier Beobachtungsorten gleich hoch war und nur nach der Jahreszeit gleichmässig wechselte. — Hinsichtlich des Einflusses der Gehölze auf die Temperatur fanden die Verfasser bei weitern Untersuchungen, dass die mittlere Temperatur in grösserer Entfernung von Bäumen un- gefähr 0,5° C. höher ist, als die Temperatur unter und in der Nähe von Bäumen, die beiden letzteren Punkte zeigten nur einen geringen Unterschied zu Gunsten der Bäume. Die Schwan- kungen zwischen der höchsten und niedrigsten Temperatur waren während der Beobachtungszeit (August 1865 bis Mai 1866) im Freien um. 1,68" grösser als unter den Bäumen. — Zur weiteren Unterstützung ihrer Ansicht, dass die Bäume in Folge ihres Ausstrahlungs- und Absorptionsvermögens die Luft- temperatur beeinflussen, theilen Berichterstatter noch die That- sache mit, dass wenn während eines Sturmes ein Regenguss von kurzer Dauer niederfällt, die Lufttemperatur stärker in der Entfernung von einem Baume als an dessen Peripherie sinkt, in Folge der Wärme, welche die Blätter unter der Sonnen- bestrahlung absorbirt hatten. Zur Verglcicbüug ist auf die früheren Arbeiten der Verfasser,*) so- wie auf die Untersuchungen von Krutzsch**) zu verweisen. Es geht aus diesen Beobachtungen übereinstimmend hervor, dass die Temperatur im Innern <]or r>äunie dem Wechsel der äusseren Temperatur je nach der Dicke der Baumtheile mehr oder weniger langsam folgt. Die Ansicht der Verfasser, dass die im Innern der Gewächse vor sich gehenden chemischen Prozesse keinen Einfluss auf die Temperaturverhältnisse ausüben, kann natürlich nicht streng richtig sein, wenn auch die Empfindlichkeit der Mess- instrumente nicht zur Nachweisung desselben hinreicht. Die Beobachtungen über die Temperaturverhältnisse in Gehölzen im Vergleich zum freien *) Jahresbericht. 1858. S. 144. **) Ibidem. S., 142. Die Luft. 73 Felde genügen nicht, um darnach den Eiufluss der Waldungen auf das Klima zu bemessen; wir verweisen in dieser Beziehung auf die Unter- suchungen von Berger,*) durch welche die hierbei stattfindenden kom- plizirten Verhältnisse dargelegt sind. lieber den Einfluss des Klimas auf das Waclis-K'nfl"ssdes thiim und die Ausbildung des Hafers und der Kar-^J™7thum toffel, von H. Krutz sch*'^). — Der Verfasser hat seine »" 8= > 3 (5 " M w o o - 3 CJ ■3 tS3 3 1 1 !-• S- 3 c c r) ^ ' o ffi — s s.- Die Luft. 75 Die Dauer der KcimuDgsperiode stellt sich hiernach für alle drei Hafcrsorteii fast gleich heraus, nur die von Rcitzen- hain bezogene hatte auf dem Gohrisch und in Rehefeld um 1 bis 2 Tage später als die anderen die Keimung vollendet. Vergleicht man ckigegen die Orte unter einander in Bezug auf die Zeit, so zeigt sich, dass die Keimungsperiode sich mit der Höhenlage verlängerte. Sie betrug auf dem Gohrisch (286 Par. Fuss) 16 Tage, dagegen in Reitzenhain (2390 Fuss) 26 Tage. An ersterem Orte war die mittlere Bodentemperatur während der A^ersuchstage 13", 97, in Reitzenhain nur 10°, 53. Die Bodenwärmesumme, welche die Saaten während der Kei- mung erhalten haben, schwankt zwischen 223 und 273*^. Im Mittel aller Beobachtungen ergiebt sieh die Zahl 246,92", bei 1 Zoll Tiefe des Bodens. Die Summen der Lufttemperatur zeigten sich für eine und dieselbe Hafersorte an den verschie- denen Orten ebenfalls sehr übereinstimmend. Im Mittel ergiebt sich für den schwedischen Hafer 227,2". 2. Periode. — Ende der Keimung — Blüthe. (S. Tabelle S. 76.) Im weiteren Verlaufe der Vegetation zeigte sich also, dass der schwedische Hafer an allen Orten eine längere Zeit (3 bis 5 Tage) bedurfte, um zur Blüthe zu gelangen, als die beiden anderen Sorten. In geringem Grade zeigte sich diese Ver- spätung der Blüthe auch bei dem Reitzenhainer Hafer. In. Folge dessen stellen sich die Wärmesummen, welche die ver- schiedeneu Hafersorten von der Zeit der Beendung der Kei- mung bis zur Blüthe erhielten, ungleich hoch. Sie betrugen im Mittel Luftwärme- Bodeuwärmesumme. summe. (Mittel d, Beob. v. 1 u. 6 Zoll) Hafer vom Gohrisch .... 529,720 510,56 - Reitzenhain . . 547,32 554,15 - Schweden. . . . 576,80 604,95 Die Erhebung der Versuchsorte über dem Meeresspiegel übte einen beträchtlichen Einfluss auf das Wachsthum des Hafers aus, so bedurften die einzelnen Sorten von der Saat bis zur Entwickluno; der Blüthe: 76 Die Luft. Die Luft. 77 Hafer vom Gohrisch. Reitzenhain. Schweden. Tage. Tage. Tage. Auf dem Gohrisch bei 286' Iliihe . . 58. Gl. 62. In Rehcfeld bei 2115' Höhe 78. 81. 78. In Reitzenhain bei 2890' Hoho ... 79. 79. 82. Hiernach verzögerte die Erhebung um 1000 Par. Fuss die Blüthe In Rehefeld um 10,94. 10,94. ^ 8,75. In Reitzenhain um 9,98. 8,55. 9,51. Die höheren Zahlen für Rehefeld erklären sich dadurch, dass an diesem Orte während der Versuchszeit eine etwas niedrigere Temperatur herrschte. Im Mittel aller Beobachtungen ergiebt sich, dass in Sachsen bei 1000 Par. Fuss Erhebung der Hafer um 9,78 Tage später zur Blttthe kommt. Der Einflnss der geograpliischen Lage auf die Entwicklung lässt sich durcli Vergleichung der Vcrsuclisorte Gohrisch und Oestanas ermessen, beide Orte haben ziemlich gleiche Meeres- höhe, die Breitendiflfereuz Ijeträgt 8 Grad 21 Minuten. Der- selbe Hafer gebrauchte in Scliweden 12 Tage mehr Zeit, um zur Blüthe zu gelangen, als auf dem Gohrisch in Sachsen, für je einen Grad nördlichere Lage betrug also die Verspätung 1,43 Tage. Die Temperaturdifterenz betrug 2*^', 77, ein Breiten- grad nördlicherer Lage bedingte sonach während der Versuchs- zeit eine Temperaturabnahme von nur 0,3.5^. Der Verfasser bereclmet hiernach, dass die Stationen Rehefeld und Reitzen- hain in Folge ihrer Höhenlage Temperaturverhältnisse aufzu- weisen hatten, wie ein um 1 1 Grad 23 Minuten nördlicher ge- legener Ort. 3. Periode. — Blüthe — Reife. (S. die Tabelle S. 78.) Die in der Periode von der Beendung der Keimung bis zum Eintritt der Blüthe hervortretende Verspätung der Vege- tation bei der schwedischen Saat stellte sich im späteren Ver- laufe der Vegetation nicht mehr heraus, überhaupt traten im späteren Wachstimm an einigen Orten (Gohrisch) Störungen durch anomale Witterungsverhältnisse ein. Im Mittel gebrauchte der Hafer von der Blüthe bis zur Reife 46 Tage, die kürzeste Zeit — von den Versuchen abgesehen, bei denen der Hafer nicht ausreifte — betrug 40 Tage, die längste 50 Tage. Je nach der längeren Dauer der Reifezeit schwauken auch die Wärraesummen, welche der Hafer in dieser Zeit erhielt, sehr 78 Die Luft. w O Q crq o 2. o 1— 1 !_, W 2. Q (t> ■-s H— t fD o o Vi N aq xy o CT- O" 'S 3 CO 2 5' QB5 CO C/5 CO crq 5' "CT""" „g._ ;-3 "o"" "cc" CO 1-1 r p ^ &g 1 «H >► of^ b" CO 2t 05 cn ch crq S-l d. ►3 c, •ö S' (^ ►O & rt- fT '^ 1 rf^ a< Ci hJ^ CT tsO ^^ %> 1 Ü5 o to -a O o ^ ^ B;=r CD < rf^ Üi 05 M^ w h-i CD i-i CO , 1 1 . h-i to 1-1 Oi o o h- ' to o ~a 1 1 1 tO J» -a N p- B to "od ■^ C5 "ct "h-i -j O ^- M CO (-' Zjy lO C5 Ci CO h-» B Q o K^ m Ci t;^ o> ■o p- h-i 00 i-i rf^ , , , , 1-1 >t^ 1—1 to ^ •-i 1 H^ Ol o jo JO Jf^ o CT N p cn* 1 1 1 1 Ü3 05 "cd "I-i "öo "^1 "co "bo — — tP^ tf^ 00 a< o cv Cj ^^ CT 4^ kte. o >+^ „ »-1 c;i h-i CT oo h- 1 CD h-1 l>2 h-1 CT 2 B d 1 jr> ^ JnS -J o CD JsO i^ -7 O -^ o Oi c^ ,:^. -1 CO Ci r— * H^ "l>i' C^ "J-i ■-J Ci T CO o K^ oo Ci oo tO CD t*^ CO h- OO *" lO to H-i 1—1 ""l— 1 GC bO »-1 to h-^ CD »j»y«»a f' C£' lO •^ CO _ "^ l4- --J ■^3 1 CCS" «-I Cß w et» cn ol '> C/3 ES'c-i COS' rD CO =H !- c« ^ n. ►ö s:: 'S- pr p ►ö C^ P j^ D' ^ F* CR j-i- (Jq r*" tri Oq •"^ cu p 1 i rf^ tf^ Oi *>. *- to ^^g> 1 O 03 o h^i. 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"cn "o c CO ^^ Ü» OD oo tn CT O h-i - 1 1^ 4^ CT >(^ o ^ =a 1—1 o^ 1—1 CD , , (-1 O M OT »1 CD 1 1 o JD 1 1 1 1 to Jt^ j;' -1 N g O. "od "a> "^ "ci CT "fP' "^ "o •— c CD P ü« Üi •^ -q rt^ -^ C5 05 4^ »f^ ><^ ^ tf* CT rf^ 3 „ h-i Ol 1—1 t3 h-i S CT (-1 CD H-l H^ h-i CT O o oo "h-i H-l "cd o "bi t— 1- "h-1 ^1 "Ci "^ Ige. n «> CÄ o (£> o tf>- o ->a £? CO -a OS o ij Die Luft. 79 bedeutend; in Grillonburg z. B. beträgt die Lnftwärraesumme, welche der Reitzcnhaincr Hafer erhielt, G05,93", und derselbe wurde erst in 49 Tagen reif, in Reitzenhain erhielt derselbe Hafer nur 424,20", und reifte in 40 Tagen. lieber die Qualität des geernteten Hafers theilt der Verfasser das Nähere in der auf S. HO befindlichen Tabelle mit, in welcher auch die BeschafTcnheit des ursprünglichen Saatguts mit angegeben ist. Der Verfasser knüpft an diese Tabelle folgende Betrach- tungen, denen er besonders die Gewichtsverhältnisse der ab- gezählten 1000 scliweren Körner zu Grunde legt, indem er darauf verweist, dass das Scheflfelgewicht wesentlich von der Grösse der Körner und dem Gewichte der kleineren Körner dependirt. — Das Gewicht des aus dem Gohrischer Saatgut an demselben Orte erbauten Hafers ist um 8 Proz. geringer, — hier war durch abnorme Trockenheit Notlireifo eingetreten, daher auch der grosse Prozentgehalt an leicliten Körnern. Auch in Hinterhermsdorf, wo der Hafer durch Hagelschlag beschädigt wurde, und in Rehefeld zeigt sich eine Gewichts- abnahme gegenüber dem Saatgut um 7,3 resp. b,S Proz.; in Reitzenhain und Georgengrün dagegen eine Gewichtszunahme um 5,3 und 2 Proz. Das Reitzenliainer Saatgut hat an allen Orten, selbst in Reitzenhain, leichteren Hafer geliefert. Am auffälligsten ist jedoch der Gewichtsverlust, welchen der schwe- dische Samen bei dem Anbau in Sachsen an allen Orten er- litten hat; er betrug zwischen 17 und 24 Proz. Schon früher hat Schübe! er*) darauf aufmerksam gemacht, dass Samen, welche aus nördlicheren Ländern nach südlicheren übergeführt werden, eine leichtere Ei'nte liefern , als bei einer Verpflanzung in umge- kehrter Richtung. Seh übeler erklärt dies durch die anhaltende Wirkung des Lichts, welcher an den langen Sommertagen die Pflanzen im Norden ausgesetzt sind. Sommerweizen aus Christiania lieferte in Breslau ein um 26 Proz. leichteres Getreide, umgekehrt Reisgerste von Breslau in Christiania 31 Proz. schwerere Körner, als die ursprünglichen Samen. Ein gleiches Verhalten zeigt sich nach den obigen Untersuchungen im negativen wie im positiven Sinne auch bezüglich der Höhenlage. Der Hafer vom Gohrisch im Niederlande ergab in Georgengrün und in Reitzenhain eine Gewichts- zunahme, der schwedische Hafer an allen Versuchsorten eine beträchtliche Gewichtsverminderung. — Schübeier hat ferner die Beobachtung gemacht, dass der Samen aus südlichen Orten im Norden eine intensivere, und in *) Die Kulturpflanzen Norwegens. 80 Die Luft. WPWffioq^ WOWffiQW w wow wo CO fD O fD n* O O (T" ^ ^ r-* O fü N Ct> O CD ^^' O o hrisc hrisc' titerh hefel orgei itzen' o itzenha hrisch nterlier hefeld orgeng; itzenha X' o er" 5. ty c 5 £,cyo g-c5'^-~«=' >-t p g'a, f^2 ^ 5 CO 1864 1865 , msdor tüa in Ci p l-l ft> p 03 13 . 3 . g^cioo 2^'Si o "ts •-ä w • • • -4,- g • • • i4,' 53' p o a >-< rtl 1-ä P5 1— ' CO CD o h;^ ^ ;^ ^ cc X cc o --r cc oc -ci o ■-T -J iC' ZC C 1—1 o CO o p- B5 ö l-S OD_j-' CC iNi 00 OS OOOOOGCOi^ 1-' 05 o »t^ o tc ■qio'o-io'c:- 1 3 *^ £- fO C' l-I t-^ l-i 05 l-' lO 1— ' h-l ►:3 -^ >f^ C- 1— ' 1— ' C5 O OJ '•^ Ol CD OJ 00 CD >^. c: cn 1-1 5 CO o_ J^ o CT- CD i' t-i 35 rt tO tO INS tO (-1 h- l_l l_.lo 1— ' to ^2 bo to o n> w OS 00 --I lO «D tO h-i 00 Oi oi tf^ ^ 00 cc oi >(^ ff». C5 CT ^■^ p- p O; 1! - p I-! 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(-1 U\ 00 CO »-' O Ol 0105Ü105CO P , , "-J 1 P Ol J^ S' ^^ p O 4-+-f-l 1 + 1 1 1 1 M M 1 1— ' tO h- ' »— 1 05 ►tJ 2 fo p *^ CO P CD >-* rf^JO OJ^ 00 1 J-i ÜtO U>Üi 1 JO Ol^^Ci *- 1 o ?e P Ol oi~hf^ooloo 'gd'co'co -j~h-' "Jfi.H^^O'co'cD 1 f* OfQ CD «PW0C50 05 Oi I-' Ol 05 ooooo c s p pb CO 1000 Körner wogen enthielten Stickstoff Grra. Grm. 30,711. 0,5567. 23,877. 0,5776. 23,281. 0;6914 Die Luft. 31 vielen Fällon eine diinkloro Fävhung annimmt, während dagegen nordischer Samen in südlicheren Gcf;enden die Farbe verliert. In Ueliereinstimmung hiermit ergab sich bei den obigen Versuchen, dass die bräunlich gelbe Farbe des ursprünglichen schwedischen Hafers in Sachsen in eine gelblich weisse überging. Gleichzeitig /.cigte sich, besonders bei dem auf den niedriger gelegenen Orten erbauten Hafer, eine stärkere Entwicklung der Grannen, worin zum Theil die Ursache der bedeutenden Abnahme im Scheffelgewicht zu suchen ist. Endlich sind noch einige Angaben über den Stickstoff- gehalt des schwedischen Hafers mitgetheilt. Es enthielt bei 100° getrocknet: Stickstoff. Proz. Schwedischer Originalsamen 1,881. In Rehefeld erbaut 2,242. Auf dem Gohrisch erbaut . 2,970. Diese Bestimmungen ergeben, dass der in Rehefeld und auf dem Gohrisch erbaute Hafer stickstolTreicher als der ur- sprüngliche ist. Der Verfasser macht jedoch darauf aufmerk- sam, dass die Gewichtsverminderung des schwedischen Hafers beim Anbau in Sachsen schwerlich allein dadurch bedingt werde, dass der Proteingehalt sich erhöht. Geringere, leichte, sclialen- reiche Körner enthalten nach Stö ckhardt'^) stets mehr Stick- stoff als schwerere , vollkommen ausgebildete. — Die Unter- suchung des aus dem Gohrischer Samen in Reitzcnhain und Georgengrün erl)auteu Hafers ergab eine Zunahme des Stick- stoffgehaltes gegenüber dem ursprünglichen Samen. Wir verweisen zur Vergleichuug auf die Untersuchungen über das Verhältniss der Qualität zur Quantität einer Weizcncnite von Th. von G obren**) und auf die Analysen russischer Weizensorton von N. Las- kowsky.***) Letzterer schliesst aus seinen Untersuchungen, dass eine hohe Sommerteniperatur und geringer Regenfall einen hohen Stickstoff- gehalt in dem produzirtcn Weizen bedingen. — Die Erforschung der kom- plizirten klimatischen Verhältnisse in ihrem Einflüsse auf das Pflanzeu- wachsthum bietet noch ein weites Feld dar zu ferneren Untersuchungen. Die Versuche mit Kartoffeln haben kein überein- stimmendes Resultat ergeben, es zeigte sich dabei im Allge- *) Chemischer Ackersmaun. 1855. S. 153. **) Jahresbericht. 1864. S. 152. ***) Ibidem. 1865. S. 102. Jahr(sbeiitii!. IX. C 82 Die Luft. meinen, dass die Karloffelpflanze in ihren einzelnen Entwicklungs- phasen weit weniger von der Höhe der Luft- und Bodentem- peratur beeinflusst wird, als der', Hafer. Versuche mit Aehuliche A^'ersuchc hat auch Fr. Haberlandt*) mit ^'^'''.'' .^"Verschiedenen Getreidesorten ausgeführt. — Die Be- verscnieae- " nen Gegen- zugsorte dcr Samcn giebt die nachstehende Zusammen- stellung, in welcher zugleich die geographische Breite dieser Orte und deren mittlere Jahrestemperatur mit aufgeführt ist. In Ermangelung besonderer meteorologischer Bestimmungen ist die Jahrestemjterutur nach den Beobachtungen der nächstlie- genden meteorologischen Station angegeben. Mittlere Geographische Jahrestemperatur Bezugsort des Samens. Breite. Grad R. Helgeland im Nordland in Norwegen . . 660 6,58 Voss und Hardanger, östlich und südostlich von Bergen 60 — Christiansand, Südspitze Norwegens ... 58 — Glasgow in Schottland 55,50 6,72 Eldena in Preussen 54,10 6,5 Tetschen-Liebwerd in Böhmen 50,45 6,75 Ungarisch-Altenburg in Ungarn .... 48 8,08 Odessa in Südrussland 46,40 7,73 Herczny-Szöllös im südlichen Ungarn . . 48 9,07 Bukarest in der Walachei 44,24 6,36 Algier und Oran 35 14,34 Unter-, Mittel- und Ober-Aegypten . . . 32—34 16,83-21,03 Bezüglich der Durchschnittstemperaturen der einzelnen Monate ver- weisen wir auf das Original. Der Anbau der verschiedenen Sämereien geschah auf Feldern von je 4 Quadrat- Metern Grösse, jedes Beet erhielt eine Aussaat von 1600 Samenkörnern. Das Wintergetreide wurde am 1. Oktober 1864 ausgesäet, eine zweite Aussaat wurde am 5. April 1865 gemacht, wobei zugleich auch die Sommergetreidesorten gesäet wurden, lieber den Witterungs- lauf giebt die nachstehende Uebersicht Auskunft: *) Böhmisches Centralblatt für die gesammte Landeskultur. 1866. Seite 141. Die Luft. 83 Regen- fälle, höhe in Par. Linien. Mittlere Durchnittstemperatur nach langjähr. Beobachtungen. Oktober 1864 7 17,43 7,51 8,29 November - 11 15,32 2,49 3,60 Dezember - 5 4,32 1,91 0,38 Januar 1865 11 17,32 0,23 1,38 Februar 9 7,26 3,95 0,53 März 9 20,12 0,58 3,46 April 4 2,19 9,08 8,21 Mai 10 10,70 15,03 12,67 Juni 9 14,06 12,83 15,19 Juli 9 14,47 18,53 16,65 August 17 28,41 ~ 16,26 September - 3 1,78 — 13,06 Der Herbst 1864 war hiernach kuhler als gewöhnlich, die Herbst- saaten kamen deshalb schwach bestockt in den Winter, zumal da sie noch von Trockenheit zu leiden hatten. Dem langen Winter folgte eine schnelle Steigerung der Temperatur im April und Mai, wodurch die Entwickelung der Pfjanzen gleichsam überstürzt und auch im Frühjahre nur eine spär- liche Bestockung erreicht wurde. Der kühle Juni verzögerte die Reife und begünstigte im Vereine mit einigen stärkereu Niederschlägen die Aus- bildung der Körner. Der Regenfall war besonders im Herbste sehr ge- ring, weshalb die Felder am 10. Oktober und im Mai zweimal begossen wurden. Die in den nachstehenden Tabellen aufgeführten Wärmesummen sind durch Multiplikation der mittleren Tagestemperatur mit der Zahl der Tage und der Länge derselben im Verhältniss zu dem Normaltage von 12 Stunden berechnet. Jeder Monat der Versuchszeit ist in drei gleiche Abschnitte getheilt und für jeden derselben die mittlere Tagestemperatur vom Aufgange bis zum Untergange der Sonne angesetzt. Die Tageslänge ist in Rechnung gezogen, indem der Werth eines Tages von 12 Stunden (Tag- und Nachtgleiche) gleich 1 angenommen ist. Hierin ist allerdings der Einfluss des Lichtes (die Insolation) berücksichtigt, wenn jedoch der Verfasser annimmt, dass die Pflanzen nur bei Tage wachsen, so ist auf die Untersuchungen von Duchartre*) zu verweisen. 1, Versuche mit verschiedenen Hafersorten: *) Siehe unter „Assimilation und Ernährung der Pflanzen." 84 Die Luft. p orq PS. tr'KSoooi:?. ä ts ^ < <-. cT> oacä B. 3 >-i W; S? WS P o m ►^ e: OOOOOOOOOM'l-'l-ih-'tO coo'^'■-ot-'00^30col— ii-itoco ►fi.Oil-'CDI-'OOCOOOlCOCOOSOOO OilN3lF>-»-^-(^rfi.tCl-i ■-C ~] INS ^J *» *^ h-i Ci h^ fC Oi c; CO i-o OD o lo o o ^ -^i >4i- ~^] ^^ rf^ rf^ -^i ixii rfi.kf^oooco^uiü'UiGo-jaiOiCü OC O -^1 Oi O I-' CO — CC '-£> 4^ >-' O •»! >-iW-vlGCrf^CJ-.i-' hdcc 2 B N 2 ET Die Luft. 85 Die aus südlichen Gegenden bezogenen Hafersorten haben sich hiernach im Allgemeinen rascher entwickelt, als die aus nördlicheren stammenden. Der Unterschied ist jedoch nur gering. Für den Hafer von Hardanger ist bemerkt, dass der- selbe durch Dürre gelitten hatte und deshalb vorzeitig reifte. Der Strohertrag ist bei Hafer, der aus dem Norden bezogen worden ist — in Prozenten der ganzen Ernte ausgedrückt — immer grösser, als bei Ernten, aus Hafer gewonnen, der aus südlich gelegenen Gegenden bezogen wurde. Die aus dem Südosten Europa's stammenden Sorten zeigten, wie aus den höheren Erträgen hervorgeht, eine grössere Widerstandsfähig- keit gegen die Hitze und Trockenheit des Sommers, als alle übrigen. Dasselbe scheint für den Fahnenhafer zu gelten, dem man in Ländern, wie Ungarn, entschieden den Vorzug geben sollte. Qualitativ die besten Körner, d. i. solche mit leichteren Spelzen, lieferten die aus dem Norden bezogenen Sorten. Der Verfasser hat gefunden, dass das Verhältniss zwischen dem Gewichte der geschälten Körner und der Spelzen für eine und dieselbe Hafersorte sehr konstant ist, gleichviel ob man mehr oder weniger Körner untersucht. Es ilndert sich jedoch, wenn der Hafer an anderen Orten gebaut wird. 2. Versuche mit verschiedenen Gersten Sorten. — Von den angebauten Wintersorten winterten die aus Aegyp- ten und Algier bezogenen vollständig aus. Bei der Berech- nung der Wärmesummen für die Herbstsaaten ist die Zeit von Mitte November bis Ende März nicht mitgerechnet. 86 W O Cl H t^ M O O O ^ ^ ^ iii-. — . OB, .. , t*^ 2. H> -• 2 '^ ■". 3" fO ?? I— . Die Luft. o > > a ffian CT" o p p cr> fD a Cp c CO O t3 S-ä S-2-Ä' OQ tKä w '^ '-« aq "-< '^ p o o "VJ ►Ö ^ 1-i 5" to o a fj S 2 ^ ^ Oj a isch ny-S iiy-S »4^ ist Cr' ft) O: Cj I> C: C: O ti) ti tsO ^ »-•< t^ !^ 05 N 2. f» Cr: CfQ"~' ■ p. ^■öq'^a 2.2.J3 Cß hj a=! ;x; rt> ''ij K ^ ffi ^ .tJ-c I p 5^p .tJ'cr 2 T ac) CTQ "T '^ ^ OO C^ 03 CO Ins Ci >4^ tf^ »4;- C". C: fj^ O >P- O 0< O O O O tO tO t.:; Ci OD I -. tfa. j^:^ «to cn cn 00 o; ~j to (Ti ' c:n ' CO t-a lLä. CO cji 1-1 H-i h-i I-' M- ^- l-i (-1 l-* h-i l-'tOi*>.Cr'COCCiCnC5C5i-'COOOlN5COH^COlOCOrt^tC-vlOOCi--l CO I CO O tO CO OD er. I CO o 'X' C5 c;' C".' ►f.' CO OD *». oo w o CO o ^ cj ^1 «;"to'^-"^~to c: ■-: C3 N p ■-« aq P ^2p Die Luft. 87 Die EntwickeluDgszeit war liiernacli sehr verscliiedcn je nach der Art und Varietät der Gerste. Diirchgehends kamen die vierzeiligen Gersten vor den zweizeiligen zur Reife, bedurften daher auch geringerer Wärraesummen. Es lässt sich also eine allgemeine Angabe über den Wärmebedarf der Gerstenpflanze nicht geben, derselbe wechselt je nach Art, Varietät und Gegend. Die Wintergersten kamen auch bei der Aussaat im Frülijahro völlig zur Reife und bedurften nur nahezu derselben Wärme- summe wie Sommergersten. Eine im Frühjahre ausgesäete Wintergerste aus New-York gelangte jedoch nicht zum Schossen. Wenn man die derselben Spielart angehörigen zweizeiligen Sommergersten unter sich vergleicht, so ergiebt sich, dass die Gersten aus südlichen Ländern eine raschere Entwickelung haben, als solche aus nördlicher gelegeneu. Die zweizeiligen Gersten aus Norwegen, welche hiervon scheinbar eine Aus- nahme machen, litten, wie der Eniteausfall zeigt, durch Dürre mehr, als die anderen Sorten. Die Gersten aus nördlicheren und feuchteren Gegenden lieferten die längsten Halme, zugleich ergab sich, dass diese Sorten sich verhältnissmässig leichter lagerten. Das Verhältniss zwischen dem Gewichte der Körner und des Strohs wechselt beträchtlich, bei den im Herbste ge. bauten Wintergersten war der Strohertrag verhältnissmässig geringer, als bei den Frühjahrssaaten. Bei den zweizeiligen Gersten wächst das Gewicht des Strohs im Vergleich zu jenem der Körner mit der geographischen Breite ihres Bezugsortes. Die Körnererträge lehren ferner, dass die aus dem Südosten Europas bezogenen Gersten die grösste Widerstandsfähigkeit gegen die Trockenheit und zwar aus keinem andern Grunde besitzen, als weil sie wegen ihrer kürzeren Vegetationszeit mit einem geringeren Vorrath von Winterfeuchtigkeit ihr Aus- kommen finden. Im Allgemeinen war das Scheflfelgcwicht der geernteten Körner nur leicht, der Rückgang im Gewichte zeigte sich jedoch stärker ausgesprochen bei den nördlichen, als bei den südlichen Sorten. Die im Frühjahr gesäeten Wintergersten gingen sehr im Gewicht zurück. Die schwarze Gerste aus Norwegen nahm eine merklich dunklere Färbung an. — Für Gegenden mit trocknen und warmen Sommern empfiehlt sich hiernach der Bezug von Sameugerste aus dem Südosten Europas mehr, als aus feuchten und nördlicheren Ländern. 88 I>i'' T-'iift. 3. Yersuclic mit Winterroggen. — Winterroggen aus Norwegen, Eldena und Ungarisch-Altenburg, welcher im Früh- jahre gesäet worden war, kam nicht zum Schossen. Im Herbst gesäeter AVinterroggen aus Oran und Algier winterte völlig aus, auch die anderen Sorten litten durch den strengen, schnee- losen Winter. (Siehe Tabelle S. 89.) Hier zeigt sich bezüglich der Wärmeausprüche kein er- heblicher Unterschied: am meisten Wärme bedurften die im Frühjahre gebauten Winterroggen aus Odessa und Oran, wobei sich die Reife um nahe eine volle Woche verzögerte. Die quantitativen Ernteresultate sind durch die schlechte Durch- winterung sehr gering ausgefallen, am geringsten bei den im Frühjahr gesäeten Sorten. Die Gefahr des Auswinterns scheint bei Roggen aus südlicheren Gegenden grösser zu sein, bezüglich der Entwickelungszeit scheint für den Roggen das- selbe zu gelten wie für Gerste und Hafer, und der charak- teristische Unterschied in der Entwickelungsdauer zwischen Winter- und Sommerroggen mit der Abnahme der geographi- schen Breite mehr und. mehr verwischt zu werden. 4. Versuche mit Winterweizen. — Die verwendeten Sorten gehörten dem gemeinen Weizen an und waren bis auf einen Kolbenweizen aus Eldena sämmtlich Bartweizen. Die im Frühjahre ausgesäeteu Winterweizen kamen nur theilweise zur Reife. (Siehe Tabelle S. 90.) Auch hier spricht sich das Gesetz der Abnahme der er- forderlichen Wärmesumme bei dem Anbau von Weizen aus nördlicheren Gegenden in südlicheren deutlich aus. Die verschiedenen Weizensorten verhielten sich hiernach in ihren Ansprüchen an die Wärme den Gerstensorten analog. Das günstigste Resultat — auch bezüglich der Qualität und Quantität der Ernte — wurde von den aus dem Südosten Europas stammenden Sorten erzielt. Die Struktur aller fremd- ländischen Weizen änderte sich bedeutend, die geernteten Körner näherten sich dem Glasweizen. Ihre Härte, ihr Glanz nahm zu, der Bruch ward hornartig und die Farbe röthlich gelbbraun, selbst bei solchen Sorten, die im Saatgut eine aus- gezeichnet blassgolbe Färbung und einen weichen, schnecweissen Kern besassen. Diese Veränderung borulit auf einer Verdich- Die Luft. l'ti 89 o > O Cl w °S. ex, CTQ o^ ro' P 5. 55' o >- a er c p 5:1 td ^x ^ffi brjtd ^W ^K 'S a> 1-1 Sr ;5 fc ■-s a> 1 C: -1 C: l-S E: i-j e i-< ^^ Oq '^. CO ^— '• CO £''^ er er ■I-i. CO CO " ST P «rf p ^ »s'S- 5* j:^ aq ^_, CO 3 p w P Ol P CT' " an P ac! CO ►1 M "^ CO =^ !« - p {O JO P p P S" . ^ P ?^ . P P >-« Ci 1 üt 1 -JO 1 ^ 1 ^ o 1 «? 1 Oi -^ 1 O 1 Ol H P p CR CO «^. H-l »-' i-* ^-^ (—1 1—1 0- to 1 O 1 IC Ol 1 <^ 1 Ol p f^ £0' w 1 w 1 OiUi 1 tC \ -^ ^-l h- ' h^ h- ' ^ >N ODO ^O ODO COO' dDCO P- P g s Ol— Ol-' O I-' Ot-' I-» h-i rt> "r^ g P ■-J W B CO M h-' l-i ^ M t£> 1 CO 1 I-' I-' 1 <^ 1 '-' Ki P p 1 i-i 1 tc 1 05 05 1 OD 1 I-' ^ GO t-'^ H* CO to h- ' iv:iiv:^ l'i' ts2 g^ N 0- iNl) 1 ^D 1 U)0 1 o 1 •-' m" ts 1 ^-' 1 K3CC' h-' 1 OS to -J ICGO Ui -j ct> ►-' 1 I-' , (-"Oi 1 ^ 1 '^ Q m ^1 OS -j ►-' >n i-S 0' •5 P N • P 'S -a ' C5 ' "0 05 1 o ' m 1-» p" er 90 Die Luft. WOOQO w ea I I I ,1-' (-i )— ' )-l h-l 1-1 )_i |_l |_i (_i (_*(_* h^ h-i Cn Ol OS Oi O^h-'i-'h-'OCii-'tsObSlNSMitOlNStNStO cd' CO ' O ' rf^ ' Oi h-' tsS tO H* ^ Ji» 05 tO rfü. tfk iJ^ t« tCl -vi CO W £.1= cra , h-i, H-». )-i, |_i|_i)_'l-'i-'l-'l-'l— 'h-"!— 'I— 'I— 'h-'h-ih-'l— ' •-' I-' o hf».i— 'CO'ü'Uii-'Oiajasciasajasaia; I |_ii ^1 ,_^| iootf'.-^M^l-'CnCOGCaiOOOJOSOO'X'O TO :^ OD I 00 I «Ol t£> 00 I 00 I t-i I GD 1^1^121 h-'OlNSts3tCii-'«Ols3COrf>.>JÄ-*'C>30S*>.J^ l_H0t0lsSOC»0DWCC'lNSt0N3OiX>-:; I Oi I CO-JCOODOiOO^.h-'U'h-'COI— '-lOQC^] CO' üi ^ >f^ 05 I— ' CO' -• lT3ie Luft- denden komplizirten Verhältnisse aufzuklären. — H. Krutzsch führte Vegetationsversuche aus, welche den Einfluss des Klinia's auf das Wachs- thum des Hafers zum Gegenstande hatten. Die Versuche sind zwar theil- weise in ihrem Verlaufe durch anomale Witterungsverhältnisse etwas beein- trächtigt worden, doch ist daraus zu entnehmen, dass an verschiedenen Orten der Hafer gleicher Wärmemengen zur Keimung bedarf, und dass dem entsprechend die Dauer der Keimung mit der Abnahme der Tempe- ratur sich verlängert. Im späteren Verlaufe der Vegetation ergab sich, dass der nordische Hafer an allen Versuchsorten eine längere Zeit und eine grössere Wärmesumme beanspruchte, um zur Blüthe zu gelangen. Es trat hierbei der Einfluss der Erhebung der Versuchsorte über dem Meeresspiegel deutlich hervor, in gleicher Weise bewirkte eine nördlichere Lage eine Verspätung des Eintritts der Blüthe, die für je l» nördlicher 1,43 Tage betrug. Zwischen der Blüthe und Reifezeit machten sich die Einflüsse der klimatischen Verhältnisse weniger bemerklich, es scheinen hierbei anomale Witterungsverhältnisse eingewirkt zu haben. Fast in allen Fällen zeigte der bei den Versuchen erbaute Hafer ein geringeres Scheffel- gewicht als das Saatgut, dies deutet wohl an, dass die ungünstige Witte- rung die Ausbildung der Körner beeinträchtigt hat, doch ist es bekannt, dass Samen aus nördlichen Gegenden im Süden leichteres und umgekehrt Samen aus südlichen Gegenden bei der Versetzung nach dem Norden schwereres Korn liefern. Auch die Entwicklung der stickstoffhaltigen Be- standtheile der Samen scheint durch die Temperaturverhältnisse beeinflusst zu werden, wie dies schon Laskowsky und Seh übel er nachgewiesen haben, doch ist es auch hierbei fraglich, wie weit die Anoraalitäten der Witterung darauf von Einfluss gewesen sind. — Haberland t's Anbau- versuche lehren, dass aus südlichen Gegenden bezogenes Getreide sich etwas rascher entwickelt, als das aus nördlicheren und feuchteren Gegen- den stammende Saatgut. Letzteres lieferte eine prozentisch strohreichere Ernte. Bei der Gerste zeigte sich die Varietät von Einfluss, Frühjahrs- saaten von Wintergerste bedurften nur einer gleichen Wärmesumme wie die Herbstsaaten, sie gelangten meistens zur Reife. Bei Roggen waren die Unterschiede geringer, die aus südlichen Gegenden stammenden Saaten winterten stärker aus. Bei Weizen veränderte sich die Qualität, indem der aus dem Norden stammende Weizen hornartig, härter, glänzender und dunkler wurde. Literatur. Die jährliche , periodische Aenderung des atmosphärischen Ozons und die ozonoskopische Windrose als Ergebniss der Beobachtungen zu Emden von 1857 bis 1864, von M. A. F. Prestel. Jena, Frommann. Die periodischen und nichtperiodischen Veränderimgen des Barometer- Btandes, sowie die Stürme und das Wetter über der hannoverschen Literatur. 95 Nordseeküste, als Grundlage der Sturm- und Wetter -Prognose darge- stellt von M. A. F. Prestel. Emden, Haynel. Höhenbestimmungen der Erdatmosphäre und ihrer unteren Schichten, von Karl Robida. Klagenfurt, Leon. Beitrag zur Meteorologie und Klimatologie Galiziens, von Moritz Rohrer. Wien, Gerold Sohn. Ueber den jährlichen Gang der Temperatur und des Luftdruckes in Oesterreich und an einigen benachbarten Stationen , von K. Jelinek. Wien, Gerolds Sohn. Mittheilung über einige in den letzten Jahren beobachtete Staubfälle, von K. Jelinek. Wien, Gerolds Sohn. Das Reich der Luft, von Arthur Mangin. Berlin, Schlingmann. Beiträge zur Kcnntniss der klimatischen Evaporationskraft und deren Be- ziehung zur Temperatur, Feuchtigkeit, Luftströmungen und Nieder- schlägen, von Rudolf Edler von Vivenot. Erlangen, Enke. Resultate aus den meteorologischen Beobachtungen, angestellt an mehreren Orten im Königreiche Sachsen in den Jahren 1828 bis 18G3 und an den 22 königl. sächsischen Stationen im Jahre 1864, von 0. Bruhns. Leipzig, Günther. Das Gesetz der Stürme in seiner Beziehung zu den allgemeinen Bewegun- gen der Atmosphäre, von H. W. Dove. Berlin, Reimer. Die Pflanze. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. ueber den Ueber deii körnigen Zcllinhalt im Wurzelstock yon spiraeauud im Stengel von Spiraea Ulmaria Lin., von A. Vogl. uimaria. — j)gr Wurzclstock der Spiraea Ulmaria besitzt unter der Epidermis eine ziemlich entwickelte Mittelrinde, welche aus am Querschnitt rundlichen oder ellipso'idischen, etwas tangential gestreckten, derbwandigen, theils farblosen, theils gelb gefärbten Zellen zusammengesetzt wird. Stark entwickelte Periderm- schichten dringen durch dieselben und gliedern sie regel- mässig von der Innenrinde ab , welche der Hauptmasse nach aus am Querschnitt rundlichen derbwandigen Zellen besteht, ausserdem aber im inneren Theile den Holzbündeln entsprechende Stränge lang gestreckter, dünnwandiger Zellen enthält, die den cambialen Theil der Gefässbündel darstellen. Die Holzbündel enthalten innerhalb eines aus dickwandigen, kurz spindelförmigen mit Spaltentüpfeln versehenen Holzzellen zusammengesetzten Gewebes kurzgliedrige enge, dicht getüpfelte Spiroiden und sind durch sehr breite Markstrahlcn geschieden , die aus sehr dickwandigen, porösen, verholzten, am Querschnitte fast qua- dratischen Zellen bestehen. Das braune Mark enthält ähnliche jedoch grössere Zellen wie die Mittelrinde. Im Stengel folgt *) Botanische Zeitung. 1866. S. 1. Nähere Pflanzenbeetandtheile und Aschenanalysen. 97 auf die Oberhaut ein stark entwickeltes Colleucliym, dann eine braune, 15 bis 20 Zellen breite Mittelriude, welche jener des Mittelstücks entspricht. Die Innenrinde enthält im äusseren, der Mittelrinde an Stärke gleichkommenden Theilc sehr dick- wandige, gelb gefärbte Bastfasern, während ihr innerer Theil aus einer schmalen Cambiumzone gebildet wird. Die braun- grünen nach aussen gewölbten Holzbündcl bestellen aus dick- wandigen Holzfasern und aus Spiroiden und sind durch ver- schieden breite Markstrahlcn von einander getrennt. Eine innere Bastlage trennt sie vom grösstentheils resorbirten Marke, dessen Ueberreste aus weiten, am Querschnitte runden, porösen Zellen gebildet werden. — In allen rarenchymzcllen, ja zum Theil selbst in den verholzten, dickwandigen Elementen des Wurzelstocks kommen als bei weitem vorherrschender Inhalt Körner vor, welche den Stärkekörnchen ähnlich sind, nur in vereinzelten Zellen finden sich, den ganzen Zellenraum ein- nehmend, grosse, morgensternförmige Kristallgruppcn. Aus dem Verhalten gegen Reagentien ergiebt sich, dass die Körner nicht aus blossem Stärkemehl bestehen, sondern eine ungleiche Zusammensetzung haben. Allen Körnern ist zwar die charak- teristische Violettfärbung durch Jod gemeinsam, aber die Lös- lichkeit in Wasser, verdünntem Alkohol, Aether etc., sowie die Blau- und Grünfärbung durch Eisensalzlösungen, welche die meisten Körner zeigen, deuten auf eine vom Amylum diffe- rente Zusammensetzung. Vogl nimmt an, dass diese Körner als die Träger der salicyligen Säure anzusehen sind, und dass hier die Spaltung eines Glykosids (vielleicht des Salicins) in Amylum und in salicyliger Säure vorliegt. — In Spiraea filipendula und Spiraea Aruncus waren neben Gerb- mehl nur die gewöhnlichen Amylumkörner nachzuweisen. Die Löslichkeit in Aether und Benzol, sowie die violette Färbung welche viele Körner durch Eisensalze annehmen, deuten wohl auf eine glykoside Substanz hin, welche dem Radikal Phenjd nicht fern steht. Und berücksichtigt man noch die Oeltröpfchen, welche in manchen Körnchen auftreten, und den bekannten Geruch des frischen Wurzelstocks, welcher mit dem der Blüthen von Sp. Ulmaria übereinstimmt, so erscheint es gerechtfertigt, die Körner als die Träger der salicj'ligen Säure anzusehen. Jahresbericht. IX. 7 98 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Die salicylige Säure lässt sich aus den Blüthen der Spiraea Ulmaria durch Destillation mit Wasser darstellen, künstlich erhält man sie durch Oxydation des Salicins, woher sie ihren Namen hat. deTwÖor" Carotin in den Moorrüben, von A. Froehde und rüben. P. Soraucr.*) — Nach den Untersuchungen der Verfasser enthalten die Moorrüben Cellulose, Pektin, Stärke, Zucker, Mannit, Carotin, Hydrocarotin (an mehrere Farbstoffe gebunden) fette und ätherische Oele, Aepfelsäure, Asparagin (?) und mini- ralische Substanzen. — Das Carotin findet sich in dem Ge- webe (Holzparenchym) der Morrübe gewöhnlich in Form nach einer Seite vorzugsweise verlängerter Täfelchen oder als Na- deln, deren Endflächen meist nicht deutlich ausgebildet sind. Die Farbe der Kristalle zeigt die verschiedensten Nuancen von Roth, manchmal sind sie beinahe weiss. Am Lichte wer- den auch die rothen Kristalle weiss. Konzentrirte Schwefel- säure, Jod und Schwefelsäure, Chlorzinkjodlösung, Eisenchlorid und Salzsäure färben die Kristalle blau. Wegen der grossen Aehnlichkeit in der Reaktion mit dem Cholsterin nehmen die Verfasser an, dass das Carotin nichts anderes ist, als ein mit Farbstoffen imbibirtes Cholsterin; sie stützen sich hierbei auf die Analysen des Carotins von Zeise und Husemann. Das Vorkommen des Cholsterins in den Pflanzen ist von Beneke zuerst bei Erbsen nachgewiesen worden, Ritthausen fand dasselbe im Weizen und neuerdings Ludwig im Mutterkorn. Har.körner Ucbcr Harzkömcr in der Rinde von Portlandia in der Rinde der grandiflora (Cortex chinae novae), von A. Vogl.**) — Pörfiandia. Vcrfasscr bestätigte durch Untersuchungen des Zellinhalts der genannten Rinde die Entdeckung Wiesner 's***), dass die Stärke zuerst in Gerbstoff übergeht und erst dieser sich in Harz umsetzt. Die Umwandlung von Stärke in Harz ist nach dem Verfasser nicht auffallend, wenn man bedenkt, dass, wie schon Kützing hervorhebt, viele ^Gerbstoffe harzige Eigenschaften besitzen und bei physiologischen *) Agronomische Zeitung. 1866. S. 230. **) Botanische Zeitung. 1866. S. 3. ***) Jahresbericht. 1865. S. 130. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenaualysen. 99 Untersuchungen allenthalben Umwandlungen des Stärkemehls in Gerbstoffe (Hartig's Gerbmehl) beobachtet werden. Die Harze haben ein eben so wenig determinirtes Gebiet, wie die sogenannten Gerbstoffe, erstere einzig und allein aus der Umwandlung von ätherischen Oeleu ableiten zu wollen, erscheint daher ungerechtfertigt. Ueber die Kuukrotionen in den Birnen, von Jul. ueber die Er d mann.*) — Getrocknete italienische Birnen wurden in „^^j "j'°„ Wasser weich gekocht, dann zu einem dünnen Brei zerrieben Bimen. \ind durch Abschwemmen des Fruchtfleisches mit Wasser die sich absetzenden Konkremente gewonnen. Diese wurden dann noch längere Zeit mit sehr verdünnter Essigsäure erwärmt, darauf mit Wasser abgewaschen und noch einigemal mit Al- kohol und Aether ausgezogen. Die so gereinigten Konkretio- nen ergaben bei 100° C. getrocknet nach Abzug der Asche: Kohlenstoff 49,22 49,35 Wasserstoff 6,32 6,61 Sauerstoff^ ^M L. '^^j^l, 100,00 100,00 "" Hieraus berechnet sich die Formel €21 Hgs 0,6. Der Verfasser nennt diese Verbindung Glykodrupose. Die Konkremente bilden kleine Körner von schwach gelbrother Farbe, die, auf Flatinblech erhitzt, verbrennen, ohne vorher zu schmelzen. Durch Jod werden die Körner nicht gebläut, konzentrirte Schwefelsäure bräunt sie in der Kälte, Alkalien beim Kochen, beim Erhitzen mit verdünnten Säuren werden sie roth. Mit verdünnter Schwefelsäure gekocht, geben sie eine Flüssigkeit, welche die Fehling'sche Kupferlösimg re- duzirt. In den gewöhnlichen Lösungsmitteln, in Alkalien und Kupferoxydammoniak, sind sie unlöslich. Du]-cb massig kon- zentrirte Salzsäure werden die Konkretionen zerlegt, ungefähr die Hälfte des Gewichts geht als Traubenzucker in Lösung über, die andere Hälfte bleibt ungelöst. Der mit Wasser, verdünntem Ammoniak und Alkohol behandelte Rückstand, l»ei 100 Grad C. getrocknet, besitzt die Formel tiio Hoq Og, ge- funden wurde Kohlenstoff 49,.08 49,62 50,39 Wasserstoff 6,70 6,73 6,63 Sauerstoff 43,72 43,65 42,98 *) Liebig's Annalen. Bd. 138. S. 101. 7* 100 Nähere Pflanzeubestaudtheile und Aschenanalysen. Der Rückstand von der Spaltung mit Salzsäure, welchen der Verfasser Drupose benennt, hinterlässt beim Kochen mit verdünnter Salpetersäure und Auswaschen mit Wasser, Am- moniak und Alkohol gelblichweiss gefärbte Cellulose. Für die Bildung der Glykodruposc lässt sich folgende Hypotliesc aufstellen : Ein Molekül Stärke oder Gummi der Zellsaftkügelchen geht in primitive Zellensubstanz über, Aväli- reud ein anderes Molekül desoxydirt wird und sich mit der Cellulose zu Drupose vereinigt. Andererseits treten aus zwei Molekülen Stärke oder Gummi 2 Moleküle Wasser aus, und bildet sich durch einfache Vereinigung des Rückstandes (CioHieiBs) mit der Drupose die Glykodrupose. Es ist un- zweifelhaft, dass die Glykodrupose aus "einem Kohlenhydrat entstanden ist, und kann dieses nur geschehen, wenn aus Stärke oder Gummi Wasser und Sauerstoff austreten, während bei dem normalen Rcifungsprozessc zur Bildung des Zuckers in den Parcnchymzellen im Gegentheile Wasser aufgenonimen wird. Die Bildung der Konkretionen beruht auf einem noch nicht erklärten pathologischen Zustand einzelner Zellen. Vor der Reife der Birnen sind alle Membranen der Parenchym- zellen noch dünnhäutig und befinden sich in den letzteren Kügelchen, die sich wie Stärke, zum Theil schon wie Gummi verhalten. Bei der normalen Reife werden die Zellsaftkügel- clien in Pektin und Zucker umgewandelt. In den krankhaften Zellen findet dagegen ein anomaler Verlauf statt, indem sich statt des Zuckers eine harte Substanz bildet, die sich an die primäre Membran inwendig schichtenweise anlegt. Beim Fort- gange der Krankheit werden die Zellwände häufig so verdickt, dass die Zellen fast ganz ausgefüllt werden; sie erlangen da- durch einen hohen Grad von Härte. Die verdickten Zellen enthaltcn'kcinen Zucker, weil offenbar die Bildung sekundärer Schichten die Zuckerbildung gestört hat. Daher schmecken steinige Birnen wenig süss. Die Wände der erhärteten Zellen sind von Tüpfclkanälen durchzogen, die als Saftgänge dienen. Eine ähnliche Bildung steinartiger Zellen beobachtet man bei der Drupa (Prunus, Amygdalus). Auch hierbei zeigt das Zell- gewebe, woraus sich der Stein bildet, anfangs noch keine Verdickungsschichten, sobald aber die Kotyledonen an dem Embryo sich entwickeln, erhärtet das Zellgewebe nach und Nähere Pflanzenbestaiultlipilc und Aschenanalysen. 101 nach. Der Verfasser hat durch Untersuchungen nachgewiesen, dass die steinartigen Fruchtliüllen der Drupaceen in chemischer Beziehung sich den Konkretionen der Birnen analog verhalten. Die Menge und Beschaffenheit der Birnenkonkrenientc scheint sich nach der Sorte zu ricliten, häutig entsteht die Krankheit der Früchte, wenn die Baume auf schlechtem Boden wachsen. — Payen untersclieidet in den holzigen Verdickungsschichten der Zellen die inkrustirende Materie von der Cellulose, Schulze nennt diese Lignin, Turpin sclerogene. Nach Fremy bestehen die Wandungen der Zellen nicht aus einer, sondern aus mehreren Verbindungen; er nimmt verschiedene Arten von Holzfaser an, deren ungleiches Verhalten gegen Lijsungsmittel nicht durch ihre ver- Bchiedene Kohäsion bedingt ist. Payen behauptete dagegen, dass das verschiedene Verhalten der Zellenmembranen bedingt sei durch organische oder unorganische Beimengungen oder durch ihre ungleiche Kohäsion. Ferner unterscheidet Payen ein Primitivgewebe und eine Substanz, welche die Zellen ausfüllt, eine wirkliche Holzsubstanz der Zellen. V. Baum- hauer zeigte, dass neben der primitiven Cellulose noch eine Zellensubstanz von anderen Eigenschaften und höherem Kohlenstoffgehalt existirt. Goemin nennt Ch. Blondeau'^) eine neutrale Stickstoff- uei.er das und schwefelhaltige Substanz, welche er aus dem Seetang (FucuscrispusL.) darstellte. Der Seetang wird hierbei mit Wasser ausgelaugt und dann mehrere Tage der Luft und dem Lichte ausgesetzt, er verliert dabei seine grüne Farbe und wird schön weiss. Getrocknet ist der Tang in diesem Zustande ge- ruch- und geschmacklos, er riecht beim Erhitzen wie verbranntes Leder, und entwickelt ammoniakalische Dämpfe. An Spiritus und Aether giebt die Substanz nichts Lösliches ab, beim Kochen mit Wasser giebt sie eine schleimige, beim Erkalten gelatini- rende Flüssigkeit, die weder durch Gerbsäure noch durch essig- saures Silberoxyd gefällt wird und beim Kochen mit Schwefel- säure kein Glykokoll giebt. Eingetrocknet bildet sie dünne, durchscheinende, elastische Blätter vom Aussehen der Hausen- blase, die sich in kaltem Wasser aufblähen und erweichen. Die Substanz ist neutral, kalte Salzsäure löst sie langsam, heisse rasch, Schwefelsäure löst rasch und verkohlt sie, Salpeter- säure bildet damit Zuckersäure und Oxalsäure, Kalilauge löst sie vollständig. Die prozentisehe Zusammensetzung ist nach- stehende : •=) Corapt. rend. Bd. ßO. S. 860. 102 Nähere Pflanzenbostandtheile und Asphenanalysen. Kohlenstoff . . 21,80. Wasserstoff. . 4,87. Stickstoff . . . 21,36. Schwefel. . . . 2,51. Sauerstoff . . . 49,46. Trotz des hohen Stickstoffgehalts wird die Substanz — wie der Leim — keinen grossen Nährwerth besitzen ueber die ücber die Gerbsäure, von R. Waffner. ^') — Der Gerbsaure. ' , Verfasser unterscheidet eine pathologische und eine physio- logische Gerbsäure. Erstere, gewöhnlich Tannin genannt, ist mit Sicherheit nur in pathologischen Gebilden der Spezies Quercus und Rhus nachgewiesen worden, nämlich in den in Folge des Stichs der Weibchen der Gallwespe sich bildenden Galläpfeln an den jungen Zweigen und Blattstielen verschiedener Eichen, ferner in den unter dem Namen der (pathologischen) Knoppern bekannten, aus dem Safte der jungen Eicheln eben- falls durch Veranlassung einer Cynipsart sich bildenden Aus- wüchsen, endlich in den cliinesischen und japanesischen Gall- äpfeln, welche durch Blattläuse (Aphis) auf zwei Sumacharten, der Rhus japonica und Rhus scmialata, hervorgerufen werden. In anderen Rhusarten, in der Eichenrinde und im chinesischen Thee findet sich diese Gerbsäure nicht. Als Charakteristikum der pathologischen Gerbsäure ist angegeben, dass dieselbe durch die Einwirkung verdünnter Säuren, sowie durch Gährung und Fäulniss sich spaltet und als Spaltungsprodukt Gallussäure liefert. Ausserdem bildet sich bei der Spaltung durch Wasser- aufnahme ein zuckerähnlicher Körper, wahrscheinlich Glykose, welcher jedoch, bei der Spaltung weiter zersetzt, als Alkohol und Kohlensäure, Milchsäure, Propionsäure, Buttersäure; Humus- körper und dergl. auftritt. Diese Gerbsäure ist die einzige, welche Pyrogallussäure zu liefern vermag. Sie fällt Leim voll- ständig aus der wässrigen Lösung, vermag aber kein brauch- bares Leder zu liefern. — Die physiologische Gerbsäure findet sich in den Gcrbematerialieu der Rothgerber, namentlich in der Eichen-, Pichten-, Weiden- und Buchenrindc, dem Bablah, der Valonia, den Dividivischoten und dem Sumach (von Rlius typhina und Rhus coriaria). Sie unterscheidet sicli von der *) Erdmann's Journal f. prakt. Chemie. Bd. 99. S. 294. Nähere rfiaiueiibestandtheilo und Aschenanalysen. 1{)3 pathologischen Gerbsäure dadurch, dass sie durch Gährung und durch die Einwirkung verdünnter Säuren sich nicht spal- tet, als Zersetzungsprodukt nie Gallussäure und bei der trocknen Destillation nie Pyrogallussäure , sondern stets Oxyphensäure (Brenzkatechin) liefert und endlich Corium in gutes Leder über- zuführen vermag. Nur die physiologische Gerbsäure ist eine gerbende Säure, zwar schmecken beide adstringirend und beide fällen Leim, der Leimniederschlag mit pathologischer Gerbsäure fault aber sehr leicht, während der mit der physiologischen nicht fault. Beide Gerbsäuren werden durch Eisenoxydsalze gefällt und durch Alkalien bei Luftzutritt in kurzer Zeit unter Bildung von Humuskörpern zersetzt. Die üblichen Bestimmungsmethoden der Gerbsäure sind meistens falsch, weil sie von dem Tannin ausgehen; nach einer neuen Methode hat Wagner folgende Bestimmungen ausgeführt: Eichenspiegelborke .... 10,80 Proz. Gewöhnliche Eichenrinde 6,25 Fichtenrinde 7,33 Buchenrinde 2,00 Sumach I. Sorte 16,50 Sumach II. Sorte 13,00 - Valonia J. Sorte 26,75 - Valonia II. Sorte 19,00 - Dividivi 19,00 - Bablah 4,50 - Entölte Weinkerne .... 6,50 Hopfen (1865er Ernte) . . 4,25 - Nach A. Trecul*) tritt der Gerbstoff in der Familie der Rosaceen in zwei wesentlich verschiedenen Zellenformen auf. Auch die Natur des Gerbstoffs selbst scheint bei gewissen Gliedern dieser Pflanzenfamilie ein verschiedener zu sein, indem dieselben gegen Eisensalze ein ungleiches Verhalten zeigen. Bei manchen tritt alsbald nach der Berührung die Reaktion ein, andere bedürfen dagegen einer mehrstündigen Einwirkung der Luft, bevor die Schwarzfärbung erfolgt. — Th. H artig**) fand in dem Cambialsafte der Nadelhölzer coniferi«. (Abies excelsa, A. pectinata, Pinus Strobus, P. Cembra und *) Compt. rend. Bd. 60, S. 1035. **) Erdmann's Journal. Bd. 97. S. 243. 104 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Larix europaea) ein neues, dem Saliein ähnliches, kristalli- sirendes Glnkosid, welches er Coniferin nennt. Nach W. Kübel bildet das reine Glukosid weisse, seidenglänzende, äusserst zarte, scharf zugespitzte Nadeln, seltener kleine war- zenförmige Massen. Es hat die Formel Ga* H32 6,2 + SHa ö. Cambialhaft nennt Hartig die Flüssigkeit, welche man erhält, wenn zur Zeit der Ilolzbildung die Bäume gefällt und enti-indet werden und das auf der Oberfläche des Holzes zurückbleibende Cambiiim abgeschabt und ausgepresst wird. Zur Nachweisung des Coniferins wird der frische Schnitt des Holzes mit konzentriiter Schwefelsäure befeuchtet, das junge Holz und der Bast färben sich damit stets violett. Proteinätoffe H. R i 1 1 h a u s c n ^) hat Untersuchungen über d-ie Protei'n- °^^^"' Stoffe des Roggensamens ausgeführt, bei denen es ihm gelang, zwei Stoffe darzustellen, deren einer am meisten mit dem Mucedin des Weizens übereinkommt, der andere aber die Zusammensetzung des Parakaseins (Legumin) hat; Pflanzenleim und Kleberfibrin waren nicht aufzufinden. Die Zusammensetzung der Proteünstoffe war folgende: Parakasein. Mucedin. Kohlenstoff 51,23 53,61 Wasserstoff 6,70 6,79 Stickstoff . 15,96 16,84 Schwefel . 1,04 0,50 Sauerstoff. 25,07 22,26 Ritthausen**) schlägt für das Pflanzenfibrin den Namen Glutenfibrin, für Parakasein Glutenkasei'n, für Mucin die Bezeichnung Mucedin vor. Der Weizenkleber***) besteht hiernach aus Gliadin, Mucedin, Glutenfibrin und Glutenkasein. Stärkeil. Stärkegehalt der Moorrüben von H.Karsten, f) Moorrüben. _ -p.^ Moorrübcu enthalten nach Karsten oft bedeutende Mengen von Stärke, die bis auf 6,8 Prozent steigen. Die meisten Stärkekörner finden sich in der Rinde, und zwar in *) Erdmann's Journal. Bd. 99. S. 439. **) Ibidem. S. 462. ***) Vergl. Jahresbericht. 1864. S. 78. f) Agronomische Zeitung. 1866. S. 180 u. 232. Botanische Unter- suchungen. Nähere Pflanzpniio'^tanclthpüc und Asrhenanaivspn. 105 dem inneren Theile derselben, wo sie sich in den neugebilde- ten Zellenreilien und daher in der Nähe des Ursprungs der Nebenwurzeln anhäufen. Die beliebten Speisesorten pflegen nur wenig, die Futtersorten mehr Stärke zu enthalten; letztere nähern sich hierdurch der wilden Möhre, welche sehr stärke- reich ist. Ueber den Stärkegehalt der grünen oder Heili-stärkegebait genstädter Kartoffel hat A. Stöckhardt *) Untersuchun-'^j^jj^l. '^a"! gen ausgeführt, welche im Durchschnitt von acht unter sehr toflfei. verschiedenen lokalen Verhältnissen gewachsenen Proben einen Gehalt an 21,3 Proz. Stärke ergaben. Die einzelnen Proben zeigten nur sehr geringe Unterschiede, sie difterirten von 20,9 bis 21,8 Proz. Stärke. Sämmtliche Sorten waren nicht voll- ständig ausgereift. Bekanntlich hat die HeiligenstiUlter Kartoffel in neuerer Zeit durch, ihre reichen Ertrage und durch ihre Widerstandfähigkeit gegen die Kar- toffelkrankheit die Aufmerksamkeit der Landwirthe in hohem Grade auf sich gezogen. Der Stärkegehalt ist nach ohigen Bestimmungen ein ziem- lich hoher, er kommt etwa dem der gelbfleiscliigen Zwiebelkartoffel gleich, während er gegen die weissfleischige Zwiebel um IV2 bis 2 Proz. zurück- steht. Getadelt wird die lange Vegetationszeit der Kartoffel, welche ein zeitiges Auslegen nöthig macht. Analysen böhmischer Hopfensorten, von Th. von Anaiysea Gohren.**) — Der Verfasser bestimmte in einigen böhmischen "Hrp'fen" Hopfensorten den Gehalt an Trockensubstanz (durch Austrock- sonen. nen bei 110 Grad C), an spirituösem Extrakt (mit 85 Proz. Spiritus), an Asche und Gerbstoff. Die Untersuchungen er- gaben Folgendes: Hopfen aus dem aus dem neuen alten Hoi:)fengarten zu Liebwerd. 12,700 13,833 87.300 86,167 9,900 9,067 77,100 23,060 Wasser . . . Trockensubstanz Asche .... Organische Substanz 77,400 Extrakt .... 22,800 Gerbstoff 2,040 2,840 von von Auscha Saaz (alt.) aus dem Bodenbacher Brauhause. 11,300 11.033 88,700 88,967 9,875 10,950 78,825 78,017 16,338 24,444 7,402 8,185 *) Chemischer Ackersmann. 1866. S. 118. **) Centralblatt für die gesamrate Landeskultur. 1866. iS, 373. lOlJ Nähere Pflanzenbestandtheile uiul Aschenanalysen. Der Gerbstofi' wurde nach der Methode von Risler-Bumat *) be- stimmt. Der Gehalt des böhmischen Hopfens an in Alkohol löslichen Be- standtheilen ist hiernach ziemlich hoch, Peters**) fand den Extraktge- halt bei verschiedenen Hopfensorten differirend zwischen 16,12—25,69 Proz., Rautert***) fand 18,0-36,7 Proz. in englischen und bairischen Hopfen- sorten. — Der Gerbstoffgehalt schwankte bei den Bestimmungen von Peters zwischen 2,97 bis 11,36 Proz., bei Wagner'sf) Untersuchungen zwischen 3,17 bis 5,7 Proz. — Der hohe Gerbsäuregehalt der renommirten Hopfensorten von Saaz und Auscha, nicht minder auch bei dem Saazer Hopfen der niedrige Extraktgehalt, sind auffallig. detSll- ^^^® Untersuchung des Sesamsamens hat P. W. Samens. F lü c ki g epf f) ausgeführt. —Die Samen von Sesamum indicura DC. haben eiförmige Gestalt bei 4 Mm. Länge und 1 Mm. Dicke, die Samenschale ist hellgelb bis bräunlich, bei einer Abart dunkel violett gefärbt. Die Bestimmungen ergaben in luft- trocknem gelbem Samen: Wasser .... 4,25 Proz. Asche 6,00 - (bei schwarzem Samen 8 Proz.) Stickstoff . . . 3,30 - Fettes Oel . . 56,33 - Das Oel hatte bei 23° C. ein spez. Gewicht von 0,9191, es war hellgelb und von mildem, nicht kratzendem Geschmack. Die Sesampflanze wird in Brasilien, in Mesopotamien, Syrien, Kleinasien, Aegypten und in den Südstaaten Nordamerikas viel gebaut. In Europa scheint blos Griechenland Sesambau zu treiben. Man hat auch in Deutsch- land Versuche zur Akklimatisation der Pflanze gemacht, die aber keinen Erfolg gehabt haben. Zusammen- p. H ab r 1 an d t fff) machte bei mikroskopischen Unter- Setzung der i i i -r» Maiskörner, suchungen übcr den Bau des Maiskornes die Beobachtung, das in dem Endosperm desselben das fette Oel gänzlich fehlt und die eiweissartigen Stoffe in einer sehr schwer löslichen Form vorkommen, während dagegen in sämmtlichen Theilen des Keimes sowohl fettes Oel, als auch leicht lösliches Protoplasma in sehr reichhcher Menge vorhanden sind. L. Lenz unternahm analytische Bestimmungen hierüber; bei diesen wurden aus *) Fresenius, Zeitschr. f. analyt. Chemie. Bd. 11. S. 287. **) Jahresbericht. 1862. S. 58. ***) Habich, Schule der Bierbrauerei, t) Jahresbericht. 1859. S. 83. ff) Schweizer. Wochenschrift für Pharmacie. 1866. Nr. 37. ttt) Allgemeine land- und forstwirthschaftl. Zeitung. 1866. S. 257. Nähero Pflanzonbestandthoilc luul Aschonanalysen. 107 dem Endosperm der verwendeten Körner mit Sorgfalt die Keime lierausgescbnitten und gekratzt und bei beiden Theilen der Gehalt an Wasser, Stickstoff und fettem Oel bestimmt. Die verschiedenen Maissorten waren — meistens aus Original- samen — in Ungarisch-Altenburg erbaut. (S. Tabelle S. 108.) Der Oelgehalt des Endosperm ist der unvollständigen Abtrennung der Keime zuzuschreiben. Da der Oelgehalt der Keime ein Verhältnis smässig hoher ist, so versuchte der Ver- fasser durch geeignete Mahl- und Sortirvorrichtungen eine Trennung der ölhaltigen Keime von dem Endosperm zu be- wirken und aus ersteren das Oel durch Auspressen zu ge- winnen. Es gelang zwar eine ölreiche Grütze mit einem Ge- halte von 15,9 Proz. Oel darzustellen, dieselbe gab jedoch beim Pressen keinen Tropfen Oel ab. Nach E. Planet und I. d'IIolier soll man durch Trennung der Keime von dem Mehlkiirper und Auspressen der ersteren unter Zusatz von heissem Wasser gegen (j Proz. vom Gewichte des Maises an Oel ge- winnen können. Aber auch wenn von der Darstellung des Oelcs abgesehen wh'd, so erscheint die Trennung der Maiskörner in einen öl- und stickstoff- reichen und in einen stiirkereichen Theil für die Verwendung des Maises zu technischen Zwecken und zur Fütterung von grossem Nutzen, lieber die Zusammensetzung des Espartero- Analyse grase s, von Stevenson-Macadam.*) — Dies Gras wird ^J^^^^f/j^j"* in neuerer Zeit in England als Surrogat der Lumpen zur Pa- pierfabrikation benutzt. Seine Zusammensetzung ist folgende: Feuchtigkeit 9,62. Fett . 1,23. Stickstoffhaltige Stoffe . . . 5,46. Holzfaser 56,28. Stärke, Gummi, Zucker . . 22,0?. Asche 5,04. ""100,00! Nach der „Berliner Bürsenzeitung" wächst das Esparterogras, spanisch Atocha genannt, auf ödem Lande, besonders auf Thon- und Kalk- oder Mergelboden, in den Provinzen Almeria und Murcia in Spanien. Das Gras ist perennirend, vermehret sich von selbst und pflanzt sich besser vermittels der Wurzeln, als durch den Samen fort. Früher wurde es nur zur An- fertigung von Tauen und Stricken benutzt. *) Chemical news. 1865. Nr. 304. — Chem. Centralbl. 1866. S. 304. 108 Nähere Pflanzeubestandtheile und Aschenanalysen. :^ S ssss s SS' cd' t3 co' o B U— CO aus letto aus aus ts: >— 3 O o 1- Mais bürg . int -Co CO •-! T^ B n Cf5 ü & " S g p c — . CD '^ »-s P CO O o er • \-t • ts« S • E • P_ er garis Nord Cf5 . . . cÖ' o 1-5 1 o 2 . . . ä- o _i h-^ h-i h- ' (— ' h-l H-' K-i w S « 2 1—' ►-k h-»- ^ Jv!; l^ i^ (T> p" £■ C5 OD "^ -5 H-' ~t\S "Oi 1' £ B H O) IC '"' CO OS OS lO 2 ^ 3^ ^ .^.i^ &. -^ ^1 ^1 ^j j>^j j-a j^ o CO ii ~I*^ ^ ^1 "rf^ "^ c; *ö So o -4 O In:; h-" O' o Ol OS o o :ji a: P CD 1 cn (T> ^^ » Cr' CO JO o CO CO jo CO P ^ OS ~ki ^ c". -1 "k/ g' P- ?? C5 h^ o tvS -J CO tfi» ct> cr> OJ t«^ o ^2 Ol C5 C' B O 1— ' >-^ ►- H- P o ^^-^ i- O f? o o vi bi to ^1 "co CO rf^ rt> r-r> lo --J ci Qc o; CO o H >+^ o oi a; CO ^^ c~. b' pr h- ' M> ^ h-i h-l l-l h-' CO P ? K OS Ctt lO OS IC OS OS d c c 03 U} V. C5 "►-^ V. c<- ^ &, 03 CD — . 1— CT. a P fcl'. o § wl to )-* O;^ ^1 OO OS r 'S n> tc n;- jO bO tC M CO CO o 1 In» "o "io o H^ 'io o o' p ^ ^ O OS hO OS .3? OS (*» ;;^ kt^ o ffQ rt> o CC OS >5 OS to lo OS o J=> to OD o p jo cc OS 'c^ CO a; ^ C p CD o tN» OS o o O O CO OS B' p tvD I-' ^ K; Mi lv2 ti C ^ 2 JO CO ►-' Ki OS C 6 "^ CO "^1 CO »^ "Kd CD 'ft^ 'ffi. a: frj ^ C5 lo --3 CO lO OD OD B' 2. p w o OS O 3 ~i 'Ip>- 05 "^ "f-' O o 1 GO OS CD CO h-' W5 ?r r*- >*^ a H^ CC CO »-' P Nähere l'riajizenbeataadtJicilc und Aschcnauulyscn. 109 Analv.scu verschiedener Gersten arten, von C. Analysen , " _ _ vcrsohiede- Karmrodt. *) — Der Verfasser untersuchte acht vcrschie-neroersten- deue Gerstenarten, um über deren Werth zur Bierbrauerei '""^"• und Graupenfabrikation Auskunft zu erlangen. Die crziolten Resultate zeigt die Tabelle auf Seite HO, Der Verfasser bemerkt zu diesen Analysen: Die Euerner Gerste ist von allen acht Sorten zum Zweck des Bierbrauens die beste, sie hat das grösste, vollste und stärkemehlreichste Korn. Die Hclcnenbergcr Gerste vom Jahre 1864 ist der Euerner und Pfalzgerste wohl gleichzustellen. Die 1865er Gerste von Helenenberg ist kleiner im Korn, aber auch eine schwere und stärkereiche Braugerste. Uebcrhaupt sind die auf Kalkboden gewachsenen gute Braugersten , zu welchem Zweck die beiden auf dem Thonboden von Bitburg und Mötsch gewachsenen Gersten sieh weniger eignen dürften. Ob letztere zur Graupenfabrikation mehr geeignet sind, lässt der Verfas- ser unentschieden, da die Unterschiede im Allgemeinen doch nur gering sind, für die Gerste von Mötsch scheint es wahr- scheinlich. Ueber die Zusammensetzung von Mangoldwur- ^®''" "^'^ „, . Zusammen- zeln bei Salzdüngung, von A. Völker.'''^') — Die unter- setzung von suchten Mangoldwurzeln waren in strengem, kalkhaltigem Thon- *'''"soi c S' ■r*. a> C/3 ^- che: r w hält der & CO wieg ;en G: ürner sehen B 'S c-c a> P3 |- 1? EL- rt) S <-♦. Cij 2 • . o ^ OJ a 3 3 p i_j s o ^ci;;ioot\i)t3i— ici--j c^"^!;: o -JtO — #.CC»— C0O3H- oc o ic>a5>f^CDai)|i.M^~ato ^^ l-i s tO vC^ 1-1 1-1 H^Ü'Cl ^-i-iO^-^^OtC^tO J^pp o> -^►^cr5K<^ooco*.(i.''>-i c^ o* *>.tN2COtOO.XWi— 'W O >-i o t— ' c ntorf^ost^GcciH- 1-1 1-1 o to tii. 1-1 1-1 gmi.c5 o ci o o o IC C' to 1— 1 ;;< o too o :^ • — ^ ^ o -^ - 'JCllOOit^^c^OD 1— » ^ o CC' cc 1-1 i-i ^Irf^C. ^*-, _tO_p_p CiJ-l_P l-C r-^^ p o^c^ o "»-1 "rfi. 05 o^ ~tss "k; OS ~öi Oi ~b— o -£iOtf»-t— lü'l— '*»• 00 i^--100Oi-ii-iO^IKj ^ 8 tO *k H-l 1—1 ■:;i ^-Oi C". 1-1 O t>2 O 1-1 tO lO t-i i-iClC« Q h-i- C-. V Ot t*^ >f^ •■£' 1^ -^^ oo"c; 8 S o O JO i-'P .1 ■1'^ t^ COU^C" <^ 05'b<'Ö5"^i'io'Q'i*>' oo ci "h-i^k)'-! cS cnma)k*^coOQoo'x> OQC -^ Ü'C mi: JiC ^c 7» C D ► f 13 l %-> '^^^X"^ 5-§?rag ro ^=^N j; 3 S 2 »"S" p .— ^ • ^' — ^ 2:3 35- 0—"' p <^ 3 s »- (^ &• 3 «r* • N- 3 f6 . . ^0 • 2 • f6 ^ ^~-^ JC 3 3 . . . p w 2^ 7 C H-l 1—1 - -i :: 5 p jNSpj-ijti-JCi S S^Äs» t— 1 "KJ~bciTc~^~0' — ^ K^ cc OC 2. r'" - 2' K- c £ öc;; 1—1 ^n 'c m -3 )-i H = S c "ti 5 " 1 2 -• 10 C)' C t*^ tc 3 " .^ tD » S IH ^^- w„ 1—1 s* ;i* 5^ C5 1-1 ^-^ ^ö"? 55 ro CC 1-1 1;^ 10 -— rt) -t ^ !?1 ÜJ Q "feg^^SS S 5 <ß J c, 220 2 " r - g a: H s«^ 1—1 =■2^1' Oi 1-1 1-1 = = - 5 ^ — ^ '^ a^ CT *- tstoosoo g-2 -: » - 2 - c l_, S-" Ci 1-1 1-1 c — jr^ ^ ^ icp ^ J<- „>— ~ :r OD fj» :;'~ciCTi"t-"^ 2 S* § * g' ^ tw If»- CO C5 39 ►-1 CT. 1-1 1-1 = 3 3 OD ^ ?;2 £ "bi OD 0;~bi H-1 Oi <^ C5 lO «vi c W s 1-1 ^ g = 2 _ 8 ^OcJ5_tO *>-^tv2 P* 5? w" ^ OD -l » f ? 8 O: 1-1 K* ts2 Cß tO rfi. 1-i OD 8 "ci"— "o'lo'tc o: cc -3 *>■ S 1 g Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 111 2 ^ td 2 « ^ o 3? 55« ^tr^ ^g^P S;2i2 S w ™ Proteinstoffe . . e Proteinstoffo • und Pektiustoffe Mineralstoffe . . e Mineralstoffe l_l J^ l-a ■'►-'OOO Ol '^ — 1-1 o ÖCC _ tO K- o :i:i ci to ts:. l\S U^ tsi ppcj- to ui ro Oi^ o 'X! I-'O Cji C" W iß o"p tsoo o O Cf= o 3 p CJQ et COrfi. m^ to cc o o to ui to o ^^ C-. O H-l lO H-i Ol ^ o' I-' ^^ Ol o O P O p J-' J.D C-. t-i O'tOÜiOiOO-JOCr« O ! Ci QO OD O :^ g & äs. ?? CS C35 ISO 00 Ol 01 o td o ^ Oi CD CO o i> O O O t-i CO tsS -J >-k tO Ol o bS 05 cc "tt^ o'lc ~C1 — ] Ci 05 t-i C" Cl l-l to Ol (4^ O to OO o CO ISO ^ o ^ i^ o OS Ol t*^ "oc "c»"go "Oi "(X) "k^ ü< tO t>3 to OD CO OS -J o -' -J 1—' 1—' M^ 05 O bS . 00 o * t-i cc CO -3 2 1—1 J-l ^ o I-' ~J ri* "rf». 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"h-i cocokf^'^yj^oo-ji-ii-^g 2- BS 3 ^. 1 l_l 1-1 h-i rf». _^joui^pppp^^ 1 "bi "03 "ci ^1 ^ ^ ^ "tO ^0 CT" ' O 1-1 lO OD CO -X! O O' OD ^ 1 1 CO -j 1-1 H-1 c'p*'i-'pj'*^2 COJC:nCocCh-iCi«^Co:^ 1-1 3 2- o o Q o 1 o 13^ C3- 8* 116 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. OT a a er' s' B <3 o' B 0' n CO tr Aschenp Kali . Natron Magnesii Kalk . 1' 5' a- S CO s» c et- 3 rt> ?=•• ^ <-t ts r^ a> B ffi CO Cd c ' * • 3 O B p • h-i O CO tc 1—1 ^O o *» 1 O i-i ;o U' i"^ '-' -vi Cn cc "^ Cl Ol 1 X c "cn "^ 1-1 "co 'co oc 1—1 00 (—1 ^ Ol 00 h-i -' OS 1-1 1 I-' to 1 V* ^ o ~to 'k) Ci " j; CO 00 *»" -1 -0 »p>- )-> tc "^ >(=' Ü» -,D bO ID 00 r> lO «3 -j M i« to 1—1 >-i o 03 05 1 _l to 00 Ol Oi tO _cc p p 1 "^ 00 o (-l 00 Ji to CO V -1 '^ "^ ~to 00 CO l-O ^ o CO ^ h-l c; -J 00 -^ 1— ' o Di ^ h-1 JO o ~1 1 W JO •^ -1*^. 3" 1—1 tCi CK CT) ^ o ^1 -O ' t\D ~CO OS "io ~bo -vi 'oslt^'za "^ w to W CO CD CO Hi- -v] (X t-1 3 to 00 1 tv» Ci iO 1— l 1-1 "q "k) o 1 ^ W H-l "^ 05 ~ X Tns "k) "►*>. 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Kali .... . 0,3161 0,2080 0,5241 Natron . . . . 0,1141 0,0533 0,1674 Magnesia . . . 0,0326 0,0178 0,0504 Kalk . . . . 0,0472 0,2006 0,2478 Pbosphorsäure . 0,1085 0,0590 0,1675 Schwefelsäure . 0,0556 0,0876 0,1372 Kieselsäure . . 0,0307 0,0349 0,0656 Eisenoxyd . 0,0163 0,0202 0,0365 Chlorkalium . — 0,01.59 0,0159 Chlornatrium . 0,1147 0,2769 0,3916 piueii. Die Cichorienwurzel entzieht dem Bodeu von allen Wur- zelgewächsen am wenigsten Kali und Phosphorsäure, hat aber den Nachtheil, dass alle ihre Salze der Landwirthschaft ver- loren gehen. Aschenanalysen von Lupinen, von Eduard Hey- Asch den. ■^) — Die untersuchten Lupinen stammten aus Ost- """'y'*" . '■ V. Lupiuei preussen, die Verhältnisse, unter denen sie gewachsen waren, sind unbekannt. Die Darstellung der Asche geschah über freiem B'euer, auch die Schwefelsäure ist aus der in dieser Weise darge- stellten Asche bestimmt worden. 100 Theile der lufttrockenen Lupineusamen ent- hielten: Blaue Lupinen. Gelbe Lupinen. Feuchtigkeit .... 12,883 12,926 Asche 2,945 3,679 Eisenoxyd .... 0,022 0,022 Kalk 0,291 0,301 Magnesia 0,322 0,466 Kali 0,942 1,085 Natron 0,024 0,011 Phosphorsäure . . . 1,153 1,629 Schwefelsäure . . . 0,164 0,160 Kieselsäure .... 0,017 0,004 Chlor 0,010 — *) Die landwirthschaftlicheu Versuchsstationen. Bd, 8, S. 455, 118 Nähere Pflanzenbestainltheilo und Asc.hfiianalj^seD. 100 Theile Asche entliiplten: Blaue Lupinen. Gelbe Lupinen. Eisenoxyd 0,73 0,61 Kalkerde 9,87 8,19 Magnesia 10,91 12,68 Kali 31,90 29,49 Natron 0,81 0,29 Phosphorsäure .... 39,04 44,29 Schwefelsäure .... 5,58 4,34 Kieselsäure 0,59 0,12 Chlor . 0,34 Spur. 99,77 100,001 Sauerstoff ab für Cb lor 0,07 99,70 Es lag bisher nur eine Aschenanalyse der Samen von Lupinus albus vonGraham, Stenhouse und Campbell*) vor, liei welcher der Natron- gehalt abnorm hoch gefunden war. — Bei Hey den 's Analyse ist zu be- merken, dass die Schwefelsäurebestimmung in Folge der analytischen Me- thode schwerlich ganz richtig ausgefallen ist. Aschen- Aschenanalyseii vom Sommerrübsen, yonW.Knop."'"*) Yonsom- — Es enthielten je 100 Theile der getrockneten Substanzen: ^^"»baen. ß^jj^e blühende Blätter. Stengel. Pflanze. Samen. Kieselsäure ...... 1,11 0,14 0,425 - Schwefelsäure 1,34 — 1,031 0,262 Schwefel ...... 0,73 — 0,291 0,829 Gesammtschwefelgehalt als Säure berechnet ... — 2,22 1,758 — Chlor 1,80 0,43 0,848 — Phosphorsäure .... 1,28 0,41 2,204 1,688 Eisenoxyd 1,17 0,06 0,106 0,019 Kalk 8,28 2,02 3,110 0,594 Magnesia 0,76 0,32 0,475 0,533 Kali 4,26 2,84 3,286 0,874 Natron • • 0,84 <>,74 0,450 — 21,57 9,18 12,;!26 4,799"" Stickstoffgchalt .... 4,00 — 2,8 — Bei den Analysen sind Schwefel, Schwefelsäure und Phosphorsäure direkt, nicht aus der Asche bestimmt. Die Analysen der ganzen blühen- den Pflanze und des Samens sind von Ritt(!r ausgeführt. *) E. Wolff, Die mittlere Zusammensetzung der Aschen etc. S. 61. **) Amtsblatt der Uindwirthscbaftliclien Vereine des Königreichs Sach- sen. 1866. S 68. Nähere Ptlanzenlx'stivndtlieile und Ascluiiaiuilyscn. 119 U e b e r d e 11 (j li a 1 1 d e; r b c i V c r s c h i c d c D c r D ü n g u 11 g ^'^'"'" 'J"' 11 TT /-i *\ TT Zuckerrüben erbauten Rüben an Chlor hat H. Grouven*) Unter- a» chior. suchungen angestellt, zu denen er die Zuckerrüben eines Düngungsversuches benutzen konnte, welcher an 13 verschie- denen Orten ausgeführt worden war. Bei den Analysen wur- den die 13 Aschen der in gleicher Weise gedüngten Felder zusammengemischt, die Ergebnisse repräsentircn also den Durchschnitt der sänimtliclien gleichnamigen Versuchsfelder. Das Chlor wurde aus der Saftaschc bestimmt und bei der Be- rechnung angenommen, dass 100 Pfd. Rüben 97 Pfd. Saft liefern. (S. die Tabelle S. 120.) Diese Analysen lehren, dass das Chlor der Düngestoffe in die Konstitution der Rübenasclic eingeht. Während manche chlorfreic Düngemittel Rüben produzirten, welche per 1000 Ztr. nur 50 — 60 Pfd. Chlorkalium enthielten, verursachten die chlor- reichen Düngestoffe Gehalte von 140 bis 170 Pfd. Da die Chliralkalieu des Rübensaftes eme Hauptursaclie der Melasse- bildung sind, So ist der Unterschied in dem Chlorgehalte der Rübensäfte für die Zuckerfabrikation von grosser Wichtigkeit. Grouven glaubt je- doch, dass die Vortheilc, welche manche an Chloralkalien reiche Rüben- düngungsmittel (z. B. die Stassfurter Kalisalze) zu bringen im Stande sind, weit grösser sind, als jener erwähnte Nachtheil.**) lieber das Verhältniss des Kalis zum Natron i n verhäitniss den verschiedenen Theileu der Weizenpflanze wäh- i Schossen. Schossens.' der Blüthe. bildung. / 1*) 23,42 0,45 0,45 1 - 23,42 1,88 — — 0,63 Knoten. ( 3 sehr hoch 8,60 — — 0,81 4 - 17,26 — — 3,10 \ 5 - 5,85 — — 2,90 1 15,19 1,75 — — — 1 ^ 46,74 4,12 — — 3,58 Zwischen- glieder. 3 ' 4 jüberstes Stengel- — 6,49 10,90 — — 2,26 2,22 ^ glied — 19,87 — — 2,45 , 1 0,45 0,45 0,18 — — 2 0,50 0,54 0,25 0,27 0,16 Blätter. 3 1,13 0,90 0,46 0,30 0,44 4 — 1,14 0,69 1,04 0,48 { 5 — 2,69 1,19 0,22 zeitlich beschränkte spielen. Rolle im Lebensprozesse der Pflanze Bekanntlich wird von vielen deutschen Chemikern das Nati'on als ein eigentlicher Pflanzennährstoff nicht angesehen; R. Arendt*) fand bei seineu Untersuchung der Haferpflanze das Natron stets in so untergeordneter Menge, dass sich keine Beziehungen zu den Lebensvorgängen in der Pflanze daraus ableiten Hessen. Rubidium in Pflan zenasche,vonHugo Laspeyres.'^**) Rubidium — In der Asche von Rieslingrebenholz, welches auf dem — m pnauzen. Rubidium und Cäsium enthaltenden — Gabbro von Norheim gewachsen war, fand der Verfasser ungefähr 0,03 Proz. Chlor- rubidium, dagegen keine Spur von Cäsium. Und da auch an- dere Chemiker neben Rul)idiura nie Cäsium in Pflanzen gefun- den haben ; so nimmt er an, dass das Cäsium übei'haupt von den Pflanzen nicht aufgenommen werde. Ob diese Ansicht für alle Pflanzen richtig ist, bleibt dahingestellt. *) Die Zahlen zählen vom unteren Theile der Pflanze nach oben. **) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen, Bd. 1. S. 61. ***) Liebig's Annaleu. Bd. 138. S. 126. 122 Nähere Pflaiizonbcstandthoilo und Aschenanalysen. Bestand- B c s t all (1 tli c il ÜCY S G 1 f H w u r z c 1 11 , radiccs sapo- theÜG der .,.„ Seifen- iiariae, von August Vogel.'^) — Dcu grössteu Theil des wurzeln. Zellinlmlts der Seifenwurzelu bildet nach dem Verfasser das Saponin in Verbindung mit Proteinsubstanzen und einem Chro- mogen; die levantiscbe und weisse Seifenwurzel enthalten ausser- dem noch eine reduzirende Substanz, vielleicht Zucker, letztere ausserdem etwas Stärke. Die Zcllenwaudungen der Wurzel bestehen nicht aus reinem Zellstoff, sondern die Zellmembran ist theilwcisc in Pektin umgewandelt. Auch das Saponin scheint in die Zusammensetzung der Zellsubstanz einzugehen. Der Verfasser beobachtete ausserdem, dass die verschiedenen im Handel vorkommenden Arten von Seifenwurzel ii ein ungleiches Verhalten gegen Reagentien zeigen. Aikaioide in j^^ Acouitum lycoctouum fand F. Hüb seh mann**) Acoiiituixi. zwei neue Alkalo'ide, welche er Acolyctin und Lycoctonin nennt. vuercetin Qucrcctin fand Fr. Röchle der ***) in den grünen kraut. Theilen des Haidekrautes, Calluna vulgaris. Schon früher ist dieser Körper von Bolley in den Früchten von Hipjjophae rhamnoides und Rhamnus tinctoria, sowie in dem Holze von Rhus Cütiüus aufgefunden worden. Der Bau der Pflanze. Milchsaft- lieber Milchsaftgcfässc in der Klette (Lappa d-!''iiilu" tomcntosa Lam. ), von A. Vogl.f) — Im Baste des Stengels der Klette linden sieh cigenthümliclie rölironförmige Organe, welche einen besonderen harzigen Inhalt führen und sich in vieler Beziehung gewissen Formen der Milchsaftgcfässe an- schliesson. Die unteren Stengelthcilc von L. tomcntosa zeigen folgenden Bau. Unter der Oberhaut liegt eine Collenchym- schicht, auf welche eine nur wenig entwickelte Schicht schlaffer, *) Buchner's neues li'epertoriiim. Bd. 1.'?. S. 15. **) Wiftstein's Vicrtcljahrsschrift. Bd. 15. S. 32. ***) Sitzungsberichte der Wiener Akademie. Bd. 53. S. 369. t) Botanische Zeitung. 18(50. S. 198. Der Bau (In- PHiuizc. 123 dünnwandiger, zusammengefallonci-, kiirzcylindrisclierZellen folgt. Darauf folgt die mächtig entwickelte Innenrinde, der Hauptmasse nach aus stärkeren und schwächeren, mit gewölbter Aussenseite vorspringenden Bastzcllen bestehend. Die wesentlichsten ßc- standtheile eines jeden Baststrahls bilden lang gestreckte, dick- wandige, verholzte Elemente: Bastfasern und eine Art ver- holztes Parenchym, nur der innerste, sich an den Holzkörper anschliessende Theil desselben ist unverholzt und besteht aus sehr engen Siebröhren. Im äussersten Umfange jedes ßast- bündels, und häutig auch zwischen den äussersten Bastfasern eingeschaltet, linden sich in einem Halbkreise angeordnet die anfangs erwähnten harzführenden Röhren, deren Inhalt dem Milchsafte gewisser Papaveraceen sich anschliesst. Zwi- schen den Baststrahlen liegt ein Parenchym, das nach einwärts sich verschmälernd unmittelbar in die Markstrahlen des Holzes übergeht. Der Holzkörper ist aus starken Holzbündeln zu- sammen gesetzt, welche durch drei bis vier Zellen breite Mark- strahlen getrennt sind, und aus dickwandigen Holzfasern, Holz- parenchym und Spiroiden bestehen. Das Mark ist ein gleich- förmiges Parenchym grosser kurzgliedriger derbwandiger und poröser Zellen, welche zum Theil Luft führen. In die Wurzel lassen sich die Milchsaftröhren nicht verfolgen, sie hören im Wurzelkopfe auf. Ueber die Art der Entstehung kam der Ver- fasser nicht ins Reine, doch wurde festgestellt, dass die Milch- saftorgane sich aus dem Cambium und w^ahrscheinlich durch die Fusion mehrerer Cambiurazellen in senkrechter Richtung bilden. Zu vergleiclicn sind die üntcrsuclinngen dos Verfassers über die Ent- stehung der Milchsaftgcfässe in der Löwenzahnwurzel.*) Ueber die Spaltöffnungen bei den Liliaceen, vonuebei spait- ofliiuiigen der Lilia- P. Sorauer. ''") — Die mit zahlreichen Liliaceen ausgeführten " """''"^" Untersuchungen des Verfassers ergaben: 1) dass der S})alt- öflnungsapparat der Epidermis angehört; 2) dass die Entwick- lung der normalen Spaltöffnungen aus drei innerhalb einer Epidermiszelle sich bildenden Tochterzellen stattfindet; 3) dass in den ersten Entwickehumsstufen auch Mutterzellen mit nur *) Jahresbericht. 18(;4. S. IUI. '*) Botanische Untersuchungen von II. Karsten, lieft 1. S. 1. 124 Dpi* Bau der Pflanze. zwei und auch mit einer Tochterzelle vorhanden sind, dass aber nur bei den Mutterzellen mit drei Tochterzellen die Bil- dung einer Athemhöhle beobachtet werden konnte; 4) dass die Vertheilung der Spaltöffnungszellen wie die der Gefässbündel ein charakteristisches Merkmal für die Systematik liefern kann, da sie von der Vertheilung dieser wesentlich abhängig ist, da- gegen ist die Form des Trichters von der Verdickung der Epidermis abhängig; 5) das die Basis des Blattes stets weniger Spaltöffnungen besitzt als die Spitze und die Mitte oft weniger als der Rand. ueber das Ucbcr das Eindringen der Pflanzenwurzeln in der°w"'r!e"n(len Bodcn, vou Th. Hartig.^) — Der Verfasser bestreitet in den (Jie Richtigkeit der zuerst von Knight ausgesprochenen und neuerdings von Hofmeister**) adoptirten Ansicht, dass das senkrechte Eindringen der Wurzeln in den Boden die Folge der Schwere ihrer eigenen, anfänglich weichen und flüssigen Substanz sei. Nach Hofmeister senkt sich das sehr kurze plastische Wurzelende in die kleinen Poren des Bodens, etwa wie- eine zähe Flüssigkeit. Sie wird dabei noch von hinten her gestossen durch die sich spannend dehnende, ältei'e Region. Nach dem Eindrängen der Spitze tritt bald die Dickezunahme ein, wodurch der Boden auseinander gedrängt wird, später findet die Wurzel an den mit dem Boden verwachsenden Haaren ilirer älteren Theile einen Rückhalt. — H artig zeigt nun, dass weder ein Flüssigkeitszustand des Wurzelgewebes noch ein Strecken älterer Wurzeltheile nachweisbar ist; er nimmt an, dass bei dem Eindringen der Wurzeln in den Boden die Zellenvermehrung in der vorgeschriebenen Richtung, und die vereinte Kraft aller Tochterzellen, mit der sie zur Grösse der Mutterzellen hermwachseu — wahrscheinlich Saugkraft für Flüssigkeiten — in erster Reihe stehen. Der eigenthümliche Bau der Wurzelspitze, der Wurzclhaube, deren periodische Häiitungen, ihre trotzdem gleichbleibende Grösse, die unge- wölmlich rasche Vei'grösserung der Wurzelhaubezellen, der reiche Mehlgehalt des lebendigen Zellgewebes derselben, das Verschwinden des Mehls in den äussersten, absterbenden Zellen- *) Botanische Zeitung. 186G. S. 49. **) Handbuch der iihysiologischen Botanik. Bd. IV. S. 104. Der Bau der Pflanze 125 schichten, deren Zellen nicht selten (besonders schön bei Aes- culus) nach aussen sich blasig aufgetrieben zeigen, sind Finger- zeige, die auf die Mitwirkung noch anderer Kräfte hindeuten. Durch das Absterben der Pflanzenhäute werden ihre cndos- motischen Eigenschaften nicht gestört, Hartig*) hält es sogar für "wahrscheinlich, dass nur den abgestorbenen Zellen diese Eigenschaft zukommt. Es ist daher die Annahme erlaubt, dass jene blasige Auftreibung der äussersten abgestorbenen oder absterbenden Zellen einer durch die Auflösung der Mehlkörper zu Stärkegummi oder Zucker bedingten Aufnahme von Boden- wasser entspringt. Man kann sich denken, dass durch diesen rein mechanischen Akt der lebendigen Pflanze nicht mehr an- gehörender Zellenkörpcr das Erdreich vor und neben der Wur- zelspitze verdrängt wird. Man kann sieh ferner denken, dass die aufgequollenen Zellen endlich platzen und dass dadurch ein freier Raum gebildet wird, in den die Wurzelspitze un- gehindert hineinwachsen kann, während die nächste Zellschicht der Wurzelhaube zur Wiederholung dieses Vorganges sich an- schickt. Bestätigt sich diese Idee, so wäre damit die Bedeu- tung der Wurzelhaube und ihres Stärkemehlgehaltes gefunden. Ein schwer zu beseitigender Einwurf liegt in der Thatsache, dass der emporsteigende Spargelspross, die Plumula der Eichel und Buchecker in aufsteigender Richtung mindestens dieselben Hindernisse zu überwinden haben, wie die Wurzeln in abstei- gender, ohne dass ihnen ein ähnlicher Hülfsapparat zu Diensten steht. Dem aufsteigenden Spargelspross und dem Keime der Eichel (nicht des Buchensamens) kommt allerdings die Streckung der älteren Internodien zu Hülfe. Das absteigende Knospen- wärzchen unterscheidet sich nach Hartig wesentlich von dem aufsteigenden. Während an letzterem das in steter Theilung begriffenen Zellgewebe bis zu der nie fehlenden Oberhaut hin- aufreicht, alle Tochterzellen einseitig nur nach unten aussendend, während diese Tochterzellen noch lange Zeit ihre Theilungs- lähigkeit behalten, dadurch und durch ihr Wachsthum zur normalen Länge eine noch lange fortdauernde Verlängerung, eine Streckung älterer Internodien des wachsenden Triebes bewirkend, liegt bei Aesculus, Vicia, Quercus das Theilungs- *) Botanische Zeitung. 1863. b. 285. 126 I>er Bau der Pflauze. gewebe (Canibiiini, Verdiukungs.scbiclit) des absteigenden Knos- penwärzchens, 0,5 bis 1 Mm. tief innerhalb der Wurzelspitze, da wo das luftführende Rindegewebc anfängt. Es bildet dort eine, zur Längenachse der Wurzeln rechtwinklig gestellte, nach der Wurzelspitze hin konvexe Meniskenflächc, deren Ränder in das late- rale Theilungsgewebe für den Dickezuwachs sich unmittelbar fort- setzen. Die für den Längenzuwachs arbeitenden permanenten Mut- terzellen der Meniskenflächc sondern ihre Tochtcrzellen nach zwei entgegengesetzten Richtungen aus, nach oben für den bleibenden Längenzuwachs der Wurzel, nach unten für das Zellgewebe der Wurzelhaubc. Man kann sagen: das laterale Theilungsgewebe, ebenfalls nach zwei entgegengesetzten Rich- tungen, einerseits Holzfasern, andererseits Bastfasern ab- schnürend, schliessü sich sackförmig unter dem bleibenden Centralgewebe der Wurzelspitze, dieses vom Zellgewebe der Wurzelhaube trennend. Das vom Meniskus nach oben abge- schiedene bleibende Zellgewebe verliert sehr bald seine Thei- lungsfähigkeit, die Vergrösserung der Länge der Zellen geschieht nicht durch die Verlängerung der einzelnen Zellen, sondern durch Verschmelzen einer Mehrzahl über und neben einander stehender zu grösseren Zellen. Eine unmittelbare Folge dieses abweichenden Längenwuchses der Wurzel ist, dass trotz der bis in die älteren Wurzelthoile fortdauernden Verlängerung der Einzelzellen, dennoch ein Strecken der älteren Wurzeltheile nicht stattfindet. Das kappcnförmig die Wurzel bekleidende Zellgewebe der Wurzelhaube hingegen wird in entgegengesetzter Richtung, vom Theilungsgewebe nach unten, abgeschieden und in dem Masse rcproduzirt als die die äusserstcn] Schichten der Wurzclhaube bildenden Zellenlagcn absterben und als das abgcstossen werden, was man in der Regel allein als Wurzel- haube betrachtet hat, während H artig darunter die ganze durchscheinige Zellgcwebsmasse versteht, die sich der kuppcl- förmigen Wölbung des luftführenden Rindcnzellgewebes und des Theilungsgewebes nach unten anschhesst. Vom Theilungs- gewebe abwärts vergrösscrn sich die Zellen der Wurzelhaube rasch. In den äussersten, ältesten Schichten des lebendigen Theiles der Wurzelhaube sind die Zellen ziemlich dickwandig und stehen liier wie überall untei' einander in gegenseitiger fester und geordneter Verbindung. Aullallend ist die grosse Der Bau der Pflanze. 127 Menge von Mehlkörpern , die in eleu lobendigen Zellen der Wurzelhaube sich ii))lagcrt; meistens Stärkemehl, bei Quercus Gerbniehl. Es findet sich schon in sehr jungen Tochterzcllcn und verschwindet durcli Lösung in den äussersten Zellenlagen der Haube. Die Thatsache, dass die äussersten Zellen die Wurzelspitzc die ältesten, grossesten und festesten, dass sie zu jeder Zeit nach festen Gesetzen geordnet sind, widerlegt allein schon die Annahme eines weichen und flüssigen Zustandes der Wurzclspitze und die darauf gebaute Ansicht von dem Ein- dringen der Wurzeln in den Boden. Im Samcnkornc ist die Radikula mit einer normal gebildeten Oberhaut versehen, die aber bei dem Hervorwachsen des Würzelchens verloren geht. Von da ab treten die unbescliützten Zellen der Haube und der Rinde mit dem Boden in unmittelbare Berührung, so dass das Bodenwasser in die intercellularen Räume eintreten würde, wenn nicht der Luftgehalt dieser Räume es verhinderte, nur eine Aufnahme von Wasserdampf gestattend. Die absterbenden äussersten Zellenschichten der Wurzelhaube werden in dem Masse ergänzt, dass Form und Grösse der letzteren stets die- selbe bleiben. Da bei diesem Vorgange die Zeilenzahl in der Lage der Längenachse dieses Wurzeltheils annähreud dieselbe bleibt, so folgt daraus, dass Abgang und Zugang der Zellen gleiche Zeiträume in Anspruch nehmen; und da die neu ge- bildete Zelle nur den vierten bis fünften Theil der Länge aus- gewachsener Ausscnzcllen misst, so folgt daraus weiter, dass der durch den Zellenabgang frei werdende Raum erst im vicr- bis fünffachen jenes Zeitraums von den noch wachsenden Zellen erfüllt sein würde, wenn nicht das Zellgewebe der ganzen Wurzelhaube vorgeschoben würde durch den Zuwachs an blei- bendem Zellgewebe jenseits der Meniskeuflächc. An den älteren Wurzelthcilen verästeln sich die Aussenzellen zu Wurzelhaaren, reichlich in feuchter Luft, wenig oder gar nicht in nassem Erd- reich oder in Wasser. In gewöhnlicher Erde ist der Haar- wuchs nie so mächtig, um die ihm von Hofmeister zuge- schriebene Funktion verrichten zu können. „Fragt man nach den Ursachen der Erscheinung, nach den Ursaclien senkrechter Entwickelungsrichtung der Nebenachsen des aufsteigenden Stocks, rechtwinkeligen Ursprungs der Nebenachsen des absteigenden Stocks, so meine ich, dass es dafür keine Antwort gebe. Es 128 Der Bau der Pflanze. giebt eine Grenze physiologischer Erkenntiiiss. Die Ursachen verschiedener Formen-, Zahlen-, Grössen-, Stellungsgesetze, die Selbstthätigkeit, der Abschliiss des lebendigen gesunden Organismus gegen den störenden Einfluss allgemeiner Natur- kräfte liegen jenseits dieser Grenze." Anato- Otto Nicolai*) stimmt zwar in vielen Beziehungen den inischer Bau tt • 5 i a i d. Wurzel. Hartig sehen Ansichten bei, berichtigt dieselben jedoch hin- sichtlich des anatomischen Baues der Waclisthumsstelle der Wurzel oder des „ absteigenden Knospenwärzchens " , wie Hartig sich ausdrückt. Nach Nicolai sind in den Wurzeln zwei Theilungsgewebe zu unterscheiden. Bei vielen Wurzeln vermehrt sich das Theilungsgewebe durch ccntripetale Thei- lung vermittelst tangentialer Scheidewände in der innersten Zellreihe, bildet also nur nach einer Seite hin, nämlich nach aussen, neues Zellgewebe, und dieses besteht nicht aus Bast- fasern , sondern nur aus parenchymatischcn Zellen , die die primäre Rinde zusammensetzen. Die von der konvexen Me- niskenfläche nach oben abgesonderten Zellen bilden sich hin- gegen, sich allein durch Selbsttheilung vermehrend, ohne dass von irgend einer Zcllschicht nach innen abgeschnürte Zellen hinzutreten, zu einem Cylinder engzelligen Gewebes aus, den man als cambialen, axilcn Cylinder bezeichnen kann. In die- sem tritt eine Sonderung in einzelne Leitbündel ein, zwischen denen, als primärer Bast, Bündel einfacher Leitzellen sich finden, die entweder Nägeli'sches Cambiform bilden oder Milchsaftgefässe oder wirkliche Bastbündel. In anderen Wur- zeln bildet sich allerdings ein laterales Theilungsgewebe, wel- ches nach aussen sekundären Bast, nach innen Holz bildet, dieses entsteht aber innerhalb des axilcn Cylinders der Wur- zel, meist erst in einiger Entfernung über der Spitze. Schon die Inbetrachtnahnie der Gesetze der Schwerkraft lelirt, dass dieselbe nicht ausreicht, um die Entwicklungsrichtungen der Pflanzen- organe allseitig zu erklaren, die obigen Ansichten Hart ig' s bedürfen jedoch auch noch in manchen Punkten einer experimentellen Begründung. Einfluss der Ucbcr dcu Eiufluss der Schwerkraft auf das aus auflwa'c'hs-'^^'^ Kcim h c r V r g c t r i c b c n 6 Würzelchcn hat Ernst thumsrich- Halli er ■*•'*) Untersuchungen angestellt, bei denen, um alle tung der Wurzel. ~ *) Botanische Zeitung. 1866. S. 171. **) Die landw, Versuchsstationen. Bd. 8. S. 463. Der Bau der Pflanze. 120 störemleii Ncbcneinflüssc durch Licht- und Peuchtigkcitsver- hältnissc zu beseitigten, in fulgender Weise verfahren würde. In vier zum Theil mit Wiisser gefüllte Glaszylinder wurden kleine Samen (Hanf- und Rübsamen) vorsiehtig auf die Ober- fläche des Wassers gesäet. Von den so vorgerichteten Zylin- dern wurde No. 1 in ein nach Norden, No. 2 in ein nach Süden gerichtetes Fenster gestellt, No. 3 stand in einem völlig finsteren Räume. Uebcr den vierten Zylinder wurde eine mit schwarzem Papier beklebte Kappe von Pappe gestülpt, welche den Zylinder bis etwas unter das Niveau des Wassers be- deckte, so dass die Samen von unten her beleuchtet wurden. — Bei allen vier Versuchen -zeigte sich die Richtung des Würzelchens im Ganzen bestimmt durch die Gleichgewichts- lage, ausgenommen die äusserste Spitze, welche der Gravita- tion unabhängig Folge leistete. Im hellen Sonnenschein wurde die Keimung etw\as verzögert, indessen zeigte sich sowohl bei diesem wie bei den anderen Versuchen in absoluter Finster- niss und mit der Beleuchtung von unten, dass, wenn das Licht überhaupt auf die Keimung einen Einfluss hat, derselbe wenigstens bezüglich der Radikularrichtung kein messbarer ist. — Der Verfasser hat ferner Versuche ausgeführt, bei denen die Störungen der Gleichgewichtsbestreljungen möglichst ver- mieden wurden. Zuerst wurden die Samen auf Wasser in einer enghalsigen Flasche zur Keimung gebracht, wobei die eng an einander liegenden Samen sich gegenseitig Halt gaben. Auch bei diesem Versuche wuchsen die Wurzeln senkrecht abwärts. Endlich wurde ein ringförmig zusammengedrehter Bastfaden in klebrigen Firniss getaucht und mit den Samen bestreut, welche daran haften blieben. Der Bastring wurde dann in eine zum Theil mit Wasser gefüllte Flasche gehängt. Am ersten Tage kamen die Samen mit dem Wasser nicht in Berührung, nach dem Platzen der Testa aber wurde vorsich- tig Wasser zugegossen, bis der grösste Theil der Samen un- tergetaucht war. Ein Theil der Samen keimte, und zwar wendete sich die Radikula, wo sie auch am Samen hervortrat, in allen Fällen sehr bald genau senkrecht abwärts. Die Sa- men keimten übrigens nur bis etwa 2 bis 3 Millimeter unter der Oberfläche des Wassers. Die in der Luft befindlichen Samen keimten sämmtlich und die durch Luft in Wasser her- Jiiliri'sbericlit. IX. q 130 I>er Bau der Pflanze. absteigenden Wurzeln zeigten keine Abweichung von der Ver- tikale. Aehnlich vorgerichtete Apparate wurden mit der oben beschriebenen Vorrichtung zur Herstellung einer Beleuchtung von unten verschen, aber auch hierbei zeigte sich kein Ein- fluss des von unten einfallenden Lichtes auf die Wachsthums- richtung. Diese Versuche lehren, 1) dass die Gravitation die rich- tende Kraft für die Spitze des Würzelchens ist, mithin bei freier Bewegung für das Würzelchen selbst, also für die Pfahl- wurzel; 2) dass das Licht keinen richtenden Einfluss von irgend messbarer Grösse auf die Radikula ausül>t. Der Verfasser scliliesst sich hiernach der Ansicht Hofmeister's an, dass die Radikula gcwissermassen sich in einem zähflüssigen Zustande befinde. Er hält es ferner für höchst wahi'scheinlich , dass zwischen dem oberen und unteren Vegetationskegel bezüglich der Gravitation kein Unter- schied besteht, d. h. dass der Vegetationskegel der Plumula keiner auf- wärts richtenden Kraft seine Richtung verdankt, sondern ebenso plastisch wie die Radikula aufwärts geschoben wird. Für die oberirdischen Organe ist das Licht die richtende Kraft. Dieses wirkt auf die grünen, den Vege- tationskegel dei» Plumula umschliessenden Theile und bestimmt im Verein mit der Schwerkraft dessen Wachsthumsrichtung, welche durch die Schwer- kraft im entgegengesetzten Sinn wie. bei der Radikula, nämlich durch senk- rechte Stützung, und zweitens durch die Beugung der grünen Pflanzen- theile gegen das Licht bestimmt wird. Hai Her erinnert daran, dass auch die oberirdischen Organe der Gravitation folgen, wenn der Stützpunkt senkrecht über dem Vegetationskegel liegt, wie bei manchen Bäumen mit hangenden Aestcn, oder wenn die stützende Achse zu schwach ist. Die Vegetationskcgel der Radikula und Plumula sind also Ijezüglich der Gra- vitation gar nicht verschieden und die physiologischen, d. h. funktionellen Unterschiede l)eruhen nur in der Zeitfolge des Hervorbrechens aus der Testa, der Lage im Samen, der Umgebung :' des Vegetationskegels der Plumula durch peripherische Organe. Wir machen schliess^lich noch auf folgende Veröffentlichungen auf- merksam: Die drei Grundorgane der Pflanze, von Dr. Köpke.') Die Pflanzenwurzcl, von M. Rosenheyn.^) Beobachtvmgen über die Wurzelbildung holzartiger Pflanzen, von Geyer. 3) 1) Lüneburger land- und forstw. Zeitung. 1866. S. 59. 2) Hannov. land- und forstw. VereinsbhUt. 1«66. S. 318. 8) Ibidem. S. 158. Das Leben der Pflanze. 13£ üeber die Bildung der Kaollenknospen.') Theorie der Bastardbildiing, von Nägeli.^) Ueber die luigeschkchtliche Vermehrung der Pflanzen, von Baitling.G) Des vaisseaux propres dans les ombclliferes, par A, Trecul.') Das Leben der Pflanze. Das Keimen. Ueber den Einfluss der Temperatur auf die Kei-Einauss der mung hat Alp h. De Candolle **) Untersuclmns-en mit den '^"°'"'"*"'" o . . ° auf die Kei- bamen von Lepidmm sativum, binapis alba, Iberis amara, Col- mung. lomia coccinea, Linum usitatisismum, Melon Cantaloup, Nigella sativa, Sesamum Orientale, Trifolium repens und Zea Mais var. praecox ausgeführt. Die Aussaat geschah auf Sand in einem passenden irdenen oder hölzernen Gefässe, oder in einem Glase. Nachdem die Samen 24 Stunden auf dem Saude ge- legen und die mittlere Temperatur desselben angenommen hatten, wurden sie mit Wasser begossen und darauf das Auf- springen der Samenhaut und das Hervortreten der Radikula beobachtet. Die benutzten Temperaturgrade betrugen 0*^, l'J,4-2^2, 2",6-3^2, 4«2,— 6°,!, ca. .5^7, ca. 9« C, 12—13°, 17«, 20 — 21% 24 — 25% ca. 28% 40-4P und noch grössere Grade. — Aus den Beobachtungen ergaben sich nachstehende Schlussfolgerungen: 1) Es giebt Samen, die schon bei 0** kei- men. 2) Für jeden Samen ist jedoch ein Minimum von Wärme nothwendig. 3) Für jeden Samen existirt auch ein Maximum. 4) Die Grenzpunkte des Keimens, d. h. die Zahl der Tempe- raturgrade zwischen Maximum und Minimum (Amplitudo der Keimung) ist bei verschiedenen Samenarten ungleich; eine kurze Amplitudo ist für die geographische Verbreitung einer Art nicht günstig. 5) Der günstigste Erfolg wurde für alle 4) Schles. landw. Zeitung. 1866. S. 121. 5) Sitzungsberichte der Münchener Akademie. 1866. S. 43. G) Journa.1 für Landwirthschaft. 1866. S. 471. 7) Compt. vend. Bd. 63. S. 154. 8) Biblioth. univers. et revue Suisse. Archives des scienc. phys. et nat. Nov. 1865. (Botanische Zeitung. 1866. S. 264.) 9* J32 ^äs Leben der Pflanze. Samen liei 17 bib 18" C. licol »achtet. Dci Veria-ssov uiiuuit an, dass die Aüweseulieit oder das Fehlen des Eiwcisscs eine Vcrschiedenlicit beim Keimen herbeiführen nniss, der Unter- schied trat jedoch bei den benutzten Samen nicht deutlich hervor. 6) Die Dauer der Keimung ist von der Temperatur abhängig, nahe dem Minimum Ivürzt eine leichte Vermehrung der Temperatur die Dauer der Kcimungszeit .ab, umgekehrt wird dagegen nahe dem Maximum eine Steigerung der Wärme nachtheilig und verzögert das Keimen. Die durch Summirung der Temperaturen sich ergebenden Wärmesummen passen sich den Thatsachcn der Keimung nicht genau an, Avesentlich ist nur die Minimaltempcratur für die Keimung jeder Sameuart. 7) Die Natur des Keimungsprozesses detinirt der Verfasser dahin, dass die im Samen wie ein Gefangener auf einen klei- nen Raum beschränkte junge Pflanze durch die Zerstörung der Wandungen des Gefängnisses und die Auflösung fester Sub- stanzen in Folge chemischer und physikalischer Vorgänge frei wird. Wenn diese Veränderungen in normaler Weise vor sich gehen, so wächst die junge Pflanze, deren Ernährung unter- brochen, beinahe aufgehoben war: sie ist es nun nicht mehr! Das ist das ganze Geheimniss! Einfluss des Biufluss dcs D.am p fm a s ch i u 6 u d r u s ch c s auf die °T^" Keimfähigkeit des Weizens, von J. J. Fühling.*) — maschinell- -"-*■ ^ . o ' <-j / driisehes auf Der Verfasser theilt Versuche mit, aus denen hervorgeht, dass fi. Keimkraft. ^^^^ clurcli Maschiucndrusch gewonnene Weizen immer einen grösseren Prozentsatz au nicht keimfähigen Körnern enthält, als der durch Handdrusch gewonnene. Besonders ungünstig stellte sich das Resultat für den Maschinendrusch, wenn die Samen bei der Saat mit Kupfervitriol vorher eingebeizt wur- den. Die Menge des Kupfervitriols betrug 7 Loth per Zent- ner Weizen. Es gingen von Winterweizen nicht auf: bei Maschinendruscli ungclieizter Samen im Durchschnitt 2— 4 Proz. mit Kalk gebeizt 7 - mit Kui^fervitriol gebeizt .... 33—41 bei Handdrusch ungeheizter Samen 3 - mit Kupferntriol gebeizt .... 9 - *) Neue landwirthsch. Zeitung. 1866. S. 112. Das Loltcn der Pilanze 133 Als Grund fler Ersclieimiiig wii'd angogcbcn, dass bei dem Maschincndruscli Jedenfalls mehr Körner an der Oberfläclic beschädigt werden, wie beim Handdrusch, und dass die Kupfer- vitriolbeize dann die Keime tödtet, wahrend sie den nicht oder weniger stark beschädigten Körnern nicht schadet. Es bleibt noch zu ermittehi, ob eine oder die andere Maschinenkon- stniktion den nachtheiligen Einfluss des Maschinendrusches bedingt, oder die Beschaffenheit und besonders der Feuchtigkeitsgehalt der auszu- dreschenden Frucht und der Gang der Maschine. Die Beschädigung des Samens soll besonders dann eintreten, wenn der Weizen sehr trocken ist und neue Maschinen verwandt werden. Zur Abhülfe wird ein laugsamerer Gang der Maschine bei dem Ausdrusch von Samenkorn empfohlen.*) — In Brennereien, wo die Brenner kontraktlich ein bestimmtes Quantum Gerste zur Malzbereitung geliefert bekommen , verwahren sich diese übri- gens schon seit Langem gegen solche Gerste, welche mit Maschinen (Göpel- oder Dampfmaschinen) gedroschen ist. Ueber das Eiubeizcn des Weizens vor der Aus- Einbeiren des Sanien- weizens. saat, von J. Kühn. '^*) — Es wird hierzu folgende Methode empfohlen: Man nimmt auf 5 preussische Scheffel Samen 1 Pfund Kupfervitriol, löst denselben in heissem Wasser und giesst daun noch so viel kaltes Wasser hinzu, dass der hin- eingeschüttete Samen noch eine Querhand hocli mit dem Kupfer- wasscr bedeckt ist. Die obenauf schwimmenden Brandkörner werden beseitigt. Man lässt die Flüssigkeit 12 bis 14 Stun- den einwirken, nimmt den Samen dann heraus und breitet ihn zum Abtrocknen flach aus. Nach 24 Stunden kann er mit Maschinen, nach wenigen Stunden schon mit der Hand gesäet werden. Ist der Samen sehr reich an Brandkörnern, so ist es räthlich, diese erst durch Abschwemmen mit Wasser zu beseitigen und dann erst die Kupfcrvitriollösung anzuwenden. Das Hervorkommen der Radikula beim Liegen des gebeizten feuchten Samens schadet nach dem Verfasser der Entwicklung des Weizens nach der Saat nicht, dagegen leidet das Saatgut Schaden, wenn auch die Plumula hervortritt. Dies muss durch öfteres Wenden des Weizens,, wenn er nicht schnell genug gesäet oder getrocknet werden kann, verhindert werden. *) Zeitschrift des landwirthschaftl. Centralvereins für die Provinz Sachsen. 186G. S. 235. «*) Ibidem. S. 8G. 134 Das Leben der Pflanze. Das Einbeizen mit Steinkohlentheer soll die Abtödtung der Pilzsporen nach Kühn nicht mit Sicherheit bLwirken, dagegen hält der Theer die Vögel von der Saat ab. Noel*) wendet seit 20 Jahren mit dem besten Erfolge die verdünnte Schwefelsäure zum Einbeizen des Saatgetreides an. Auf 100 Liter Getreide verwendet derselbe eine Mischung von 25 Grm. konzentrirter Schwefelsäure und 5 Liter Wasser oder, wenn nöthig, eine etwas grössere Menge der Mischung, bis dieselbe zureicht, um alle Körner zu benetzen. Der an- gefeuchtete Same wird dann sogleich gesäet. Jedenfalls verdient das Verfahren von J. Kühn den Vorzug, das blosse Benetzen mit schwefelsäurehaltigem Wasser wirkt sicher nicht durchgreifend. HaUett's Hallct's Verfahren bei der Erziehung des Pedi- bei der Er-gree-Weizens. **) — Das Wesentliche dieses Verfahrens Ziehung des ]i3gg(;gj^^ darin, dass nur die ausgezeichnetsten Samen ausge- Weizens. Wählt Und dicsc wieder unter den günstigsten äusseren Ver- hältnissen zur Aussaat und Reife gebracht werden. Hallett nahm von einem mittelmässig bestandenen Weizcnfelde zwei Aehrcn, die in allen ihren Theilen recht vollkommen ausgebil- det waren, dippelte sorgfältig die einzelnen Körner derselben und wählte wieder von den erzielten Pflanzen die vollkom- mensten Aehrcn zur nächsten Saat aus. Nach Hallet' s Be- richt stellte sich die Zunahme der Aehrcn bei fortgesetzter Behandlung in obiger Weise wie folgt: Länge der Aehren Inhalt an Körnern Zahl d. Achren 1857 4| Zoll 47 — 1858 6^ Zoll 79 10 1859 7^' Zoll 91 17 18G0 wegen zu nasser Witterung unvollkommene Aehren 39 1861 83 Zoll 123 52 Aehnliche glückliche Erfolge sind von Lawson in Edinburg erzielt worden. Es empfiehlt sich hiernach die Dibbolkultur für die Erbauung von Samengetreide. ueber die j)[q Kcimung dcs Moorrübensamens studirteii de^Morrü-A. Froehde und P. Sorauer.**^") — Im Samen erkennt man bensamens. ^gn von scincm Eiwciss umschlossenen Embryo, welcher deut- *) Artus Viertcljahrsschrift. **) Zeitsclirift des landwirthsch. Vereins für Rhcinprcusscn. 1866. ***) Agronomische Zeitung. 1866. S. 230. D.iS Leben der Ptlaiize. 135 lieh die Kotyledonen und das Wüizelclicn niil der Wurzelmütze zeigt. Der Embryo besteht aus centralem Cambiumcylinder- gewebe, einem etwas weit/eiligen Rindengewebe und lässt kein eigentlich parenchymatischea Mark erkennen. Während der Keimung entstehen in dem Cambiumcylinder zwei Spiralgefässe die sich zuerst in den Stengelchen an der Grenze der Koty- ledonen und des Würzelchens, dejsen Epidermis schon mit SpaltöÖ'nungen versehen ist, zu erkennen geben, und einerseits in die Würzelchen, andererseits in die Kotyledonen sich ver- längern. Zwischen den beiden Spiralgefässen bleibt eine meist einfache Zelleureihe an Stelle des Markes stehen und bildet das eigentliche Centrum der Wurzel Die Zellen dieser cen- tralen Reihe vermehren sich in vielen Fällen noch etwas durch endogene Bildung, in anderen bilden sich dieselben jedoch zu einem porös spiralig verdickten Gefässe aus, welches bedeutend weiter ist, als die primären Spiralgefässe. Auf gleiche Weise entstehen diametral auf einander folgend weitere Gefässe mit porös spiraliger Verdickung, ähnlich den mittleren, so dass ein auf dem Querschnitt als Linie erscheinendes Gcfässband ent- steht. Auf diese Weise sind scheinbar die beiden Gefässbündel zu einem centralen vereinigt, in dem unteren, jüngeren Ende bleiben sie jedoch getrennt. Die Wurzel verlängert sich ausser- ordentlich rasch und zwar nicht an der Spitze, sondern der der untersten Spitze zunächst angrenzende Theil wächst am meisten wie dies schon früher von Ohlert und später genauer von Karsten nachgewiesen ist. Karsten zeigte, dass das Wachs- thum der Wurzeln zum Theil in der grossen Zellenvermehrung der innerhalb der Wurzelmütze gelegenen cambialen Spitze, zum Theil, und zwar vorzugsweise, in der Längsstreckung der schon gebildeten Zellen zu suchen sei.*) Die Zellen des Cam- biumcylinders vermehren sich, wobei die der Rinde zunächst liegenden Zellen sich zu Rindenparenchym ausbilden und so den Anfang zur Bildung; der sekundären Rinde geben. Eine Sonderung der primären Rinde in Aussen- und Innenrinde wurde nicht beobachtet, da die bald sich bildenden Kork- schiebten nicht dahin zu rechnen sind. Inzwischen entstehen *) Vergl. Hartig, über das Einriringen der Wurzeln in den Boden. S. 124 136 Das Lelien der Pflanze an jeder Seite des ursprünü'lieli ecntral sclieinenden Gefäss- bündelbandes, namentlicli an den beiden Enden desselben, neue Gefässe. Oft findet die Neubildung der Gefässe in der ersten Zeit vorzugsweise an den breiten Seiten des Bandes statt, so dass auf dem Querschnitt aus dem ursprünglichen Bande eine rundliche oder quadratische Gefässbündelfigur entsteht, durch welche sich der primäre Markstrahl zieht. An den vier Ecken des quadratischen Gefässbündels entstehen nun in gewissen Längenabständen kleine Gruppen in stärkerer Zellenbildnng begrififenen cambialen Gewebes, welche sich nacli der Wurzel- oberfläche hin ausdehnen. In ihrem Centrum entstehen neben den porösen Gefässen der Hauptgefässbündel Spiralgefässe, welclie gleichfalls eine lioi-izontale Lage annehmen und bald als der Anfang des Holzkörpers eines Wurzelastes erkannt werden können. An den Narbenstellen dieser im zweiten Jahre abgestorbenen Wurzelfasern entspringen alsdann ganze Wurzelfaserbüschel. Aehnliche Verästelungen bilden sich bei Verletzungen der Wurzelspitze. — In der Hauptwurzel schrei- tet die Bildung von Gefässen fort, dieselben bleiben durch parenchymatisches Gewebe getrennt und erscheinen auf dem Querschnitt nngleichmässig vertheilt. Gleichzeitig bildet sich die sekundäre Rinde und der Holzkörper aus. Der eigentliche Bildungsheerd der Wurzelzellen, durch welche hauptsächlich die Vergrösserung der Wurzel stattfindet, ist der am meisten nach der Peripherie liegende Theil des cambialen Cylinders. In der dünnen Schicht zwischen der Rinde und dem inneru Cylinder bilden sich neue Zellen, welche auf der centralen Seite den Holzkörper, auf der peripherischen den Rindenkörper verstärken helfen. Bei der kultivirten Moorrübe zeigen die den Holzkörper bildenden Zellen dieselbe parenchymatische Zusammensetzung wie das übrige in Parenchym übergegangene cambiale Gewebe des Innern (-ylindcrs, und sind nur etwas länger vertikal gestreckt; bei der wilden Moorrübe nehmen die im Lumen enger, dickwandig werdenden Holzzellen eine spindelförmige Gestalt an. Den in dem Holze auftretenden Gefässen entsprechend entstehen in der sekundären Rinde in demselben Radius mit diesen sehr zartwandige, in ihrem ver- tikalen Verlaufe mannigfach hin- und licrgcbogeiie Milclisaft- gefässe, welche im zweiten Jahre die Centra einer allmählich Das Loben clor Pflanze. 137 cintretonden Resorption einzelner Zc'llcnparticn worden. Der Resorption unterliegen zuerst die den Milchsaftgefässcn zu- nächst liegenden, keine Stärke führenden Zellen und geben auf diese Weise Raum für die auswaehsenden stärkeführenden Parenciiymzellen. Bei der wilden Moorrübe ist der Holzkürper viel stärker entwickelt als bei der kultivirtcn, die mehr mark- ähnliches centrales Parenchym enthält. lieber die Zähigkeit des Lebens mancher Pflan- Zähigkeit zensamen hatte P. A. Pouch et*) Gelegenheit Beobachtungen t',,,!!"* zu machen. Er fand, dass die Samen, welche sich in der un- pflanzen- gewaschenen brasilianischen Schafwolle befinden, noch theil- weise keimten, wenn die Wollen behufs weiterer Verarbeitung 4 Stunden lang mit kochendem Wasser behandelt wurden. Die betreffenden Samen gehörten meistens einer amerikanischcTi Medicagoart au. Der Verfasser unterwarf nun Medicagosamen einem vierstündigen ununterbrochenen Sieden, das Wasser wurde achleimig und die Körner erschienen alle desorganisirt, nachdem sie aber ausgesäet worden, keimte trotzdem ein Theil derselben. Unter den beim Trocknen schwarz und runzlich werdenden gekochten Samen fanden sich stets einzelne, bei denen das Wasser nicht eingedrungen war und daher keine Veränderung bewirkt hatte. Diese Körner hatten ihre Keim- kraft behalten. ■ — Bei Versuchen mit anderen Sämereien konnte ein analoges Verhalten nicht konstatirt werden, dieselben büssten schon durch kurzes Kochen ihre Keimfähigkeit ein. Bekanntlich behauptet man, dass auch die Samen des Kaffeebaumes das Kochen ohne Aufhebung ihres Keimnngsvermögens überstehen sollen. — Zu erinnern ist noch an die von von Liebig''*j mitgetheilte Erzählung von den Bauern in Birkenfeld, welche den Kleesanien abkochten, um sich dem obrigkeitlich anbefohlenen Kleebau zu entziehen. Es keimte kein Körnchen des abgekochten Samens. Das Dörren des Leinsamens soll nach einer Mit- l>''ii<^u J«;s theilung des „Schlesischen Landwirths"***) einen sehr vortheil-^'''""'"^"'' haften Einfluss auf das Gedeihen des Flachses ausüben. Referent behauptet, dass das Leinkorn l)eim Dörren sehr viele kleine Risse bekomme, durch welche es die Feuchtigkeit leichter *) Compt. rend. Bd. 63. S. 939. *♦) Chemische Briefe. 4. Aufl. 2. Bd. S. 41G. ***) A. a. 0. 1866. S. 152. 138 Das Leben der Pflanze. aufnehmen könne, daher kräftiger keime und wenn auch etwas später, doch gleichmässiger aufgehe. Doch wird eine etwas stärkere Aussaat empfohlen , weil viele von den schwächeren Körner ihre Keimkraft verlieren. Gleiche Vortheile soll auch die Verwendung alter, 3 — öjähriger Saat besitzen. Das Dörren soll übrigens nur bei 30° R. oder in der Sonne ausgeführt werden. Schon flüher ist mehrfach der vortheilhafte Einfluss des Dörrens der Leinsaat beobachtet worden, gedörrter Samen soll die doppelte bis dreifache Menge Flachs von gleicher Fläche liefern, als ungedürrter. Man erklärt dies dadurch, dass der Samen beim Dörren Wasser abgiebt und dafür später aus dem Boden eine grössere Menge der mit Pflanzennähr- stoffen geschwängerten Bodenfeuchtigkeit aufzunehmcu vermag, wodurch besonders die Wurzelbildung in der Jugendperiode der Pflanzen befördert wird. *) Folgende hierher gehörige Mittheilungen verdienen noch eine Er- wähnung : Alte, geruhete, gedörrte Saat.**) üeber die Keimung einiger grosssporiger Flechten, von A. de Bary.***) Die Wärmegrade, bei denen die Pflanzen keimen, f) Les froments genealogiques de M. Hallett, par E. Maubach, ff) Assimilation und Ernährung. üeber die ücber dic Ursachen der Absorptions - Ungleich- Abso'i^ti'onl-Jieit der Pflanzen, von P. Deherain.fff) — Die Academie Ungleichheit des scicnccs in Paris hatte eine Preisfrage ausgeschrieben, ^"""' welche die Ursachen der Ungleichheit der Absorption von mineralischen Substanzen aus Salzlösungen durch verschiedene Pflanzen zum Gegenstande hatte. Der Preis ist dem Verfas- ser zuerkannt worden, über die Arbeit geben die Bericht- erstatter folgendes Resume : Bezüglich des anatomischen Baues *) Vergl. Landw. Wochenschrift des baltischen Ceutralvereins. 1864. S. 11. **) Landw. Wochenblatt für Schleswig-Holstein. 1866. S. 298. ***) Jahrbücher für wissenschaftl. Botanik. Bd. 5. S. 201. f) Schlesische landw. Zeitung. 1866. S. 188. ff) Journ. d'agriculture pratiquo. Bd. 30. H. S. 299. fff) Compt. rend. Bd. 62. S. 545. Das Lebeu der PHanze. 139 der Pflanzenwui'zclii lassen sich selbst bei der stärksten Ver- grösserung keine Organe auffinden, welche die ungleiche Ab- sorption erklären könnten. Verschiedene Pflanzen, in gewöhn- licher Erde und in reinem Sande kultivirt, zeigten in der Ent- wicklung der Wurzelhaare dieselbe organische Zusammensetzung und Hessen nichts erkennen , was die Auswahl der Mineral- substanz vermitteln könnte. In dem anatomischen Bau der Wurzeln ist also nicht die Ursache der ungleichen Absorption zu suchen, sondern vielmehr in endosmotischen Verhältnissen. Deherain beobachtete, dass poröse Gefässe verschiedener Art in zusammengesetzten Salzlösungen eben so gut eine Aus- wahl treffen, wie die Pflanzenwurzeln; es nehmen nicht allein zwei verschiedene Gefässe nicht gleiche Salzmengen aus der- selben Lösung auf, sondern dasselbe Gefäss aus verschiedenen Lösungen auch veränderliche Mengen der Salze. Diejenigen Salze, welche am leichtesten durch die Wandungen poröser Gefässe hindurchgehen, sind auch dieselben, welche nach W. Wolfs Untersuchungen am leichtesten in die Pflanzen übertreten. Schwefelsaure Salze haben z. B. ein grösseres endosmotisches Vermögen als Chlorüre. Hieraus erklärt sich die Erscheinung, dass die in Seewasser lebenden Tauge, trotz dem hohen Kochsalzgehalt des Wassex's, grössere Mengen von Sulfaten als von Chlorüren enthalten. Eben so erklärt sich der reiche Jodgehalt der Meerespflanzen durch das hohe en- dosmotische Vermögen der Jodverbindungen. — Die ungleiche Durchgangsfälligkeit der einzelnen Salze reicht indess nicht aus, um alle Differenzen in der Zusammensetzung der Pflanzenaschen zu erklären ; diese sind vielmehr theilweise von der Fixirung der einzelnen Mineralstoffe in den Pflan- zen abhängig, welche nicht für alle Mineralstoffe gleich stark ist. Bei gewissen Meei-espflanzen lassen sich alle Chlorverbindungen durch anhaltendes Auswaschen mit Wasser entfernen , während die Sulfate zurückbleiben , verdünnte Na- tronlauge entzieht den Blättern und dem Holze alle Kiesel- säure, während diese bei dem Weizenstroh und den Blättern der Farrnkräuter nicht gelöst wird, die Pflanzenfaser zeigt gegen Salze ein ähnliches Bindungsvermögen wie für Farb- stoffe. Diese Aufnahme von Salzen aus Lösungen durch die Pflanzenfaser betrachtet der Verfasser als erstes Zeichen einer 140 D;is Leben der PÜanze. cliemisclicn Verwandtschaft (Ohevreurs Kapillaraffinität), Delierain beobachtete ferner, dass die in dem Zellsafte der Pflanze gelösten Stoffe die Aufnahme neuer Substanzen aus dem Erdboden beeinflussen. Er fand, dass wenn ein poröses Gefäss mit irgend einer Salzlösung gefüllt wird und man das- selbe dann in eine Salzlösung bringt, die neben dem ersteren Salze noch ein zweites gelöst enthält, dann nur dies zweite Salz in das poröse Gefäss übertritt, während eine Erhöhung des Salzgehalts der inneren Flüssigkeit an dem vorher schon vorhandenen Salze nicht stattfindet. Stellt man z. B. das mit einer Auflösung von salpetersaurem Kalk gefüllte poröse Gefäss in eine Flüssigkeit, welche salpetersauren Kalk und salpetersaures Ammoniak enthält, so wird zwar das letztere, nicht aber der salpetersaure Kalk in das poröse Gefäss übertreten. Diese Erscheinung erklärt die Anhäufung gewisser Stoffe in den Pflanzen, z. B, der Kieselsäure im Stroh und in den Farrn- krautblättern. Bei diesen Pflanzen geht die Kieselsäure eine unlösliche Verbindung mit den Geweben ein, während andere Salze z. B. Chlornatrium im Zellsaftc gelöst V)leibcn und da- durch dem üebertritt neuer Mengen dieser Salze um so mehr entgegen wirken, da durch die Wasserverdunstung aus der Pflanze der Zellsaft konzentrirter wird. Die lokale Ablagerung gewisser Stoffe in gewissen Organen der Pflanzen beruht eben- falls auf endosmotischen Erscheinungen. Indem durch die Ab- scheidung dieser Stoffe in unlöslicher Form der Zellsaft davon befreit wird, erlangt derselbe die Fähigkeit, neue Mengen der- selben heranzuziehen, die dann ebenfalls wieder ausgeschieden werden. Es treten hierbei also rein physikalische Kräfte ins Spiel, Deherain giebt indess zu, dass dieselben, so bedeu- tend ihre Rolle im Pflanzenleben auch ist, doch nicht im Stande sind, die Bewegungen der stickstoffhaltigen Stoffe und der Phos- phate zu erklären, welche zur Zeit der Samenbildung aus allen Theilcn der Pflanze nach dem Samenkorne hinwandern und in demselben sich anhäufen, er glaubt jedoch nicht, dass dies das Resultat einer besonderen physiologischen Thätigkeit sei. Viel Neues ist durch diese Arbeit nicht ans Licht gefördert, doch ist das eigonthümliche Verhalten der i)orüscn Geiasse von Interesse, indem die Uebereinstimmung in dem Verhalten derselben gegen Salzlösungen mit der Aufnahme von Salzen durch lfl)ende Pflanzen lehrt, dass auch bei diesen die Endosraose die Hauptrolle s^jirlt. Die Diflerenzen in der Zu- fta& Leben der Pflanze. 141 sammeusetziuig clor Pflanzenaseben siiul durdi versclüedene Umstände be- dingt, zunik'bst diircb die Bcscbafreulieil des Standoi'ts der Pflanzen, so- dann dnrch die ungleiche Dnrchgangsfäliigkcit der Salze durch die l'flanzen- membraucn , endlich durch die Kapillaraflinität oder die beginnende che- mische Verbindungskraft, welche die Ablagerung gewisser Stoffe durch die Pflauzcngewcbe bedingt und durch DiiTusionsstruniungcu neue Mengen der ausgeschiedenen StoiFc heranzieht. Ucbcr den Einriuss verschiedener Düngestoffe Einfinss auf den Ammoniak- und Salpetersäuregelialt der "'"!,.'* *"' 1 ~ HCl Diinge- Pflanzen, von A. 11 o saus.*) — Zweck der nachstehenden «(uafp .mf Untersuchungen war die Ermittching des Einflusses der Dün- ni"j|^."|,"]|] gung mit Ammoniak- und Salpetersäuren Salzen auf den Ge- saipetcr- halt der Pflanzen an diesen beiden Verbindungen. Als Ver- j""'''*^^''''" f^ rt. Pflanzen Suchspflanzen dienten Zwiebeln (Allium Cepa) und Erbsen (Pisum sativum). Die Zwiebeln wurden in wässrigen Nälir- stoflflösungen kultivirt, welche im Liter 2 Grm. der nachstehen- den Salzmischungen enthielten: I. Schwefelsaures Kali .... 10 Grm. Chlorammonium 18,39 - Schwefelsaure Magnesia. . 14,15 - Kohlensauren Kalk 11,49 • IL Salpetersaurcs Kali .... 10,00 - Schwefelsaure Magnesia. . 12,20 - Salpetersauren Kalk .... 16,25 - Die Lösung IIL enthielt gleiche Theile von beiden Salz- gemischen. Sämmtliche Lösungen bekamen ausserdem noch einen Zusatz von phosphorsaurem Eisenoxyd. Anfänglicli wuchsen die Zwiebelpflanzen in allen Lösungen ziemlich gleich gut, später blieben die in der ammoniakhaltigen Lösung L stehenden zurück und mehrere dieser Pflanzen gingen ganz ein. Die Pflanzen der beiden übrigen Lösungen zeigten keinen Unterschied. Nach sechswöchentlichem Wachsthum wurden die Pflanzen geerntet und analysirt. Es enthielten: Ammoniak. Salpetersäure, Proz. Proz. Samenzwiebel . . . . 0,079 0,168 dito . . . 0,053 0,084 dito . . . 0,053 0,084 *) Zeitschrift für deutsche Landwirthe. 1865. S. 5. 142 D'is Leben der Pflanze. Ammoniak. Salpetersäure. Proz. Proz. Aus Lösung n .Wurzeln 0,506 mit I Zwiebel 0,084 Salpetersäure 'Blätter 0,026 ,0 Aus Lösung I .Wurzeln 0,318 0,337 mit JZwiebel 0,053 0,084 Ammoniak »Blätter 0,106 Aus Lösung III [Wurzeln 0,159 mitSalpetersiiure 'Zwiebel 0,053 0,084 und Ammoniak ^Blätter 0,106 Die mit Salpetersäure ernährten Pflanzen enthielten also nur in den Blättern eine geringe Menge Ammoniak, die viel- leicht aus der Luft aufgenommen ist. Der Salpetersäuregehalt dieser Pflanzen zeigte sich nur bei den Wurzeln beträchtlich. Ein Gleiches zeigte sich auch bei den mit Ammoniaksalzen ernährten Pflanzen bezüglich der Salpetersäure, diese enthielten aber ausserdem in allen Thcilen wesentliche Mengen von Am- moniak. Auftallig ist, dass die mit salpetersauren Salzen neben Ammoniak ernährten Pflanzen gleichwohl nur in dem Zwiebel- theile Salpetersäure enthielten, während wiederum alle Theile einen Gehalt an Ammoniak zeigten. Diese Resultate scheinen mit Sicherheit nur das zu ergeben, dass die Zwiebeln im Stande sind, Ammoniak in Salpetersäure überzuführen, während die Umwandlung in umgekehrter Richtung nach dem Ergebniss der Reihe I. fraglich erscheint. Der Verfasser zeigte jedoch durch spätere Untersuchungen der Samenzwiebeln, dass diese im Herbste keine Salpetersäure mehr enthielten, während sie im Juni zur Zeit ihrer Verwendung Salpetersäure enthalten hatten. Der Ammoniakgehalt betrug dabei wieder 0,053 bis 0,079 Proz. Gleichzeitig mit den obigen Versuchen wurden Erbsen in Torf ausgesäet, welcher ebenfalls mit den obigen Salz- mischungen gedüngt w^orden war. Die benutzte Torferde ent- hielt 0,268 Proz. Ammoniak und 0,337 Proz. Salpetersäure. Die Pflanzen entwickelten sich nur kümmerlich, am besten waren die mit Salpetersäure, am wenigsten gut die mit| Ammoniak gedüngten entwickelt. Nach vierwöchentlicher Vegetation wurde die am meisten entwickelte Pflanze von jedem Versuche ana- lysirt. Gehalt derselben an Ammoniak. Salpetersäure. Proz. Proz. 0,096 0,245 0,212 0,270 0,158 0,216 Das Leben der Pflanze. 143 Gewicht der Pflanze. Grm. No. I. Salpetersäure 4,40 No. II. Ammoniak . 2,00 No. III. Beides . . . 3,75 Interessant ist der hohe Salpetersäuregehalt der nur mit Ammoniaksalzen gedüngten Pflanze. Da der Gehalt der Samen an den beiden Stickstoffverbindungen nicht angegeben ist, so lässt sich die Zunahme nicht genau ermitteln. — Sieben Wochen später wurden die Erbsenpflanzen geerntet und deren Samen analysirt. Gewicht der lufttrockenen Hülsen. Samen. Grm. Grm. No. I. Salpetersäure 10 7,80 No. II. Ammoniak . 4,5 2,80 No, III. Beides . . 4,4 2,50 Der Verfasser theilt ausserdem noch folgende Unter- suchungen von Erbsen mit, die ebenfalls in Torf unter Zusatz von Guano, Knochenmehl und Superphosphat gezogen waren und gleichfalls zweimal analysirt wurden. Gewicht der reichlich 4 Wochen Gel lialt an Ammoniak. Salpetersäure. Proz. Proz. 0,068 0,468 0,177 0,526 0,190 0,613 alten Pflanzen. Ammoniak. Salpetersäure. Düngung Grm. Proz. Proz. Guano . . . 9,40 0,135 0,172 Superphosphat 16,80 0,075 0,096 Knochenmehl . 7,40 0,057 0,073 Ungedüngt . . 7,60 0,089 0,073 Völlig reife Erbsen: Guano ... — 0,063 0,405 Superphosphat — 0,106 0,405 Knochenmehl . — 0,063 0,202 Ungedüngt . . — 0,085 Bei den jungen Erbsenpflanzen macht sich der Einfluss des Guanos als stickstoffhaltiges Düngemittel durch den Reich- thum an Ammoniak und Salpetersäure bemerklich; die Ent- wickelung der Pflanzen stand hierzu jedoch nicht im Verhältniss, den früher analysirten Pflänzchen gegenüber enthielten diese durchgängig weniger Salpetersäure und meistens auch weniger Ammoniak, was auch bei den Samen hervortritt. 144 Das Leben der Pflanze. Wenn die vorstehenden Untersuchungen auch keinesweges zur Er- mittelung des Einflusses der Düngung auf den Gehah der Pflanzen au Ammoniak und Salpetersäure genügen , so scheint daraus doch hervorzu- gehen, dass das Ammoniak in der Pflanze zu Salpetersäure oxydirt wer- den kann, während eine Reduktion der letzteren zu Ammoniak weniger sicher anzunehmen ist. — Zu erwähnen ist noch, dass der Verfasser die von ihm benutzte analytische Methode durch neue Versuche geprüft und vollkommen fehlerfrei gefunden hat Dagegen behauptet K. Frühling,*) dass die von Hosä,us angewandte Bestimmungsmethode ganz unrichtige Resultate liefert. Bei der Bestimmung des in der Pflanze bereits fertig gebildeten Ammoniaks durch Kochen mit alkohohschcr Kalilauge wurden zwar unter sich übereinstimmende , aber viel niedrigere Mengen gefunden, als die von Ho saus angegebenen. Nach dem Zusatz von Zink und Eisen wurde dagegen durch eine einmalige Destillation niemals eine Beendung der Ammouiakbildung wahrgenommen, da wiederholte Destillationen mit neuen Alkoholmcngen wieder Ammoniak lieferten. Es muss also eine Zersetzung der organischen stickstoffhaltigen Substanz eintreten, die der Verfasser durch direkte Versuche mit Klci)cr noch bestimmter nachgewiesen hat. — Wir haben schon früher die Richligkeit der von II o saus benutz- ten Methode bezweifelt,**) Einflussdes Ucbci' dcu Eiufluss einer küustlicheii Wasser- d. Pflanzen. zufuhr auf die Entwickcluiig der Gctrcidepflauzen, vou F. Haberlandt.***) — Mit verscliiedeucn Sommcrhalm- früchten wurden je drei Beete aut freiem Felde gleicbmässig besäet, davon erhielt je ein Beet (Nro. 1.) keine künstliche Wasserzufuhr, Nro. 2 wurde wöchentlich einmal (vom 11. April bis 4. Juli), ausnahmsweise bei grosser Dürre zweimal, mit Flusswasser begossen. Die mit Nro, 3 bezeichneten Felder erhielten gleichzeitig die doppelte Wassermenge. Die bei jedem Begiessen aufgebrachte Wassermenge entsprach bei Nro. 2 einer Regenhöhe von 2,945 Linien Höhe, bei Nro. 3 5,89 Linien, da im Ganzen fünfzelmmal begossen wurde, so entsprach die ganze Wasserzufuhr 44,175 resp. 88,35 Linien. Jedes Versuchs- feld war 5 österr. Klafter laug und 0,8 Klafter breit. Ueber den Witterungslauf giebt nachstehende Tabelle Auskunft: *) Die landw. Versuchsstationen. Bd. 8. S. 471. **) Jahresbericht 1865. S. 93. ***) Centralblatt für die gesammte Landeskultur. 1866. S. 345. Das Loben der Pflanze. 145 1866. Durchschnitt von ISGO - 65. Zahl der Regenhöhe. Zahl der Reg 'enhöhe. Regentage. Linien. Regen tilge. Linien. März 17 18,67 6,3 15,6 April 15 16,12 8,5 16,08 Mai 11 23,78 10,8 23,7 Juni 18 20,07 8,5 23,9 Juli 17 1.5,67 9,0 16,67 73 95,31 i:i,l 95,95 Die Rcgciihölic des Jahres 1866 stimmte hiernach mit dem Durchschnitt der vorausgegangenen Jahre übcrcin, sehr verschieden war aber die A^crtheilung der Regenmenge. Die Zahl der Regenfälle war im Jahre 1866 sehr gross, dieselben waren aber so wenig ergiebig, dass im Mittel auf einen Rogen- fall sicli nur 1,3 Linien Wasser berechnen. Diese ungünstige Vertheilung des Regens in Verbindung mit dem Umstände, dass der Boden wenig Winterfeuchtigkeit enthielt, bewirkte, dass die nicht begossenen Pflanzen an Wassermangel zu leiden hatten. — Hinsichtlich des Wachsthums zeigten sich bei den Beeten 1 und 2 nur geringe Unterschiede, bei 3 trat eine Ver- zögerung des Schosscns, Blühcns und Reifens ein, auch zeigten diese Beete eine stärkere Bestockung und längere Halme. Die Gerste und der Roggen wurden von diesen Beeten vier Tage später geerntet, bei Hafer und Weizen bedingten äussere Verhältnisse eine gleichzeitige Ernte aller Parzellen. Länge Gewicht: Vcrhält- niss der Körner zum Stroh Verhältniss der Frucht. No. der Halme. Körner. ! 1 Stroh. verschied. No. 1 = Felder . 100. ~ Zoll. Grm. Grm. 100: Körner. | Stroh. 24-30 932 1 2185 233 100 100 Roggen 2. 30-32 1267 ! 2708 214 136 124 3. 34-36 1500 4805 320 161 I 219 1. 24—25 958 1 2872 299 100 j 100 Weizen 2. 26—28 1265 ' 3704 293 J32 129 3. 28—30 1648 ! 4701 285 172 ! 164 1. 16-18 522 3275 627 100 , 100 Gerste 2. 17-18 572 3424 598 109 ' 104,5 3. 20—22 1130 1 4050 358 216 j 123 1. 28-30 869 i 3977 458 100 t 100 Hafer 2. 28-32 1154 4610 399 1.33 116 3. 28-34 1578 ' .5037 319 182 1 126 fjabresbericht. IX. 10 kuitur. 146 ^^^ Leben der Pflanze. Die erzielten Erträge sind selbst bei den bewässerten Par- zellen nicht hoch, die Wasserzufuhr beeinflusste die Erträge in verschiedener Weise, bei der Gerste wurde die grösste Stei- gerung des Körnerertrages, die geringste beim Strohertrage beobachtet. Fast durchgehend zeigen die Körnererträge eine grössere Steigerung, als die Stroherträge. Die Qualität der Körner ergab nur geringe Unterschiede, meistens waren die Körner von den bewässerten Parzellen schwerer an Gewicht. Das Begiessen der Felder hat hiernach nicht zur Erzielung einer reichen Ernte ausgereicht, entweder war die künstlich zugeführte Wasser- menge zu gering, oder — was wahrscheinlicher ist — die Vertheilung der Wasserraenge war eine unzweckmässige. Bei den einzelnen Begiessungen drang das Wasser bei Nro. 3 nur 1,5 — 3 Linien in den Boden ein. Diese geringen Wassermengen wurden von der Luft bald wieder anfgenoramen. Zweckmässiger ist ein selteneres Begiessen mit einer entsprechend grösseren Wassermenge, welche im Stande ist, den Erdboden bis auf 1 Fuss Tiefe zu durchtränken. Gersten- G c T s 1 6 n kul t u r , voH H. Hcllriegel. •^) — Der Ver- fasser berichtete in einem Vortrage in der Generalversammlung der agrikulturchemischen Versuchsstation zu Dahmc über die Fortsetzung seiner Untersuchungen über die Ernährung der Gerstenpflanze. ^*) Nachdem die vier Jahre lang fort- gesetzten Kulturversuche in geglühtemQuarzsand widersprechende Besultate geliefert hatten, suchte Hellriegel zunächst den Einfluss aller ausser den Nährstoffen auf die Entwickelung der Pflanzen einwirkenden Momente zu ermitteln. 1. Der Samen. — Das absolute Gewicht des Samens zeigte sich von solchem Einlluss, dass das trockene Gewicht gleichartiger Gerstenpflanzen sich dem Gewicht des Samens proportional verhielt. Dagegen schien das spezifische Gewicht nicht von wesentlichem Einflüsse zu sein. 2. Die Beleuchtung. — -Im vollen Sonnenlichte im Freien entwickelten sich die Pflanzen ganz normal; im vollem Lichte, das aber durch die Glasscheiben des Gewächshauses ging, waren sie weniger entwickelt; solche, die nie direktes, sondern nur diffuses Licht bekamen , waren vollständig verkümmert. Das Trockengewicht der drei Pflanzen verhielt sich ungefähr wie 7:3:1. =*) Landw. Anzeiger d. B. u. H. Ztg. 1866. Nro. 35. **) Vergl. Jahresbericht. 1861. S. 111. Das Leben Jer Pflanze. ]47 3. Die ßodciifouchtig'kci t. — Wurden uio rUauzcn nacli Prozenten der wa^-rfcrhaltcnden Kraft begossen, so dass der Sättiguugszustand des Bodens 80 -GO, 60 — 40, 40 — 20, 20 — 10, resp. 10 — 5 Proz. der Sättigungskapazität betrug, so war das Erntegewieht den Feuelitigkcitszustäuden proportional. In dem nur 5 — 10 Proz. Wasser enthaltenden Boden keimten die Samen zwar, die Pflanzen entwiekelteu sieh aber nicht, obgleich sie mehrere Monate am Leben blieben. Erst nach Zuführung von mehr Wasser wuchsen sie freudig weiter. 4. Die Verdunstung. — Bei gleicher Bodenfeuchtigkeit war die A'^erdunstung dem Trockengewichte proportional, oder dieses proportional den Verdunstungsmengen. 5. Der Ein flu SS der Bodentiefe. — In gleich grossen und gleichmässig gefüllten Gefässeu wurden je 1 bis 24 Samen- körner gelegt; das Erntegewicht war bei allen Gefässen nahe- zu gleich gross, so dass also aus einem Samenkorn sich ein ebenso hohes Trockengewicht ergab als aus 24 Samenkörnern in der gleichen Bodenmenge erzielt wurde. — Die Bodenmenge bei diesen Versuchen ist nicht angegeben. 6. Die Düngung. — Die Nährstoffflüssigkeit enthielt phos- phorsaures Kali, Chlornatrium, schwefelsaure Magnesia und salpetersauren Kalk. Als Bodenmedium diente geglühter Quarz- sand, welcher mit Schwefelsäure ausgekocht und wieder mit destillirtem Wasser gewaschen war. Eine Verminderung des Kaligehalts der Nährstoffraischung beeinträchtigte die Entwicke- lung der Pflanzen bezüglich der Höhe derselben I^einahe pro- portional der entzogenen Kalimenge. Bei völligem Fortlassen des Kali's entwickelten sich nur einzelne Blätter. In gleicher Weise beeinträchtigte die Verringerung und das Fehlen der Phosphorsäure, Schwefelsäure und Magnesia die Entwickelung der Pflanzen; weniger traten die Erscheinungen beim Kalk hervor.*) Das Weglassen des Natrons oder Chlors oder beider beeinträchtigte das Erntegewicht nicht wesentlich, doch schienen die Pflanzen bei Chlormangel etwas zu kränkeln. Schon früher hat Hellriegel festgestellt, dass bei dem Weglassen des Stickstoffs die Pflanzen genau dieselben Erscheinungen zeigen, wie beim Mangel an Kali oder Phosphorsäure. Würde statt *) Der Sand enthielt noch Spuren von Kalk. 10* 148 Das Leiten der Pflanze. der Salpetersäure die eiitspreeLeiide Menge Stickstoff in Form von Ammoüiaksukcii gegeben, so entwickelten sich die Pflan- zen fast gar nicht. » Da die numerischen Versuchsergebnisse nicht mitgethQilt sind, so ent- ziehen sich die vorstehenden Versuche der Kritik. ueber Ka- üc b CT K apl 1 1 a r wi r k IUI gc n bei verändertem Luft- pillarwir- m kungen beidrucko, vcH Nägeli und Schwcndener/^) — Die Verfasser 'L"''*"''"'*'" betrachten die Kapillarität als die Ursache des Saftstcigens Luftdrücke. "^ _ ^ in den Pflanzen. Zur Erklärung dieses Phänomens handelte es sich zunächst um die Feststellung der Höhe, bis zu welcher Flüssigkeiten in Kapillarröhren steigen können. Nägeli hat bisher angenommen, dass diese Höhe 32 Puss betrage, es handelte sich nun um die Ermittelung, ob dies Gesetz auch für mikroskopisch enge Eöhren Geltung habe. Durch neuere Untersuchungen ermittelten die Verfasser, dass die Steigehöhe der Flüssigkeiten in kapillaren Röhren im umgekehrten Vor- hältniss zur Röhrenweite steht; bei Röhren mit 1 Mm. Durch- messer betrug dieselbe 30 Mm., für solche von 0,1 Mm. Durch- messer aber 300 Mm, Weitere Versuche, bei denen die Grösse der Kapillaranziehung durch Verdrängung des Wassers mittelst einer Quecksilbersäule gemessen wurde, ergaben für Röhren von 0,009 Millim. Kapillarweite eine Steigehöhe des Wassers von 3,11 Meter, für 0,003 Mm. Weite 10,93 Meter Steigehöhe. Diese Bestimmungen stimmten ziemlich genau mit den berechneten Höhen der Steigung überein. Die Versuche ergaben also, dass Röhren von nicht unter 0,003 Mm. Weite sich dem Kapillargesetzc entsprechend verhalten. Die Ver- fasser führten ferner Experimente darüber aus, ob bei ver- mindertem Luftdruck die Flüssigkeit in der Kapillarröhre eben- so hoch steigt als beim Druck einer vollen Atmosphäre, oder ob sie wie in einer Pumpe nur eine dem Auftriebe entsprechende Höhe erreiche. Die Ergebnisse dieser Versuche zeigten un- verkennbar einen Zusammenhang zwischen der Steighöhe und dem Luftdrucke und sie bestätigten daher scheinbar die Ver- muthung, dass unter dem konkaven Meniskus der Kapillar- röhreu die Flüssigkeit auf gleiche Weise sich erhebt, wie unter *) Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften zu München. 1866. S. 324. Diis Leben der Pflanze. 149 dem Koll)cn der Pumpe. Portgesetzte Versuche ergaben jedoch dass in der mit Wasser gefüllten Kapillarröhrc, die. mit einer Luftpumpe in Verbindung gebracht ist, bei dem Entleeren der Luftpumpe nur ein überaus langsames Sinken des Wassers eintritt. Pas Herabsinken der Wassersäule dauert längere oder kürzere Zeit uud wird zunächst dadurch bedingt, dass zeit- weise mehr Wasser verdunstet, als die Kapillarität ersetzen kann. Im unteren Theile der Kaj)illarrühren erfolgt nämlich das Steigen ungemein schnell, im oberen aber seiir langsam. Es treten noch andere kapillare Erscheinungen hierbei ins Spiel, besonders der Umstand, dass das Niveau der Flüssig- keit in kapillaren Röhren ein gewisses Beharrungsvermögen besitzt, zu dessen Ueberwindung ein grösserer oder kleinerer Kraftüberschuss erforderlich ist. Auch die Wärme ist hierbei von Einfluss. Die Versuche beweisen hievnacb, dass die Steighöhe des Wassers in KapillaiTöhren bei vermindertem Luftdruck deshalb sich erniedrigt, weil die Verdunstung lebhafter wird. Ob aber die Spannkraft der Dämpfe allein das kajallare Niveau herunterdrückt, oder andere Ursarben mitwirken, dies bleibt den fortgesetzten Beobachtungen der Verfasser zur Entscheidung vorbehalten. Ueber die Einwirkung des Lichtes auf d a s Einwirkung Pflanzenleben, von Robert Hunt.") — - Von den bekann- ''^ ^'^ *•* ' ' auf das ten Erfahrungen über die Einwirkung des Sonnenlichtes auf PHanzen- die Pflanzen ausgehend und darauf fnssend, dass das Licht aus leuchtenden, wärmenden und aktinischen oder chemisch wir- kenden Strahlen besteht, suchte der Verfasser die verschieden- artigen Einwirkungen dieser verschiedenen Strahlen auf das Pflanzenleben festzustellen. Er ging zugleich von der Ueber- zeugung aus, dass die gegenseitige Stärke der verschiedenen Strahlen des Sonnenlichtes einem Wechsel unterworfen sei, der, nicht bloss von den Jahreszeiten, sondern auch von ge- wissen atmosphärischen Veränderungen l)edingt, zugleich oder vornämlich die Wandlungen der Pflanzenwelt in der Natur hervorbringe. Hunt zeigte, dass die gelben Strahlen im Spektrum den geringsten Aktinismus besitzen, ungleich kräfti- ger wirken die blauen und noch mehr die violetten, nicht *) Landw. Centralblatt für Deutschland. 1866. L S. 402. 150 Das Lebou der Pflanze. leuchtenden Strahlen. Die aktinischcn Strahlen sind in quan- titativer Beziehung die überwiegenden im Sonnenlichte, dann folgen die wärmenden und zuletzt die leuchtenden Strahlen. Hunt nimmt an, dass die bräunliche Färbung der Blätter im Herbste eine Wirkung derselben Strahlen ist, welche im Som- mer jenes Braun der Blätter an solchen Pflanzen erzeugen, die dem vollen Sonnenlichte ausgesetzt sind. Nach langjähri- gen Experimenten, l)ei denen zur Hervorbringung der ver- schiedenen Farbennüanzen Gläser mit farbigen Flüssigkeiten benutzt wurden, giebt der Verfasser nachstehende Theorie über die Lichtwirkungen : 1) die leuchtenden Strahlen sind dem Keimen des Samens hinderlich ; 2) die aktinischen Strahlen beschleunigen das Keimen; 3) die leuchtenden Strahlen befördern die Zersetzung der Kohlensäure bei der im Wachsthum begriffenen Pflanze; 4) die aktinischen und leuchtenden Strahlen sind zur Bildung des Chlorophylls nothwendig; 5) die leuchtenden und aktinischen Strahlen beugen, wenn sie getrennt von den wärmenden wirken, der Bildung re- produktiver Organe in der Pflanze vor. Zum Verständniss seiner Theorie ist zu bemerken, dass Hunt unter dem Ausdrucke „Licht" nur alle diejenigen Strahlen im Spektrum ver- steht, die das normale Menschenauge darin erblickt, unter „aktinischen" die chemisch wirkenden Strahlen und unter „wärmenden" Strahlen nicht nur solche, deren Wirkung sich am Thermometer spüren lässt, sondern auch andere, deren Is'atur und Beschaffenheit noch niiher zu untersuchen bleibt. Hunt will ferner gefunden haben: 1) dass die aktinischen Strahlen im Frühjahre am wirksamsten sind und alsdann, verglichen mit den leuchtenden und wärmenden, eine sehr bedeutend überwiegende Menge ausmachen; 2) dass die Menge der leuchtenden und wärmenden Strahlen mit dem fortschreitenden Sommer, im Yerglcich zu den aktinischen, in bedeu- tendem Grade zunimmt; 3) dass sowohl die leuchtenden als aktinischen Strahlen im Herbste ab- nehmen, die wärmenden dagegen alsdann ein l)edoutcndes Uebei'- gewicht erlangen. Im Frühlinge begünstigt das IJeborgewicht des aktinischen Lichtes die Keimung der Samen und das Wiedeierwachen der Vegetation nach dem Winterschlafe; im Sommer wird dies Agens von einem andern von verschiedenartiger Kraft aufgewogen , ohne dessen Vorhanden- Bas Lobon der Pflanze. 151 sein die gesammte Körpeibiklung der Pflanze nicht vor sich gehen würde; im Herbste endlich hemmt ein anderes geheimnissvolles Agens (da« wian kaum als Wärme bezeichnen darf, obgleich es einzelne Erscheinungen derselben in sich schliesst) ebenfalls das vorige, und von letzterem scheint sowohl die Entwicklung der Biüthe , als die Bildung der Fruclit abhängig zu sein,*) Wenn die Theorien des Verfassers allseitig richtig sind, so könnte man vielleicht bei der Kultur von Gewächsen unter Glas daraus Nutzen ziehen. Man würde dann die Keimung der Samen durch Beleuchtung vermittels dunkelblauen Kobaltglases beschleunigen, eine zu üppige Blattentwicklung durch möglichst starke Beleuchtung unter möglichstem Ausschluss der aktinisjhen Strahlen vermittels gelben Glases hemmen, die Bildung der Blüthen durch mit Goldoxyd roth gefärbtes Glas, welches vorzugsweise die wärmenden Strahlen durchlässt, die chemisch wirkenden und leuch- tenden dagegen abhält, befördern können. — Zum Schutze der Pflanzen in Tieib- und Gewächshäusern gegen die sengenden Sonnenstrahlen em- pfiehlt K. Müller**) sogenanntes Schattenglas, gewöhnliches Fenster- glas, welches mit eingebrannten mattgrunen Streifen versehen ist oder in welchem Streifen eiugeschliften sind. Ueber die physiologischen Bedingungen derueberdie Chlorophyllbildung, von Joseph Böhm.*^*) — Nach^der"ch"lofr den Untersuchungen des Verfassers steht das Ergrünen der pi.yiibii- Pflanzen in engster Beziehung zu der Lebensthätigkeit der '^""S" Zellen, das Chlorophyll ist darnach ein Produkt der gesunden, normal fungirenden Zelle. Die Thätigkeit der Zellen wird aber nicht allein durch das Licht bedingt, der Verfasser nimmt viel- mehr an, dass gewisse nicht schmarotzende Pflanzen bei völ- ligem Lichtmangel nicht bloss grün werden, sondern sich auch normal entwickeln können. Obgleich nun im Lichte das Wachs- thum in niedrigerer Temperatur erfolgt, als das Ergrünen, so scheint doch das Ergrünen der im Dunkeln gewachsenen Koni- feren eine Wirkung der Wärme zu sein. Während die im Dunkeln gezogenen vergeilten Pflanzen sehr lange Internodien aber nur sehr unvollständig entwickelte Blätter besitzen, zeigt sich bei den im Dunkeln ergrünenden Koniferen eine fast ebenso normale Entwickelung der Kotyledonen als im Lichte. Dies ist nach Bö lim der nächste Grund, warum die Keimlinge von '*) Vergl. J. Sachs: Ueber das Verhalten der Pflanzen gegen far- biges Licht. Jahresbericht 1864. S. 114. **) Landw. Centralblatt für Deutschland. 18GG. I. S. 402. **♦) Sitzungsberichte der Wiener Akademie. 152 D^s Leben der Pflanze. Pinien etc. im Dunkeln in der Wärme ergrünen. Keimlinge von Larix, die im Dunkeln nicht ergrünen, entwickeln sich darin auch sichtlich schwächer als im Lichte. Die Konsequenz aus der Ansicht des Verfassers, dass auch die Wärmestrahlen die Pflanze zur Assimilation der Kohlensäure befähigen, liess sich experimentell nicht' beweisen, wahrscheinlich verhielten sich die Stengel der im Dunkeln ergrünenden Koniferenkeira- linge ähnlich wie die von anderen vergeilten Pflanzen und verhinderten deshalb die weitere Entwickelung der Keimlinge. Bekanntlich hat Böhm*) bereits aus früheren Untersuchungen den SchUiss gezogen, dass die ChlorophyllbiUlung bei den im Dunklen ergrü- nenden Gymnospermen eine Wirkung der Wärme sei. J. Sachs**) hat später gezeigt, dass die Mono- und Dikotylen zu ihrem Ergrünen so- wohl des Lichtes, als auch gleichzeitig einer hinreichend hohen Temperatur bedürfen, deren Maximum von dem spezifischen Charakter der Pflanze abhängt. Kryst.iiiisir- A. Tr6cul^'**) beobachtete in Lactuca altissima neben ge- phyii. wölmliclien Chlorophyllkörncrn solche von regelmässiger eckiger und nadeiförmiger Gestalt, welche er als kristallisirtes Chlorophyll ansieht. wachsthum Ucber dasWachsthum der P flanzen während der Ji\.^g",3Tages- und Nachtzeit, von M, P. Ducliartre.f) — Der »acht. Verfasser stellte seine Untersuchungen im August und Sep- tember an sechs Pflanzen aus verscliiedenen Familien an, die in freiem Lande unter völlig normalen Bedingungen wuchsen, und zwar waren dies: eine Weinrebe, eine Stockrose, eine grossfrüchtige Erdbeerpflanze, zwei Triebe einer Hopfenpflanze und zwei Gladioluspflanzeu, also vier Dikotyledonen und zwei Monokotyledonen. Eine besondere Pflege der Pflanzen fand nicht statt, nur die Weinrebe wurde alle zwei oder drei Tage begossen. Die Messungen wurden täglicli G Uhr Morgens, Mittags und G Uhr Abends ausgeführt, zugleich wurde dabei die Lufttemperatur ermittelt. *) Jahresbericht. 18G4. S. 119. **) Jbidem. S. 118. ***) Compt. rend. Bd. Gl. S. 432. t) Compt. rend 186Ü. Bd. 62. S 81.5. Das Lolion d<'r PHanze. 153 Die Ergebnisse der Messungen ])ci dem Wein stock waren folgende: Zunabmo von G Uhr Morgens Zunahmo von G Uhr Abends bis G Uhr AbiMuls. bis G Ulir Morgens. 6. August . . H Millim. G.— 7. August 14 Millim. 7. - . . 15 - 7— 8. - 13 - 8. - . . 10 - 8— 9. - 10,5 - ■ 9. - . . 10 - 9-10. - 13 - 10. - . . IG - 10—11. - 24,5 - 11. - . . 15 - 11—1-2. - 26,5 - 12. - . . 18 - 12—13. - 23 Hiernach betrug also die Verlängerung der Rebe, mit Ausnahme des 7. August, während der Nachtzeit stets mehr als am Tage. Bei der Fortsetzung der Versuche ergab sich dasselbe Resultat, nur war der Unterschied in dem Längen- zuwachse oft noch beträchtlicher. Auch bei den Versuchen mit der Erdbeerranke, der Stockrose und dem Hopfen stellte sich dasselbe heraus. Das Wachsthum bei Nacht übertraf um das Doppelte und Dreifache das bei Tage. Ebenso übertraf auch bei den beiden Monokotyledonen (Gladiolus) die Längen- zunahme bei Nacht weitaus die am Tage stattfindende. Da die Versuche in vorgerückter Jahreszeit angestellt wurden und von vielen früheren Experimentatoren entgegengesetzte Resultate erzielt •worden sind, so erscheint es noch fraglich, ob die Beobachtung Du chartre 's, dass das Längenwachsthum der Pflanzen vorzugsweise während der Nacht- zeit stattfinde, allgemeine Geltung hat. — Eine umfassende Zusammen- stellung der Beobachtungen hinsichtlich des Einflusses des Tages- lichtes auf Neubildung und Entfaltung verschiedener Pflanzenorgane hat J. Sachs*) geliefert. Ueber das Winden der Schlingpfanzen hat P. Du- reuer das chartre**) Untersuchungen ausgeführt, welche ergaben, dass schiTng-" allerdings die Ansicht von Palm, v. Mo hl, Dutrochet und pflanzeu. Darwin, nacli welcher diese Erscheinung eine Funktion des Lichtes ist, für manche Pflanzen Geltung hat. So streckt die Yamspflanze ihre Triebe im dunkeln Raum gerade aus, ohne Windungen, während sie im Lichte sich windet. Ebenso ver- hält sich die Mandevillea suaveolcns. Andere Pflanzen (Bohne, *) Botanische Zeitung. 1863. S. 9. **) Compt. rend. Bd. 61. S. 1142. 154 Das Leben der Pflanze. Ipomaea purpurca) bilden dagegen aucli im Finstern Win- dungen. Wenn die Beobachtungen des Verfassers sich bestätigen, so wird man hiernach zwei verschiedene Arten windender Pflanzen zu unterscheiden haben, nämlich solche, welche nur im Lichte, und solche, welche auch im Dunkeln sich um dargebotene Stützen winden. — Nach J. Sachs*) ge- hören zu letzteren auch Bryonia dioica und Cucurbita Pepo. ueber die U e b c 1* die Funktionen der Blätter, von B o u s s i n - Funktionen ' der Blätter, gault.**) — Der Verfasscr hat seine Untersuchungen über das Verhalten der Blätter dahin fortgesetzt, dass er die Ein- wirkung des Lichtes auf die beiden Fläclien eines Blattes, welches sich in einer kohlensäurehaltigen Atmosphäre befindet, studirte. Es ist bekannt, dass die beiden Blattflächen sich hinsichtlich ihres anatomischen Baues wesentlich unter- scheiden. Die gegen den Himmel gekehrte Oberseite des Blat- tes ist meistens dunkelgrün, die Epidermis und Cuticula, mit der sie bedeckt ist, haben grössere Konsistenz, und die Poren sind zahlreicher, als auf der Unterseite, wo diese mitunter gänzlich fehlen. Da die Spaltöffnungen den Eintritt der Luft in das Parenchym erleichtern, so liegt die Frage nahe, ob die Oberseite des Blattes, wo diese Orgaue zahlreicher vorhanden sind, energischer auf die Kohlensäure einwirkt, als die untere. Um dies zu ermitteln, suchte Boussingault bei seinen Unter- suchungen die eine Blattseite vor der Einwirkung des Lichtes dadurch zu schützen, dass er sie mit schwarzem Papier über- klebte, oder es wurden zwei Blätter von gleicher Grösse mit- tels Stärkekleister so zusammengeklebt, dass bei beiden die- selbe Fläche vor dem Lichte geschützt war. Zunächst untersuchte der Verfasser, ob die Annahme Saussure's: dass die Menge der von einem Blatte in der Sonne zersetzten Kohlensäure proportional ist der Oberfläche und nicht dem Volumen des- selben, richtig sei. Von einem Oleander zweige wurden zwei gleiche Blätter genommen, deren jedes 31 Quadr, Cent. Oberfläche (auf einer ßlattseite) hatte. Bei dem einen Blatte (Ä) wurden auf beiden Seiten je 20 Q. C. Fläche mit schwarzem Papier überklebt, das andere blieb unbedeckt. Beide wurden *) Botanische Zeitung. 18G3. Beilage S. 12. **) Compt. rend. Bd. 63. S. 706. Das Lo1)on der Pflanzo. ir)5 dann 8 Siuiulen lang in einer kolilensUurchaUigen Atmosphäre dem Lichte ausgesetzt. Vor dor Bestrahlung Nach der Bestrahlung A. Kohlensäure . . . 35,1 CC. 22,4 CC. Atmosphiuisclie Luft 54,4 CC^lso zersetzt 12,7 CC. 89,5 CC. B. Kohlensäure . . . 36,7 CC. 5,8 CC. Atmosphärische Luf t 54^2 CC^also zersetzt 30,9 CC 90,9 CC. Naoli dem Ergebnisse des Blattes B. hätten die 11 Q. C. Oberfläche des Blattes A. 10,9 CC. Kohlensäure zersetzen müssen, die Differenz ist auf Rechnung einer Ungleichmässig- keit in der Blattsubstanz zu setzen. — Zwei gleich grosse Oleanderblätter mit je 33 Quadr. Cent. Oberfläche zersetzten im Schatten in 9 Stunden bei 20^ Temperatur folgende Mengen von Kohlensäure: Vor der Exposition. Nach der Exposition. A. Kohlensäure . . . 30,4 CC. 15,4 CC. Atmosphärische Luft 53,9 CC^also zersetzt 15,0 CC. 84,3 CC. B. Kohlensäure . . . 33,5 CC. 19,1 CC. Atmosphärische Luft__49, l CC.^_a lsQ zersetzt 14,4 CC. 82,6 CC. Beide Blätter waren ganz unbedeckt, sie ergaben also nur eine Differenz von 0,0 CC. Die Sau SS uro 'sehe Voraussetzung hat sich hiernach be- stätigt, bei annähernd gleich grossen Blättern ist die Kohlen- säurezersctzung der dem Lichte ausgesetzten grünen ßlattfläche proportional. Bei den nachstcheucten Versuchen wurden die Blätter A. auf der Oberseite mit schwarzem Papier überklebt, ebenso bei B. die Unterseite, die Blätter C. blieben unbedeckt. 1. A eitere Oleanderblätter mit sehr verschiedener Färbung auf den beiden Blattseiten, von je 31 Q. C. Ober- fläche. Die Bestrahlung dauerte 8 Stunden. Vor der Bestrahlung. ' Nach der Bestrahlung. A. Kohlensiiuro . . . 37,2 CC. 31,6 CC. Atmosphärische Lu ft 54,0 CC, alsd zersetzt 5,6 CC. 91,2 CC. B. Kohlensäure . . . 36,4 CC. 15,9 CC. Atmosphärische Lu ft 52.6 CC, a lso zersetzt 20,5 CC. 89,0 CC. 156 ßas Leben der Pflanze. C. Kohlensäure . . . 29,5 CC. 2,2 CC. Atmosphärische Lu ft 53,4 CC, a lso zersetzt 27,3 CC. 82,9 CC. 1. Jüngere Oleanderblätter, bei denen die beiden Blattseiten noch weniger verschieden waren, nnter mattem Glase der Sonne G Stunden ausgesetzt. Die Blattfiilche (einseitig) betrug bei A. 20,7 Q. C, bei B. 22,0 Q. C, bei 0. 17,0 Q. C. Bei A. waren die Blätter an der Oberseite, bei B. an der Unterseite mit einander zusammengeklebt, bei C. wurde die Unterseite des einen mit der Oberseite des anderen Blattes verbunden. Vor der Bostrahlung. Nach der Bestrahlung. A. Kohlensäure . . . 2G,3 CC. 14,3 CC. Atmosphärische Lu ft G3,8 CC, also zersetzt 12,0 CC. 90,1 CC. B. Kohlensäure . . . 27,G CC. 9,3 CC. Atmosphärische Luf t 57,7 CC, also zersetzt 18,3 CC. 85,3 CC C Kohlensäure . . . 28,7 CC. 17,3 CC Atmosphärische Luft _57, 3 CC, also zersetzt 11,4 CC SGjU^CC"" Auf gleiche Flächen berechnet, ergeben sich (für 22 Q.-C) A. 12,7 CC. Kohlensäure, B. 18,3 - C 14,8 - 3) Drei Kirschlor beerblütt er, je 31 Q. C. gross, wurden 8 Stunden lang der Sonne ausgesetzt. Bei A. war die Oberseite, bei B. die Unterseite mit schwarzem Papier beklebt, C. war ganz unbedeckt. Vor der Bestrahlung. Nach der Bestrahlung. A. Kohlensäure . . . 35,8 CC. 28.3 CC. Atmosphärische Luft 51,3 CC, also zersetzt 7,5 CC. 87,1 CC." B. Kohlensäure . . . 36,7 CC. 15,4 CC. Atmosphärische Luft 53,0 CC, also zersetzt 21,3 CC. 90,3 CC. C Kohlensäure . . . 32,6 CC. 4,3 CC Atmosphärische Luft 57,2 CC.,_also zersetzt 28,3 CC. 89,8 CC. Die vorstehenden Versuche ergaben also einen beträcht- lichen Unterschied in dem Zersetzuiigsvcrmögen der beiden Blattseiten, die Oberfläche zersetzte die Kohlensäure weit Das Leben der Pflanze. 157 schneller, als die Unterseite. Bei der Fortsetzung der Unter- suchungen ergab sich jedoch, dass der Unterschied bei dünneren Blättern weniger ])edeutend ist. 4. Zwei Platancnblätter A. wurden mit den Oberseiten, zwei andere B. mit den Unterseiten, zwei dritte C. mit der Ober- und Unterseite zusammengeklebt, jede Blattgruppe hatte eine einseitige Fläche von 47 Q. C, Dauer der Exposition 6 Stunden bei licwölktem Himmel. Vor der Bestrahlung. Nach der Bestrahlung. A. Kohlensäure . . . 23,7 CC. 1,5 CC. Atmosphärische Lu ft 58,4 CC., also zerselzt 19,2 CC. 82.1 CC. B. Kohlensäure . . . 32,4 CC. 8,6 CC. Atmosphärische Lu ft 42,8 CC, also zersetzt 23,8 CC. 75.2 CC. C. Kohlensäure . . . 25,5 CC. 7,6 CC. Atmosphärische Lu ft 50,7 CC, also zersetzt 17,9 CC 76,2 CC. Wenn man die Zahlen der Versuche A. und B als auf doppelte Flächen bezüglich halbirt und zusammenaddirt, so ergeben sich 21,5 CC, während bei C nur 17,9 CC. gefunden wurden. Eine derartige Differenz zwischen den gesonderten Bestimmungen des Zersetzungsvermögens der beiden Bhittseiten mit denen , wo beide Flächen gleichzeitig funktionirten, ergab sich mehrfach bei den Versuchen. 5. Drei Kastanienblätter von demselben Blattstiele, je 30 Q. C. gross, wurden im Schatten exponirt. Bei A. war die Oberseite, bei B. die Unterseite mit schwarzem Papier beklebt, C. blieb unbedeckt. Vor der Exposition. Nach der Exposition. A. Kohlensäure . . . 37,1 CC. 35,0 CC. Atmosphärische Luf t 51,7 CC., a lso zersetzt 2,1 CC. 88,8 CC. B. Kohlensäure . . . 36,0 CC 33.0 CC Atmosphärische Lu ft '56,5 CC, a lso zersetzt 3,0 CC 92,5 CC C Kohlensäure . . . 37,6 CC 31,1 CC. Atmosphärische Luf t 56,2 CC, a lso zersetzt 6,5 CC 93,8 CC Bei weiteren Versuchen mit Kastanienblättern zersetzten beide Seiten fast gleiche Mengen Kohlensäure. Das Sonnen- licht scheint hiernach, wenn es hinreichend lebhaft ist, das 158 Ras Leben der Pflanze. ganze Parenchym der Blätter durcbstrahlen zu können, so dass die Bedeckung der Rückseite kein Hinderniss ist. Zu den folgenden Versuchen dienten Blätter, deren Unter- seite sehr verschiedenen von der Oberseite gefärbt ist. G. Drei Himbeerblätter, jedes 25. Q. C. gross, wur- den 7 Stunden dem Lichte ausgesetzt. Bei A. war die Ober- seite, bei B. die Unterseite beklebt, 0. blieb unbedeckt. — Die Blätter waren auf der Unterseite mit Ausnahme der Blatt- iierven leicht wollig behaart. Vor der Bestrahlung. Nach der Bestrahhiug. A. Kohlensäure . . . 26,7 CG. 23,1) CG. Atmosphärische Lu ft .57,7 GG., also zersetzt 2,8 CG. 84.4 GG. B. Kohlensäure . . . 24,6 GG. 19,5 GG. Atmosphärische Lu ft 64,4 GG ., also zersetzt 5,1 GG. 89.0 GG. C. Kohlensäure . . . 26,4 GG. 20,5 CG. Atmosphärische Lu ft 56,1 GG., also zersetzt 5,9 GG. 82.5 GG. 7. Der folgende Versuch bietet eine Wiederholung des vorigen' mit der Abänderung, dass stets zwei Blätter in der angegebenen Weise zusammengeklebt wurden. Die Blätter A. hatten 37,4 Q. C, B. 37,8 Q. C, C. 33,5 Q. C. Fläche. Die Exposition geschah im Schatten am Mittage 5 Stunden lang. Vor der Expositiou. Nach der Exposition. A. Kohlensäure . . . 27,2 GG. 19,9 GG. Atmosphärische Luft 51,9 CG., also zersetzt 7,3 CG. 79.1 GG." E. Kohlensäure . . . 23,7 CG. 9,6 GG. Atmosphärische Luft 70,1 GG., also zersetzt 14,1 GG. 93,8 GC. G. Kohlensäure . . . 31,4 GC. 26,1 CG. Atmosphärische Luft 51,3 GC , also zersetzt 5,3 CG. 82,7 CG. ' Auf die gleiche Oberfläche von 37,4 Q.-C. bezogen, crgiebt sich: A. = 7,3 GG. Kohlensäure, B. =- 14,0 - C. = 5,9 - Die Summe der von beiden getrennt wirkenden Flächen zersetzten Kohlensäure übertrifi't hier bei weitem die Menge, welche bei gleichzeitiger Wirkung beider Flächen zersetzt wurde. Das Leben der Pflanze. 159 8, Zwei Blätter von Populus alba wurden in der angegebenen Weise zusammengeklebt und 8 Stunden im Schatten exponirt. Die Oberfläche (einseitig) betrug bei A. 25,0, bei B. 35,4, bei C. 2!),0 Q. C. — Die Blätter waren au der Unter- seite mit einem weissen wolligen Ueberzuge versehen. Vor der Exposition. Nach der Exposition. A. Kohlensäure . . . .TO,3 CG. 28,6 CG, Atmosphärische Luft ^^^60J_CC^^also zersetzt 1,7 CG. 91,0 CG. B. Kohlonsäuic . . . 25,2 GG. 10,4 CG. Atmosphärische Luft G 2,2 G G.^^also zersetzt 14,8 CG. "" 87,4 CC. C. Kohlensäure . . . 31,2 CC. 24.7 CC Atmosphärische Luft 58^9 CC, also zersetzt 6,.5 CC. '■"'90,1 CC""" Auf die gleiche Fläche von 29 Q.-C. berechnen sich: A. = 2,0 CC. Kohlensäure, E. = 12,1 - G. = 6,5 - Bei einer Wiederholung dieses Versuches mit Pappel- blätteru, wobei die untere Seite der Blätter mit Papier beklebt wurde, ergab sich, dass unter gleichen Verhältnissen die Ober- seite 9,0 CC, das ganze Blatt dagegen 9,4 CC. Kohlensäure zersetzte; der Unterseite dieser Blätter scheint also das Ver- mögen, die Kohlensäure zu ersetzen, fast gänzlich zu fehlen. 9. Zwei Pfirsichblätter von 27 Q. C. Oberfläche wur- den 7 Stunden lang im Schatten exponirt. Bei A. war die Rückseite beklebt, bei B, beide Seiten frei. Die Unterseite von A. zersetzte 6,7 CC Kohlensäure, das ganze Blatt beiß, zersetzte 7,0 - Der Verfasser führt dies Ergebniss wie bei den vorigen Versuchen auf die geringe Dicke der Blätter, welche dem Lichte den Durchgang ermöglichte, zurück. Die Dicke des Parenchyms der untersuchten Blätter betrug : Kirschlorbeer 0,5 Mm. Oleander . . 0,38 - Himbeere . . 0,23 - Platane . . 0,16 - Pfirsich . . 0,15 - Silberpappel . 0,09 - Kastanie . . 0,06 - 160 t)as Leben der Pflanze. Boussingault prüfte die Elütter bezüglich ihres DiirchlasBungs- vermögens für das Licht, indem er sie auf ijhotographischem Papiere der Sonne aussetzte. Es zeigte sich dabei, dass die wollige Decke des Blattes der Silberpappel das Licht nicht durchlässt, nur die Nerven Hessen etwas Licht hindurch. Kirschlorbeer und Oleanderblätter setzten dem Lichte einen grossen Widerstand entgegen, was bei Kastanienblattcrn nicht der Fall war. Bei dickeren Blättern (Kirschlorbeer und Oleander) sowie bei den mit einem schützenden wolligen Flaume auf der Unterseite versehenen (Himbeere und Silberpappel ) zersetzt hiernach die Oberseite der Blätter die Kohlensäure weit rascher, als die Unterseite; bei dünnen Blättern ist es ziemlich gleich, auf welche Seite das Licht einwirkt. Ueber die Aucli C Ol' c D w i R d c 1' ") bericlitctc ül)cr Versuche, welche die Funktionen r-iii- i -rti i i /-t ,ii -n der Blätter. -t unk tioncn der Blätter zum (jcgenstande hatten. Er beobachtete, dass die jugendlichen Blattknospen in freier Luft selbst in direktem Sonnenlichte etwas Kohlensäure ausgeben. Bald jedoch beginnt die Zersetzung der Kohlensäure, eine Zeitlang wird dabei neben dem Sauerstoff noch Kohlensäure ausgeathract, später aber geben die Blätter unter freiem Him- mel und in freier Luft niemals am Tage Kohlensäure aus. Im diJBFusen und geschwächten Lichte findet dagegen je nach der Natur der Pflanzen und der Schwächung des Lichtes eine Ausathmung von Kohlensäure statt. Blätter, welche durch Krankheit ihre grüne Farbe verlieren, büssen damit ihr Zer- setzungsvermögen für die Kohlensäure ein. Dagegen be- sitzen die normal bunt gefärbten Blätter die Fähigkeit im hohen Grade. Vollkommen ungefärbte Blätter, wie solche an der Spitze der Zweige des buntgestreiften Ahorns zuweilen vorkommen, athmen im Sonnenlichte keinen Sauer- stoff aus, sie entwickeln aber in der Dunkelheit und im diffusen Lichte Kohlensäure. Die in Wasser untergetauch- ten Blätter von Wassei-pflanzen bewirken eine Ausschei- dung von kohlensaurem Kalk, indem sie dem gelösten Kalk- bikarbonat die Hälfte dor Kohlensäure entziehen und zer- setzen. Ebenso verhalten sich die Blätter von Landpflanzen, welche in Kalkbikarbonat enthaltendes Wasser gebracht werden. *=) Compt. rend. Bd. 62. S. 340. D}is Leben der Pflanze. \Q{ Ueber die M aclitlieile des vorzeitigen Aliblattcns i>i''r di<- der Rüben, von E. Peters.^) — Der Verfasser macht darauf'*"'"" ' _ ' df'S vorzeiti- aufmcrksam, dass die Rcservestofife der Pflanzen: Zucker, Stärke ge» Abbut- etc. , welche in den Wurzeln und Knollen der Wurzclfn'ichte '!,"*/" ' _ Kuben. für die Zeit des Wiederbeginnens der Vegetation im nächsten Lebensjahre aufgespeichert werden, ihre Entstehung in den Blättern finden. Gerade die älteren, ausgewachsenen Blätter der Rübe sind für die Zuckerbildung von besonderer Wichtigkeit, durch eine vorzeitige Entnahme derselben wird der Zuckergehalt der Rüben sehr erheblich beeinträchtigt, es ist daher von dem Abblatten der Rüben vor der Ernte entschieden abzurathen. Durch vielfache Versuche ist festgestellt, dass das vorzeitige Abblat- teu der Rüben die Rübenernte in Qualität und Quantität beeinträchtigt. — Um die bei der Ernte gewonnenen grossen Massen von Rübenblilttern fiir die Verfütterung längere Zeit zu konserviren, empfiehlt der Verfasser das Einmiethen in Erdgruben. Auch H. Leplay**) stellte Versuche über das Abblatten der Zuckerrüben an, aus denen sich ergab, dass die Blattentnahme die Rübenernte in Qualität und Quantität beeinträchtigte. Während die Dichtig- keit des Saftes und der Zuckergehalt bei den nicht entblatteten Rüben von Ende Juli bis Phulo September fortwährend zunahm, zeigte sich keine Zunahme bei den Ende Juli entblatteten Rüben, die ßlattentnahme be- wirkte also auch eine Verminderung des relativen Zuckergehalts. Ueber die im Innern der Organe des Maulbeer- ueb« du baumes und des Weinstocks enthaltenen Gase haben „f*"^ '"! vVeiiistock" E. Faivrc und Dupre*'^*) umfangreiche Untersuchungen aus- »nd im geführt, welche ergaben, dass das mittels Injektion von Queck- ^''''""'*"- Silber ausgetriebene Gas aus einem veränderlichen Gemenge von Sauerstoff, Kohlensäure und Stickstoff besteht. Während der Ruliezeit der Vegetation hat das Gas ungefähr die Zu- sammensetzung der atmosphärischen Luft und nur einen ge- ringen Gehalt an Kohlensäure, dieser nimmt aber mit Beginn der Vegetation zu, während der Sauerstoffgehalt sich verringert. Die Wurzeln enthalten fast durchgängig weniger Sauerstoff und mehr Kohlensäure, als die Zweige. Im Frühjahre erhält man bei der Lyektion reichliche Mengen von Gas und Saft, die Aus- baume. *) Landw. Zeitung für das Grossherzogthum Posen. 1866. No. 38. *♦) Journ. de la societe d'agricult. ceutr. de Bclgique. 1866. S. 248. •^'•, Lvi::[:l. vci'd. iid. 62. S. 778. Jahresbericht. IX. H 162 Das Leben der Pflanze. gäbe vermindert sicli mit der Eutwickulung der Blätter sehr bedeutend und im Winter lüsst sich nur mit grossester Mübe etwas Saft austreiben, während das Gas mit Leichtigkeit aus- tritt. Während der Vegetationszeit stehen die. Mengen des Saftes und des Gases in derartiger Beziehung zu einander, dass die Organe um so mehr Gas enthalten, je weniger Flüssig- keit darin vorhanden ist und umgekehrt, doch wirken die me- teorologischen Verhältnisse hierauf wesentlich ein. Es liegt bereits eine lauge Reihe von Untersuchungen über die Zu- sammensetzimg der Luft im Innern von Pflanzen vor, zu erwähnen sind besonders die Untersuchungen von Franz Schulze,*) Calvert und Ferrand. **) — F. Schulze fand die Luft in den Innenräumeu von Gras- halmen und den Stengeln von Eumex und Angelica fast aus reinem Stick- stotfgas mit weniger als 0,5 Proz Kohlensäure bestehend. Sauerstofi" fehlte darin ganz. Calvert und Ferrand fanden dagegen die Luft in den Hülsen von Colutea arborescens und in den hohlen Stengeln von Ileracleum, Angelica etc. immer kohlensäurereicher, als die Atmosphäre, besonders während der Nacht; der Saucrstoffgehalt der eingeschlossenen Luft zeigte sich von der Einwirkung des Lichts auf die Pflanzen und der dadurch bedingten Zersetzung der Kohlensäure abhängig, immerhin kam der Sauer- stoffgehalt der inneren Luft (ca. 17—21 Volumprozente) dem der äusseren sehr nahe. Deber die Ucber die Reservestoffe in den Bäumen, von Reservcstoffe^ j^^^, Gp 1 s. "*^) — Dcr Vcrfasscr fand, dass die Stärkemehl- in den ' ' Bäumen, lialtigcn Gcwcbc des Baumstammes während des grösstcn Theils des Jahres Reservestoffe führen, deren Menge jedoch erheb- lichen Schwankungen unterliegt. Nur wenige Tage sind die Gewebe ganz frei von Stärke, während der Zeit des Reifens der Frucht ändert sich der Stärkegehalt der Gewebe nicht. Im Sommer findet die Zuführung und Ablagerung der Reserve- stoffe im Stamme statt, im Frühjahre die Resorption, wobei die Stoffe den neu sich bildenden Gewebstheilen zugefülu't werden. Die Bäume, deren Blüthen sich vor den Blättern entwickeln, zoigten dieselbe Resorption der Reservestoffe beim Wiedererwachen der Vegetation wie diejenigen, deren Blüthen erst wälirend oder nach der Entwickelung der Blätter auf- brechen. *) Lehrbuch der Chemie für Landwirthe. Bd. 1. S. 58. **) Compt. rend, Bd. 17. S. iJ55. ***) Compt. rend. Bd. 63. S. 737. Das Leben der Pflanze. 103 Üeber die Eutsteliiuig dtr lieservcstotie und iKreu IJniliihliing im Frühjahre sind zu verglciclien die Untersuchungen von J. Sachs,*) F. Nobbe,**) J. Schröder***) und A. Beycr.f) — Aus diesen Unter- suchungen geht herv(ir, dass die Bildung der Roservestoffe unter dem Ein- flüsse des Lichtes wilhreud der Tagesstunden in den grünen Pflaiizenthei- len stattfindet, von wo aus dieselben während der Nachtzeit durch die Bhiftstiehi dem Stamme zuflicsscu Ferner, dass die im Stamme der Bäume enthaltene Stärke im Frühjahre in Zucker umgewandelt und den sich ent- wickelnden Blattkuospeu zugeführt wird, um zu dcji entstehenden Neubil- dungen verwandt zu worden. üeber die Eiitwickclung der Weizcnpflanzc hatEntwickiun? >r Weize pflanze. Isidor Pierre ft) umfassende Untersuchungen ausgeführt, " deren Ergebnisse er in einem besonderen Werke der franzö- sischen Akademie überreichte und dabei besonders liervorhob, dass zwischen dem Gehalte der Pilanzcntheile an Stickstoff, Phosphorsäuie und Kali einerseits, und an Kieselsäure und Kalk andererseits enge Beziehungen bestehen. Wenn man die Resultate der Analysen graphisch darstellt, so zeigen 'die Kurvenreihcn Iiir den Stickstoff, die Phosphorsäure und das Kali unter sich ziemlich auffallende Analogien, ebenso die Kurven für die Kieselsäure und den Kalk, die aber von denen der vorher genannten Stoffe gänzlich verschieden sind. Es scheint daher den zu jeder dieser beiden Gruppen gehörigen Körpern ein besonderer Wii'kuugskreis zuzukommen. Als Aus- druck für die Bedeutung dieser Analogien wählt der Verfasser das Wort „Isomorphismus", eine Bezeichnung, die uns nicht besonders glücklich gewählt zu sein scheint. Der Gesammt- gehalt der Weizenpllanze an Stickstoff, Phosphorsäure, Alkalien, Kalk, Magnesia und Kieselsäure, sowie das Gesammtgewicht der organischen Stoffe erhöht sich im letzten Monat vor der Reife nicht mehr. Schon von der Blüthe an werden nur noch geringe Mengen von Mineralstoffen aufgenommen. Die Aus- bildung der Aehre erfolgt auf Kosten der übrigen Pflauzen- *) Jahresbericht. 1864. S. 112. **) Ibidem. S. 103. ***) Ibidem. 1865. S. 157. t) Ibidem. S. 167. -j-f) Compt. rend. Bd. 63. S. 727. Journal d'agriculture pratique, 1867. No, 7. 11* 164 D^-s Leben der Pflanze. theile. In dem Masse, als sich der Weizen der Reife nähert, sinkt fortwährend der Stickstoffgehalt in den Theilen, die sich am schnellsten vollkommen ausbilden, in den Blättern, Knoten und Internodien. Im letzten Monat vor der Reife strömt der Stickstoff in so reichem Masse den Aehren zu, dass diese dann zwei Drittheile des Gesammtgehaltes der ganzen Pflanze an Stickstoff enthalten. Ebenso verhalten sich auch die an- deren. Bestandtheile. Die Aehre erfährt hierdurch in den letzten 3 Wochen vor der Reife eine Gewichtszunahme von 70 Proz. Während dieser Zeit zeigen die einzelnen Pflanzennährstoffe in der Aehre folgendes Verhalten: der relative Stickstoffgehalt, welcher bis zur letzten Woche beträchtlich zugenommen hatte, bleibt konstant, der Gehalt an Phosphorsäure und Kalk ver- ringert sich, Kali und Magnesia unterliegen geringeren Ver- änderungen. Das Gesammtgewicht an Stickstoff, Kali und Magnesia in den Körnern erhöht sich nach und nach, Kalk und Phosphorsäure verändern sich nur unwesentlich, Natron findet sich in der Aehre nur in sehr geringen Mengen, im Vcr- hältniss zum Kali scheint die Menge des Natrons von der Spitze bis zur Wurzel abzunehmen. — Die Kieselsäure findet sich konstant in reichlichster Menge in den Blättern, die Aehren, die Internodien und noch mehr die Knoten enthalten geringere Mengen. Zu vergleichen ist die frühere Mittheilung von J. Pierre.*) — Lei- der sind unsere Kenntnisse über die Beziehungen der einzelnen Pflanzen- nährstoffe zu den organischen Bestandtheilen der Pflanzen und deren Aus- bildung noch sehr gering. Zu erinnern ist an die Untersuchungen von Mayer**) über das Verhältniss der Phosphorsäure zu dem Stickstoff im Getreide und an die Untersuchungen von Arendt und Anderen über die Entwickhing verschiedener landwirthschaftlicher Kulturpflanzen. Bezüglich der Analogie in dem Verhalten des Stickstoffs, der Phosphorsäure und des Kali's ist noch auf die oben mitgetheilten Beobachtungen von Hellriegel***) zu verweisen. Deber piöu- Ucbcr nlötzlichcs massenhaftes Auftreten und licheB mas- '■ «eiihaftes Wi 6 d c r V 6 T s ch wi u d c n einzelner Pflanzen, von H. von Auftreten und Wieder- TerBchwin- den einzel- D.r Pflanzen. *) .Jahresbericht. 1864. S. 127. **) Agrikultur-chemische Versuche der Münchener Versuchsstation. Heft 1. S. 1. 1857. *♦*) S, 146. Das Lobrn der Pflanze. 165 Mo hl.*) — Der Verfasser beobachtete bei dem Bau der Tü- biuger Eisenbahn im Jahre 1863 ein massenhaftes Auftreten von Reseda luteola, drei Jahre später war die Pflanze an dem Standorte spurlos wieder verschwunden. Der Standort war eine im Neckarthaie belegene Wiese, deren obere Bodenschicht in 2 Fuss Tiefe abgehoben und darauf der nackte Untergrund mit Luzerne besäet worden war, die aber sehr schlecht gedieh. Au einer neugebauten Chaussee beobachtete der Verfasser das früher seltene Conium maculatum in sehr grosser Menge und ähnliche Erscheinungen an anderen Orten bei Abgrabungen und Aufschüttungen in Folge von Eisenbahnbauteu. Oft bleibt es räthselhaft, woher der Samen der plötzlich erscheinenden Pflanzenarten gekommen ist, auch das Wieder verschwinden der Pflanzen ist noch nicht zu erklären. Vielleicht treten da- bei chemische und physikalischo Verhältnisse ins Spiel, es er- scheint jedoch kaum wahrscheinlich, dass durch diese die Bo- denbeschaffenheit in wenigen Jahren sich von der allergünstig- sten in eine ganz ungünstige umwandeln sollte. — Dass die Veränderung der physischen Verhältnisse einer Lokalität den wesentlichsten Einfluss auf die spontane Vegetation ausübt, ist be- kannt. Si) treten beim Abtriebe von Hochwaldungen Senecio sylvaticus, Epilobium augiistifolium etc. in grossen Massen auf und verschwinden wieder, wenn der Wald von neuem sich schliesst. Diese Erscheinungen sind leicht durch die denselben vorausgehenden Veränderungen in der Beleuchtung, Erwärmung, dem Feuchtigkeitsgrade etc. der Lokalitäten zu erklären; schwieriger ist die Erklärung der Veränderungen in der Physiognomie der Vegetation, denen Umgestaltungen der Bodenverhältnisse zu Grunde liegen. lieber das Faulen der Früchte hat C. D a v a i n e **) ^«''«'" •*" Untersuchungen ausgeführt, welche ihn zu der Ansicht veran- Früchte." lassen , dass die Fäulniss stets von der Entwickelung von Schimmelpilzen abhängig sei. Sorgfältig aufbewahrte voll- kommen reife Früchte sollen nach dem Verfasser nicht in Fäulniss übergehen, sondern allmählich vertrocknen, während andererseits Früchte, die noch lange nicht reif sind, in Fäul- niss übergehen, wenn sie durch Myceliumfäden oder Sporen *) Würtemberger Jahreshefte. Bd. 21. S. 16L Landw. Centralblatt für Deutschland. 18G6. IL 8. 362. **) Compt. rend. Bd. 63. S. 344, 276. 166 . Das Loben der Pflanze. von Mucor mucedo oder Penicillium glaucum infizirt worden sind. Durch Infektions versuche zeigt Davaine, dass die un- verletzte Oberhaut die Früchte gegen Ansteckung schützt, so- bald aber ihre Epidermis verletzt ist, die Fäulniss sich dem Parenchym gesunder Früchte schnell oiittheilt. Die Zeichen der Fäulniss treten gewöhnlich zuerst an der Ausseuseite der Früchte auf, doch kann sie bei solchen, die einen olfenen Kelch haben (Aepfel, Birnen, Mispeln) auch im Innern entstehen, in- dem die Sporen durch den Kelch ins Innere dringen. Auf diese Weise entsteht das Teigigwerden, welches der Verfasser gleichfalls als eine Art von Fäulniss betrachtet. Letellier undSpeneux*) behaupten dagegen, dass der faulige Theil der Früchte kein Pilzmycelium enthält, die Fäul- niss also nicht als eine Folge der Schimmelbildung anzusehen ist. Die Schimmelpilze, denen Davaine das Faulen zuschreibt, können nur bei Luftzutritt leben und entwickeln sich auf ge- sunden, angeschnittenen Früchten ohne Fäulniss zu erregen. Wir verweisen hierbei auf die Untersuchungen von A. Cahours, Chatin, Fremy**) und A. Beyer***) über das Reifen der Früchte, aus denen zur Genüge hervorgeht, dass in den Früchten sehr beträchtliche Stoffmetamorphosen sich vollziehen, welche zunächst das Weich- und Teigigwerdeu der Früchte bewirken und damit das später eintretende Verfaulen derselben anbahnen. Das Auftreten von Schimmelpilzen dürfte dabei nur nebensächlich sein. Wirkungen Ucbcr dic Wirkungen einer Schneedecke im Teote'irWintcr, von F. C. Henrici.f) — Der Einfluss der Schneo- vvinter. deckc auf den Erdboden und die Pflanzen ist nach dem Ver> fasser ein sehr komplizirter, im Allgemeinen schützt der Sclmee die Pflanzen gegen den schädlichen Einfluss des Frostes. Ein unbedeckter Boden pflegt beim Eintritt und noch mehr gegen Ende des Winters bei Nacht zu gefrieren, bei Tage wieder aufzuthauen; dieser oft wiederholte Wechsel ist die Ursache, weshalb die Pflanzen gerade im Frühjahre am meisten vom Frost zu leiden iiabcn. P>ei strengem Froste im Winter *) Oompt. rend. Bd. fj;}. S. (jll. **) Jahresbericht. 18ß4. S. 120. ***j Ibidrm. IStJf). S. 17o. f) Journal für Landwirthschaft, 1866. S. 221. Das Lehen der Pflanze. 167 gefriert der unbedeckte Boden bis zu grosser Tiefe, gleich- zeitig erleidet das gefrorene Bodenwasser eine so ansehnliche Verdunstung, dass der gefrorene Boden oft mehrere Zoll tief staubig trocken wird. Dadurch aber leiden die Pflanzen um so mehr, weil dabei nicht blos ihre krautigen Theile, sondern auch ihre Wurzeln der anhaltenden strengen Kälte unmittelbar ausgesetzt sind und schwach bewurzelte Pflanzen ganz aus dem Boden gehoben werden, oft pflegen hierbei Icbliaftc öst- liclie Winde den Bodenstaub wohl gar mit schwach bewurzelten Pflanzen fortzuwehen. Als ein schlechter Wärmeleiter ver- hindert der Schnee und noch mehr die in demselben einge- schlossene Luft die Abgabe von Wärme aus dem schneebe- deckten Boden, welcher daher oft längere Zeit unter einer reichlichen Schneebedeckung ungefroren bleiben kann. Der geringe Wärmezufluss von unten und die starke Ausstrahlung von Wärme aus der Oberfläche der Schneedecke bewirken, dass die oberen Schichten der Schneedecke unverhältnissmässig erkalten und eben damit auch die unteren auf ihr ruhenden Luftschichten. Demgemäss sinkt ein frei in der Luft befind- liches Thermometer bei schneebedecktem Boden erfahrungs- mässig weit tiefer, als bei unbedecktem Boden. Der Verfasser beobachtete im Januar 1861 einen Temperaturunterschied von nahe an 30° R. innerhalb der etwa l-j Fuss hohen Schneedecke, welche den uugefrorenen Boden bedeckte. Es ist einleuchtend, dass der schützende Einfluss der Schneedecke von ihrer Dicke abhängig ist, selbst eine reichliche Schneelage verliert bei lange anhaltender Kälte viel von ihrer schützenden Kraft, und der Boden kann alsdann selbst unter einer ansehnlichen Schnee- decke bis in grosse Tiefen gefrieren, desto wichtiger ist aber in solchen Fällen die Abhaltung schroffer Temperaturwechsel von dem pflanzenbedeckten Boden durch die Schneedecke, welche günstige Wirkung jedoch durch die allmähliche Ver- dunstung des Schnees, die in trockner kalter Luft recht be- deutend ist, sehr beeinträchtigt wird. Geringere Schneelagen können sich dadurch ganz verzehren und lassen dann die ver- wöhnten Saaten entblösst zurück. — Nachtheilig \wirkt die Be- deckung mit Schnee auf die Saaten ein, wenn sie, wie es in Gebirgsgegenden nicht selten ist, zu mäclitig ist und zu lange liefen bleibt. Es tritt dann am Boden ein zu grosser Licht- 168 I'fis Leben der Pflnnze. und Sauerstoffmangel ein, wölIui-cIi die nie ganz still stehende Vegetation unterdrückt wird. Da der Schnee viel Licht und zwar besonders die rothen und violetten Strahlen verschluckt, so befinden sich die Pflanzen unter einer starken Schneelage im Dunkeln, sie nehmen dann Sauerstoff auf und geben Kohlen- säure aus, wodurch sich in der Schneeluft die Kohlensäure in reichlicher Menge ansammelt. Die Einschliessung im Schnee und die grosse Eigenschwere der Kohlensäure verhindern einen raschen Ersatz durch frische Luft, besonders ist dies der Fall wenn bei vorübergehendem Thauwetter der Schnee sich mit einer fest zusammenhängenden Eiskruste überzieht. Es kommt dann nicht selten vor, dass die Saaten unter dem Schnee er- sticken und verfaulen. Aehnlich wie die Schneedecke wirkt auch eine Bedeckung des Bodens mit anderen Körpern , es erklärt sich hierdurch der hohe Nutzen der Be- deckung des Bodens und der Pflanzen mit Laub, Strohmist, Stroh und dergleichen. Lnmer sind es die schroflen Temperaturwechsel und beson- ders eine rasche AVärmeentziehung, welche durch diese Mittel abgehalten werden sollen. Ihre Wirksamkeit beruht, wie beim Schnee, in der Haupt- sache auf der darin eingeschlossenen, ihrer freien Beweglichkeit beraub- ten Luft. Wir verweisen schliesslich noch auf folgende Aufsätze: Die Aufnahme der Nährstoffe in die Pflanzen, von E. Heyden. ') Uebt der Mond einen Einfluss auf das Wachsthum der Bäume? von Joh. Ferchl. ^) Ueber die Ernährung der Bäume. ^) Wie und wodurch ernähren sich die Pflanzen ? ^) Die Nahrungsmittel der Pflanzen, ihie Abstammung und Aufnahme, von A. Hosäus. ^) Ueber die Ernährung der Pflanzen. ^) Over de werking van gelicht op planten. ") 1) Land- und forstwirthschaftliche Zeitung für die Provinz Preuasen. 18()(i. S. 247. 2) Allgem. Forst- und Jagdzeitung, 18GG. S. 432 3) Landw. Zeitschrift f. Knrhessen. 18Gü. S. 79. 4) Schlesis/he landw. Zeitung. 186G. S 101. 5) Zeitschrift für deutsche Landwirthe. IBGG. S. 27Ü. G) Badisches landw. Wochenblatt 18GG. S. 261. 7) Magazin voor landbouw. 18GG. S. IGl. I'flanzpnknltnr in wässrigen Niihrstofflösnn^pn. 1(59 Die Wärme in iliioni Einflussi^ auf die Pflanzen, von M. Roseulieyn.^; Der absteigende Satt, von H. Nördlinger. ^) Notice sur le pignient rouge des tloridees et son röle fjhysiologique, par Decaisne. '") Die Nährstoffe der Pflanzen.") Die Quellen der PHanzennahrungsstoffe. '-) Wachstbuni der Torfmoore. '■') Vegetationsversucbe und agriknlturchemische Untersuchungeu, von Ph. Zöller. 1') Pflanzenkultur in wässrigen Nährstoff- lösungen. Wasserkultur versuche mit Hafer, von Birner und wassei- Lncanus.*) — Bei der Ausführung der Versuche wurden die Hafer. Samen in mit Salzsäure erschöpften Holzspänen zum Keimen ausgelegt, dann zunächst kurze Zeit in destillirtes Wasser und darauf in die Nährstoft'lösungeu versetzt. Die Vegetations- gefässe hatten f) bis G Liter Inhalt, zur Kontrole dienten bei jedem Versuche zwei Gläser von 1 Liter Grösse. Das ver- dunstete Wasser wurde rechtzeitig ersetzt und täglich Luft durch die Gefässe geblasen, um das in der Nährstoff lösung suspendirte phosphorsaure Eisenoxyd aufzuschwemmen. Die als Grundlage angenommene Normallösung der Nährstoffe hatte folgende Zusammensetzung: 0,01 Aeq. schwefelsaure Magnesia, 0,02 Aeq. salpetersaurer Kalk, 0,01 Aeq. phosphorsaures Kali, 0,001 Aeq. phosphorsaures Bisenoxyd per Liter; doch wech- selte die Zusammensetzung wie die Konzentration der Lösungen. Wo es in Folge der Massenproduktion der Pflanzen nötliig erschien, sind die Lösungen Ende Juni erneuert worden. 8) Hannov. landw. und forstw. Vereinsblatt. 1866. S. '247. 9) Kritische Blätter. 1866. S. 128. 10) Compt. rend. Bd. 62. S. 831. 11) Oekonomiscbe Forlschritte. 1866. S. 3. 12) Ibidem. S. 33. 13) Ibidem. S. 49. 14) Journal für Landwirthschaft. 1866. S. 80. Die Mittbeilung über diese Untersuchungen ist noch nicht abgeschlossen. *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 8. S. 128. 170 Pflanzenkiiltiir in wassrigon Nährstofflösungen. Der als Saatgut benutzte Hafer hatte folgende Zu- sammensetzung: 100 Körner 100 Theile Asche enthielten: enthielten: Grm. Proz. Trockensubstanz 2,733 Asche .... 0,7485 — Eisenoxyd . . . 0,0004192 0,560 Kalk .... 0,0034925 4,666 Magnesia . . . 0,0050599 6,760 Kali 0,0124378 16,617 Natron .... 0,0005846 0,781 Kieselerde . . 0,0241601 32,278 Schwefelsäure . 0,0001714 0,229 Phosphorsäure . 0,0231212 30,890 Chlor .... 0,0004117 0,550 Kohlensäure, Verlust etc. . . 0,0050845 6,793 Summa 0,0749429 10(1,124 Ab Sauerstoff für Chlor 0,0000929 0,124 0,0748500 100,000 Stickstoff in organischer Verbindung .... 0,04169 Stickstoff als Ammoniak 0,00132 Stickstoff als Salpeter- säure ...... 0,00044 Gesaramtstickstoff . . "" 0,04345 L Versuchsreihe. — Welchen Einfluss übt die Konzentration der Lösung aus? — Die vier Lösungen hatten 1, 3 und 5 Promille Konzentration, Nro. 4 erhielt eine 3 prom. Normallösung + 0,01 Aequiv. Kalisalpeter. — ■ Die Pflanzen zeigten im Wachsthume ihrer oberirdischen Theile keinen bemerkenswerthen Unterscliied, die Wurzeln waren in den vcrdünnteren Lösungen dünn und langgestreckt, in den onzentrirtcren dicker und stärker verästelt. Die Erü;c])nisse enthält die nachstchonde Tabelle. Pflcinzonknltur in wässrigon Nährstofflösniigoii. 171 Wurzelmedmm. Zahl der Pflan- zen. Trockensubstanz. 1" „0 Norniallösung 3%o 5«/oo 3%o - -f Kali- salpeter Ackerboden, Mittelpflanz. Gartenboden, üppige Pflanzen Aschengehalt. 1. I0/'„o Normallrisung . . 2. 30/00 3. 5%, 4. 30/00 -4- Kali- salpeter Ackerboden Gartenboden Eine mittlere Pflanze enthielt ! v^rhiiitniss in Grammen. i Erzieltes i,,„ KSmer Multi- ,u Halmen Halme u.!„ , |^ I P'"™" u. Spelzen. Spesen. | Wurzeln, j Summa. | ^ Körner. 12 12 12 1,543 1,.351 0,976 1,443 0,6295 1,233 2,004 2,183 2,019 2,961 0,9925 8,579 0.0443 0,2309 0,0458' 0,3203 0,0407 i 0,3412 0.04041 0,4595 0.0168 ! 0,0474 0,0515! 0,3527 0,207 0,238 0,248 0,300 0,128 0,457 0,0256 0,0630 0,0963 3,754 3,772 3,243 4,704 1,750 0,0846 0,5845 0,0138 0,0780 0,1271 I 0,5313 137,4 138,0 118,7 172,1 64,4 5,269 192,8 0,3008 0,4291 0,4782 1,30 1,62 2,07 2,05 1,58 2,90 Hiernach hat die steigende Konzentration der Lösungen das Verhältuiss der Körner zum Stroh hcrabgedrückt und da- bei die Menge der aufgenommenen Mineralstofle erhöht. Der Zusatz von Kalisalpeter hat besonders die Entwickelung des Stengeltheils befördert. Durch die Analyse der Aschen, deren Ergebnisse wir hier leider nicht wiedergeben können, und die Stickstoff bestimmungen ergab sich ausserdem noch Folgendes: Das Eisenoxyd verringerte sich in allen oberirdischen Pflanzen- theilen mit der Zunalirae der Konzentration der Lösungen, der Kalkgchalt zeigte in den Körnern eine Zunahme, die ilngncsia dagegen wieder eine Abnahme. In den Halmen und Spelzen stieg der Prozentgehalt an Magnesia, während beim Kalk eine Regelmässigkeit niclit zu erkennen war. Der Kaligehalt stieg in allen Pflanzentheilen mit der Zunahme der Konzentration, ebenso die Schwefelsäure, für die Phosphorsäure war ein Zu- sammenhang zwischen dem Prozentgehalt der Pflanzen und dem (behalte der Lösungen nicht ersichtlich. Der Kolilcnsäurc- gehalt der Aschen schien im umgekehrten Verliältniss zu dem Salzgehalt der Lösungen zu stehen. Natron, Kieselsäure und Chlor entliiclten die Pflanzen nur in sehr geringen Mengen; da sich dieselben trotzdem ganz normal entwickelt hatten, so 172 Pflanzenkultur in wässrigen Nährstofflosungen. scheinen diese Stoffe als unentbehrliche Pflanzennährstoffe nicht anzusehen zu sein. Die Pflanzen in den beiden schwächeren Lösungen waren sogar besser entwickelt, als die Feld- und Gartenpflanzen, ihre Samen waren vollständig ausgebildet und keimfähig. Im Vergleich zu den Bodenpflanzen enthielten die Wasserpflanzen aber beträchtlich mehr Asche — 7 bis 13 Proz. gegenüber 4 Proz. bei dem Landhafer und 8,4 Proz. beim Gartenhafer. Auch an Stickstoff waren die Wasserpflanzen fast durchgängig in allen Organen reicher, als die Bodenpflanzen. Der Kalisalpeter scheint in beträchtlicher Menge unzersetzt in die Pflanzen überzutreten, denn die mit Zusatz von Salpeter gezogenen Pflanzen zeigten eine beträchtliche Vermehrung des Gehalts an Kali und Salpetersäure gegenüber den in der Nor- raallösung gezogeneu. IL Versuch. — Welche Rolle spielen Natron, Chlor, Kieselsäure und Mangan im Ernährungsprozesse? — Die Pflanzen wurden in 6 prom. Normallösung erzogen, die pro Liter folgende Zusätze erhielt: No. 1. 0,01 Aeq. schwefelsaures Natron, No. 2. 0,01 Aeq. Chlorkalium, No. 3. 0,01 Chlornatrium, No. 4. 0,01 Dreibasischphosphorsaures Manganoxydul, No. 5. 0,01 Kieselsäure (in Kalilauge gelöst und mit Phosphorsäure neutralisirt). Die Versuche ergaben Folgendes: Zahl der Pflan- Eine mittlere Pflanze enthielt Verhältniss Wurzelmedium. in Grammen. Halme u. '■ --- - I Multi- plum. tlor Köruer zu Halmen und Spel- zen. zen. Körner. Spelzen. Wurzeln. Summa. 1: Trockensubstanz. 1. Zusatz von Natron . 7 1,763 5,225 0,548 7,536 275,8 2,96 2. Chlor . . . 7 1,999 5,829 0,635 8,463 309,7 2,92 3. Chlornatrium. 7 1,561 3,645 0,464 5,670 207,5 2,33 4. Mangan . . G t),538 1,581 0,197 2,316 84,8 2,94 5. Kieselsäure . 4 1,3553 1,665 0,3845 3,4048 124,6 1,23 Aschengehalt. 1. Zusatz von Natron . _ 0,0500 0,5755 0,1561 0,7816 — — 2. Chlor . . . — 0,0641 0,6410 0,1396 0.8447 — — 3. Chlornatrium. — 0,0512 0,4725 0,1:^84 0,6621 — — 4. Mangan — 0,0224 0,2733 0,0572 0,3529 — — 5. Kieselsäure . - 0,0673 0,2466 0,1328 0,4467 — — Pflanzenkultur in wässrigeii Nahrstcifflösungen. 173 Durch den Zusatz einer ClilorvcrbiiaUiug oderNatronsalzcs ist die Entvvickclung der Pflanzen dem vorigen Versuche gegen- über wesentlich gesteigert, besonders hinsichtlich des Strohs, Die Verfasser sind geneigt anzunehmen, dass der indirekten Wirkung der Salze durch Beeinflussung der Aufnahme der Nährstoffe eine Mitwirkung bei dem erzielten Effekte beizu- messen sei. Das schwefelsaure Natron hat nach Ausweis der Aschenanalysen vornehmlich den Eintritt der Phosphorsäure in die Pflanzen begünstigt, die Aufnahme von Kalk aber hcrab- gedrückt. Durcli Zusatz von Chlorkalium ist die Asche sowie auch die Trockensubstanz ausser an Kali auch an Magnesia reicher geworden, an Kalk, Schwefelsäure und Phosphorsäure dagegen ärmer. Das Chlornatrium endlich verlangsamte die Aufnahme des Kalks, der Schwefelsäure und Phosphorsäure, steigerte dagegen den Magnesia- und Kaligehalt der Asche. Alle drei Salze endlich bewirkten eine Verminderung des Stick' Stoffs, gegenüber der Normaliösung. Der Zusatz von Mangan wirkte auf unerklärliche Weise nachtheilig, die Kieselsäure wurde in reichlicher Menge von den Pflanzen aufgenommen, und dadurch die Aufnahme der übrigen Mincralstoffc erheblich vermindert. III. Versuch. — Sind sämmtlichc in der Normal- lösung gegebenen Stoffe für das normale Wachsthum der Haferpflanze unbedingt erforderlich? — Die Nähr- stofflösung wurde bei diesen Versuchen derartig geändert, dass für die ausgeschlossene Basis oder Säure eine andere, möglichst nahe verwandte zum P]rsatz diente. Diese Versuche lehren durch Vergleichung mit den Er- gebnissen der in Reihe I. mit der Normallösung erzielten Re- sultate, dass die sieben Bestandtheile der Normallösung: Kali, Kalk, Magnesia, Eisenoxyd, Schwefelsäure, Phosphorsäure und Salpetersäure sämmtlich als nothwendige Nährstoffe der Hafer- pflanze anzusehen sind. In der kalkfreien Lösung kränkelten die Pflanzen von vorne herein und starben alsbald ab, die- jenigen Pflanzen, welche Kalk anstatt Magnesia erhielten, stan- den in den ersten 14 Tagen nicht hinter denen der Normal- lösung zurück. Die in der kalifreien Lösung erzogenen Pflan- zen hatten etwas Kali aus der Substanz des Glases (durch die Einwirkung der Salzlösung gelöst) aufgenommen, auch ent- 174 Pflanzeukultur iu wässrigen Nährstofflösiingen. No. der Ver- Art der Vertretung. Anzahl der l'fl:iii- Eine mittlere Pflanze enthielt an Trockensubstanz iu Grm. Erzieltes Multiplum des Samea- suche. ZCIl. Kiiriici-. iiairae luia S]ielzeii. Wurzeln. Summa. gewichts. 1 Magnesia durch Kalk JJ 0,001G 0,1198 0,0190 0;1404 5,1 2 Kalk durch Magnesia 12 — 0,0349 — 0,0349 1,3 3 Kali durch Natron . 8 0,0850 0,1747 0,0280 0,2877 9,2 4a Eisenoxyd ohne Ver- tretung ausgeschlos- sen n 0,013-2 0,1441 0,0402 0,1975 7,2 4b Eisen durch Mangan 7 0,0009 0,0616 0,0286 0,0911 3,3 5a Schwefelsäure durch Salpetersäure . . . 2 — 0,1155 0,0205 0,1360 4,9 5b Schwefelsäure durch Salpetersäure . . . 6 0,3577 0,5338 0,0772 0,9687 35,4 6 Salpetersäure durch Schwefelsäure . . 7 0,0273 0,0881 0,0306 0,1460 5,3 7 Phosphorsäure durch Salpetersäure . . . 8 0,0432 0,0985 0,0356 0,1773 1 6,5 hielten die Pflanzen vom Versuch 5b etwas Schwefelsäure. In der eisenfreien Lösung wurden die Pflanzen chlorotisch. Bezüglich der Schwefelsäure ergiebt sich aus den Versuchen, dass dieselbe in üebereinstimmung mit den früheren Unter- suchungen von Stohmann, Rautenberg und Kühn*) als ein wirklicher Pflauzcnnährstoft' anzusehen ist. Die Stickstoflf- bcstimmung ergab in den ohne Salpetersäure gewachsenen Pflanzen ein geringes Plus über die im Samenkorn enthaltene Menge. IV. Versuch. — Kann das Kali durch die dem- selben chemisch nahe stehenden Basen: Rubidion, Cäsiou, Natron, Lithion und Ammoniumoxyd ver- treten werden? — In der Normallösung wurde das phos- phorsaurc Kali durch die phosphorsauren Salze der genannten Basen ersetzt. No. der Ver- .suehc. la. Ib. 2 a. 2b. 3. 4. Kali vertreten durch Anzahl ^^^^ mittlere Pflanze enthielt der I an Trockensubstanz in Gi'm. zen. Körner. i!'""i"^ "i Wurzeln. Flalmc u. Spelzen. Rubidion (3 Prom.) (1,5 Prom.) Cäsion (3 Prom.) . - (1,5 Prom.) . Lithion Natron Aramoniumoxyd . . 12 3 6 4 11 8 14 0,0850 0,0399 0,0703 0,0207 0,0235 0,0341 0,1747 0,0324 0,0280 iSnintnu. Krzicites Jlultiplum Ide.s Samen- gewichts. 0,0399 0,0703 i 0,0207 ! 0,0235 j 0,0341 1 0,2877 0,0324 1,5 2,6 0,8 0,9 1,2 9,2 2,1 *) Jahresbericht. 1864. S. 177. Pflanzeilkultur in wässrigen Nährstofflösungen. 175 Cäsion und Iviibidiuii ücliciiieii geradezu als Gifte gewirkt zu haben, wenig besser verhielten sieh Lithion und Ammonium- oxyd. — V. Versueh. — Welcher Verbindung entlehnt die Haferpflaii ze den zu ihrer normalen Entwiekelung bcnöthigten Stielcstoff? — Der Stickstoff wurde den Pflan- zen theils in der Form von schwefelsaurem, phosphorsaurem und salpetersaurem Ammoniak gegeben, theils als organische Stickstoffverbindung im Harnstoff und Proi)ylamiu. Bei Ver- such 3 erhielten die Pflanzen zu ihrer Nährstofflösung all- wöchentlich einen kleinen Zusatz von schwefelsaurem Ammoniak. No. der Ver- suche. Art der Stickstoff- vcrbincUinü;. t Anzalil l (1fr \ Prt:in- Eine mittlere Pflanze enthielt an Trockensubstanz in Grni. Kör Halme und Wurzeln. Spclzoii. Erzieltes Multiplum des Samen- gewichts. Schwefelsaures Ammo- niak j V Phosphorsaures Am- moniak .... Schwefelsaures Ammo- niak in kleinen Men- gen ! 8 Schwefelsam-es Ammo- niak neben salpe- tersaurem Kalk . . Harnstoff \ 4 Propylamin . . , i),0G80 0,1819 0,0905 0,0155 1,048 0,0297 0,0123 0,1918 4,070 0,0933 0,1424 0,0313 I 0,2812 0,0335 0,1240 0,0297 ! 0,2370 0,3070 I 5,4250 0,0558 i 0,1788 0,0243 t 0,1790 10,3 4,5 8,7 198,5 (j,5 6,6 In den salpetersäurcfreien Lösungen wurden die Pflanzen sämmtlich chlorotisch und blieben klein und schwächlich, der Zusatz von schwefelsaurem Ammoniak zu der salpetersauren Kalk enthaltenden Normallösuug steigerte im Verhältniss zu den Ergebnissen der ersten Versuchsreihe die Produktion von Halmen und Blättern sehr erheblich. Die Verfasser lassen es unentschieden, ob neben dem Stickstoff der Salpetersäure auch der des Ammons an der Bildung der organischen Substanz sich betheiligte. Es zeigte sich, dass bei der Lösung eine be- trächtlich grössere Menge von Ammoniak versehwunden war, als bei der Analyse der Pflanzen — in dieser Form — wieder gefunden wurde, was für die Umbildung des Ammons zu Pro- teinstoffen zu sprechen scheint. 176 Pflanzenkultur in wassrigen Nährstoff! ösungen. Auch bei den ammoniakfreien Flüssigkeiten der Normallösung betrug der Stickstoffverlust der Nährstofflösungen mehr, als der Stickstoffgehalt der geernteten Pflanzen. Die Verfasser verweisen darauf, dass dieser Verlust entweder durch eine Reduktion der Salpetersäure zu salpetriger Säure und Verflüchtigung der letzteren oder durch eine Perspiration von Stickstoff seitens der Pflanzen bedingt sein könne. VI. Versuchsreihe. — Sind nur hochoxy dirte Stoffe Nährmittel für die Haferi)flanze und verur- sachen nicdrigoxydirte: Eisenoxydul, salpetrige und schweflige Säure, wenn sie von der Pflanze aufge- nommen werden, Störungen im Lebensprozesse der- selben? — Die hierher gehörigen Beläge giebt die nach- stehende Zusammenstellung. No. Anzahl Eine mittlere Pflanze enthielt an Erzielfes der Ver- Art der Versuche. der Pflan- Trockensubstanz in Grm. i ' 1 Multiplum des Samen- BUChP. zen. Körner. ! "alme nndj Wurzeln. 1 Summa. ; Spelzen. ' j gewicht.s. 1 Eisenoxydul statt Oxyd 6 3,474 5,633 0,618 9,7250 355,8 2 Salpetrige Säure statt Salpetersäure . . . 7 — 0,0296 0,0296 1,1 3 Schweflige Säure statt Schwefelsäure . . 7 — 0,0302 " 0,0302 1,1 Der Ersatz des Eisenoxydphosphats durch frisch gefälltes phosphorsaures Eisenoxyduloxyd lieferte hiernach ein ganz ausserordentlich günstiges Resultat. Die Analyse der Asche ergab in diesen mit der Oxydulverbindung gewachsenen Pflan- zen einen geringeren Prozentgehalt an Eisen, als in den Pflan- zen der oxydhaltigen Normallösiing, die absolute Menge des von einer Durchschuittspflanze aufgenommenen Eisens beträgt trotzdem bei den mit Oxydul ernährten Pflanzen fast genau das Doppelte von dem in die mit Eisenoxydsalz ernährten Pflanzen eingetretenen. Ob die Aufnahme von Phosphorsäure bei der Oxydulverbindung in erhöhtem Masse eingetreten ist, dies ist nicht untersucht worden. — Salpetrige und schweflige Säure wirken auf den pflanzlichen Organismus tödtlich ein. — A^II. Versuch. — Wie weit vermag sich die Hafer- pflanze in gewöhnlichem Fluss- und Brunnenwasser zu entwickeln? — Die zu diesen Versuchen benutzten beiden Wasser enthielten in lUOO Theilen: Pflanzenkultiir in wässrigen Nälirstofflösuügen. 177 Brunnenwasser. Regawasser. Eisenoxyd 0,000782 0,000740 Kalkerde 0,151403 0,078362 Magnesia 0,015393 0,0086U7 Kali 0,021251 0,006179 Natron 0,018396 0,026309 Kieselerde 0,014334 0,003300 Schwefelsäure 0,074152 0,014582 Phosphorsäure 0,001602 0,001107 Chlor 0,021334 0,044621 Kohlensäure, Verlust . . 0,057199 0,028080 Summa 0,376146 0,212067 Ab Sauerstoff für Chlor . 0,004813 0,010067 Bleibt Summa 0,371333 0,202000 Stickstoff als Ammoniak . 0,000832 0,000808 Stickstoff als Salpetersäure 0,015607 0,00(>101 Jedes Vegetationsgefäss entliielt 1 Liter unfiltrirtes Wasser, welches allwöchentlich durch frisches ersetzt wurde. In beiden Wässern wurden reife Samen erzielt, eine mittlere Pflanze lieferte Brunnenwasser 2,9190 Grm. Trockensubstanz mit 1,2490 Grm. Körner, Regawasser . 0,3112 - - - 0,1087 - Entsprechend dem reicheren Gehalte an gelösten Stoffen in dem Brunnenwasser war hiernach die Entwickclung der Pflanzen in diesem weit kräftiger, als in dem Regawasser. VIII. "Versuchsreihe. — Sind die in wässrigen Näh rstofflösungener zog enenHafer körne rkeimuug s- und entwicklungsfähig? — Die zu den Versuchen 1 und 2 verwendeten Samen stammten von einer im Jahre 1863 in dreipromilliger Normallösung erzogenen Haferpflanze, welche ein Multiplum von 190,5 des Sameugewichts erreicht hatte; die Körner zu dem Versuche 3 von einer in demselben Jahre in Bruunenwasser gewachsenen Pflanze, welche das 69,7 fache des Samengewichts geliefert hatte. Die aus den beiden ersten Samen gezogenen Pflanzen vegetirten wieder in dreipromilliger Normallösung, bei Vorsuch 2 wurde in den ersten drei Wochen das phosphorsaure Eisenoxyd weggelassen, bei Versuch 3 bil- dete wieder Brunnenwasser die Vegetationsflüssigkeit. Jalirosbericht. 1\. 12 178 Pflanzenkultur in wässrigeu Nährstofflösungen. No. der Ver- suche. Vege tationsflüssigkeit. Anzahl der Pflan- zen. Eine mittlere Pflanze entliielt an Trockensubstanz in Grm. Halme und Wurzeln. Spelzen. Krzieltes Multiplum des Samen- Sewichts. 3 Prom. Normallösuug do., anfangs oline Eisen Brunnenwasser . . . 1,560 3,555 1,158 6,182 14,552 1,602 0,962 1,301 0,388 8,704 19,408 3,148 318,5 710,1 115,2 Diese Ergebnisse lehren, dass die in wässrigen Nährstoff- lösungen und im Brunnenwasser erbauten Haferkörner völlig normal entwickelt waren und deshal)) normale Nachzucht lieferten. Auch die zweite Generation von in wässrigen Lö- sungen gezogenen Samen ergab schöne und kräftig entwickelte Pflanzen, sowohl bei der Aussaat in Erde wie bei der Wasser- kultur. Die Verfasser berichten hierbei über eine bei der Keimung der in wässrigen Lösungen erzogenen Haferkorner beobachtete Anomalie. Es tritt nämlich bei diesen das Würzelchen nicht am unteren Samenende zwischen den Spelzen hervor, wie dies bei gewöhnlichen, in Erde erbauten Samen der Fall ist, sondern das Würzelchen streckt sich zwischen Spelzen und Endosperm und tritt oben neben der Plumula aus. Im weiteren Verlaufe der Keimung werden endlich die Spelzen ganz abgestreift. Es scheint hiernach die organische Verbindung der Spelzen mit dem Samen eine sehr lose zu sein. Schliesslich erwähnen die Verfasser noch eines Versuchs über den Einfluss einer Zuführung von Kohlensäure zu der Nährstoff lösung. In einer dreipromilligen Lösung erreichte die Versuchspflanze ein Trockengewicht von 8,758 Grm. mit 2,363 Grm. Körner. Im Vergleiche zu den in gleicher Lösung ohne Kohlensäure gewachsenen Pflanzen scheint hiernach die Kohlensäurezufuhr günstig auf das Wachsthum eingewirkt zu haben. — Ueber die physiolo- Ueber die physiologische Bedeutung des Chlors gische^Be- für die Buchweizenpflanze, von Aug. Leydhecker.*) deutungdcs — Der Vcrfasscr hat die Untersuchungen von F. Nobbe'^"*) über die physiologischen Funktionen des Chlors im Lebens- prozesse der Buchweizenpflanze wiederholt und ist dabei zu *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 8. S. 177. **) Jahresbericht. 1862. S. 100. 1864. S. 166. 1865. S. 188. Pflanzenkultur in vvässrigen Nährstofflösungen. 179 dem gleichen Resultat gelaugt, dass das Chlor als ein wirk- licher Nährstoff für die Pflanze anzusehen ist. Die Nährstoff- lösuDgen enthielten 3 Promille der nachstehenden Salzgemische. No. 1. 1 Aeq. schwefelsaure Magnesia, 4 - salpetersauren Kalk, 4 - salpetersaures Kali. No. .3. 1 Aeq. schwefelsaure Magnesia, No. 2. 1 Aeq. Chlormagnesium, 4 - salpetersauren Kalk, 4 - salpetorsaures Kau, No. 4. 1 Aeq. schwefelsaure Magnesia, 4 - salpetersauren Kalk, 4 - Chlorkalium. 4 - salpetersauren Kalk, 2 - salpetersaures Kali, 2 - Chlornatriura, No. 5. 1 Aeq. Chlormagnesium, 4 - salpetersauren Kalk, 3 - salpetersaures Kali, 1 - schwefelsaures Kali. Jede Lösung erhielt einen entsprechenden Zusatz von phos- phorsaurem Kali und Eisenphosphat; die Vegetationsgefässe enthielten 3 Liter Flüssigkeit und ernährten je 3 Pflanzen. Vor suchs- reihe. Nährstofllösungen. Eine mittlere Pflanze enthielt: Stengel. Cirm. Wurzel. Crrm. Frucht. Grm. Summa. Grm. Multiplum des Samen- gewichts. Lufttrockeu- ge wicht. Ohne Chlor 1 Aeq. Chlormagne- sium 2 Aeq. Chlornatrium 4 - Chlorkalium 1 ■• schwefelsau- res Kali 1 Aeq. Chlormagne- sium Aschenmenge. Ohne Chlor ..... 1 Aeq. Chlormagne- sium 2 Aeq. Chlornatrium 4 - Chlorkalium 1 - schwefelsau- res Kali 1 Aeq. Chlormagne- sium 2,696 2,277 2,649 2,970 2,726 0,311 0.343 0,274 0,223 0,269 0,063 0,371 1,058 0,023 3,007 2,683 3,294 4,251 3,013 158 141 173 224 159 Stengel u. Samen. Summa. Multiplum d. Asctien- menge des Samens. 0,396 0,311 0.453 0,.507 0,405 0,027 0,030 0,028 0,021 0,026 0,423 0,341 0,481 0,528 0,431 1282 1033 1457 1600 1306 12* 180 Pflanzenkultur in wässrigcu Nähistofflösungen. Bei der clilorfreicu Lösung stellten sieh wieder die von Nobbc beobaeliteten Kranklieitsersclieinungen : Einrollen der Blätter nach der Unterseite, ringförmige, knotige Auftreibungen des Stengels und der Seitentriebe und leichtes Abfallen der Blätter ein. Etwas später machten sich dieselben Erscheinungen bei den mit Chlormagnesium und Chlornatrium ernäln-ten PiJan- zcn bemerkbar, dagegen blieben die Versuchspflauzen in der Chlorkaliumlösung völlig gesund. — Die Versuchsergebuisse lassen keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass dem Chlor eigenthümliche und ganz entschiedene Wirkungen auf den Lebensprozess des Buchweizens zugeschrieben werden müssen, ja dass nur durch seine Gegenwart in der NährstoflF- lösung eine wirkliche Fruktifikation und vollkommene Aus- bildung des Samens zu Stande kommen kann.' ueppige Ueppige Vegetation in wässerigen Nährstoff- ''^''^"'"jösungen, von E. Wolff.*) — Die Nährstoff lösung, deren in wassriaen ' Nährstoff- gj(j]j ^ßj. Verfasser bediente, wurde durch Auflösen von Knochen- osmigc, ^g^j^^ .j^ Salpetersäure, Sättigen der überschüssigen Säure mit kohlensaurem Kali und Zusatz von Kalisalpeter, Bittersalz und Chlorkalium dargestellt. 2U Grm. Knochenasche wurden in ca. 18 Grm. Salpetersäure (wasser- frei berechnet) gelöst, mit 3,87 Grm. kohlensaurem Kali gesättigt und in der Lösung 11,4 Grm. Kalisalpeter, 6,93 Grm. krystallisirte schwefelsaure Magnesia und 3,73 (spater nur 1,86 Grm.) Chlorkalium aufgelöst, endlich das Ganze auf KiOO ("C. verdünnt. Die Nährstofflösung enthielt im Liter: Grm. Aeq. Phosphorsäure . 8,231 1,143 Kalk 10,370 3,704 Kali 9,123 1,937 Magnesia . . . 1,403 0,702 Schwefelsäure . 2,254 0,564 Chlor 0,885 0,250 Salpetersäur e . 29,703 5,501 61,972 Ah für Saue rstoff 0,199 61,773 Die Flüssigkeit enthielt hiernach ungefähr auf 2 Acq. freier I'hosphor- säurc 6,5 Aeq. salpetersauren Kalk, 3 Acq. salpctersaures Kali, 0,25 Aeq. Salpetersäure Magnesia, 1 Aeq. schwefelsaure Magnesia und 0,5 Aeq. Chlorkalium. *) Die landw. Versuchsstationen. 13d. 8. S. 189. pflanzen kultur in -wässrigon NährstolTlösungen. 181 1. Versuche mit Mais. — Griusser, weisser, badisclier Mais keimte in reinem Quarzsaud, die Keimpflänzchen vege- tirten erst 6 Tage in destillirtcm Wasser und wurden dann in die Nährstoiflösungen von 0,545 (Nro. 1) und 1,090 Pro- mille (Nro. 2) Gehalt versetzt. Als Vegetationsgefässc dienten wcithalsige Gläser von 1700 CC, später 3400 CG. Inhalt. Die Flüssigkeiten wurden anfangs alle 10, später alle 7 Tage er- neuert. Als die Pflanzen einmal ein etwas kränkelndes gelb- liches Aussehen annahmen, wurde den Lösungen zuerst etwas salpetersaurer Kalk und — da dieser Zusatz unwirksam blieb — später etwas mehr Chlorkalium und schwefelsaure Magnesia zugesetzt, worauf sämmtliche Blätter sich in 2 bis 3 Tagen schön dunkelgrün färbten. — Die Maispflanzen entwickelten sich sehr üppig, üppiger als Landpflanzen in demselben Jahre, nur bliel) die Entwickelung der weiblichen Blüthen gegen die der männlichen zurück, die Pflanzen befruchteten sich daher nicht und fingen, vielleicht aus diesem Grunde, später an zu kränkeln, weshalb sie schon am 3. August geerntet wurden. Die grösstcn Blätter erreichten eine Länge von 91 Centim. und eine Breite von 10,2 Centim. Bei der Ernte wurden die Pflanzen etwa 5 Centim. über dem Wurzelknoten abgeschnitten, und die Blätter nahe am Stengel von letzterem getrennt; die blättrigen Umhüllungen des Stengels, sowie die noch sehr wenig entwickelten Kolben nebst den männlichen und weiblichen Blüthenresten sind dem Stengel zugerechnet. Die erzielten Resultate zeigt folgende Zusammenstellung, in der zur Ver- gleichung die Ergebnisse einer zur gleichen Zeit mit den Wasser- pflanzen erbauten Landpflanze mit aufgeführt sind. Bei 100" C. Organisclie Frischgewicht. getrocknet. Asche. Substanz. Grm. Grm. Grm. Grni. Pflanze No. 1. Wurzel 76,13 10,495 0,814 9,681 Stengel 132,17 18,221 1,398 10,823 Blätter 41,22 11.279 0,904 10,375 249,52 39,995 3,116 36,879 182 Pflanzenkultur in wässrigen Nährstofflösungen. Bei 1000 C. Organische Frischgewicht. Grm. getrocknet. Grm. Asche. Grm. Substanz, Grm. Pflanze No. 2. Wurzel 129,02 Stengel 350,45 Blätter 104,90 27,28 74,10 24,13 2,766 2,979 2,111 24,514 71,121 22,019 584,37 125,51 7,856 117,654 Landpflanze. Badi ischer Mais. Stengel 253,3 Blätter 70,0 35,39 14,11 1,8.58 1,267 33,532 12,843 323,3 49,50 3,125 46,375 Cinquantino-Mais. ^!f°f ^ ! 166,7 30,01 1,726 28,284 Die Pflanze 1 in der verdünnteren Lösung hatte sich weit weniger üppig entwickelt, als die Pflanze Nro 2; die prozen- tische Zusammensetzung der Aschen heider Pflanzen (Blätter und Stengel zusammen genommen) war jedoch sehr nahe über- einstimmend, die Nährstoffe sind fast genau in demselben gegen- seitigen Verhältnisse aufgenommen worden. Bei Nro. 2 ergab sich in den Stengeln und Blättern nahezu dieselbe Aschen- menge wie in den unter normalen Verhältnissen erzogenen Landpflanzen; die verdünntere Lösung genügte offenbar dem Nährstoffbedürfnisse der Pflanze nicht, den etwas höheren Aschengehalt dieser Pflanze erklärt der Verfasser dadurch, dass dieselbe bei der Ernte schon im Absterben begriffen war. — Ein Samenkorn wog getrocknet 0,384 Grm., hiernach hatte sich bei Nro. 2 die Trockensubstanz (in 24^ Monaten) um das 330 fache vermehrt. Bei derVergleichung der Aschenanalysen (S. 183)ergiebt sich zunächst für die in einer fast kieselsäurefreieu Losung gezo- genen Wasserpflanzen ein viel niedrigerer Gehalt an Kiesel- säure. Bringt man Kieselsäure, Kohlensäure, Chlor und Eisenoxyd in Abzug und berechnet für die übrigen Aschen- bestaudtheile die prozentischen Verhältnisse, so ergiebt sich olgendes auf Seite 184 angegebene Resultat: Pflanzenkultur in wässrigen Nahrstofflösungeu. 183 So w CO rn IT> p- P= c p: t3 m Pi < 13 o ff ö 1^ pu i= B P a> e 05 !^B W2 P rt> m P CO m p CD p< p > p o »5 ■i^ >7l ^ hd g jrl J?5 ^ tö P: -! Cß P 2 o ^ ES ^ ö^ CO ST^'^ p «> — . — . c/5 X ^: H-» w W l-J tO h-' >-i >e H-' CO U' tO tO h-iOOS rfi- COlCOOh^tO^'3J-' C^ l4^ CO CO CC Ci O tO O CO Ci -J CO CO to CE_CO_pj-^_i-' ^ ^ CO Oi tO CS O CC h-' CO ^1 tO h- CJi Oi CO ►?». O O -J C;^ W ^1 CD KJjn CO COJDJO O CO CO ^"C^i"f(i."a<"bo c;^ «^"►-^ co O Oi CO O ^"-JO rf^CO O CO CO"^l h-'~Ci~GO~Ci~CO"o~CO~ii- CO td ^ ^ o Sp- pg Ct> CO 1-1 N J5 td « P ^ P= P' Ht, (TD ■* gO p f2 p 5 yi CO h:^ CO j>a p< ^f^ jl^ J^ ^ P' CO k> 'h-i^i'os ü'^"co~Go~o ri ü'iJ50l-'C50C7'l-'COO CJ< O p'*2 ^ o o CS) c u> P B cn o 184 Pflanzenkult nv in wüssrigon NährstofFlösungen. Wasserpflanzen Landpflanzen. Badischer Cinquantino No. 1. No. 2. Mais. Mais. Aschenprozente 4,22 6,23 4,84 4,36 Kalk . . . . 12,65 11,35 13,85 20,45 Magnesia . . 3,64 3,51 12,78 16,28 Phosphorsäure . 17,90 21,06 15,02 18,09 Schwefelsäure . 4,40 4,04 4,13 5,41 Kali . . . . 61,28 60,07 42,63 30,70 Natron . . . — — 11,60 9,04 99,87 100,03 100,03 99,97 DieLandpflanzeii enthielten mithin eine fast viermal grössere Menge von Magnesia, dem geringen Magnesiagehalte der Wasser- pflanzen ist es vielleicht zuzuschreiben, dass diese von der Blüthezeit an sich nur sehr laugsam und unvollkommen zu entwickeln schienen. Auch bei anderen Analysen^) ist der Gehalt an Magnesia in der Maispflanze weit höher gefunden worden, als in den Versuchspflanzen. Im üebrigen stimmte die Zusammensetzung der Ascheu nahezu mit der mittleren Zusammensetzung der Asche normaler Maispflanzen überein. In der Nährstofflösung waren dagegen die betreffenden Stoffe in ganz verschiedenen Verhältnissen enthalten. Bemerkens- werth ist noch besonders, dass die Pflanzen aus der nur schwach chlorhaltigen Lösung sehr bedeutende Mengen von Chlor auf- genommen hatten. 2. Versuche mit Hafer. — Weisser Rispenhafer wurde am 20. April zur Keimung ausgelegt, am 30. April wurden die Keimpflanzen in destillirtes Wasser gestellt, dem am 4. Mai 5 CC. der obigen Nährstoffmischung = 0,309 Grm. Salz pro Liter zugesetzt wurden. Am 9. Mai wurde der Zusatz wieder- holt, in dem einen Glase tlicb die Konzentration auf 0,618 Promille ;, in dem zweiten Glase wurde sie vom 11. Mai an verdreifacht, also auf 1,854 Promille erhöht. Die Gefässe hatten anfangs kaum 1 Liter, später 1| Liter Inhalt. Jedes Gefäss enthielt 2 Pflanzen. Die Lösungen wurden zuerst alle 10, später alle 7 Tage erneuert. *) E. Wolff: Die niiUlerc Zusammensotzung der Aschen aller land- und forstwirthschaftlich wichtigen Stoffe. Stuttgart 1865. Pflanzonkultur in wässrigon Niilirstofflüsungcn. 185 Anfangs entwickelten sich die Fllanzen nur langsam, sie hatten ein gelbliches, kräuklichcs Auschen; sobald aber eine grössere Anzahl von Wasserwurzeln gebildet waren, fand in beiden Gcfässcn, besonders aber in der konzcntrirteren Lösung ein überraschend üppiges Wachsthum statt. Am 29. August waren die Pflanzen in allen ihren Halmen völlig ausgereift; die Halme, deren Zahl in Nro. 1 mit 0,618 Promille Salz- gclialt 15 und in Nro. 2 mit 1,854 Promille 31 betrug, wurden etwa 10 Centim. oberhall» des Wurzelknotens abgeschnitten, gesondei't und analysirt. Lufttrocken.*) Bei 100*^ getrocknet. Asche. Org. Substanz. No. 1. Grm. Grm. Grm, Grm. Wurzehi etc. . . 5,458 4,632 0,408 4,224 Stroh und Spreu 17,580 16,326 1,372 14,954 Körner, 524 Stück 15,429 13,471 0,377 12,094 Summa 38,467 34,429 2,157 32,272 No. 2. Wurzeln etc. . . 12,545 10,647 3,615 7,032 Stroh und Spreu 33,830 31,340 5,163 26,177 Körner, 1011 Stück 24,7.52 22,047 0,985 21,062 71,127 64,034 9,763 54,271 Zwei Saatkörner (ungeschält) des Hafers wogen getrocknet 0,0462 Grm. und enthielten 0,0447 Grm. organische Substanz, die Vermehrung betrug also das 745 resp. 1386 fache des Samengewichts. Die geernteten Körner wurden reservirt, Stroh und Spreu sind zusammen analysirt worden. No. 1. No. 2. Aschenprozente 8,40 16,47 Kieselsäure etc. 2,84 1,24 Eisenoxyd , . 0,66 0,69 Chlor .... 0,22 20,96 Kohlensäure . 22,74 7,72 Kalk . . . . 20,99 20,44 Magnesia . . 1,68 2,81 Phosphorsäure . 12,24 10,74 Schwefelsäure . 2,25 4,46 Kali . . . . 36,38 35,66 100,00 104,72 Sauerstoff ab für Chlor 0,05 4,72 99,95 100,00 *) Der Wassergehalt war etwas geringer, als bei gewidinlichem luft- trockenen Stroh, weil die Pflanzen vorher getrocknet waren. 186 Pflanzenkultnr in wässrigen Nährstofilösungen. Bei der Chlorbestimmung sclieint ein Versehen vorgekommen zu sein, — Nach Abrechnung von Kieselsäure, Chlor, Kohlensäure und Eisenoxyd stellt sich die Zusammensetzung der Aschen wie folgt: Gewöhnliches Haferstroh No. 1. No. 2. (im Mittel). Aschenprozente 6,18 12,21 2,41 Kalk .... 28,54 27,59 17,4 Magnesia . . 2,29 3,74 8,5 Phosphorsäure . 16,64 14,49 8,9 Schwefelsäure . 3,06 6,02 7,4 Kali .... 49,47 48,11 46,6 Natron . . . — — 11,2 100,00 99,95 100,0 Auch hier scheint der wesentlichste Unterschied darin zu bestehen, dass die Wasserpflanzen relativ weniger Magnesia und Schwefelsäure, dagegen mehr Kalk und Phosphorsäure auf- genommen haben. Der Aschengehalt stellt sich dabei für die Wasserpflanzen weit höher, als für die gewöhnlichen Land- pflanzeu. Wolff bringt dies mit der starken Wasserverdunstung in Zusammenhang und nimmt an, dass der Aschengehalt durch Benutzung grösserer Gefässe mit verdünnteren Lösungen (von der Blüthezeit an) sich verringern lässt. 3. Versuche mit Zwergbohnen und Rothklee. — Diese Versuche wurden durch das Auftreten kleiner Spinnen, welche ein vorzeitiges Absterben der Blätter bewirkten, be- einträchtigt. Die Pflanzen entwickelten sich jedoch anfänglich in den Nährstofiflösungen sehr üppig. Bei den Bohnen wurden mehrere reife Schoten mit gut ausgebildeten Samen erzielt, der Rothklee wurde bei Beginn der Blüthe geschnitten und lieferte an wasserfreier Substanz (ohne Wurzeln und Stoppeln) : 0,5 Promille Salzgehalt 3,275 Grm. 1,0 - - 3,737 - 4. Versuche mit Hafer in einer anderen Nähr- stofflösung. — Die Nährstofi"lösung war zusammengesetzt aus 2 Ae(|. phosphorsaurem Kali, 4 Aeq. salpetersaurem Kalk, 4 Aeq. Chlorkalium und 1 Aeq. schwefelsaurer Magnesia, nebst kleinen Mengen von phosphorsaurem Eisenoxyd. Die Kon- zentration betrug 1 Promille. Anfangs zeigten die Pflanzen ein bleiches Aussehen, wel- ches aber durch Erhöhung des saljjetersauren Kalks um 0,165 Grm. per Liter einer intensiv grünen Farbe Platz machte. Später wurde den Lösungen, so oft sie erneuert wurden, etwas Pflanzonkultur in wässrigen Nülirstofflösungen. 187 freie Salpetersäure zugesetzt. Bis Mitte Juli blieben die Pflan- zen gesund, dann aber trat ein rasches Verbleichen der Blätter und ein Absterben und Verfaulen der Wurzeln ein. Die Pflan- zen wurden aber doch bis Ende August in der Lösung — die letzten 14 Tage in Regenwasser — belassen, wobei die Wur- zeln fast völlig verfaulten. Bei der Ernte zeigten sich viele Achrchen taub, die vorhandenen Körner waren leicht, aber vollkommen keimfähig. Geerntet wurden: Bei 100" 0. Organische Lufttrocken, getrocknet. Asche. Substanz. Grm. Grm. Grm. Grm. Wurzeln etc. . . . .3,214 2,792 0,034 2,7.58 Stroh und Spreu . . 21.790 25,450 2,742 17,708 Körner 8.355 7,437 0,311 7,126 33,359 30,679 3,087 27,582 Die prozentische Zusammensetzung der Asche war folgende: (Zur Vergleichung ist die mittlere Zusammensetzung einer Land- pflanze und das Verhältniss der Mineralstoffe in der Nährstoff- lösung mit angegeben.) Nach Abzug von Kieselsäure, Eisenoxyd , Chlor und Kohlensäure: Wasser- pflanzen. Proz. 16,19 3,30 22,06 4,10 54,35 lÖÖ^ÖÖ 100,0 " 100,00 100,47 Die betreffenden Nährstoffe sind hiernach ziemlich in dem- selben gegenseitigen Verhältnisse aufgenommen, wie sie in der Lösung vorhanden waren. Diese zweite Nährstoffmischung diente auch zu Versuchen mit Mais. Bei diesen entwickelten sich die Pflanzen bis zum Hervortreten der weiblichen Blüthen ziemlich üppig, dann wurden sie ebenfalls krank, die Wurzeln faulten und die Blätter verwelkten. Samen wurden nicht gewonnen. Das Gewicht der drei Versuchspflanzen betrug bei 100° C. getrocknet: Konzentration der Lösung 0,422 p. M. 0,844 p. M. 1,266 p. M. 53,44 Grm. 42,77 Grm. 42,51 Grm. Proz. Kieselsäure etc. 1,68 Eisenoxyd . . 0,99 Chlor . . . . 25,13 Kohlensäure 0,00 Kalk . . . . 12,69 Magnesia . . 2,59 Phosphorsäure . 17,28 Schwefelsäure . 3,21 Kali .... 42,59 Natron . . . — 106,16 Sauerstoff ab 5,69 Land- Nähr- pflanze. stofflösung, Proz. Proz. 17,4 18,71 8,5 3,34 8,9 24,05 7,4 6,68 46,6 47,22 11.2 — Pflaiizen- iiühistoffe 18!^ Pflanzonkultur in wiissrigen Nährstofflösiingen. Bei Versuchen mit Rothklec und Zwergbohnen traten dieselben Krankheitserscheinungen auf. Wolff schliesst hier- aus, dass eine Nährstoff lösung mit vorherrschendem Gehalt an salpetersauren Salzen unter sonst gleichen äusseren Ver- hältnissen eine grössere Garantie bietet für das vollständige Gelingen der Versuche mit Hafer, Mais, Zwergbohnen und Roth- klee, als eine Lösung, welche eine fast ebenso grosse Menge von Chlorverbindungen als von salpetersauren Salzen enthält. nanistoff Ueber Harnstoff und Harnsäure als Pflanzen- säurc als n a hr u u g sm i 1 1 c 1 , von W. Hampe.^') — Die Nährstofflösung bei diesen Versuchen enthielt im Liter folgende Salze, wasser- frei gedacht: 0,2047 Grm. schwefelsaure Magnesia, 0,7577 Grm. Chlorkalcium, 1,2082 Grm. phosphorsaures Kali, 0,2116 Grm. Eisenchlorid, 0,6142 Grm. Harnstoff, resp. Harnsäure. 2,9964 Grm. Bei einem Theile der Pflanzen wurde noch etwas Infusorien- erde zugegeben. Als Versuchspflanze diente Mais, welcher bei der I. Reihe mit Harnstoff am 10. Juni, bei der II. Reilie mit Harnsäure am 13. Juni 1864 in die 1 Liter Flüssigkeit fassenden Glasgefässe versetzt wurde. Die Entwickelung der Pflanzen war in den ersten vier Wochen ausserordentlich kräftig, später setzte sich an den Wurzeln Schwefeleisen an und das Wachsthum verminderte sich besonders bei den mit Harnsäure ernährten Pflanzen auf- fallend. Nur eine von Schwefeleisenansatz frei gebliebene Pflanze aus der Harnstoffreihe brachte 80 nicht völlig reife und nicht keimfähige Samen, bei den übrigen Pflanzen blieben die Kolljen unbefruchtet und rudimentär. Im folgenden Jahre wurden die Versuche mit denselben Lösungen wiederholt. Auch hierbei entwickelten sich die Pflan- zen in der Ilarnstofflösung anfänglich wieder sehr üppig, bald aber starben die unteren Blätter ab, an den Wurzeln setzte sich ein blauschwarzer Körper (wahrscheinlich gerb- saures Eisenoxyd, durch die eichenen Deckelbretter gebildet) *} Die landw. Versuchsstationen. Bd. 8. S. 225. Pflausseukultur in wässrigeii NahrstofüösuugeD. 189 ^ ab, wodurcli das Wurzclwachsthum gclicumit wurde. Es ent- wickelten sieh aber neue Wurzolu und damit ualmi auch die Blattcntfaltuug eiueu neuen Aufschwung. Später störten die tropische Hitze und die saure Besehalieidieit der Lösungen die Entwickelung der Pflanzen, das saure })hosphürsaure Kali in der Lösung wurde daher mit Actzkali nahezu neutralisii-t. — Von den drei Pflanzen der Harnsäurereihe, die sehr schwäch- lich waren, gingen zwei bald zu Grunde. Die dritte wuchs zuerst sehr freudig, ihre Wurzeln waren dicker und holziger, als die der HarnstoiTpflanzen. Später trat auch bei diesci' die Bildung von Schwefeleiscn wiederholt ein. Die Ernteresultate siehe S. 190. Die ausgelegten Samen vom Jahre 1864 wogen getrocknet durchschitt- lich 0,17346 Grm. mit 0,1711 Grm. organisclier Substanz; die vom Jahre 1865 wogen 0,1398 Grm. und enthielten 0,1375 Grm. Substanz. Die mit Harnsäure ernährten Pflanzen haben hiernach in beiden Jahre keine Samen gebracht, auch bei den Harnstoff- pflanzen brachte in jedem Jahre nur eine keimungsunfähigen Samen von fast gleichem Stickstoffgehalte wie die in Garten- erde erbauten. Günstiger stellte sich die Ernte an Stroh und Wurzeln, welche nur wenig geringer war, als bei den in stark gedüngtem Lande gewachsenen Pflanzen. Auffällig ist, dass die Wasserpflanzen weniger Asche enthielten als die Landpflanze, dies deutet wohl auf eine nicht zusagende Beschaffenheit der Lösungen hin. Die Harnstoff lösung enthielt nach 14 Tagen bis 3 Wochen nur „geringe Mengen" von Ammoniak, die Harnsilurelösungen zersetzten sich etwas rascher. Der Verfasser nimmt au, dass die Harnsäure uicht in Substanz in die Pflanzen eingetreten ist, sondern nur in ihren Zersetzungs- produkten den Pflanzen assimilirbaren Stickstoff geliefert hat. Bei dem Harnstoff wurde dagegen eine direkte Assimilation durch die Nachweisung des Harnstoffs in den Stengeln, Blättern und Wurzeln der Pflanzen beob- achtet. üeber die Assimilation zusammengesetzter stick-Assimiiation stoffhaltiger Körper durch die Pflanzen hat auch ";;;;' S. W. J h n s o n ^') Untersuchungen a u s g e f ü h r t , zu denensfictstoffhai- als Bodenmedium geglühter Granitsand, dem etwas Gips, Heu. "'^" ^'°*^"' *) Aus American Journal of science and arts. Bd. 41. durch die landw. Versuchsstationen. Bd. 8. S. 235. 190 Pflanzenkultur in wässrigen Nähr Stofflösungen. " a 2 ■330 ÖS q w I I :^'« I 2-« I I I w w w .;^ ö o N a K] r— I cn a OJ 3 .£<"a .S S '^ Ü es t» rt «'S fcC^«3 CO 00 CO iO CO COiC o ■*" (M O C0 05 GO Ci t— O O -* t- t- ■i-l (M O T-) T-< CO CO O >n CO <» iD Ol 1— I t~- -rtl O lO 1-» 'M Cj3 T-H^ ^i-j_>ri CO CO CO cTr-Tc^foÖ'rjr COrtlCMCOCOCO _:OOCOOOCO CO'tl'^aOlOCO ajOJO-rH-^COCOCO T- 1 oi o o o CO c s o c- 1-1 10 -^ CO (M-!tlTi Ol -^ T-i T-t CO Ö'OOÖ'OCD ''^ o'"ooo'"or4 coo O cocoo lO 02 (M OGO 00 tH CO C5 (7J t- CO O C0_O_i-<^'tJi_C0 T-T CO"Ö"rH"r-r(?f tH (M (M CO iH tH o CO 00 o t- T-i t- CO CT CO O •^ CTi CO -^ 00 ■^ cqorH_o o-* Oir?fN~t-^TH^ r-( T-( 00 T-( CO I I I l^„ I I OCOOO lO l>-i-( t- O CO 05 CO CO CO CO o CO O O »O C5 c; CO '-H t^ , CO fN l^ (M 0>^ I O cö'cdocö' '^ CO SU w a a z; a Pflanzenkultur in wässrigen Nährstofflosiiugen. 191 asche und pliospliorsaurev Kalk zugesetzt wurde. Als Versuchs- pflanze diente Mais. Drei Wochen nach dem Auslegen der Samen wurden in drei Töpfchen die Pflanzen mit 0,140 Grm. Stickstoü" in der Form von Ilarnsäurc, Hippursäure und salz- saurem truanin gedüngt, die letzten beiden Stoffe wurden in vier Perioden nach und nach, zugegeben. Ei^ Topf blieb ohne Zusatz; in diesem wurde die Pflanze 7 Zoll hoch mit 7 dürf- tigen Blättern, ohne Blüthenorgane zu entwickeln. Die Harn- säurepflanze war die bestentwickelte, sie war 14 Zoll hoch, mit 10 kräftigen Blättern und 3 rudimentären Kolben. Die mit Hippursäure und Guanin ernährten Pflanzen wurden 12 Zoll hoch mit je zwei rudimentären Kolben. Resultate der Ernte: Ohne Harn- Hippur- Salzsaur. Stickstoff, säure. säure. Guanin. Grm. Grm. Grm. Grm. Gewicht der trockenen Pflanze 0,1935 1,9470 1,0149 0,9820 Gewicht des trockenen Samens 0,1644 0,1725 0.1752 0,1698 Produkt 0,0291 1,7745 0,8397 0,8122 Alle drei Stickstoffverbindungen haben mithin den Pflanzen Stickstoff" dargeboten. Eine üntersuchnng des Bodens auf Ammoniak ist nicht ausgeführt, weshalb die Annahme des Verfassers, dass die obigen organischen Stick- stoffverbindnngen als direkte Pflanzennährstoffe anzusehen sind, einer wei- teren Bestätigung bedarf. — Ueber das relative Nährstoffbedürfniss der Pflanze von P. Nobbe.*) — Der Verfasser hat durch frü- here Untersuchungen nachgewiesen, dass bei Wasserkulturen eine Maximalgrenze des Salzgehalts der Nährstoff- lösungen nicht überschritten werden darf, wenn man normale Pflanzen erziehen will. Bei den nachstehenden Versuchen handelte es sich um Feststellung der Minimalgrenze. Es wurde eine Salzlösung von 0,1 Promille Konzentration hergestellt, welche aus einem Salzgemisch von 4 Aeq. Chlorkalium, 4 Aeq. salpetersaurem Kalk und 1 Aeq. schwefelsaurer Magnesia mit periodischen kleinen Zu- sätzen von phosphorsaurem Kali und phosphorsaurem Eisenoxyd bestand. Das Vegetationsgefäss fasste zwei Liter Flüssigkeit, durch eine geeignete Vorrichtung wurde mittels Zutröpfeln die Flüssigkeit stets erneuert. Als *) Die landw. Versuchsstationen. 1867. S. 337. Grm. Grm. 0,181 1,271 0,024 0,194 0,003 0,023 192 Pflanzenkultur in wässrigen Nährstofflösiingen. Versuchspflanze dieute — uachdem oiu Versuch mit Gerstenpflanzen miss- glückt war — eine Buchweizenpflanze. Der Versuch begann erst Ende Juli. Während der Keimungsperiode entwickolle sich die Versuchs- pflanze rascher, als andere in einer O,r)promill. Lösung, später blieb sie aber gegen diese auffällig zurück. Der Habitus der Pflanze war zwar normal, aber sehr schmächtig, die Blätter papierdünn, hellgrün und wasser- reich. Die Assimilation war sehr mangelhaft, Blüthcuaulageii kamen nicht zur Fruchtentwickclung, später (Ende August) verdorrten die Kotyledonen und die beiden untersten Blätter. In den letzten Wochen vor der Ernte schritt die Pflanze nicht sichtlich vorwärts, sie wurde am 23. Oktober gc- erntet. Die Pflanze war 63 Centim. hoch, besass 9 Interuodien und 2 Seitenzweige von 3,5 Centim. und 12 Centim. Länge. Blütheutrauben waren in den oberen Blattachseln vorhanden, von den Fruchtausätzen ge- langte keiner zur Reife. Die Erntccrgcl)uisse waren folgende: Gewicht Organische frisch. trocken. Asche, Trockensubstanz. Grm. Grm. Stroh 2,005 1,452 Wurzel 0,251 0,218 Früchte 0,116 0,076 In Prozenten. Asche Trockensubstanz. in d. frischen in d. trockenen Substanz. Stroh 70,12 7,76 12,45 Wurzel 86,85 9,56 11,08 Früchte 65,52 2,59 3,94 Das Erntegewicht der ganzen Pflanze beträgt das 87,5 fache des Gewichts eines Samens. Vergleicht man dies Ergebuiss mit den früher von Nobbe und anderen in konzentrirteren Nährstoff lösungen erzielten Resultaten, so ist zu schliessen, dass der Salzgehalt der Nährstofiflösung zu einer genügenden Ernährung der Pflanzen nicht ausreichend war. Durch seine früheren Untersuchungen hat Nobbe nachgewiesen, dass die zwcckmässigste Konzentration der Nährstofi'lösung für Buchweizen- pflanzen etwa 1 Promille ist, dieser Gehalt darf also nach der vorstehenden Untersuchung nicht erheblich unterschritten werden, selbst wenn durch permanente Erneuerung der Salzlösung einer einseitigen Erschöpfung der- selben vorgebeugt wird. Wenn auch nach den Untersuchungen von W. Wolf*) anzunehmen ist, dass die Pflanzen aus verdünnten Lösungen relativ mehr Salz aufnehmen können, so scheint doch eine zu weit gehende Verdünnung der Nährstotflösung auch eine Verdünnung des Zellsaftcs zur *) Jahresbericht. 1864. ö. 170. Pflanzeilkrankheiten. 193 Folge zu haben, durch welche die plastischen Vorgänge in den Pflanzen beeinträchtigt werden. — Zu bedauern ist übrigens, das^s der Versuch erst Plnde Juni bf^gonncn weiden konnte, da es bekannt ist, dass Vegetations- versuche in wä=;srigen Liisungcn nur dann gut gelingen, wenn die normale Jahreszeit inne gehalten wird. Pflanzenkrankheiten. Künstliche Infektion der Kartoffeln mit dem Künstliche Kartoffclpilz, von E. Opel.*) — Nach früheren Unter- 'ff"" •■ ' i ^ d. Kartoffeln suchungen von de Bary schien es wahrscheinlich, dass die mit a. Kar- üebertragung- der Peronosporasporen auf die Kartoffeln in '""^^'p''^- Beziehung stehe zu der grösseren oder geringeren Dicke und der Frühzeitigkeit der Ausbildung der Schale. Da nun in neuerer Zeit unter dem Namen „Heiligeustädter " eine Kartofiel bekannt geworden ist, welche sich durch Dickschalig- keit und nach manchen Beobachtungen auch durch Unempfind- lichkeit gegen epidemisch auftretende Fäule auszeichnen soll, so unternahm der Verfasser mit dieser und gleichzeitig mit zwei anderen Sorten direkte Infektionsversuche. Die zur Ver- gleichung dienenden Sorten waren eine sehr dünnschalige Früh- kartoffel und die rothe sächsische Zwiebelkartoflfel, deren Schalen- dicke etwa in der Mitte zwischen jener der beiden andern Sorten liegt. Gesunde Knollen von jeder Sorte wurden am 18. Mai in Dämmen in 12 zu 21 Zoll Entfernung ausgelegt auf einem Boden, welcher mehrere Jahre keine Kartoffeln getragen hatte. Die weichschaligen Sorten belaubten sich zuerst, lang- samer die hartschalige Heiligenstädter. Im Juli, nach üppiger Entwickelung der Belaubung, wurde ein Theil der Stauden durch Uebertragung der Reife naher Sporangien der Perono- spora von kranken Kartoffeln auf das Kraut inßzirt. Zwischen je zwei infizirten Stöcken lag ein Zwischenraum von 5 Fuss. Sehr bald licss sich auf dem Kraut die Fortpflanzung des Pilzes mikroskopisch nachweisen. Durch öfteres Bespritzen der Blätter mit Wasser wurde die Uebertragung der Sporangien *) Der chemische Ackersmann. 1866. S. 86. JikhresberlcUt. IX. 13 [ranke Gesammt- ernte. Pfd. Pfd. 13 50 9 43 1,25 40 194 Pflanzenkrankheiten. auf die gesunden Pflanzen vermittelt. Nach 12 Tagen waren fast alle Pflanzen erkrankt, selbst ein von dem Versuchsfelde 20 Schritt entferntes Beet war durch vom Winde übertragene Sporaugien grossentheils infizirt. Um die Uebertragung der Sporangien von dem Kraute auf die Knollen zu vermitteln, wurde die aufgelockerte Erde unter den Stöcken oft begossen. Es Hessen sich kurze Zeit nachher durch das Mikroskop reich- lich Keimschläuche treibende Sporangien im Boden nachweisen. Das Ernteresultat war folgendes: Gesunde Knollen. Pfd. Frühkartoffel ...... 37 Rothe Zwiebelkartoffel . 38 Heiligenstädter .... 38,75 Dies Ernteresultat spricht also dafür, dass die Wucherung des Pilzes zu der Ausbildung der Schale der Knollen in Be- ziehung steht. Bei der mikroskopischen Prüfung zeigte sich die Schale der Heiligen- städter Kartoffel derb, runzlig und trocken; die Korkschicht war verhält- nissmässig dick, der grösste Theil der mit starken Verdickungsschichten versehenen Korkzellen todt. Das Eindringen der Keimschläuche des Pilzes wird daher hier schon auf mechanische Hindernisse stossen; noch mehr aber wird der fast vollständige Mangel an Feuchtigkeit in den todten Zellen des Korkgewebes der Weiterentwicklung jener hindernd entgegen- treten. Bei der Zwiebel- und noch mehr bei der Frühkartoffel war das Korkgewebe von untergeordneter Entwicklung, die Zellen der Schalcnzone noch ziemlich saftreich, und es traten hier, besonders bei der Frühkar- toffel, Collenchymschichten auf, die als wasserbindend der Ausbildung des Pilzes Vorschub leisteten. ueberdie Ucber dic Kartoffelkrankheit, von C. Fraas.*) — Kartoffel- ^ ^ . . , , -j— , Y>'\ krankheit. Dcr Verfasscr hat die Lieb ig sehen V ersuche *''V über die Kartofi'elkrankheit in Torfboden genau in derselben Weise wiederholt, ist dabei aber zu einem ganz anderen Resultate gelangt. Der zu den Vorsuchen benutzte Torf stammte el^en- falls vom Haspclmoor, die Grösse der Saatknollcn, Mischung des Düngers, Tiefe des Legens, kurz Alles war genau so wie bei den Liebig' sehen Versuchen. Von den drei Vegetat?bns- *) Agronomische Zeitung. 1466. S. 274. **) Jahresbericht. 1864. S. 154. Pflauzenkraukhciten. 1^5 gcfässen blieb Nro. 1 nngcdüiigt, Nro. 2 erhielt das Liebig'- sclio Gemisch von phosphorsaurem, schwefelsaurem und kohlen- saurem Ammoniak, Nro. 3 erhielt eine Düngung von phosphor- saurem Kali und phosphorsaurem Natron, kohlensaurem Kali und Gips. — Die Pflanzen in Nro. 2 blieben sehr in der Ent- wickelung zurück, man sah deutlich, dass die Keime durch die Schärfe oder Menge der Salze benachtheiligt wurden, und erst nach mehreren Rcgenfällen erholten sie sicli, wurden üppig dunkelgrün und wuchsen sehr ins Kraut. In Nro. 1 und 3 ent- wickelten sich die Pflanzen gleich gut und sehr üppig, das Kraut erlangte über fünf Fuss Länge und blieb bis zu der am 4. Oktober ausgeführten Ernte völlig frisch. Ernteresultat : Nro. 1. Uli gedüngt , ergab 1620 Grm. Knollen — kleine und mittel- grosse, die alle gesund waren und ebenso auch noch Ende Februar sich bis auf eine gesund zeigten. Nro. 2. Stickstoffdüngung, ergab 570 Grm. Knollen, alle gesund und auch Ende Februar noch gesund. Nro. 3. Mineralstoffdüngung, ergab 1960 Grm. Knollen, alle gesund, Ende Februar waren vier von den Knollen erkrankt. Die Krankheit war in dem Versuchsjahre (1865) in der Umgegend von München selten aufgetreten, was jedoch auch im Jahre 1863 bei den Liebig - Zöller' sehen Versuchen der Fall war, — Die Missernte in Nro. 2 ist jedenfalls dadurch verursacht, dass die als Düngung benutzte grosse Menge von Ammoniaksalzen beizend gewirkt hatte. Bei den Versuchen von Liebig waren bekanntlich die ohne Düngung und bei Düngung mit Ammoniaksalzeu erbauten Knollen sümmtlich der Kartoffelkrankheit verfallen, währe.nd dagegen die mit fixen Aschenbestand- thcilen gedüngten Knollen vüllig gesund blieben. Liebig leitete aus diesem Ergebniss seiner Versuche die Schlussfolgerung ab, dass die Ur- sache der Kartoffelkrankheit in einer veränderten Beschaffenheit oder Er- schöpfung des Kulturbodens zu suchen sein. — Die obigen widersprechenden Resultate, welche bei einer genauen Wiederholung der Versuche Li ebig's erzielt wurden, lehren auf's Neue, wie ungerechtfertigt es ist, aus dem Ergebnisse eines einzelnen Veisuchs Naturgesetze ableiten zu wollen, Uebrigens liegt es auf der Hand, dass die ganze Untersuchung zwecklos war, da längst nachgewiesen ist, dass die Kartoffelfäulc durch den Kar- toffelpilz verursacht wird; es hätte mindestens eine künstliche Infektion der Blätter stattfinden müssen, wenn sich die Schutzkraft der Düngung hätte beweisen sollen. 13* 196 Pflanzenkrankheiten. Gueriu Meiieville*) machte die Entdeckung, dass auf kranken Kartoffeln Myriaden kleiner Insekten (Akarien, Milben, Tyroglyphus feculae) vorkommen, er lässt es jedoch dahinge- stellt, ob diese zahllosen Akarien in direkter Beziehung zu der Krankheit stehen oder die Ursache der später eintretenden Zersetzungen sind. ueber das Nach J. Külin"^*) siud die verschiedenen epidemischen /aUen d( Erbsen. ea ^"'"j^j.jj^j^jj^ljQJ^gß (]ei. Kulturpflanzen durch parasitische Ge wachse bedingt, die chemische Beschaffenheit des Bodens tritt dabei nicht ins Spiel. Der Verfasser theilt Analysen von er- krankten (von Peronospora pisi befallenen) und gesunden Erbsen- pflanzen mit, welche unmittelbar neben einander auf demselben Felde gewachsen waren. Die Analysen ergaben Folgendes: Gesunde Pflanzen. Kranke Pflanzen. Proz. Proz. Trockensubstanz 17,45 19,13 Asche (in der frischen Substanz) 1,81 2.286 Die Asche enthielt in 100 Theilen nach Abzug von Sand und Kohlen- säure : Kalk . . . 19,411 28,455 Magnesia . 16,150 10,433 Kali . . . 23,358 29,341 Natron . . 5,391 3,218 Chlornatrium 9,751 7,283 Eisenoxyd . 0,300 0,802 Schwefelsäure 20,733 13,455 Phosphorsäure 4,906 7,013 100,000 100,000 Die erkrankten Pflanzen enthielten also mehr Asche und darin mehr Kalk, Kali, Phosphorsäure und Eisen, dagegen weniger Magnesia, Schwefelsäure und Natron als die gesunden; es ist hiernach nicht anzunehmen, dass eine präsumirte Er- schöpfung des Bodens rn Pflanzennährstoffen die Ursache des Befallens ist oder nur die Pflanzen für die Aufnahme und Verbreitung der Parasiten besonders empfänglich macht. Wir erinnern noch daran, dass viele wildwachsende Pflanzen in hohem Grade den Angriffen der Schmarotzerpilze ausgesetzt sind. *) Compt. rend. Bd. 63. S. 570. **) Amtl. Bericht über die Versammlung deutscher Land- und Forst- wirthe in Dresden. S. 312. Pflanzenkrankhoiten, 197 lieber das Lagern des Getreides, von C. G r o n e - ^^«'^" •'" ■'\ 1 • 1 -IT 1 1 • -II Lagern dei meycr. ") — Anatomische Verhältnisse. — In der vor- Getreidei. winterlichen Periode nimmt man zwischen der Frucht, die später lagert, und der sich nicht lagernden keinen merklichen Unterschied wahr. Im Sommer zeichnen sich dagegen die später lagernden Felder durch schnelles Wachsthura und durch Entwickelung zahlreicher breiter, massiger, dunkelgrüner Blätter aus, die anfangs eine ziemliche Turgeszenz, später aber, na- mentlich nachdem die Zeit der Bliithe und Körncrbildung einge- treten ist, eine bedeutende Schlaffheit und Weichheit zeigen. Dasselbe bemerkt man, besonders in den unteren Internodien, an den Halmen, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Scheiden. Im Allgemeinen erreichen die Halme eine bedeutende Höhe, während die Aehren jedoch entweder verhältnissmässig kurz sind oder doch nur wenig Körner ansetzen. Das Lagern tritt gewöhnlich zur Zeit der ßlüthe und des Körneransatzes ein, gleichviel ob in dieser Zeit Wind, Regen oder starker Thaufall herrschen oder nicht. Die genauen Untersuchungen des Verfasser über die Verschiedenartigkeiten in dem anato- mischen Bau des gelagerten und nicht gelagerten Getreides ergaben Folgendes: 1. In der Würz elbil düng findet kein Unterschied statt. Das freiwillige Lagern des Getreides ist wohl zu unterscheiden von dem zuweilen eintretenden Umfallen desselben in leichtem Sandboden , welches eine Folge des Wegwehens der Erde ist. Bei dem eigentlichen Lagern findet die Biegung der Halme stets innerhalb des ersten und zweiten Internodiums statt, während der Wurzelstock fest und senkrecht im Boden stehen bleibt. 2. Knoten und Blattbasis sind bei gelagertem Getreide stärker entwickelt, als bei nicht gelagertem, sie scheinen nach mikroskopischer Untersuchung mehr Stickstoff zu enthalten und bei ihrem grösseren Volumen eine ungleich weniger kom- pakte Masse zu bilden. Für letzteres spricht wenigstens die häufig bemerkte Abweichung in dem Vorkommen gewisser dichter Massen von Zellen. Nach eingetretener Körncrbildung nimmt der Stickstoffgehalt augenscheinlich ab. *) Agronomische Zeitung. 1866. S. 721. 198 Pflanzenkraiiklieiton. Es betrug bei Roggen im Durcliscbnitt: Die Lunge. Der Durchmesser. Lagergetreide. Nicht gelagert. Lagcrgctrcide. Nicht gelagert. Mm. Mm. Mm. Mm. 2,5 3,0 Bfi 2,9 3,0 3,0 2,9 4,5 4,0 2,9 4,5 4,0 3,5 3,5 3,0 Bei Weizen waren die Verhältnisse im Allgemeinen ähnlich. 3. Die Blätter des gelagerten Getreides sind stärker entwickelt, dagegen weniger dicht und fest, und lassen uacli eingetretener Körnerbildung weniger starke Zellwände erkennen, als die Blätter des nicht gelagerten Getreides. Knoten 1. 4,0 - 2. 3,5 3. 3,5 4. 3,0 5. 2,0 Länge, Grösste Breite. Lager- Nicht Lager- Nicht getreide. gelagert. getreide. gelagert. Blatt 1 von oben 70 50 G 4 - 2 - - 180 170 9 6 - 3 - - 200 180 13 8 - 4 - - 170 150 10 8 Die Dicke der Blätter war nicht merkbar verschieden, bei dem nicht gelagerten Getreide waren die Blattnerven schein- bar etwas stärke)-. Die Zellen zeigten insofern einen Unter- schied, als sich in den Spreiten von Lagergetreide weit mehr Zellen von bedeutender Länge und grösserem Durchmesser fanden. Dagegen war in vielen Fällen die Zellwand verhält- nissmässig dünner, als bei nicht gelagertem Getreide, Ausser- dem sind die Blätter von Lagergetreide reicher an Chlorophyll und daher dunkler. Dieselben Veriiältnissc fanden sich auch an den Blattscheiden. In den Längenverhältnissen der Blatt- scheidcn und Blattspreiten zu den Liternodien wurde kein Unterscliicd gefunden. — Nach dem Lagern, namentlich wenn die Körnerbildung schon begonnen hat, zeigen sowohl die Blatt- sprciten als die Scheiden bei gelagertem Getreide weit grössere Schlaffheit, Fast in allen Zellen der Blattscliciden, namentlich denen der mittleren und unteren Liternodien, lässt sich noch ein Inhalt nachweisen, während in den Blattscheiden des nicht gelagerten Getreides die Zellen grösstcntlieils als luftführende verholzte Gefässe erscheinen. Pflanzenkrankheiten . 199 Von unten nach oben, getreide. gelagert. 1 6 5 2 18 16 3 40 24 4 50 32 5 — 40 Hohl- Durch- Hohl- raum. messer. raum. 2,1 2,5 2,0 3,0 3,0 2,4 3,0 3,0 2.4 2,4 2,3 1,9 1,8 1,6 1,3 4. Die Internodien zeigen bei Lagergetreide eine dünnere Wandung, dagegen einen weiteren Hohlraum; ferner mehr dünnwandige und langgestreckte, aber weniger spiralförmig gebaute Zellen, als l>ci dem nicht gelagerten. Ausserdem sind jene, namentlich die oberen durchschnittlich länger. — Ihre Festigkeit ist nach dem Lagern geringer, als vor demselben. Länge. Lagergetreide. Nicht gelagert. Lager- Nicht Gesammt- Innerer Gesammt- Innerer Durch- messer. 2,7 3,5 3,5 2,8 2,0 Durch Belastungsversuche wurde gefunden, dass die Inter- nodien des später lagernden Getreides anfänglich denen des nicht lagernden an Festigkeit wenig nachstehen, nach dem Lagern ist dagegen die Abweichung, namentlich in den mittleren Internodien, eine bedeutende. 5. Die A ehren des gelagerten Getreides sind im Allge- meinen kürzer, als die des nicht gelagerten, und die Körner in jenen weniger gut, zum Theil gar nicht ausgebildet. Nament- lich pflegt die Spitze der Aehren bis auf einen Zoll Länge taub zu sein oder wenig entwickelte Körner zu enthalten. 6. Gleich hohe Halme von gelagertem und nicht gelagertem Getreide zeigen in ihrem natürlich feuchten Zustande sowohl vor als nach der Blüthe nur einen geringen Gewichtsunterschied; erstere sind etwas leichter. Wurzeln Halm Aehre bei Lagergetreide. Im frischen Zustande I)ei 100" C. getrocknet Im frischen Zustande bei 100" C. getrocknet vor nach vor nach vor nach dem Lagern. dem Lagern. dem \ Lagern. Grm. Grm. Grm. Grm. Kein Unterschied. 6,4 5,8 1,7 2,0 Kein Unterschied. 2,8 2,0 0,7 1,0 bei nicht ge lagerten! Getreide. vor nach vor nach vor nach der Blüthe. der Blüthe. der Blüthe. Grm. Grm. Grm. Grm. Kein Unterschied. 6,4 5,0 1,7 2,8 Kein Unterschied. 3,0 2,0 0,8 1,6 200 Pflanzenkrankheiteu. 7. Bei dem Lagergetreidc ist der Wassergehalt sowohl in den Halmen wie in den Aehren grösser, als bei nicht ge- lagertem. Als die Ursachen des Lagerns bezeichnet der Ver- fasser ein ungünstiges; Verhältniss der chemischen Bestand- theile des Bodens. — Dies ungünstige Verhältniss besteht hauptsächlich in dem zu reichlichen Vorhandensein von sticlv- stoffhaltigen Nährstoffen bei einer der Vegetation genügenden Menge von stickstofffreien. Die ungünstige Wirkung des zu reichlich vorhandenen Stickstoff* hat ihren Grund einerseits in dem Vermögen der Zellmembranen, die Stickstoffverbindungen in grösserer Menge aufzunehmen, andererseits in dem Ver- mögen des Stickstoffs, die Zellenbilduug, also das Wachsthura in unnatürlicher Weise zu beschleunigen. Es scheint jedoch, dass die physischen Verhältnisse des Bodens, sowie die Feuch- tigkeits-, Licht- und Wärmeverhältnisse der Atmospiiäre den ungünstigen Einfluss des Uebermasses an Stickstoffverbindungen im Boden modifiziren und . paralysiren können. Der Verfasser nimmt mit Schacht und Karsten an, dass die stick- stoffhaltigen Substanzen des Zellinhalts als die Träger des Wachsthums, der Zellvermehrung, zu betrachten seien. Das Uebermass an Stickstoff- nahrung bewirkt daher ein Sichüberwachsen, Vergeilen des Getreides. In anderen überwachsenen Pflanzen fand der Verfasser ebenfalls grössere Zellen mit dünneren Wandungen, grössere Hohlräume etc. Die abnorm beschleunigte Zdlenbildung hat zur Folge, dass die Getreidehalme die zur Körnerbildung erforderlichen Stoffe nicht in hinreichender Menge aufneh- men können, wodurch sich die mangelhafte Körnerbildung bei dem Lager- getreide erklärt. Hierdurch erklärt sich auch, weshalb das Lagern ge- wöhnlich bei Beginn der Körnerbildung eintritt, indem die Körner sich, wie J. Pierre und Schultz-Fleeth nachgewiesen haben, auf Kosten der in den Halmen abgelagerten Stoffe ausbilden. Auch das Licht scheint bei dem Lagern eine wichtige Rolle zu spielen, indem dasselbe bei dicht bestandenem Getreide, wobei eine dichte Beschattung stattfindet, erfahrungs- mässig leicht eintritt. Es ist bereits festgestellt, dass die Zellenbilduug ohne Licht zwar vor sich gehen, in einzelnen Fällen sogar durch Dunkel- heit begünstigt werden kann, dass zur Bildung organisirbarer Stoffe aus un- organischen Verbindungen in der Pflanze dagegen das Licht unbedingt nothwendig ist (Sachs). Die Mittel zur Verhütung des Lagerns sind nach Gronemeyer folgende: 1) Man verwende auf dem zur Her- vorbriugung von Lagergetreide geneigten Boden zur Düugung stickstofffreie und stickstoffarrae Düngestoffe. 2) Mau baue Pflanzenkranklieiteii. 201 die zum Lagern geneigten Früchte nicht in frischer Düngung. 3) Bei Stalhnistdüngung lasse man den Dünger direkt breiten und im gebreiteten Zustande längere Zeit liegen, damit er Ammoniak verliere. 4) Mastig bestandene Getreidefelder, deren Lagern man befürchtet, lasse man schröpfen und ab- weiden. Hierdurch wird, da die Pflanze hauptsächlich an der Spitze wächst, das Längenwachstlmm gehemmt, und die Thätig- keit der Pflanze mehr auf die übrigen Funktionen: Aufnahme mineralischer Nährstoffe aus dem Boden und Verarbeitung derselben zu organisirbarer Substanz, hingelenkt. 5) Um einen dünneren Stand und somit eine stärkere Bewurzelung zu ver- anlassen, lasse man die Wintersaaten im Frühjahre aufeggen. Dabei wird der Erdboden gelüftet und den Atmosphärilien der Zutritt erleichtert, wodurch die Bodenthätigkeit erhöht und das Wachsthum der Pflanzen schon zu einer Zeit gefördert wird , in welcher es wegen der noch weniger hohen Tempe- ratur in der Regel noch normal vor sich geht. G) Man säe nicht zu dick, um eine bessere Wurzelbildung und einen lich- teren Stand des Getreides zu bewirken. 7) Nasse Aecker sind zu drainiren, da ein übermässiger Wassergehalt das Lagern begünstigt und die Bodenthätigkeit durch Ableitung des Was- sers erhöht wird. Aus demselben Grunde empfiehlt sich die Tiefkultur. 8) Man baue starkhalmige Varietäten z. B. eng- lischen Weizen (Triticum turgidum) und wähle eine zweckent- sprechende Fruchtfolge. Alle diese Mittel laufen im Grunde darauf hinaus, eine kräftige, voll- ständige und normale Ernährung der Pflanze in allen Perioden ihrer Ent- wicklung zu erreichen. — Die frühere Ansicht der Physiologen, dass das Lagern die Folge einer unzureichenden Ernährung der Pflanzen mit Kie- selsäure sei, ist durch die vorstehenden Untersuchungen berichtigt. Üehri- gens ist schon früher nachgewiesen, dass die Kieselsäure im Organismus der Getreidepflauze nur eine sehr untergeordnete Helle spielt. Jsidor Pierre^) besprach das Verhältniss des Kie-Die Kiesei- selsäuregehalts zum Lagern des Weizens. Man l^at J^'"|^J"_;J^ früher angenommen, dass der Gehalt^ au Kieselsäure die Festig-d. Getreides keit des Weizenhalms bedinge, der Verfasser zeigt nun, dass diese Ansicht unrichtig ist, indem gerade die Strohasche von *) Compt. reud. Bd. 63. S. 374. 202 Pflanzenkrankheiten. gelagertem Weizen sich durch hohen Kieselsäuregehalt aus- zeichnet. Es ist hierbei zu berücksichtigen, dass die verschie- denen Theile des Strohs sehr ungleiche Mengen von Kiesel- säure enthalten. Den höchsten Gehalt fand Pierre in den Blättern, weit geringer war der Gehalt der Internodien und am geringsten zeigte sich der Kiesclsäuregehalt der Knoten, trotzdem diese den festesten Theil des Strohes bilden. Der relativ hohe Kieselsäuregehalt des Lagergetreides ist durch die üppige Entwickelung der Blätter bedingt, und es zeigen sich die blattreichsten Weizensorten dem Lagern besonders ausgesetzt, weil die Blätter den Halm vor der Einwirkung der Luft schützen und länger weich erhalten, und weil die stark entwickelten Blätter durch ihr Gewicht besonders bei Regenwetter den Halm zur Erde drücken. Nur soweit die Kieselsäure die Festigkeit der den Halm einschliessenden Blattscheiden erhöht, ist dieselbe für das Lagern des Getreides von Einfluss. Der Verfasser spriclit sich gegen die Ansicht aus, dass eine künstliche Zufuhr von löslicher Kieselsäure zum Erdboden das Eintreten des Lagerns verhüten könne; er empfiehlt vielmehr eine lichtere, dünnere Stellung der Saaten, um dieselben durch die erleichterte Einwirkung des Lichts und der Luft widerstandsfähiger zu machen. ueber die Ucbcr die bei der Schwarzerle und der Lupine auf- schweiiun- tretenden Wurzelanschwellungen, von M. Wo ronin.*) gen bei der — Nach dcm Vcrfasscr sind die traubig-knolligen Auswüchse uiidLupine! ^'^ den Wurzeln der Schwarzerle und Lupine eine patho- logische Erscheinung, welche durch Parasiten hervorgerufen wird. Die an der Schwarz eller auftretenden knollenartigen Körper erscheinen aus vielen kleinen rundlichen Körperchen traubig zusammengesetzt und von hellbraungelb er Farbe, sie erreichen oft die Grösse eines Apfels oder einer Mannesfaust. — Die junge Eilerwurzel besteht aus einem centralen Gefäss- bündelstrange , einem diesen umgebendes Parenchym und der Rinde. Ein mittleres Mark, welches nach Schacht vorhanden sein soll, konnte der Verfasser nicht auflinden. An der Ur- sprungsstelle der Knollen ist das Parenchym viel stärker ent- *) Memoires de racademic imp. des scienccs de St. Petersbourg. Bd. 10. No. 6. Pflanzenkraiikhniteii. 203 wickelt und besitzt 10 bis 20 und melir Zellschiclitcn, während im noruialon Zustande deren nur 4 bis 6 vorliandeu sind. Die meisten Zellen der Knollen sind mit ganz kleinen farblosen, rundem, dicht gedrängten Bläschen erfüllt. In den Interzellu- larräumcn finden sich wenig verzweigte, farblose, sehr selten durch Querwände getheiltc Myceliumfäden, von denen kleine Seitenästchen die Zellwände durchbohren und, in die Höhlun- gen der Zellen eingedrungen, rcichlicli sich verzweigende, sehr feine Verästelungen aussenden, die an ihren Enden zuerst keulig aufgeblasen sind und aus denen nun die eben genannten Bläs- chen liervorgehen. Der Verfasser nennt dieselben Sporen, hat aber ihre Keimung nicht beobacliten können, nur bemerkte er, dass aus ihnen zuweilen wieder einfache oder verzweigte Fäden hervorgingen. Nach Nägeli, welcher eine parasitisch in Zellen wohnende Pilzgattung Schinzia aufgestellt hat, nennt der Verfasser die von ihm beschriebene Schinzia Alni. — An den Wurzeln der Lupine (Lupinus mutabilis L, Cruik- schanksii) finden sich ebenfalls kleine kugelige, sehr unregel- mässig vertheilte, bald seitwärts ansitzende, bald die Wurzeln umgebende, mit ihr gleichfarbige Körper von 1,5 bis 2 Centim. Grösse. In diese Auswüchse treten aus dem centralen Ge- fässbündelstrange der Wurzeln kleine Gefässbündelchen hinein und durchziehen die parenchymatischen Zellen der Wucherungen, welche hier zweierlei Art sind. Das innere Parenchym bildet von Gefässbündeln umgebene Zellgewebskörper, welche von innen nach aussen wachsen, so dass die äussersten stets die jüngsten und kleinsten sind. Sie bilden die Vegetationsschicht. Der Inhalt der inneren Zellen ist ein farbloses, trübes, schlei- miges Plasma, welches bei den jüngsten Zellen sehr wenig, später viel mehr Körner enthält, die endlich die Form in die Länge gezogener Stäbchen zeigen und die Zellen ganz aus- füllen. In reines Wasser gebracht, zeigen die Stäbchen meistens eine melir oder weniger lebhafte Bewegung und man sieht aus ihnen Zellen hervordringen. Auch in den mehr entwickelten Zellen zeigen die Stälichcn schon diese Bewegung, sie werden allmählich durch partielle oder totale Resoi'ption der kleineu Zellchcn, in denen sie enthalten sind, frei. Sic zeigen die grösste Aehnlichkeit mit den als Bakterium Duj., Vibrio Ehrbg., Zoogloea Cohu bekanuten Organismen. Die Bewegung im 204 Pflanzeukrankheiten. Wasser dauert 3 bis 20 Stunden. Zur Ruhe gekommen, ver- längern sich die Stäbchen und zergliedern sich dann in einzelne kleine Partikelchen, die gleichfalls die Form von Stäbchen besitzen, oder sie erzeugen Sprossungen, die entweder aus- einander fallen oder zusammenhängend bleiben, kurze und dünne, rosenkranzförmige Schnüre oder kleine Büschelchen bilden. Die weitere Entwickelung hat der Verfasser nicht beobachten können. Lach mann bat früher angenommen, dass die an den Wurzeln von Lupinen, Bohnen u. dorgl. auftretenden knotigen Auswüchse zu der Auf- nahme der stickstoffhaltigen Nährstoffe in Beziehung stehen. Nach Beob- achtungen von Kauteuberg und Kühn*) bildeten sich an den Wurzeln von Pflanzen, welche in stickstofffreien Nährstoff lösungen vegetirten, die Knollen nicht. ueber Klee- Ucber dic Kl c 6 m ü dl g k i t haben Buckmann und müdigkeit. ii« \ tt r> i ti i i- A. Völker**) Untersuchungen ausgeführt. Jirsterer sucht die Ursache der Erscheinung hauptsächlich in der Beschaffenheit des Saatguts, er empfiehlt nur ganz reinen, unkrautfreien Samen zu verwenden und mit dem Samen öfter zu wechseln, dabei aber ausländische Saat, besonders aus wärmeren Gegenden stammende, zu vermeiden. Eine tiefe Bodenbearbeitung ist anzurathen, und namentlich auch darauf zu sehen, dass das Land bei Aussaat von Klee unter Getreide ganz frei von Un- kraut ist, indem dieses sonst den Klee unterdrückt. — Völker führte Düngungsversuche mit verschiedenen Düngermischungen bei Klee aus. Am besten bewährte sich bei diesen der Stall- mist, dagegen zeigten die Kalisalze keineswegs die von ihnen erwartete günstige Wirkung. Für Kleesaaten auf leichtem Boden empfiehlt Völker eine Mischung von 4 Theilen Super- phosphat, 3 Theilen Peruguano und 2 Theilen Chlorkalium; bei schwerem Boden gleiche Theile Superphosphat und Cliili- salpeter, allen künstlichen Düngermischungen zieht er jedoch den Stallmist bei weitem vor. Die anzuwendende Düngermenge richtet sich nach dem Düngungszustande des Landes, es ist jedoch zweckmässiger, auf einmal recht stark, als öfter und schwächer zu düngen. Auch dic Holzasche wird als Dünge- mittel für kleemüde Felder empfohlen. — *) Die landw. Versuchsstationen. Bd. (J. S. 358. **) Farmers magazine. 1866. S. 365. Pflanzenkrankheiten. 205 Uebcr die durch mikro.«ko])i;-^chc pflanzUclio Para- "'i''"'''^"- '■ '■ pische sitcn bedingten Pflanzenkrankheitcn liegen mehrere neuere paanxen- Untersuchungen vor. — J. Külui') beobachtete das Auftreten p"*''"^"- eines Brandpilzes, Ustitilago Maydis, Beulenbrand, bei dem Mais. Nach Haubner soll der von diesem Pilz befallene Mais das Verkalben von Kühen bewirken können. Als Schutz- mittel gegen das Befallen empfiehlt Kühn das Beizen des Samens mit Kupfervitriol. — Auf dem Leindotter beobachtete J. Kühn'-) einen weissen, mehlig krümeligen Ueberzug von Peronospora parasitica Ung. — Auf l)cfallenen Lupinen- blättcrn fand derselbe Mykologc die Konidienform des ge- meinen Mchlthaupilzes, Erysiphe communis var. leguminosarum Link und einen braunen Rostpilz, Uromyces apiculata; auf Spörgel die Puccinia spergulae Rabh. — H. Karsten^) fand, dass bei der sogenannten Schütte der Kiefern ver- schiedene Pilze (Uredo, Sporidesmium und Cladosporium) auf- treten, er betrachtet dieselben jedoch nicht als die Ursache, sondern nur als Folge der Krankheit. — Nach M. Willkomm*) entsteht die Rothfäule des Holzes der Kiefer durch zwei Schimmelpilze, welche er Xenodochus ligniperdi und Staphy- losporum violaceum nennt. Zu erwähnen sind noch folgende Veröffentlichungen über Pflanzen- krankheiten: Ueber die Schütte der Kiefern, von v. Bernuth ^) und Krohn. 6) Traubenkrankheit und Kartoffelkrankheit, von P. Hauptmann. '^) Ueber Honigthau und Blattläuse, von Giebelhausen und Müller.**) Ueber Getreiderost und die Schädlichkeit einiger Unkräuter für den Getreidebau, von A. de Bary. 'J) 1) Zeitschrift d. landwirthschaftl. Centralvereins der Provinz Sachsen. 1866. S. 108. 2) Ibidem. S. 11. 3) Botanische Untersuchungen. Heft 1. S. 50. 4) Ibidem. S. 21. 5) Kritische Blätter. 1866. S. 237. 6) Forstliche Blätter. 1866. S. 20. 7) Agronomische Zeitung. 1866. S. 652. 8) Bienenzeitung. 1866. S. 238. 9) Schlesische landw. Zeitung. 1866. S. 73. 206 Rückblick. Bericht über einige Pilzuntersucliiingeu, von E. Hallier. ') Die Krankheit der Lärche, von Bötz. ^) Laubfall und verwandte Erscheinungen, von A. Rose, ''j Ist das Lagern des Getreides von einem Maugel an Kieselsäure be- gleitet? von E. John. *) Rückblick. Die Zahl der auf das Pflanzenleben bezüglichen neuen Untersuchungen ist auch in diesem Jahre wieder eine sehr bedeutende; wir berichteten in dem Abschnitte „Nähere Pflanzenb estandtheile und Aschen" analysen" zunächst über eine Untersuchung von A. Vogl, welche auf den körnigen Zollinhalt in dem Wurzelstocke und Stengel der Spiraea Ul- maria Bezug hat. Darnach finden sich in den Parenchymzelleu dieser Pflauzentheile eigenthümliche Körner, welche zwar ihrem äusseren An- sehen nach den Stärkeköruern ähneln, sich aber durch ihre Löslichkeit in Wasser, Alkohol und Aether und durch ihr Verhalten gegen andere Rea- gentien von diesen unterscheiden und von Vogl als die Träger der sali- cyligen Säure angesehen werden. Die Körner scheinen aus einem Gluko- sid gebildet zu sein, welches bei seiner Spaltung Anlass zur Bildung von Stärke und salicyliger Säure giebt. — A. Froehde und P. Sorauer stellten Untersuchungen über die Bestandtheile der Moorrüben an; sie fanden darin neben anderen Körpern eine kiistallisirbare Substanz, das Carotin, welches sie als identisch mit dem bereits von anderen Chemikern in Erbsen, Roggen und Mutterkorn aufgefundenen Cholsterin betrachten. — Nach A. Vogl bestätigt das Vorkommen von eigenthümlich geformten Harzkörnern in der Rinde der Portlandia grandiflora die Ansicht Wi e s n e r 's, dass das Harz aus Stärke gebildet wird, wobei der Gerbstoff eine Zwischen- stufe der Umwandlung bildet. — Die steinigen Konkretionen in den Bir- nen entstehen nach J. Erdraann aus dem Zellinhalte der reifenden Bir- nen (Stärke und Gummi) durch einen eigenthümlichen pathologischen Vor- gang. Während diese Körper bei dem normalen Verlaufe der Reife sich in Pektin und Zucker umwandeln, bilden sich daraus in den krankhaften Zellen harte Verdickungsschichten , die oft die ganzen Zellen ausfüllen. Ihrer chemischen Natur nach sind sie aus zwei dem Zellstoff nahestehende Körper gebildet, denen der Verfasser die Namen Drupose und Glykodru- pose beigelegt hat. — Ch. Blondeau stellte aus dem Seetange eine Stick- stoff- und schwefelhaltige Substanz, das Goemin, dar, welches viele Aehu- lichkcit mit dem thierischcn Leim besitzt. — Nach R. Wagner existireu zwei verschiedene Modifikationen der Gerbsäure, von diesen kommt die eine, die pathologische Gerbsäure (Tannin), nur in krankhaften PÜanzen- 1) Zeitschrift für deutsche Landwirthe. 1866. S. 166. 2) Allgemeine Forst- und Jagdzeitung. 1866. S. 312. 3) Ibidem. S. 69. 4) Meklenburger landw. Annalen. 1866. S. 325. Rückblick. 207 gebiklen vor, sie spaltet sich diiivli Galiruug uud Einwirkung verdünnter Säuren uud liefert als Zersetzungsprodukt bei der trocknen Destillation Pyrogallussäure. Die andere Modilikation, die physiologische Gerbsäure, ist dagegen im Pflanzenreiche ungleich mehr verbreitet, sie spaltet sich nicht und liefert als Produkt der trocknen Destillation nicht Pyrogallus- säure, sondern Oxyphensäure. Nur diese letztere Gerbsäure ist im Stande, die Lederhaut in Leder umzuwandeln. Der Verfasser zeigte zugleich, dass die meisten der üblichen Bestinimungsmethoden der Gerbsäure für die physiologische Gerbsäure unrichtige Ergebnisse liefern, weil ihnen das Verhalten des Tannins zu Grunde gelegt ist. Auch Trecul hat auf das ungleiche Verhalten des Gerbstoffs verschiedener Pflanzen — gegen Eisen- salze, wobei AVagner keinen Unterschied beobachtete — aufmerksam ge- macht. — Nach Th. Hartig enthält der Kambialsaft der Nadelhölzer ein kristallisirbares, dem Salicin ähnliches Glukosid, das Conifcrin. — Im Koggen sind nach IL Ritt hausen zwei Proteinstoffe enthalten, welche derselbe Glutenkasein (Parakasein) und Mucedin (Mucin) benennt. — H. Karsten machte die Bemerkung, dass die Moorriiben oft bedeutende Mengen von Stärke enthalten; namentlich die wildwachsende Möhre ist reich daran, ebenso auch die Futtermöhre, während die feineren Speise- sorten nur wenig Stärke zu enthalten pflegen. — Der Stärkegehalt der Heiligenstädter Kartoffel ist nach A. Stöckhardt's Untersuchungen gar nicht so gering, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt, er kommt dem der besseren anderen Sorten gleich. — Eine Reihe Analysen böhmischer Ilopfensorten lieferte Th, von Gehren, die renommirten Sorten von Saaz uud Auscha zeigten darnach einen weit höheren Gehalt an Gerb- säure, als der in Liebweid erbaute Hopfen. Man pflegt sonst gewöhn- lich anzunehmen, dass ein hoher Gerbsäuregehalt die Güte des Hopfens beeinträchtigt. Der untersuchte Saazer Hopfen lieferte überdies nur eine massige Ausbeute an Extrakt, es erscheint daher wahrscheinlich, dass kein vorzügliches Saazer Gewächs zu der Analyse verwandt worden ist. — Der Sesamsamen enthält nach Flückiger über die Hälfte seines Gewichts an hellgelbem, milden, fetten Oel. — F. Haberlandt versuchte aus den Maiskörnern auf mechanischem Wege das fette Oel abzuscheiden, jedoch ohne Erfolg; er machte aber dabei die Beoba^itung, dass die Keiiutheile des Samens vorzugsweise die Träger der Proteinstoffe und des fetten Oeles sind, v/ährend die Stärke sich in dem Endosperm angehäuft findet. Da es durch geeignete Mahl- und Sortirvorrichtungen gelhigt, die Keimtheile von den Endospermtheilcn einigermassen zu trennen, so scheint dies Verfahren sehr empfehlenswerth, um gesondert die fett- und stickstoffreichen Keime zur Verfütterung, den stärkereicheren Theil dagegen zur Stärke- und Spiritusbereitung verwen- den zu können. — Ein neues Surrogat der Lumpen für die Papierfabrika- tion, das Esparterogras, wird neuerdings aus Spanien eingeführt, Macadam hat eine Analyse der Pflanze geliefert. — Verschiedene Gerstensorten analysirte 0. Karmrodt, der Proteingehalt derselben diflerirte von 8,75 bis 12,86 Proz., der Gehalt an Stärke zwischen 66,92 bis 71,49 Proz., in der Zusammensetzung der verschiedenen Aschen ergaben sich im Ganzen 208 Rückblick. nur geringe Unterschiede. — lieber ö.dl)oden hat Th. H artig beschäftigt, welcher gegen die von Hofmeister ausgesprochene Ansicht rcmonstrirt, dass das Eindringen der Wurzel in den Boden die Folge der Schwere ihrer eigenen, anfänglich halbfltissigen Substanz sei. Nach Hartig wird das Eindringen hauptsächlich durch die Zellenvermehrung in der angedeuteten Richtung und das Heranwachsen der neugebildeten Zellen bewirkt. Wesentlich mit- wirkend sind dabei die osmotischen Vorgänge in den äussersten abgestor- benen und absterbenden, sich stets reproduzirenden Zellen der Wurzel- baube, durch welche diese blasig aufgetrieben wird, und daher das Erd- Rückblick. 209 reich vor uiul nebcu sich vordräugcu, woran! sie pkitzeu und eiueu treiou Raum hinterlasseu, welcher von deu nachwachseudou Zellen ausgefüllt wird. Ein Strecken der älteren Wurzeltheile findet nicht statt. Hart ig betont jedoch, dass die eigentliche Ursache, welche die Richtung der Ent- wicklung des auf- und absteigenden Stockes bestimmt, unserer Erkennt- uiss noch entzogen ist und es wohl auch für immer bleiben wird. E. Hal- lier schlicsst sich dagegen der Ansicht Hofmeister's an; seine Versuche zeigen zwar, dass die Wurzel stets in senkrechter Richtung sich entwickelt und die Einwirkung des Lichtes daher ohne Einfluss ist, indessen können sie über die Ursache der Entwicklungsrichtung, die allerdings mit der Richtung der Gravitation zusammenfällt, keinen genaueren Aufschluss geben. Ueber deu Einfluss der Temperatur auf die „Keimung" sammelte De Candollc Beobachtungen, aus denen hervorgeht, dass die Samen sich bezüglich der Temperatur sehr ungleich verhalten. Gewisse Samen kei- men schon bei 0" Wärme, andere benüthigeu einer weit höheren Tempe- ratur. Ebenso ist die Maximalgreuze, bei welcher noch eine Entwicklung des Keimes stattfindet, sehr ungleich, die günstigsten Erfolge wurden im Allgemeinen bei 17 bis 18" C. erzielt. Das Wesen der Keimung besteht nach dem Verfasser darin, dass die in dem Samen eingeschlossene junge Pflanze durch die chemischen und physikalischen Prozesse, welche die Keimung begleiten, frei wird und dadurch Gelegenheit bekommt, sich zu entwickeln. — J. Fühling giebt au, dass die Keimfähigkeit der Weizeu- korner bei dem Ausdrusch des Weizens durch Maschinen leidet. Beson- « ders empfindlich scheint derartiger Samen gegen die Einwirkung des Kupfervitriols zu sein. Wahrscheinlich werden durch die Wirkung der Maschinen viele Körner an der Oberhaut beschädigt und dadurch die Keime ihrer schützenden Hülle beraubt. Da bereits ähnliche Erfahrungen für die Gerste vorliegen, so empfiehlt es sich, nur solchen Weizen zur Saat zu verwenden, welcher mittels der Hand ausgedroschen wurde. — Zur Verhinderung des Befallens der Weizensaaten mit Brandpilzen ist schon seit langer Zeit das Einbeizen des Samens mit einer Auflösung von Kupfervitriol in Gebrauch. J. Kühn veruflentlichte eine hierauf bezüg- liche Vorschrift. Zweck des Verfahrens ist bekanntlich die Ertödtung der den Samen anhaftenden Pilzsporen. Zu gleichem Zwecke schlägt Artus nach Noel's Erfahrungen eine Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure vor. — Eine aufmerksame Beachtung seitens der Landwirthe verdient das Verfahren, welches Hallett bei Erziehung seines genealogischen Weizens in Anwendung brachte. Das Verfahren bestand in einer sorgfältigen Aus- wahl der Samenkörner und sorgsamen Behandlung bei dem Anbau, wobei durch lichte Stellung der Pflanzen (Dibbelkultur) diese allseitig der Luft und dem Lichte exponirt waren. — Ueber die Keimung des Moorrüben- samens führten A. Froehde und P. Sorauer Untersuchungen aus, die sich hauptsächlich auf den anatomischen Bau des Keimes und der Keim- pflanzen beziehen. Das Wachsthum des Würzelchens geht darnach nicht au der äusscrsten Spitze vor sich, sondern in dem innerhalb der Wurzel- Jahrt sbeiitlit. IX. 14 210 Kückblick. liaubc belegenen Theile. — Pouch et beobachtete, dass die Samen von Medicago zum Theil ein vierstündiges Kochen in Wasser vertragen, ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren, weil sie durch eine eigenthtimliche Orga- nisation gegen das Eindringen des heissen Wassers geschützt werden. — Die schon früher gemachte Beobachtung, dass das Dorren des Leinsamens einen sehr vortheilhafteu Einfiuss auf das Gedeihen des Leins ausübt, hat sich nach neueren Erfahrungen bestätigt. Es scheint, dass die Wirkung dieser Manipulation zurückzuführen ist auf eine erleichterte und gestei- gerte Aufnahme von Wasser und Pflauzennährstoffen aus dem Erdboden und die Unterdrückung der Keimkraft schwächlicher Samen. Der Abschnitt „Assimilation und Ernährung" enthält ein kur- zes Referat über die Preisarbeit von Deherain bezüglich der Absorptions- ungleichheit der Pflonzcn. Die Ursache des ungleichmässigen Uebertritts der in der Bodenflüssigkeit enthaltenen Mineralsubstanzen in die Pflanzen ist nach dem Verfasser rein physikalischer Natur. Die Aufnahme steht im Verhältniss zu der Diffusibilität (Durchgangsfähigkeit) der Substanzen durch poröse Körper. Beeinflusst wird dieselbe jedoch durch die Bestand- theile der Zellflüssigkeit und die chemische Bindung und Ausscheidung gewisser Substanzen in den Geweben der Pflanzen, — A. Hos aus setzte seine Untersuchungen über den Ammoniak- und Salpetersäuregehalt der Pflanzen weiter fort; er zeigte, dass bei den Zwiebeln eine Umwandlung von Ammoniak in Salpetersäure stattfindet, dagegen Hess sich die Ueber- führung der Salpetersäure in Ammoniak im Pflanzenorganismus nicht be- stimmt nachweisen. Bei Erbsen zeigte sich nach der Düngung mit ammo- niakhaltigen Düngestoffen eine Steigerung des Salpetersäuregehalts, doch nahm auch der Ammoniakgehalt dadurch zu. Da neuerdings von R. Früh- ling gegen die Richtigkeit der von Ho saus angewendeten Methode sehr wesentliche Bedenken erhoben sind, so verlieren die Untersuchungen des Verfassers sehr viel anWerth. — Ueber die Nützlichkeit einer künstlichen Wasserzufuhr bei Getreidesaaten während trockener Witterung stellte F. Haber landt Versuche an, bei denen sich herausstellte, dass ein öfteres Begiessen mit geringen Wassermengeu nur wenig Nutzen hat, indem das Wasser rasch wieder verdunstet. Zweckmässiger ist ein selteneres Be- giessen mit entsprechend grösseren Wassermengen, durch welche der Erd- boden bis zu einem Fuss Tiefe durchtränkt wird. — H. Hellriegel's langjährige Versuche über das Wachsthum von Gerstenpflanzen in reinem Quarzsand haben zu folgenden Ergebnissen geführt: Das absolute Gewicht des Samens bedingt unter gleichen Verhältnissen das Gewicht der daraus hervorgehenden Pflanze, das spezifische Gewicht des Samens ist dagegen ohne Eiufluss. Die Pflanzen entwickeln sich völlig normal nur im vollen Sonnenlicht, das durch Glasscheiben gebrochene Licht ist ihnen weit we- niger zuträglicl), diffuses Licht bewirkt nur eine kümmerliche Entwickhuig der Pflanzen. Hinsichtlich des Gehalts des Bodens an Feuchtigkeit wurde das beste Resultat erzielt, wenn beim Begiessen des Bodens bis nahe zu dem Sättigungspunkte (der wasserhaltenden Kraft) begossen wurde; bei einem Feuchtigkeitsgehalte des Bodens von b bis 10 Proz. entwickelten sich die Pflauzen nicht. Die Verdunstung erwies sich bei gleichem Feuch- Rückblick. 21 1 tigkeitsgehalte des Hodoiis der Entwicklung der PÜanzen proportional, oder diese proportional den Verdiinstiingsmengen. Bei beschränkter Bo- denmenge zeigte sich das Erntegewicht einer ungleichen Anzahl von Pflanzen, denen eine gleiche Bodenmenge zur Verfügung gestanden hatte, nahezu gleich. Die Ergebnisse der Düngungen lehren, dass Kali, Kalk, Magnesia, Phosphorsäure, Schwefelsäure und Salpetersäure die wichtigsten Nährstoffe der Gerstenpflanze sind, Natron und Chlor scheinen zwar min- der wichtigen Funktionen in dem Lebensprozesse der Gerstenpflanzen zu dienen, gleichwohl aber auch für eine gedeihliche Entwicklung unentbehr- lich zu sein. Amraoniaksalze sind als Pflanzeunährstofie nicht zu betrach- ten. — Nägeli und Seh wenden er führten Untersuchungen über Kapil- larwirkungen bei verändertem Luftdrucke aus. Die Ergebnisse lehren zu- nächst, dass das Wasser in Kapillarrohren ausserordentlich hoch gehoben wird; der Luftdruck wirkt nur insofern hierauf ein, als die Steigehöhe in den Kapillarröhren bei vermindertem Luftdruck deshalb sich erniedrigt, weil die Verdunstung lebhafter wird. — Aus R. Hunt's Untersuchungen über die Einwirkung der verschiedenen Strahlen des Sonnenlichts auf die Pflanzen geht hervor, dass die hellleuchtendeu Strahlen das Keimen be- einträchtigen, die chemisch wirkenden es dagegen beschleunigen. Die Zersetzung der Kohlensäure wird durch die leuchtenden Strahlen, die Chlorophyllbildung dagegen durch gleichzeitige Wirkung der leuchtenden und aktinischen Strahlen bedingt. Zu der Ausbildung der reproduktiven Organe ist gleichzeitig noch die Mitwirkung der wärmenden Strahlen noth- wendig. Im Frühjahre herrschen im Sonnenlichte die aktinischen Strahlen vor, später im Sommer nimmt die Menge der leuchtenden und wärmenden Strahlen zu, im Herbste erlangen die wärmenden Strahlen das Ueberge- wicht. Diese Veränderungen in der Beschaffenheit des Sonnenlichts üben auf die Vegetation eine einflussreiche Rückwirkung aus. — Die Ausbil- dung des Chlorophylls in den Pflanzen steht nach Joseph Böhm in in- timster Beziehung zu der Lebensthätigkeit der Zellen, welche nicht allein durch das Licht bedingt ist, sondern auch bei völligem Lichtmangel in normaler Weise sich vollziehen kann, wenn ein genügender Temperatur- grad auf die Pflanzen einwirkt. Die im Dunkeln ergrünenden Kotyledonen gewisser Koniferen zeigen dabei auch eine ganz normale Entwicklung. — A. Trecul will in Lactuca altissima das Auftreten von krystallisirtem Chlorophyll beobachtet haben. — Nach Duchartre's Beobachtungen scheint das Längenwachsthum der Pflanzen vorzugsweise während der Nachtzeit stattzufinden; da diese Ansicht mit verschiedenen früheren Beob- achtungen nicht harmonirt, so erscheinen weitere Untersuchungen über die speziellen Verhältnisse, welche hierbei massgebend sind, nothwendig. — Auch bezüglich des Einflusses des Lichtes auf das Winden der Schling- pflanzen gehen die Ansichten der Physiologen noch auseinander, Du- chartre nimmt an, dass man zwei Kategorien von Pflanzen zu unter- scheiden habe, von denen die eine im Dunkeln keine Windungen bildet (Dioscorea, Mandevillea) , während die andere auch bei völligem Licht- mangel sich um dargebotene Stützen windet (Ipomaea, Phaseolus). — Nach Corenwinder's Beobachtungen verhalten die jugendlichen Blatt- 14* 2 1 2 Rückblick. küuspeu sich den Keimpflauzeu aualog, sie athmen anfänglich nur Kohlen- säure, später Kohlensäure und Sauerstoff aus, bis mit der Entfaltung der Blätter die Kohlensäureentwicklung sich beendet. Im Dunkeln findet jedoch auch später noch eine Entwicklung von Kohlensäure statt, ebenso bei Blättern, die ihres Chlorophylls beraubt sind. — Boussingault's Untersuchungen lehren , dass bei manchen Blättern die obere gegen den Himmel gerichtete Seite der Blätter ein grösseres Zersetzungsvermögeu für die Kohlensäure besitzt, als die Unterseite, indessen ist hierbei die Durchlässigkeit für die Lichtstrahlen von Einfluss. Bei dicken oder auf der Unterseite mit einer wolligen undurchlässigen Decke versehenen Blät- tern ergaben sich für die beidoaBlattflächeu sehr bedeutende Unterschiede, für dünne Blätter war es dagegen ziemlich gleichgültig, welche Seite vom Lichte getroffen wurde. — Auf die Nachtheile einer vorzeitigen Abnahme der Blätter bei den Eüben haben E. Peters und Leplay hingewiesen, für die Ausbildung der in den Wurzeln und Knollen der Wurzelgewächse sich aufspeichernden Reservestoffe scheinen gerade die älteren, ausgewach- senen Blätter von grösster Wichtigkeit zu sein. — E. Faivre undV. Du- pre untersuchten die in den Orgauen des Weinstocks und des Maulbeer- baums enthaltenen Gase; sie fanden dieselben bestehend aus einem je nach der Jahreszeit veränderlichen Gemenge von Sauerstoff, Stickstoff und Kohlensäure. In den Wurzeln zeigte sich die eingeschlossene Luft stets kohleusäurereicher, als in den oberirdischen Pflanzentheilen. Wenn man bedenkt, dass die Zersetzung der Kohlensäure in den Blättern von der Einwirkung des Lichtes abhängig ist, und die Ausgleichung der inneren Luft mit der die Pflanzen von aussen umgebenden immer eine gewisse Zeit beansprucht, so ist es erklärlich, dass die verschiedeneu Untersuchun- gen über die Zusammensetzung der in den Hohlräumen der Pflanzen ent- haltenen Gase sehr divergirende Ergebnisse geliefert haben. — Arthur Gris bestätigte die bereits allgemein anerkannte Ansicht, dass während der Wachsthumsperiode der Bäume Reservestoffe gebildet und im Stamme abgelagert werden, welche bei dem Wiederbeginn der Vegetation im fol- genden Jahre das Material für die Neubildungen liefern. — Isidor Pierre machte bei seinen Untersuchungen über die Entwicklung der Weizenpflanze die Beobachtung, dass zwischen dem Stickstoff, dem Kali und der Phosphorsäure einerseits und der Kieselsäure mit dem Kalk an- dererseits intime Beziehungen bestehen. Es scheint daher den zu jeder dieser beiden Gruppen gehörigen Körperu ein besonderer (gemeinschaft- licher?) Wirkungskreis zuzukommen. Mit Beginn derBlüthe beendet sich die Aufnahme von Mineralstoffen aus dem Erdboden, die Ausbildung der Aehre erfolgt auf Kosten der bereits in der Pflanze enthaltenen Nährstoffe, welche in reichem Masse der Aehre zuströmen. — Das plötzliche massen- liafte lokale Auftreten und Wicderverschwiuden einzelner Pflanzen be- sprach H. v. Mühl. In manchen Phallen lässt sich die Ursache dieser Erscheinung auf eine Veränderung der chemischen oder physischen Be- schaffenheit des Bodens zurückführen, oft aber Idoibt es räthselhaft, wo- her der Same der plötzlich erscheinenden Pflanzen gekommen ist und welche Einflüsse das Wiederverschwinden bedingten. — Das J'aulen der Rückblick. 213 Früchte soll nach 0. Davaino durch die Einwirkung von Schimmelpilzen bedingt werden, deren Mycolienfildon oder Sporen tlicils von aussen durch die beschädigte Epidermis der Früchte, theils durch die „Blume" der Früchte eindringen. Lete liier und Sponeux haben dagegen nachge- wiesen, dass die Schimmelpilze nur die Folge, nicht aber die Ursache der Fäulniss sind. — Die günstige Einwirkung einer Bedeckung des Erdbodens mit Schnee auf die Pflanzen ist nach Henrici darauf zurückzuführen, dass der Schnee und die in demselben eingeschlossene Luft als schlechte Wiirnieleitor die schrofl'en Tcm])era(urwechsel und besonders die rasche Warmeentziehung aus dem Erdboden verhindern. Nachtbeilig wirkt da- gegen der Schnee, wenn er im Frühjahre zu lange liegen bleibt und durch die Abhaltung des Lichtes und der Luft von den Saaten die Pflanzen erstickt. Versuche über die „Erziehung von Pflanzen in wässrigen Nährstofflösungen" sind im verflosseaen Jahre wiederum an mehreren Orten ausgeführt worden. Es liisst sich nicht mehr leugnen, dass die ge- wöhnlichen Kulturpflanzen sich in wässrigen Lösungen völlig normal ent- wickeln und alle ihre Lebensverrichtungen in normaler Weise vollziehen können, wenn nur die Nährstoft'li)Sung ihren Bedürfnissen genau angepasst ist. Von Jahr zu Jahr haben die bei der Wasserkultur erzielten Pflanzen an Vollkommenheit gewonnen und bei mehreren Pflanzen ist man bereits dahin gelangt, dass die in Wasser erzogenen Pflanzen das Erntegewicht üppig gewachsener Landpflanzen bedeutend überschritten. Aus dem vorigen Jahre liegt eine lange Reihe von Versuchen mit Hafer vor, welche Birner und Lucanus ausführten. Nach dem Ausfall der Versuche ist eine Kon- zentration der Nährstoft'lösung von 5 Promille für die Ilaferpflanze zu hoch, ein Gehalt von 1 Promille scheint bereits zu genügen. Chlor, Natron und Kieselsäure scheinen als wirkliche Pflanzcnnährstott'e betrachtet werden zu müssen, sie üben aber auch indirekt durch Beeinflussung der Aufnahme anderer Pflanzennährstoffe eine Einwirkung auf das Gedeihen der Pflanzen aus. Auch die Schwefelsäure ist als ein wirklicher PflanzennährstofF an- zusehen. Eine Vertretung der einen Base oder Säure durch eine andere findet nicht statt. Die Frage, ob die Pflanzen neben der Salpetersäure auch das Ammoniak zur Bildung ihrer stickstoffhaltigen Bestandtheile ver- wenden können, ist durch die vorliegenden Versuche nicht entschieden, dagegen zeigen dieselben, dass der Harnstoff und das Propylamin dem Stick- stoffbedürfnisse der Haferpflanze nicht Genüge zu leisten vermögen. Auf- fällig ist das bei dem Ersätze des Eisenoxydphosphats durch phosphor- saures Eisenoxydoxydul erzielte ausserordentlich günstige Resultat, welches wohl einer leichteren Zersetzung der letztgenannten Verbindung zuzu- schreiben ist. Weitere Versuche zeigten, dass selbst so verdünnte Nähr- stofflösungen, wie sie das Brunnen- und Flusswasser darstellen, zur völligen Entwickelung der Haferpflanze bis zur Samenbildung genügen, sobald sie nur oft erneuert werden. Die normale Ausbildung der Samen bei in Was- ser gezogenen Pflanzen wurde durch Keimnngsversuche konstatirt, nur be- züglich des Hervortretens der Radikula zeigte sich hierbei eine kleine Anomalie, im Uebrigen lieferten die in M'ässrigen Lösungen erbauten Samen 214 Rückblick. völlig normale Pflanzen. — A. Leydhecker hat die Untersuchungen von Nobbe über die physiologische Bedeutung des Chlors für die Buchweizen- pflanze wiederholt und dabei bestätigt gefunden, dass dem Chlor eigen- thümliche Funktionen in dem Lebensprozesse dieser Pflanze zukomnieu. — E. Wolff ist es gelungen, in wässrigcn Lösungen Maispflanzen zu erziehen, welche das 330fache des Samengewichts erreichten und be2;üglich der Zu- sammensetzung ihrer Asche nicht bedeutend von normalen Landpflanzen sich unterschieden. Diese Maispflanzen kamen jedoch nicht bis zur Samen- bildung. Dagegen erreichten Haferpflanzen das 745 resp. 1386fache des Samengewichts und brachten 524 resp. 1011 wohl ausgebildete Samen. — W. Hampe hat nachgewiesen, dass der Harnstoff" unzersetzt in die Pflanzen übertreten kann; er betrachtet deshalb denselben als eine StickstofFquelle für die Pflanzen, Wenn man aber bedenkt, dass die Pflanze sonst aus- schliesslich nur hochoxydirte Körper zu ihrer Ernährung verwenden kann, und selbst das Ammoniak nach neueren Untersuchungen dem Stickstoff- bedürfnisse der Pflanze nicht zu genügen vermag, so erscheint diese Ansicht doch wenig wahrscheinlich. — Die Untersuchungen von S. W. Johnson können eine Bestätigung der Plampe'schen Ansicht nicht liefern, da sie eine Fehlerquelle einschliessen, welche die Schlussfolgerung ganz illusorisch macht. — Endlich haben wir noch über einen kleinen Versuch von F. Nobbe berichtet, welcher die Ermittelung der Minimalgrenze in dem Stoffgehalte der Nährstoft'Iösung zum Gegenstande hatte. Es zeigte sich, dass ein Salz- gehalt von 0,1 Promille bei fortwährender Erneuerung der Nährstoff lösung doch nur eine dürftige Entwickelung der Buchweizenpflanze bewirkte, in- dessen ist die Ausführung des Versuchs in vorgeschrittener Jahreszeit hier- bei vielleicht von Einfluss gewesen. Auf dem Gebiete der „Pflanzcnkrankheiten" begegnen wir zu- nächst einigen neuen Untersuchungen über die Nassfäule der Kartofi'el. E. Opel's Versuche lehren, dass es möglich ist, den Kartoftelpilz von kranken Knollen auf das Kraut und von diesem wieder durch Begiessen der infizirten Stöcke mit Wasser auf die noch in der Erde befindlichen, neugebildeten Knollen zu übertragen. Ausserdem ergiebt sich, dass die Schalendicke der Knollen für das Eindringen der Keimschläuche des Pilzes von Einfluss ist, so dass eine dickere Schale dem Eindringen einen erheb- lichen Widerstand entgegensetzt. — C. Fraas wiederholte die bekannten Liebig-Zöller'schen Vegetatiousversuche mit KartoftVln in Torfpulver. Das dabei erzielte Resultat widerspricht aber geradezu der Liebig'sclien Ansicht, dass die Grundursache der KartofFelfäule in einer Erschöpfung des Bodens an mineralischen Pflanzennährstoff'en zu suchen sei. Audi J. Kühn spricht sich gegen diese Ansicht aus, er verweist darauf, dass die Ursache der Krankheiten der Kartoffel, des Weinstocks und anderer Kulturgewächse mikroskopische Schmarotzerpilze sind und stellt auch die präsumirte, durch eine ungenügende Ernährung der Pflanzen bedingte P^m- pfänglichkeit derselben für die Aufnahme und Verbreitung der Parasiten in Abrede. Gesunde und pilzkranke Erbsen, deren Analyse Kühn mit- theilt, zeigten in ihrem Gehalte an Aschenbestandtheilen keinen wesentlichen Unterschied, aus dem eine besondere Empfänglichkeit der erkrankten Pflan- Rückblick 215 zen abgeleitet worden kiinnte. Es ist lebbaft zu bedauern, dass noch so oft aus vereinzelten und ungenügenden Beobachtungen die weitgreifendsten Schlussfolgerungen abgeleitet werden, die sich bei der nächsten Wieder- holung der Untersuchungen sogleich als unrichtig erweisen. Durch ein solches Verfahren müssen die Forschungen der Wissenschaft in den Augen des Laien diskreditirt werden. — GuerinMeneville beobachtete, dass auf kranken Kartofleln Myriaden kleiner Milben sich eingefunden hatten; er ist jedoch vorsichtig genug, die Beziehungen dieser Thierchen zu der Kartoflelkrankheit einstweilen dahingestellt sein zu lassen, — C. Grone- meyer beschäftigte sich] mit dem Lagern dos Getreides, er zeigte, dass diese Erscheinung vorzugsweise dann eintritt, wenn eine reichliche Dün- gung mit stickstoffhaltigen Düngostoffen, enger Stand des Getreides und mastige beschleunigte Entwickolung desselben die Halme schlaff und weich erhält, und eine genügende Aufnahme von Mineralsubstanzen aus dem Boden verhindert. Eine Abhülfe der Kalamität ist nur durch eine kräftige, vollständige und normale Ernährung der Pflanzen in allen ihren Ent- wickelungsperioden zu erreichen. Ein Maugel an Kieselsäure ist, wie auch J. Pierre nachweist, nicht als die Ursache des Lagerns anzusehen, im Gegentheil fand Pierre in gelagertem Getreide einen höheren Kieselsäure- gehalt, welcher durch die üppige Blattentwickeluug bei diesem bedingt ist. Die Blätter sind nämlich viel reicher an Kieselsäure als die Stengel, deren festeste Theile, die Knoten, gerade die geringste Kieselsäuremenge ent- halten. — Ueber die an der Schwarzerle und der Lupine auftretenden Wurzelanschwellungen führte Wo ronin Untersuchungen aus, welche lehrten, dass dieselben von mikroskopischen Parasiten herrühren, die bei der Schwarzerle der Pilzgattung Schinzia ähnelten, bei der Lupine den Bak- terien oder Vibrionen anzugehören schienen. — Ueber die Kleemüdigkeit liegen endlich noch Meinungsäusserungen von Buckmann und Völker vor, nach denen erslerer besonders die Auswahl des Samens und die Rein- haltung des Feldes für nothwendig zur Erzielung guter Kleeernten erachtet, während letzterer den Hauptaccent auf die Düngung legt. Als den ge- eignetsten Dünger für Klee bezeichnet Völker den Stallmist, Kalisalze zeigten dagegen keineswegs die von ihnen erwartete günstige Wirkung auf den Kleewuchs. Wir bemerken hierzu noch, dass im verflossenen Jahre in Schlesien und den angrenzenden Theilen von Posen die seit langen Jahren als kleeraüde betrachteten Felder lediglich in Folge der günstigeren Witterungsverhältnisse wieder sehr üppige Kleeernten geliefert haben. — Schliesslich haben wir noch eine Anzahl mikroskopischer Pflanzenparasiten aufgezählt, welche neuerdings auf erkrankten Kulturgewächsen beobachtet wurden. — 216 Literatur. Literatur. Notiz über die Bestandtheile der Wurzelrinde des Apfelbaumes, von Frdr. Rochleder. Wien, Gerolds Sohn. Notiz über die Bestandtheile der Blätter von Epacris, von Frdr. Rochleder. Wien, Gerold's Sohn. Ueber das Vorkommen von Gerb- und verwandton Stoßen in unterirdischen Pflanzentheilen, von Aug. Vogl. Wien, Gerold's Sohn. [Jeher die EntwickoUing von Gasen aus allgestorbenen Pflanzentheilen. von Jos. Böhm. Wien, Gerold's Sohn. Botanische Untersuchungen aus dem physiologischen Laboratorium der landwirth. Lehranstalt zu Berlin, von H. Karsten 2. und 3. Heft Berlin, Wiegandt und Hempel. Sind die Bastfasern Zellen oder Zellfusionen? von Jos. Böhm. Wien, Gerold's Sohn. Handbuch der jibysiologischen Botanik, von Wilh. Hofmeister. 1. Bd 1. Abth. Leipzig, Engelmann. Ueber die Richtungen und Aufgaben der neueren Pflanzenphysiologie, von Johs. Hanstein. Bonn, Markus. Del bromo di Schrader, di Auselmo Barbetta. Milano, Bernadoni. Du Hachisch ou chanvre Indien, par Edouard Grimaux. Paris, Savy. Recherches chimiques et physiologiques sur la feve de Calabar, par Amedee Vee. Paris, Delahaye. Des Champignons au point de vue de leurs caracteres usuels, chimiques et toxicologiques, par Emile Boudier. Paris, Bailliere. Bodenbearbeituns:. Weizenkultur nach Lois - Wccdon er - System, von wui/enkui- H artstein.*) — Bekanntlich geht das Prinzip dieser Kultur- '.'""^'■'; methode dahin, durch tiefe und oft wiederholte Rearbcitiingnpv-sybteiu. des Bodens mit abwechselnder Brachelialtnng aber ohne Dün- ffuno; den Anbau von Weizen in unmittelbarer Aufeinanderfolge auf demselben Felde durchzuführen.**) Hart stein hat diese Methode durch langjährige Versuche geprüft. Das Versuchsfeld hatte ziemlich schweren Boden, welcher bei lOO""" C. getrocknet nach der Analyse von Dr. Sopp ent- hielt: Obergriind. Untergrund. Chemisch gebundenes Wasser 1,97 2,64 Organische Stoffe 1,53 1,76 Grossere Steinchen , meist erbsengrosse Stücke von Granwacke, Thonschiefer und Quarz 4,38 6,59 Sand 43,76 48,35 Abschlämmbare Theile . 48,36 40,66 100,00 100,00 Wasserhaltende Kraft 37,2 Proz. 40,2 Proz. Spezifisches Gewicht 2,789 2,801 Nach Abzug des Gliihverlustcs enthielten 100 Theile: In Salzsäure Unlösliches 91,80 91,01 Thonerde und Eisenoxyd 6,18 6,07 Kohlensaurer Kalk — 0,12 Kalk j 0,40 0,71 Magnesia ,,. , , , 0,23 0,71 Kali 1 ^^ Kieselsäure gebunden . . q^« Natron ) 0,57 1,91 *) Agronomische Zeitung. 1866. S. 209. **) Vergl. Jahresbericht. 1865. S. 218 218 Bodenbearbeitung. Der Boden war drei Jalire vor dem Beginn der Versuche mit 120 Ztr. Stallmist gedüngt worden, er wurde durch mehr- maliges Pflügen, Eggen und Walzen zur Saat vorbereitet und in 5 Puss breite Beete abgetheilt. Jedes Beet erhielt drei einen Fuss von einander entfernte Saatreihen. T«Jach dem Auf- gehen der Saat wurden die bracheliegenden Zwischenräume bis drei Zoll von den äussersten Saatreihen entfernt umge- graben, die Spateutiefe wurde von Jahr zu Jahr gesteigert, sie betrug am Schlüsse des Jahres 1865 zwanzig Zoll. Zeitig im Frühjahre wurde das gegrabene Land geebnet und während des Sommers, behufs möglichster Lockerung und Reinigung von Unkraut mehrmals oberflächlich bearbeitet. Die Saatreihen wurden im Frühjahre behackt. Nach dem Abernten der Frucht fand ein mehrmaliges Auflockern der Zwischenräume statt, um das Aufgehen der etwa ausgefallenen Körner zu beschleu- nigen, worauf endlich diese zur neuen Saat bestimmten Zwischen- räume eine 5 bis 6 Zoll tiefe Bearbeitung erhielten und nach vorherigem Eggen und Schleifen wieder in der angegebenen Weise besäet wurden. Nach dem Aufgehen der Saat begannen dann die Vorbereitungsarbeiten für die folgende Aussaat von neuem. — Zur Vergleichung wurde ein anstossendes Stück Land von gleicher Beschaflenheit alljährlich ohne Düngung und Brachehaltung gleichmässig mit Weizen bestellt. Bei diesem wurde nacli der Aberntung die Stoppel mit dem Exstir- pator umgebroclien, tüchtig geeggt und dann die Saatfurche zur vollen Tiefe gegeben. Die Drillreihen hatten 9 Zoll Ent- fernung, sie wurden im Frühjahre behackt. — Li beiden Fällen waren die Versuchsfelder | Morgen gross. Zur Aussaat diente Helenaweizen. Die Erträge sind auf 1 preuss. Morgen be- rechnet. (Siehe die Tabelle S. 219 oben.) Bei dem Anbau nach Lois-Weedoner-Methode wurden also im Mittel der Versuchsjahre 14 Metzen Körner und 657 Pfd. Stroh weniger gewonnen. Weil aber dabei nur das halbe Land Frucht trägt, während die andere Hälfte brach liegt, so ist der Ausfall unbedeutend. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass hier])ei die Drillreihen 1 Fuss von einander entfernt waren, dagegen bei dem Anbau ohne Brache nur 9 Zoll. Die plötzliche Abnahme der Erträge an Körnern im fünften Anbau- jahre ist aufi'ällig. Der nach Lois-Wcedoner Methode gebaute Bodenbearbeitung 2 1 9 Lois- Weedon-Kultur. Anbau ohne Brache. Stroh Stroh Gewiclit und Gewicht und K (irner. i >ro Schfl. Kaff. Körner. pro Schfl Kaff. Jahr. Schfl. Hetzen. Pfd. Pfd. Schfl. Metzen . Pfd. Pfd. 1853-54 11 10 83,4 1653 15 2 82,3 3058 54-55 10 7 83,4 1502 11 4 82,3 2531 55-56 12 4 84,2 1809 18 4 83,7 3352 56-57 11 4 81,3 1401 11 12,3 79,8 2035 57-58 4 8 82,0 1185 5 10 80,8 1790 58—59 5 10 80,3 1864 6 12 80,0 2688 59-60 4 3 81,2 1570 5 1 81,0 1960 60-61 6 — 82,0 1687 5 10 81,4 2350 61—62 5 — 82,0 1700 4 4 80,0 1890 62-63 9 8 84,0 1580 7 11 82,0 2220 63—64 — -*; — — 4 15 78,2 1228 64—65 _ 4 3 81,2 720 5 12 80,0 960 Summa 84 9 905 16671 102 11,3 971,5 26062 Jahresmittel 7 1 82,3 1515 8 9 80,96 2172 Weizen bestockte sich stärker und zeichnete sich durch stärkere Halme, dunkleres Grün und vollere Aehren aus, auch waren die Körner vollständiger entwickelt. Uebrigens beweist das bei der gleichmässigen Drillsaat erzielte Resultat von 8 Schffl. 9 Metzen die hohe natürliche Fruchtbarkeit des Bodens. Ein besonderer Vortheil der Lnis-Weedoner Methode tritt aus den vorliegenden zwölfjährigen Versuchsergebnissen nicht hervor, der Ertrag steht im Durchschnitt der ganzen Versuchsperiode gegen das zur Ver- gleichung dienende Feld zurück, doch ist wohl anzunehmen, dass bei län- gerer Fortsetzung der Versuche die Wirkung der Brachebearbeituug sich bemerklich machen wird. Die Abnahme der Erträge, welche im fünften Anbaujahre plötzlich eintrat, lehrt, dass ein fortgesetzter Weizenbau ohne Zuführung von Dünger auf dem betreffenden Boden und unter den gege- benen klimatischen Verhältnissen nicht möglich ist. Ueber die Kultur des Moorbodens, von Rimpau- U'p K"itur Cunrau.**) — Die beabsichtigte Kolonisation des fiskalischen Z^J^l'' Theil des Schradens bei Elsterwcrda im Regierungsbezirk Merseburg gab dem Verfasser Veranlassung, seine Ansichten über die Kultur des Moorbodens mitzutheilen. *) Ausgewintert. **) Vorschläge zur Kultur des Moorbodens. Berlin, W. Gronau, und Zeitschrift des landwirthschaftlichen Centralvereins für die Provinz Sach- sen. 1866. S. 93. 220 Bodenbearbeitung. üeber die Beschaffenheit des Schradens ist angegeben^ dass die Dicke der Moorschicht zwischen 6 Zoll und 3 Fuss wechselt und .selten darüber liinaus geht. Unter dem Moor befindet sioli magerer Letten, Lehm, strenger Tlion oder tlieils gröberer, theils feinerer Sand. Letten, Lehm und Tlion haben eine Tiefe von 1 bis 2 Fuss. Unter ihm folgt Sand, während bei 2 Fuss tiefem Moorstande und sogleich folgendem Sande meist noch eine Schicht von schwarzem fettem Schlicke bis zu 12 Zoll Mächtigkeit über dem Sande gelagert ist. St oh mann führte nachstehende Analysen der Erden aus: A, Moore. 1. Moor auf Thon, 2 Fuss mächtig. 2. Moor auf Sand, 5 Fuss mächtig. 3. Moor auf Sand, 1 Fuss mächtig 1. 2 3. Organische Substanz . . . 27,S4 80,8G 47,86 (Darin Stickstoff 1.09 0,89 1,15) Kali 0,08 0,07 0,08 Phosphorsäure 0,0G 0,16 0,16 Kalk . 0,35 2,11 0,64 Magnesia 0,03 0,09 0,05 Eisenöxyd und Thonerde . 2,94 5,04 3,82 Kieselsäure 8,37 4,21 5,63 Sand und sonstige Aschen - bestandtheile . . ... (;o,3ö 7,4G 41,70 1(HV)() 1(HJ,0() 1()0,00 B. Thon und Lftte. Thon. Lette. Kali 0,02 0,01 Phosphorsäure : . . . Spur. Spur. Kalk 0,22 0,15 Magnesia 0,05 0,04 Eisenoxyd und Thonerde 1,01 0,66 Kieselsäure 1,93 1,77 Sand, Thon und orga- nische Substanz . . 96,77 97,37 100,00 100,00 Mechanische Analyse des Lettens mittels des Nobel 'sehen Schlämm- apparates : Grandiger Sand und Steinchen — Grober Sand 52,0 Feiner Sand 1,2 Thoniger Sand 16,9 Thonige Substanz . . . . . 29,9 100,0 Bodenbearbeitung. 22 1 Der Scbradeu ist in neuerer Zeit entwassert worden, die ent- wässerten, noch nicht kultivirten Flächen, die früher ziemlich ertragreiche Wiesen darstellten, versclilechteru sich forwährend , sie sind fast aus- schliesslich mit spärlichem saurem Grase und hartem Moose bedeckt, welches bei der Verfütteruug Anlass zur Knochenbrüchigkeit giebt. Für die Kultur dieses Moorbodens schlägt Rimpau drei Wege vor. 1) Die Brenn kul tu r. — Bei dieser Kulturmethode muss zunächst das etwa vorhandene Gestrüpp cntlcrnt werden. Dann schält man im September die Narbe je nach dem Grade der Versauerung 2 bis 4 Zoll tief mit der Plaggeuhauc ab, wirft einige dieser Plaggen in Häufchen zusammen und zündet diese an. Nach dem Erlöschen des Feuers wird die Asche gleichmässig ausgebreitet und sogleich flach untergepflügt. Man kann auch die Grasnarbe mittels eines scharfen Pfluges umpflügen und die Furchen nach vorheriger Austrocknung in der dem Winde entgegengesetzten Richtung anzünden. Oder man formirt die abgeschälte Narbe mit der Plaggenhaue in 2 Fuss lange Stücke und brennt diese in Häufchen. Das direkte Brennen der Pflugfurche scheint wegen der Einwirkung des Feuers und der glühenden Asche auf die Moorunterlage be- sonders günstig zu wirken. Im nächsten Frühjalirc wird das Ijand mit Hafer oder Hirse bestellt, darauf folgen gedüngte Rüben und dann Hafer mit Grasansaat. Bei Nachlassen im Ertrage muss die so entstandene Wiese gedüngt werden. 2. Die Raj Ölkultur. — Diese wird auf Boden mit 8 bis 16 Zoll Moorstand angewandt. Schlick- und Sandunterlage ist für sie erwünschter als Thon, Lehm und Letten, besonders wenn es dem Letzteren an Kalk fehlt. Auch der Rajolkultur kann bei angemessen tiefem Moorstande das Brennen voran- gehen. Jedenfalls erfordert sie eine vorherige gründliche Ent- wässerung des Terrains durch zweckmässig angelegte Gräben von 16 Fuss Breite, 4 bis 5 Fuss Tiefe und 6 Fuss breiter Sohle. Die Rajolarbcit geschieht am zweckmässigsten mit drei hinter einander gehenden Pflügen von verschiedener Konstruktion. Ein Schwingpflug schält zunächst die Narbe 3 Zoll tief ab, diesem folgt ein zweiter Pflug mit Vorderkarre und ruchadlo- artigcm Pflugkörper, welcher die Furche in einer Tiefe von 12- IG Zoll bis auf die feste Schicht des Untergrundes öÜuet, endlich folgt noch der eigentliche Rajolpflug, der mindestens 222 Bodenbearbeitung. 6 Zoll des festen Untergrundes hebt und über die von dem zweiten Pfluge gebildete Furche legt. Das Rajolen geschieht am zweckmässigsten im Sommer oder Herbst. Man lässt dann das Land bis zum Frühjahre in rauher Furche liegen, ebnet es dann mit schweren Eggen und besäet es zunächst mit Hafer. 3. Die Dammkultur. — Diese Methode wirkt am nach- haltigsten und intensivesten, sie findet ihre Anwendung bei einem Moorstande von H — 3 Fuss und darüber. Je grob- sandiger der Untergrund ist, desto besser, wenn nur Feldspath und Glimmer oder einige Thontheile im Sande vorkommen. Reiner, feinkörniger Quarzsand giebt schlechte Resultate. Ist die Thon-, Lehm- oder Lettenschicht unter dem Moore nicht stärker als 12 — 15 Zoll und findet sich darunter Sand, so ist die Daramkultur noch mit Vortheil ausführbar. Der Zweck der Dammkultur ist die Trockenlegung des Moorbodens und die Vermischung desselben mit der Unterlage der Moorschicht, Zu diesem Zwecke werden in einer Entfernung von je 6 Ruthen 16 Fuss breite und 4 — 5 Fuss tiefe Gräben mit llfüssiger Sohle ausgeworfen. Zunächst wird der Moorboden und der Schlick ausgeschachtet und für sich planirt, alsdann wird der Sand, Lehm oder Letten ausgeworfen und 4 Zoll hoch über das Moor ausgebreitet. Die Hauptgräben liefern das Material zu den 2| Ruthen breiten Vorgewenden oder Feldwegen. Aus den Damragräben wird das Wasser durch 6 zöllige Drains in die Hauptgräben abgeleitet. Die frischen Dämme lassen sich sogleich zum Anbau von Hafer benutzen. Zweckmässig ist es, wenn das Moor bei den ersten Pflugarten etwas mit dem Sande vermischt wird. Mit Vortheil wird vor der Ausführung der Dammkultur der Moorboden durch Brennen vorher etwas entsäuert. Der Verfasser hat nach der zuletzt beschriebenen Methode umfang- reiche Meliorationen ausgeführt, er erntete im Jahre 186(5 bei einer Dün- gung von 1 Ztr. Knochenmchlsuperj^hosphat, 1 Ztr. gedämpftem Knochen- mehl und 5 Ztr. Kalisalz, ohne den Pflug zu gebrauchen, 28 Scheffel Ha- fer pro Morgen. Dem Hafer folgen: Wickfutter oder Viktoriaerbsen ge- düngt, Roggen in Knochenmehl, Kartoffeln resp. Futterrüben gedüngt, Hafer, Kleegras zum Mähen oder zur Weide, Roggen in Knochenmehl. Dann fängt mit Wickfutter oder Erbsen die Rotation von neuem an. Alle Er- träge sind reich zu nennen. Wickfutter gicbt bis 50 Ztr. trocken, Roggen Bndenbearl)piiung. 223 bis 20 Schfl., Erbseu 13 Schfl., Hafer bis 30 Schfl., Kartoffeln bis 5 Wspl., nur bei dem Kleegras ist der Ertrag — 10 bis 15 Ztr. i)ro Morgen — weniger befriedigend. — Die Angaben über die angewandte Düngung sind nicht gleichlautend, nach einer andern Mittheilung*) erhält der Boden zuerst eine Düngung von 130 Ztr. Stallmist zu Raps oder Wickfutter, später zu Winterung \ Ztr. Guano und 1 Ztr. Superphosphat. — Eine ähnliche Kulturmethode ist im Grossherzogthum Posen auf Bruchlände- reien gebräuchlich, nur werden die einzelnen, meistens zum Anbau von Grünzeug dienenden Beete nur 6 bis 8 Fuss breit gemacht und dem ent- sprechend auch nur schmale Gräben dazwischen ausgeworfen. Uebcr die Naclitheile des Moorbreiinens und die '^''*'" f*'« Mittel denselben zu begegnen, von Kussel.*) — Der ^el mom- Verfasser berichtet in einer längeren Abhandlung über diesen ^renneus. Gegenstand und gelangt schliesslich zu folgendem Resume: 1) Die gewöhnlichen Beschwerden über die Nachtheile des Moorbrennens sind nur in beschränktem Masse begründet und jedenfalls nicht so erheblich, um die Regierungen zu ver- anlassen durch Prosibitiv- oder Beschränkungsmassregeln da- gegen einzuschreiten. Als nachtheilige Wirkungen des Moorbrennens bezeichnet man, dass dasselbe die Gewitter- und Regenbildung hindere und kalte Winde hcrvoiTufe, dass es der Gesundheit der Men- schen nachtheilig und endlich, dass es feuergefährlich sei. Man gründet die erstgenannten Anklagen darauf, dass die von einer in Brand gesetzten grossen Moorfläche ausströmende Hitze die über ihr ruhenden Luftschichten austrockne und dadurch die Bildung von Wolken und Gewittern hindere, dass das im Moorrauch enthaltene Antozon die feuchten Niederschläge ver- zehre, bezw. nicht zu Boden kommen lasse, und endlich die im Rauche enthaltenen Russtheilchen als gute Leiter die Ansamm- lung der Elektrizität stören und so auch in weiterer Entfernung die Gewitterluft beeinträchtigen. Der Verfasser nimmt im Gegensatze zu den Ergebnissen meteorologischer Beobachtungen von Prestel und Weber au, dass diese drei Anklagen für die nächste Umgebung der Moorgegenden — aber auch nur für diese — begründet seien. Die behauptete Gesundheits- *) Zeitschrift des laudw. Centralvereius für die Provinz Sachsen. 1866. S. 93. **) Journal für Laudwirthschaft. 1866. S. 155. 224 Bodenbearbeitung. Schädlichkeit und die Peucrgefährlichkeit des Moorbrenuens hält der Verfasser dagegen nicht für begründet, bezw. die letztere durcli geeignete Massnahmen leicht zu beseitigen. 2) Die nationalökonomischen Nachtheile, welche man dem Moorbrennen zum Vorwurfe gemacht hat, sind unbegründet. Man hat behauptet, dass das Brennen des Moors den kostbaren Torf konsumire und demzufolge den Grundwerth vermindere. Der Verfasser weist die Unrichtigkeit dieser Be- hauptung nach. Die Brennkultur in den Hochmooren kann nur auf der oberen etwa 12 bis 16 Zoll starken Moorschicht, der sog. ßunkerde, betrieben werden, die als Torf keinen, als ertragsfähige Kulturerde aber einen grossen Werth hat. Durch ihre trockncre Lage und das Hinzutreten der Luft ist sie freier von Säure geworden, die auf ihr wachsenden Haide- und andere Kräuter unterhalten ihre lockere Beschaffenheit und geben beim Brennen neben der Torfasche vorzugsweise die Mineralstoflfe ab, welche den Moorgrund befruchten. Diese Befruchtung, welche ausnahmsweise bei sehr warmen Früh- jahren sogar für das folgende Jahr im verminderten Grade vorhalten kann, nimmt mit dem Vergehen der Pflanzentheile ab, allein der mit dem Brennen verbundene Substanzverlust des Moors ist so unbedeutend, dass man ihn, selbst nach hundertjähriger Brcnnkultur kaum bemerken kann. Das Sinken des Moorlandes ist hauptsächlich durch die Entwässerung ver- anlasst. — Uebrigens ist hierbei noch zu berücksichtigen, dass die Brennkultui- eine Fläche von melircren hundert Tausend Morgen begreift, welche selbst unter den günstigsten Verhält- nissen erst in vielen Jahren durch Torfstich vcrwcrthet werden könnte; sie lässt ausserdem den Torfscliatz und den zur land- wirthschaftlichen Kultur verwendbaren Untergrund für günsti- gere Zeiten unangetastet. 3) Die Brennkultur ist unter den gegenwärtigen Ver- hältnissen ohne völligen Ruin der Moorbauern nicht zu be- seitigen, dagegen ist es ein dringendes Bedürfniss, auf deren allmählige Beseitigung durch Mittel hinzuwirken, welche den Betheiligten eine bessere und einträglichere Wirllischaft wie- dergeben. Diese Mittel sind: Beförderung der Düngkultur und Regulirung und Erweiterung des Torfstichs. Bodenbearbeitung. 225 Die Bedingungen, unter denen die hannoverschen Moor- kolonien angelegt sind, bescliränken die Besitzer in dem vol- len Eigenthums- oder Verfügungsrechte über ihre Mooräcker, indem sie diese im Winter zur allgemeinen Weide liegen lassen müssen und folglich auf denselben weder Winterfrüchte bauen noch eine geregelte Düngkultur einführen können. Die Brenn- kultur bildet also die einzig mögliche Kulturmcthodc unter diesen Verhältnissen. Dieselbe gewährt aber nur für eine ge- wisse Reihe von Jahren gute Erträge, sie muss daher auf immer grössere Flächen ausgedehnt, resp. für das ausgebrannte und zur Ruhe abgegebene Moorland immer neues wieder zugenommen werden. Unter den angegebenen Verhältnissen] kann auf den Hochmooren nur ßuchweizenbau getrieben werden, der höchst unsicher in seinen Erträgen ist. An vielen Orten ist das Moorbrennen mit gutem Erfolge durch die Anwendung käuflicher Düngemittel, wie Kalk, Guano etc. ersetzt worden, die Erfahrung hat jedoch gelehrt, dass diese einseitigen Düugestoffe keine dauernde Wirkung haben und deshalb ohne Zugabe von animalischen Stoffen nicht wiederholt zur Anwendung kommen können. Ein wesent- liches Hinderniss für die Einführung einer geregelten Bewirthschaftung in den Moorkolonien bilden die darauf lastenden Servitute und der Man- gel an ausreichenden Entwässerungsanlagen und fahrbaren Wegen in den Mooren. — Um die grosse Bedeutung der Frage über die Brennkultur anschaulich zu machen, theilt der Verfasser mit, dass in den fünf hanno- verschen Amtsbezirken Neuenhaus, Haselünne, Meppen, Hümmling und Aschendorf etwa 14 Quadratmeilen sich in Brennkultur befinden. Die benachbarten Moorbezirke in Ostfriesland, Holland und Oldenburg veran- schlagt er auf etwa 40 Quadratmeilen. Ebenso wird auch in den Bremen- schen und Lüneburgischen Mooren die Brennkultur zur Zeit noch in aus- gedehntem Massstabe betrieben. Ueber das Behacken der Drillsaaten, von Krämer.*) i^^eber das — Der Verfasser betrachtet das Behacken der Drillsaalen nicht ^^^ p^j° als eine Konsequenz der Drillkultur, er nimmt vielmehr an, saaten. dass unter unscrn Verhältnissen in der Mehrzahl der Fälle eine engere Stellung der Reihen des Getreides ohne Behackung vor einer weiteren, Szölligen und darüber, mit vollständiger Zwischenbearbeitung entschieden den Vorzug verdient. Da in *) Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins im Grossherzogthum Hessen. 1866. Jahresbericht. IX 25 226 - Bodenbearbeitung. Deutschland unter dem Wechsel zwischen strengen und lang- andauernden Wintern und heissen Sommern die eigentliche Vegetationszeit sehr abgekürzt ist, und in Folge dessen nicht allein in den Bestellungsperioden die Arbeiten sich ohnehin sehr drängen, sondern auch die Saaten vcrhältnissmässig schnell in die Höhe gehen, so ist hier eine so umfangreiche Anwen- dung der Hacke für Getreide wie in England nicht ausführbar. Der Erfolg aber ist unbedingt günstiger, wenn von vorneherein durch engere Stellung'; der Reihen auf die Behackung verzichtet wird, als wenn bei weiterer Stellung der Reihen die Zwischen- bearbeitung unterbleibt. Krämer erachtet die Vorzüge der Drillsaat an sich für gross genug, um dieselbe durch- aus lohnend zu machen, selbst wenn von der Bearbeitung der Drillreihen Abstand genommen werden muss. üeber die üeber die Wiesenbaumethode von Petersen liegen jQeth^^g ^"„zahlreiche Aeusserungen vor, aus denen wir nachstehend das Petergen. Wichtigste referiren. Oek.-Rath Vincent^) macht gegen die Methode geltend, dass dieselbe nur eine vorübergehende An- feuchtung des Bodens bewirken könne, eine längere Zeit an- dauernde Wässerung damit aber schädlich wirken werde. In- dem der Verfasser dem Aufsteigen des Wassers in den auf- recht stehenden offenen Röhren eine besondere Wichtigkeit beilegt, weist er nach, dass hierbei auch das Wasser des Sammel- drains gestaut und dadurch zu den Stossfugen der Röhren her- ausgepresst werden müsse. Die höhere Lage des Wasserspiegels werde bewirken, dass trotz des überlaufenden Rieselwassers das Wasser im Boden von unten in die Höhe quelle. Der Einfluss einer solchen Bewässerung lasse sich an der Wirkiing bemessen, welche das natürlich auftretende quellende Grund- wasser auf den Graswuchs ausübe. Sei dies arm an Pflanzen- nährstoffen, wohl gar sehr eisenhaltig und der Boden sauer, so erzeuge das quellende Wasser einen üppigen Mooswuchs u. dergl. m. Das aus den Saugdrains der Petersen' sehen Einrichtungen in die Höhe quellende Wasser besitze aber wenig Nährstoffe, dagegen werde es stets kohlensaures Eisen- oxydul und schädlich auf den Graswuchs einwirkende Säuren *) Annalen der Landwirthschaft. Wochenblatt. 1866. S. 277. Bodenbearbeitung. 227 enthalten. Petersen sehe auch selbst das Wesentlicliu meiner Kultur nicht in der Wässerung, sondern in der Bearbeitung und Düngung des Wiesenbodens vor der neuen Ansaat. — Tons Saint*) wendet dagegen ein', dass die Wässerung von unten nur in bestimmten Fällen: bei frisch angesäeten Wiesen oder Mangel an Wasser angewandt werde, dagegen in allen anderen Fällen bei ausreichender Wassermenge und bereits gut bewachsenen Wiesen in ganz derselben Weise gewässert werde", wie bei der Berieselung eines Hangbaues von oben, zugleich werde durch die P et er sen'schen Einrichtungen eine Wechselwirkung der Luft und des Wassers im Boden bewirkt, die jedenfalls dem Gedeihen der Pflanzen höchst erspriesslich sein müsse. Die Stauapparate hätten weniger den Zweck, ein Anstauen des Wassers nach oben als eine vollkommene Unthätigkeit der Drainage während der Berieselung zu be- wirken. Zur Zuleitung des Rieselwassers würden die Drains nur bei ganz speziellen Terrainverhältnissen benutzt, wo eing oberirdische Berieselung möglich sei, könne dieselbe auch bei den Petersen'schen Anlagen benutzt werden. — Einem Berichte des Herrn H. Heuze-Weichnitz**) entnehmen wir, dass eine nach der Petersen'schen Methode ausgeführte Wiesenanlage von 3,5 Morgen Grösse auf 131 Thlr. 25 Sgr. zu stehen kam, die Kosten der Düngung nicht eingerechnet. Diese betrug für die 3| Morgen 87 Fuhren guten Stallmists, 35 Ztr. Kali- salz und 26 Ztr. Backerguanosuperphosphat. Die darnach im Mai und Juni mit verschiedenen Gräsern und Kleearten an- gesäete Wiese lieferte im ersten Jahre schon drei Schnitte Heu von vorzüglicher Beschaffenheit. Die Analyse des Heues siehe unter „Zusammensetzung von Futter- stoflFen." — Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass der Düngung und Be- arbeitung des Bodens eine wesentliche Mitwirkung bei dem Petersen'- schen Verfahren des Wiesenbaues zuzuschreiben ist. Im Uebrigen sind die Mittheilungen über diese Methode, „die den Verhältnissen angepasst wird," vielfach unklar und widersprechend, so dass es schwer ist, das Wesentliche der Methode zu eruiren. — Zur Vergleichung verweisen wir auf die früheren Mittheilungen in den Jahresberichten für 1864 und 1865. *) Der schlesische Landwirth. 1866 S. 160. **) Ibidem. S. 271. 15* 228 Bückblick. Nachstehende Veröffentlichungen, deren Wiedergabe den Raum un- seres Jahresberichts überschreiten würde, verdienen noch einer Er- wähnung : Die Tiefkultur und ihre günstigen Erfolge in trockenen Jahrgängen, von M. Wagner, i) Zur Ackergahre, von T. Hagedorn. 2) Das Aufsaugungs- und Verdichtungsvermögen der Ackerkrume, seine Bedeutung für die Bodenproduktion und die Mittel und Wege der erhöh- ten Ausnutzung dieser Bodenkraft, von v. Eosenberg-Lipinski. 3) Studien über Bodenkultur, von H. Her da n.') British tillage. ^) In dem vorstehenden Abschnitte unseres Berichtes haben wir zu- nächst die Ergebnisse eines Versuchs von Hartstein über das Lois-Wee- don-System des Ackerbaues mitgetheilt. Bei diesem hat sich herausge- stellt, dass die von Mr. Smith, dem Erfinder dieser Kulturmethode, an- gegebene sorgsame Bearbeitung des Bodens durch Brache- resp. Zwischen- arbeiten keinesweges ausreichend ist zur fortdauernden Erzielung reicher Weizenernten. Die zur Vergleichung dienende Parzelle, welche keine be- sondere Bearbeitung erfuhr, sondern sogleich nach dem Abernten von neuem mit Weizen bestellt wurde, lieferte im Durchschnitt der zwölf Ver- suchsjahre 14 Metzen Weizen mehr, als das nach der Lois-Weedon-Me- thode behandelte Land, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass bei die- sem nur die Hälfte der Ackerfläche in jedem Jahre Frucht trug, die an- dere Hälfte aber zur Brachebearbeitung diente, während bei dem in ge- wöhnlicher Weise bestellten Lande die Drillreihen enger gestellt waren und stets die ganze Ackerfläche einnahmen. Aus der sehr bald eintreten- den bedeutenden Verminderung der Erträge lässt sich schliessen, dass selbst bei anfänglich reicher Bodeubeschaffenheit die sorgfältige Boden- kultur ohne Unterstützung durch Düngung genügende Weizenernten auf die Dauer nicht zu gewähren im Stande ist, mindestens nicht unter den in Deutschland gegebenen klimatischen Verhältnissen, — Rimpau-Cunrau hat die Kultur des Moorbodens besprochen und dafür drei verschiedene Methoden in Vorschlag gebracht: nämlich die Kultur durch Brennen des Bodens, durch Rajolen und durch Aufwerfen von Dämmen. Der geringen Kosten halber, welche sie verursacht, und wegen der Einfachheit ihrer Ausführung hat die Brennkultur in Moorgegenden bis jetzt den meisten Eingang gefunden, doch bewirken die beiden anderen Methoden eine weit durchgreifendere und nachhaltigere Melioration. Die Rajolkultur eignet sich besonders für flachhegende Moorschichten, dagegen die Dammkultur 1) Wochenblatt für Forst- und Landwirthschaft. 1866. S. 149. 2) Neue landwirthschaftliche Zeitung. 1866. S, 441. 3) Der schlesische Landwirth. 1866. S. 269. 4) Schlesische landwirthschaftliche Zeitung. 1866. S. 129. 5) Mark Lane Express. Bd. 35. No. 1782. Literatur. 229 für Moore von grösserer Mächtigkeit. Stets raiiss die Entwässerung des Bodens der Melioration vorausgehen, und eine ausreichende Düngung darf nicht verabsäumt werden, wenn der Boden seine Fruchtbarkeit nachhaltig konserviren soll. — Die präsumirten nachtheiligen Einflüsse des Moor- brenuens auf die klimatischen Verhältnisse hat Rüssel auf ihr richtiges Mass zurückzufüheen versucht, früher schon haben Prestel und Weber einen Einfluss des Moorbrenneus auf die Gewitterbildung und die meteo- rischen Niederschläge entschieden in Abrede gestellt, der Verfasser ist jedoch geneigt, einen derartigen Einfluss für die nächste Umgebung der Moorgegenden anzuerkennen, dagegen hält er die behauptete Gesundheits- schädlichkeit der Brennkultur